April 19, 2026

Wandelt in Christus – Teil 1

Serie:
Passage: Kolosser 2:6-7

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Möge der Name des Herrn Jesus Christus verherrlicht werden. Schlagen wir auf den Kolosserbrief, Kapitel 2, und lasst uns lesen die Verse 6 bis 7. Kolosserbrief, Kapitel 2, die Verse 6 bis 7: „Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm. Gewurzelt und auferbaut in ihm und gefestigt im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, indem ihr überreich seid in Danksagung.“

Lasst uns beten. Unser Vater im Himmel, ich möchte dir Dank sagen. Ich möchte dir Dank sagen für deinen Sohn, Jesus Christus. Er, der hineingegangen ist in das himmlische Heiligtum; er, durch dessen Opfer der Vorhang zerrissen ist und wir freimütigen Zugang zu deinem Thron haben dürfen. Vater, ich preise dich dafür und ich bete dich an, dass dein Sohn unser Hohepriester ist, der nicht nur selbst schuldlos und sündenlos war, der nicht Tiere wie Schafe oder Böcke oder Stiere geopfert hat, sondern er hat sich selbst dargebracht als ein für dich wohlgefälliges Opfer für die Sünden derer, die an ihn glauben.

Er selbst und sein Blut selbst hat Sühnung vollbracht, deinen heiligen Zorn zufriedengestellt, den du auf uns Sünder hattest, sodass du uns für gerecht erklären kannst durch den Glauben an sein Blut. Ich bete dich an für deinen Sohn, der uns geschenkt worden ist. Nicht nur hast du ihn auf diese Erde gesandt, um uns zu erlösen, um uns loszukaufen von der Macht der Sünde und des Todes. Du hast ihn uns gegeben in einer lebendigen Beziehung und Vereinigung mit ihm, sodass wir heute in Christus sind, vereint in ihm, er in uns und wir in ihm.

Was für eine Gnade und was für ein Privileg ist das, Vater. Ich bitte dich darum, dass du uns heute in dieser Zeit der Verkündigung deines Wortes segnen mögest. Dass du diese Zeit führen mögest, sodass dein Sohn groß gemacht wird, sodass wir verstehen mögen, was es bedeutet, in Christus Jesus, dem Herrn, zu wandeln. Öffne die Ohren und auch die Herzen der Zuhörer, Vater, sodass dein mächtiges Wort wirken kann. Gebrauche mich als Werkzeug, um deine Botschaft an dein Volk weiterzugeben. Ich bitte dich, Vater, verherrliche dich in dieser Stunde, im Namen Jesu Christi. Amen. Amen.

Setzt euch denen. Is die Bibel, die wir in unseren Händen halten, das Wort Gottes, diese 66 Bücher, die uns Gott als seine Offenbarung geschenkt hat? Sie ist wirklich ein einzigartiges Buch. Wenn wir uns vorstellen würden oder uns selbst denken würden, was für ein Buch Gott den Menschen offenbaren möge, dann hätten wir vielleicht daran gedacht, dass Gott uns ein Buch in der Form einer Art Gebrauchsanweisung gibt. Wie ein Schritt-für-Schritt-Plan und Schritt-für-Schritt-Anweisungen, wie man als Geschöpf oder wie man als Gläubiger zu leben hat.

Eine ellenlange To-do-Liste, wo ganz detailliert und ganz genau erklärt wird, wann und wie ich mich zu verhalten habe, sodass ich von dem Moment an, wo ich morgens aufstehe, bereits weiß und verstehe und ganz konkret weiß, was ich denn tun soll. Ich soll das tun und das nicht tun. A Liste mit Do’s and Don’ts. Tu dies, tu nicht das.

Stattdessen hat uns Gott ein einzigartiges Buch geschenkt. Ein Buch mit verschiedenen Kategorien von Literatur. Ja, wir haben historische Narrative, wir haben Poesie, wir haben Prophetie, wir haben Briefe, wir haben apokalyptische Literatur. Ein einzigartiges Buch, was eben nicht einfach wie eine reine Gebrauchsanweisung oder To-do-Liste ist.

Manchmal geht es uns in unserem Leben aber so; manchmal wünschten wir uns so eine To-do-Liste. Eine konkrete Liste von Anweisungen, wie wir uns zu verhalten haben. Wenn es zum Beispiel darum geht, Entscheidungen für unser Leben zu treffen – welchen Karrierepfad wir einschlagen oder wenn es darum gehen würde, wen wir heiraten sollen oder solche Fragen –, dann wünschen wir uns vielleicht manchmal einen konkreteren Plan. Ja, eine Schrift in den Himmel, die genau uns sagen würde: „Genau diesen Karrierepfad sollst du wählen.“

Manchmal sind wir in Situationen oder Umständen, wo wir nicht genau wissen, was jetzt richtig ist, was jetzt korrekt wäre. Und dann wünschen wir uns vielleicht manchmal konkretere Anweisungen. Dann wünschen wir uns vielleicht mal eine To-Do-Liste: „Ja, tu das“, das ist klar, dann weiß ich genau, was ich zu tun habe. Vielleicht sind uns manchmal die Anweisungen in der Schrift zu vage, zu allgemein.

Schauen wir in den heutigen Text; dort heißt sie: Anweisung „Wandelt in Christus“. Das ist eine gute Anweisung. Wenn wir jetzt vielleicht etwas ironisch oder vielleicht sogar sarkastisch denken würden: „Danke, Paulus. Ich weiß, was zu tun ist. Ich soll in Christus wandeln.“ Aber was heißt das nun? Was soll ich damit konkret heute und jetzt anfangen, wenn Paulus mir in diesem Brief, in diesen Versen den Befehl gibt: „Wandel in Christus“? Was genau soll ich tun?

Und das ist ja nicht nur im Kolosserbrief so. Das sehen wir ganz oft in der ganzen Schrift, vor allem in den Schriften des Paulus: diese Befehle, diese Aufforderungen, die im ersten Moment sehr vage zu sein scheint. Im Epheser, Kapitel 4, heißt es: „Wandelt würdig der Berufung, mit der ihr berufen worden seid.“ Das klingt schön, aber was heißt das jetzt? Was soll ich tun? Nicht nur das, wir sehen es auch in anderen Briefen des Apostels Paulus, wo er ganz oft eben im ersten Teil seiner Briefe Lehre weitergibt und Lehre, ja, die Adressaten belehrt, und dann kommt so etwas wie: „Wandelt entsprechend dieser Lehre, lebt entsprechend dieser Lehre.“ Wir haben heute Galater, Kapitel 5, in der Lesung des Neuen Testaments gehabt: „Wandelt im Geist.“ Was bedeutet das? Wieso kann Paulus nicht konkreter sein?

Nun, wir wissen, natürlich ist Paulus konkreter, wenn wir zum Beispiel die späteren Kapitel, Kolosser, Kapitel 3 und 4, anschauen. Wir haben heute gelesen in Galater, Kapitel 5; dann kommt eine ganze Liste mit Werken des Fleisches, die dort gelistet sind, und auch Früchten oder der Frucht des Geistes, die dort gelistet ist. Also natürlich wird die Schrift konkreter, wenn es um Aufforderungen geht. Trotzdem sehen wir immer wieder diese scheinbar vagen Befehle: „Wandelt in Christus“, „Wandelt im Geist“. Jesus sagt in den Evangelien: „Bleibt in mir.“

Und genau mit so einem Befehl möchten wir uns ja in unserem heutigen Text beschäftigen. Der Titel der Predigt heißt: „Wandelt in Christus“. Denn das ist die Hauptaussage dieses Textes. Es ist der Befehl in Christus, was die Merkmale eines Wandels in Christus sind. And we wollen sehen, and so die Bibel an vielen Stellen vielleicht erst einmal vage erscheint, obwohl sie es eigentlich gar nicht. Und das ist etwas, was wir lernen werden, auch an dieses Textes und im Laufe des Kolosserbriefes, was das Christentum, was die Bibel einzigartig macht: dass sie eben nicht eine reine Liste mit „Tu das“ und „Tu das nicht“ ist. Dass sie nicht eine reine To-Do-Liste ist, sondern dass sie – und damit der christliche Wandel – eine einzigartige und lebendige Beziehung mit Gott ist, die ausgelebt wird.

Dass unser Wandel mehr ist als das Nichttun von Verboten und das Tun von Geboten. Der Wandel des Christen ist so viel mehr als reine Gesetzlichkeit, kalter Gehorsam. Der Wandel des Gläubigen ist ein Wandel in Christus. Ein Wandel in Einheit und in der Einheit mit Christus Jesus, dem Herrn. Und genau das werden wir heute sehen, wenn wir diesen Text anschauen unter dem Titel: „Wandelt in Christus“.

In der Gemeinde in Kolosse, um etwas Hintergrund nochmal uns wieder aufzufrischen, schleicht sich eine gefährliche Irrlehrer ein. Ja, wie die Stadt Kolosse befindet sich in Phrygien in einem Tal, das Lykos genannt wird, und in diesem Tal befinden sich drei wichtige Städte beziehungsweise in diesen Städten sind auch drei Gemeinden: Colosse, Laudicea und Chirapolis.

Und in diese Gegend von Phrygien, und damit auch in diesen Gemeinden und auch in Kolosse, schleicht sich eine gefährliche Irrlehre ein – eine Mischung aus heidnischer Philosophie, also aus griechischer Philosophie der damaligen Zeit, und jüdischer Gesetzlichkeit. Es ist eine sogenannte, man könnte es eine Prägnosis nennen. Gnosis ist eine Irrlehre, die sich richtig erst im zweiten Jahrhundert sich aufgekommen ist. Aber das ist quasi eine frühe Form dieser Irrlehre, die im Grunde aussagt, dass Jesus nicht ausreichend ist für Heil und Gottseligkeit.

Laut dieser Irrlehre sei Jesus nicht Gott. Er ist nicht Gottes Sohn, sondern er ist eine Art göttliches oder göttlich angehauchtes, niedriger Wesen, eher auf der Ebene von Engeln und da sogar eher auf einer niedrigeren Ebene. Und das Werk von Jesu ist nicht genug, um einen Menschen zu retten, beziehungsweise es ist auch nicht genug, um ein geistliches Leben, ein gottesfürchtiges Leben zu führen. Sondern man müsse sich an jüdische zeremonielle Gesetze halten.

Wir werden im Laufe dieses Kapitels 2 darauf eingehen, wo es heißt, dass die Leute über die Beschneidung reden. Sie reden darüber, dass man die Sabbatte halten muss und die Speisegesetze noch halten muss, dass man sich von Dingen enthalten muss, die eigentlich erlaubt sind. Nicht nur das, man muss Engels Engel anbeten. Ja, das kommt auch hier später in Kapitel 2. Man muss Engel anbeten, um eine Art mystische Geistlichkeit zu erreichen, eine höhere Stufe der Gottesfurcht, die eben nur durch diese quasi selbst enthaltsame, asketische Lebensweise zu erreichen ist und durch Visionen und Engelsanbetungen.

Aus Sorge um die Gemeinden in Phrygien, in denen sich diese Irrlehre einschleicht, hat sich Epafras, der vermutlich zumindest die Gemeinde in Kolosse gegründet hat – vielleicht auch wahrscheinlich involviert war in den anderen Gemeinden in dieser Gegend –, hat Epaphras den weiten Weg auf sich genommen nach Rom, wo sich Paulus in seiner Gefangenschaft befindet, um Paulus von den Gemeinden zu berichten. Dieser Brief ist Paulus’ Antwort auf diesen Bericht von Epaphras.

Nach seinen einleitenden Worten in den ersten beiden Versen schildert der Apostel Paulus den Kolossern sein Gebet, sowohl seinen Dank als auch seine Fürbitte in Kapitel 1, den Versen 3 bis 14. Und im Zuge dieses Gebetes belehrt der Apostel Paulus die Kolosser über die absolute Erhabenheit von Jesus Christus, seiner Person und seines Versöhnungswerkes, in den Versen 15 bis 23 von Kapitel 1 – im Kontrast zu dieser Irrlehre, die ja Jesus erniedrigt und als ein niedrigeres Wesen darstellt, als er es ist.

Danach beschreibt er ab Kapitel 1, Vers 24, bis Kapitel 2, Vers 5 – womit wir uns vergangene Woche beschäftigt haben – beschreibt der Apostel Paulus seinen Dienst: einen Dienst für die Gemeinde, einen Dienst der Verkündigung dieses erhabenen Christus, seiner Leiden, der Botschaft, der Ziel seiner Leiden und seines Botschafts, seiner Sorge für die Gemeinden, den Kampf, den er hat. Damit haben wir uns insbesondere vergangene Woche beschäftigt.

Das Ziel seines Kampfes ist, dass die Kolosse und die Gemeinden, die er nicht gesehen hat, getröstet werden, gestärkt werden, vereinigt in Liebe sein mögen und noch fester und noch sicherer in dem Geheimnis Gottes werden, nämlich Christus Jesus; er selbst ist das Geheimnis Gottes. In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen.

Paulus – trotz dieser heidnischen Philosophie, die ständig nach etwas Neuem sucht, ständig nach mystischer Erkenntnis sucht, die außerhalb von Christus ist. Ja, Paulus sagt in dem Korintherbrief: „Die Nationen streben nach Weisheit.“ Paulus sagt: „In Christus sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis.“ Diesen Gemeinden, die Paulus noch nie gesehen haben, möchte Paulus durch die Beschreibung seines Dienstes bestätigen und Gewissheit schenken in dem Evangelium und in dem Christus, den sie empfangen haben von Epaphras. Paulus sagt, er ist der Inhalt und das Ziel meiner Verkündigung.

Er sagt, und das haben wir in der vergangenen Woche gesehen: „Lasst euch von niemandem verführen.“ Lasst euch von niemandem verführen, der euch etwas anderes gibt als Christus; der euch woanders hinbringen will als Christus. Und vor einigen Wochen hatten wir das Zitat von Calvin, der gesagt hat: „Wenn uns daher jemand irgendwo anders als zu Christus rufen will, so ist er leer und voller Wind. Lasst uns ihm deshalb ohne Bedenken Leberwohl sagen.“

Das haben wir uns bisher in diesem Brief angeschaut, und jetzt beginnen wir uns langsam – oder jetzt kommen wir langsam – zum Herzen dieses Briefes: dort, wo Paulus konkret diese Irrlehren, die sich in Kolosse befinden, attackiert. Wir werden insbesondere dann ab den Versen 8 sehen: Er redet über die Philosophie, leeren Betrug nach der Überlieferung der Menschen. Er redet danach darüber: über Speise, Trank, Feste, Neumonde und Sabbat, die ein Schatten der künftigen Dinge sind. Er redet über den falschen Gottesdienst dieser Irrlehrer, dieser gesetzlichen und Irrlehrer.

Wir kommen langsam zu diesem Abschnitt, aber bevor Paulus das tut – also konkret diese Irrlehren aufgreift und sie widerlegt und ihnen, den Kolossern, die Wahrheit erklärt –, gibt er uns hier in den Versen 6 bis 7 die allgemeine Anweisung dafür, wie unser Wandel sein soll. Im Lichte dieses erhabenen und genugsamen Jesus, den er uns im ersten Kapitel so präsentiert hat: Wie soll ich leben? Wie soll mein Wandel sein im Lichte der Genugsamkeit dieses Jesus? Im Lichte, dass dieser Christus das Geheimnis Gottes ist, in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind – was soll meine Antwort auf diese Wahrheit und diese Realität sein?

Und während in den Kapiteln 3 bis 4 sehr konkret auf den Wandel eingegangen wird – ja, es geht um unsere Beziehung innerhalb der Gemeinde, die Beziehung innerhalb der Ehe, zwischen Eltern und Kindern, zwischen, ähm, zwischen Herren und Sklaven, also wenn wir das in die heutige Zeit anwenden, zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern; es geht ums Gebet und all diese konkreteren Anweisungen –, ist hier in den Versen 6 bis 7 das fundamentale Prinzip darüber, was unseren Wandel ausmachen soll, beschrieben.

Und ich sage euch, man liest das vielleicht und denkt sich: „Ja, Kapitel 3 und 4 sind wichtig, weil da kommen wir ja zur Praxis. Da kommen wir ja dazu, wie ich in meiner Ehe, wie ich in meiner Familie, wie ich in der Gemeinde, wie ich in der Arbeit mich verhalten soll.“ Ja, das ist wichtig. Aber ohne Verse 6 bis 7, ohne dieses fundamentale Prinzip in den Versen 6 bis 7, könnten Kapitel 3 und 4 schnell in leere Gesetzlichkeit fallen; könnten die Anweisungen, die wir später, diese konkreten Anweisungen, die wir dort vorfinden, sehr schnell in kalten Gehorsam fallen.

Ihr müsst euch denken, Paulus hätte den Brief hier einfach in Kapitel 3 anfangen sollen, wenn es nur um To-Do-Liste geht, wenn es nur um kalten Gehorsam geht. Nein, er hat mit zwei Kapiteln vorher angefangen. Paulus hat den Römerbrief bei Kapitel 12 anfangen können, wenn es nur darum geht, wie ich praktisch leben soll. Nein, er hat uns elf Kapitel lang uns mit Lehre – uns Lehre geschenkt, bevor er zur Praxis gekommen ist. Und so ist es auch hier im Kolosserbrief, im Epheserbrief: Drei Kapitel lang wird die Berufung beschrieben, nach D, und danach wird in 4 bis 6 beschrieben, wie wir dieser Berufung würdig wandeln sollen.

Und genauso ist es hier, wenn wir sehen: Diese Verse 6 bis 7, diesen – was ist das fundamentale Prinzip, das den Wandel eines Gläubigen ausmachen soll? Es ist der: Wandelt in Christus! Und ohne dieses Prinzip, ohne dass wir diese Verse 6 bis 7 richtig verstehen, besteht viel Gefahr, auf falsche Abwege zu kommen, wenn es um unseren Wandel geht. Auf der einen Seite gibt es die Gefahr der Gesetzlichkeit, dass wir wie die Pharisäer einfach nur kalten, selbst auferlegten Regeln folgen, ohne eine Beziehung und ohne Liebe für den Herrn.

Auf der anderen Seite gibt es Gesetzlosigkeit, dass wir einfach leben, wie wir wollen, weil wir sind ja gerettet, gläubig. Wir sind – unsere Höllenstrafe ist bezahlt – ich kann leben, wie ich will. Das sind die beiden Extreme.

Und dieses Prinzip, was wir hier in den Versen 6 bis 7 lesen, ist genau dieses Prinzip, was wir überall im Neuen Testament finden und was uns davor bewahrt, in das eine oder andere Extrem zu fallen. Es wird uns davor bewahren, in die Gesetzlosigkeit zu fallen, einfach zu leben, wie wir es wollen. Aber es wird uns auch bewahren, in Gesetzlichkeit zu fallen, wie die Pharisäer: kalte, Menschen auferlegte Regeln und Geboten zu folgen.

Und wir sehen, hier in diesem Abschnitt befiehlt Paulus dem Gläubigen, in Christo zu wandeln, und schildert uns drei Merkmale dieses Wandels. Wir möchten uns drei Merkmale dieses Wandels anschauen. Beginnen wir bei erstens: Wandle in Christus gegründet. Wandele in Christus gegründet.

Lasst uns beginnen, Vers 6. 1. Wandel in Christus gegründet: „Wie ihr nun Christus Jesus den Herrn empfangen habt, so wandelt in ihm.“ Hier haben wir dieses allgemeine Prinzip, und wir werden uns lange hier mit Vers 6 beschäftigen. Es wirkt auf der Oberfläche sehr simpel: Wie ihr den Christus den Herrn empfangen habt, so wandelt in ihm.

Wenn wir uns diesen ersten Teil anschauen: „Wie ihr nun den Christus Jesus den Herrn empfangen habt.“ Das Wort „empfangen“ wird in der Schrift im Neuen Testament auch übersetzt mit „annehmen“ oder „aufnehmen“. Es wird auch im Zusammenhang damit verwendet, dass man, wenn man dem Evangelium glaubt – beziehungsweise es wird oft auch mit dem Zusammenhang verwendet, wenn Lehre oder Offenbarung angenommen wird, akzeptiert wird – wird dieses Wort in diesem Zusammenhang verwendet.

Zum Beispiel in 1. Korinther Kapitel 11, Vers 23 heißt es, dort sagt der Apostel Paulus: „Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich auch euch überliefert habe, dass der Herr Jesus in der Nacht, in der er überliefert wurde, Brot nahm“ und so weiter. Also Paulus hat vom Herrn empfangen, was er den Gemeinden überliefert hat. Also Paulus hat vom Herrn die Offenbarung und die Lehre über das letzte Mal, das der Herr Jesus mit seinen Jungen gehabt hat und damit quasi diese Ordination des Herrnmals eingerichtet hat. Paulus hat vom Herrn Jesus diese Offenbarung anders empfangen und hat sie dann den Gemeinden weitergegeben. So wird dieses Wort zum Beispiel verwendet.

Es wird aber auch verwendet, um zu beschreiben, wie wir an das Evangelium glauben. In 1. Korinther Kapitel 15, Vers 1, sagt der Apostel Paulus: „Ich tue euch aber, Brüder, das Evangelium kund, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch steht.“ Paulus sagt hier, ihr habt das Evangelium angenommen. Hier ist dasselbe Wort: angenommen, empfangen, aufgenommen. Was gleichbedeutend damit ist: Ihr habt das Evangelium geglaubt.

Wenn es also heißt: „Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt“, dann geht es um das „Wie“, also die Art und Weise, wie wir zum Glauben gekommen sind. Es geht darum, wie wir errettet worden sind und die Wahrheit des Evangeliums, die Lehre des Evangeliums und die Lehre von Jesus Christus geglaubt haben, angenommen haben, aufgenommen haben.

Und wie ist das? Wie haben wir den Herrn Jesus angenommen? Das Wort „empfangen“ beschreibt uns neben dieser Bedeutung des Aufnehmens, Glaubens, Empfangens – beschreibt dieses Wort ein Empfangen oder das Annehmen einer Person oder einer Sache. Ich empfange eine Person, ich nehme eine Person auf, beziehungsweise ich empfange eine Sache, wie zum Beispiel eine Lehre, ich nehme eine Lehre auf. Das Wort empfangen zeigt uns hier auch, es handelt sich um ein Geschenk, das wir annehmen, das wir empfangen. Es ist nicht etwas, wofür wir gearbeitet haben und wir es uns verdienen durch unsere Werke, sondern es ist ein Geschenk, das wir mit leeren Händen empfangen.

Römer Kapitel 3, 23 und 24 sagt uns: „Denn alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist.“

Alle haben gesündigt, es ist kein Unterschied. Alle mangeln der Herrlichkeit Gottes und werden dann umsonst – nicht gegen einen Austausch, nicht durch Bezahlung, nicht durch die eigenen Werke, durch gute Werke, die die schlechten Werke ausbalancieren oder überwiegen – umsonst. Umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist.

Wie haben wir den Herrn empfangen? In dem Wort „empfangen“ steckt selbst das Evangelium bereits drinnen, dass wir etwas mit leeren Händen empfangen haben. Wir haben Christus Jesus empfangen, nicht durch unsere eigenen Werke, durch unseren Verdienst. Nein, es ist Gnade. Umsonst haben wir empfangen, umsonst haben wir genommen. Es ist ein Geschenk, das uns in die Hände, in leere Hände gegeben worden ist.

Wie haben wir empfangen? Was haben wir empfangen? Es ist das Evangelium von Jesus Christus. Es ist die Botschaft von einem heiligen und gerechten Gott. Es ist die Botschaft davon, die sagt, dass jeder Mensch Sünder ist, ein Übertreter der Gebote Gottes. Jeder Mensch liebt und betet Götzen an, die er sich selbst gemacht hat, statt Gott anzubeten. Ohne Unterschied verdient jeder Mensch den heiligen und gerechten Zorn Gottes, die ewige Verdammnis in der Hölle, weil Gott Sünde hasst. Und es gibt keine Hoffnung für den Menschen. Keine Hoffnung, sich selbst zu retten oder sich selbst mit guten Werken vor Gott verteidigen zu können.

Gott aber, in seiner unermesslich großen Gnade, hat seinen Sohn in diese Welt gesandt, damit er an der Stelle von Sündern ein gerechtes und vollkommenes Leben führt, an ihrer Stelle die Schuld auf sich nimmt am Kreuz und das Gericht, das auf die hätte kommen sollen, die an ihn glauben, auf sich genommen hat. Es ist die Botschaft von diesem Jesus, der am Kreuz gestorben ist, begraben wurde, aber auferstanden ist und damit Tod, Sünde und Teufel besiegt hat. Es ist die Botschaft des Christus, der in den Himmel aufgefahren ist, von woher er eines Tages wiederkommen wird, um die Seinen zu sich zu sammeln und sein Reich aufzurichten.

Das ist der Christus, den man empfangen hat. Das ist die Botschaft. Jeder, der diesen Jesus und damit diese Botschaft aufnimmt, jeder, der diesen Jesus und das Geschenk der Heils mit leeren Händen annimmt und darauf glaubt, der wird von Gott für gerecht erklärt werden, und ihm werden die Sünden vergeben. Das ist es, was wir empfangen haben.

Und ihr werdet im Laufe der Predigt sehen, wieso ich mir die Zeit genommen habe, das uns nochmal anzuschauen und auch das nochmal uns vor Augen zu führen: Wie ihr Christus Jesus empfangen habt, so wandelt in Christus. Damit wir das „so wandelt in Christus“ verstehen können, müssen wir das „wie ihr den Christus empfangen habt“ richtig verstehen. Und wie wir Christus empfangen haben: Es geht darum, wie wir ihm geglaubt haben, wie wir das Evangelium aufgenommen haben. Aber eben nicht nur einfach nehmen wir eine abstrakte Anreihung von Prinzipien oder Wahrheiten auf, sondern wir nehmen eine Person auf: Jesus Christus, den Herrn.

Ähnlich wie wir vor einigen Wochen hatten: Wir verkündigen Christus. Wir verkündigen nicht nur Argumente für das Christentum oder historische Fakten oder historische Narrative; wir verkündigen die Person Jesu Christi. Damit haben wir uns die vergangenen Wochen beschäftigt. So ist das auch heute. Wir empfangen nicht nur eine abstrakte Wahrheit oder eine Anreihung von historischen Fakten, nein, wir empfangen eine Person. Der Gläubige nimmt die Person Jesu Christi auf. Wir werden – wir bekommen ihn. Wir, das Geschenk, das Gott uns gibt – natürlich Vergebung der Sünden, ewiges Leben und all diese Dinge – aber das größte Geschenk von allen ist Christus selbst. Wir empfangen Christus. Dieses selbe Wort „empfangen“ wird auch in Johannes Kapitel 1 verwendet, Verse 11 und 12.

Johannes Kapitel 1, 11 und 12: „Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an.“ Hier haben wir das „nahmen ihn nicht an“. „So viele ihn aber aufnahmen“ – Aufnahmen hier ist nicht exakt dasselbe Wort, aber es hat dieselbe Wurzel – „so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“ Hier haben wir auch den Parallelismus: Christus aufzunehmen ist gleichbedeutend damit, ist parallel dazu, seinem Namen zu glauben. Wer Christus aufnimmt, glaubt an seinen Namen. Er empfängt mit leeren Händen das Heilsgeschenk, was niemand anderes letztendlich ist als Christus selbst.

Wie bezeichnet Paulus Christus hier? „Christus Jesus den Herrn“. „Wie ihr nun den Christus Jesus den Herrn empfangen habt.“ Paulus genau diese Anreihung anderer Reihenfolge von Worten verwendet, um Jesus zu beschreiben – zumindest nicht in dieser Reihenfolge. Christus is die griechische Form des hebräischen Messias. Er ist der verheißene Erlöser aus dem Alten Testament. Zum Beispiel wird er – das ist für uns relevant und auch für die Kolosser – verheißen als das Licht der Nationen.

In Jesaja 49, Vers 6. Dieser Gesalbte des Herrn, es heißt in Jesaja 49, Vers 6: „Es ist so wenig, dass du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten Israels zurückzubringen. So mache ich dich auch zum Licht der Nationen, dass meine Rettung reicht bis an die Enden der Erde.“

Wer ist dieser Christus, den wir aufgenommen haben? Er ist der Christus. Er ist das verheißene Licht der Nationen. Er ist derjenige, den Gott dazu bestimmt hat, damit seine Rettung reicht bis ans Ende der Erde. Das ist der Christus, den wir aufgenommen haben: der Gesalbte des Herrn, der verheißene Erlöser, das Licht der Nationen, der Sprost Isais, der Sohn Davids, der Christus, der Gesalbte, der Verheißene.

Christus Jesus. Jesus – der Name. Ja, er ist der Retter der Welt. Er hat diesen Namen, weil er Mensch geworden ist. Er ist der Gott, der Fleisch geworden ist, der starb, begraben wurde und wieder auferstanden, der in den Himmel aufgefahren ist und wieder kommen wird. Diesen haben wir aufgenommen: den Christus Jesus, den Geseigten des Herrn, den verheißenen Messias, den Mensch gewordenen Gott, der Stab und wiederauferstand.

Christus Jesus, den Herrn. Der Herr. Das ist ein Hoheitstitel des Herrn Jesus. Der Herr bedeutet: Jesus hat die höchste Autorität. Wir haben uns damit beschäftigt, auch in dem Kapitel 1, Vers 15: Er ist der Erstgeborene aller Schöpfung. Er hat Vorrang über allem. Er steht über allem. Er ist Herrscher über allem. Die gesamte Schöpfung wurde von ihm, durch ihn und zu ihm hingeschaffen. Er hat Vorrang über allem.

Das ist der Christus, den wir empfangen haben. Ja, kein niedrigeres Engelswesen, das nicht genug ist. Kein reiner Mensch. Kein einfach nur guter Lehrer, ein Prophet. Nein, es ist der Herr der Herren, der einzige Erlöser. Er ist Gott, der Mensch wurde. Er ist der einzige Mittler zwischen Gott und Menschen. Ihn haben wir empfangen.

Wen haben wir empfangen? Wir haben den empfangen, der das Bild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Schöpfung. Wir haben keinen Geringeren empfangen als ihn. Wir haben den empfangen, der die gesamte Schöpfung bestehen lässt durch die Macht seines Wortes. Wir haben den empfangen, der das Haupt des Leibes ist, der der Anfang, der Erstgeborene aus den Toten ist. Wir haben den empfangen, in dem die ganze Fülle der Gottheit wohnt. Wir haben das Geheimnis Gottes empfangen, in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis sind. Wir haben den Christus empfangen, der genugsam ist, der ausreichend ist, der vollkommen ist für unser Heil und für unsere Heiligung. Wir haben den empfangen, der allen Vorrang hat.

Siehst du, wieso es wichtig ist, dass wir verstehen, wenn es heißt „so wandelt in Christus“, dass wir dieses „wie ihr nun den Christus, den Herrn, empfangen habt“ verstehen?

Wie in diesem ersten Teil – „wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn empfangen habt“ – quasi fast schon so viel von dem drinnen steckt, was Paulus bereits gelehrt hat und was er noch lernen wird in den kommenden Abschnitten. Und dass es wichtig ist, das zu verstehen, denn das ist doch die Grundlage unseres Wandels dann. Unser Wandel soll dann dementsprechend sein, wie wir diesen Christus empfangen haben. Wer dieser Christus ist: als Christus Jesus und Herr; als der Christus, den Paulus uns im bisherigen Kolossabrief schon beschrieben hat und präsentiert hat.

Und danach heißt es: „So wandelt in ihm.“ Aber damit du so wandeln kannst, musst du diesen Christus erst empfangen haben. Wenn du diesen Christus nicht hast, kannst du nicht so wandeln. Wenn du diesen Christus nicht hast, dann hast du dieses Geschenk noch nicht angenommen, noch nicht empfangen.

Und so möchte ich dich dazu aufrufen und dich dazu bitten: Kehre um und nimm diesen Christus auf. Glaube an ihn. Glaube an sein Kreuzeswerk, dass sein stellvertretender Tod am Kreuz dich von deiner Sündenschuld befreit. Jeder, der glaubt, empfängt ewiges Leben, und ihm werden die Sünden vergeben. Du kannst nicht mit deinen eigenen Werken vor Gott bestehen. Du kannst nicht. Du wirst nicht in dieser Welt deine Erfüllung finden. Du kannst alles probieren. Der Prediger zum Beispiel in der Schrift – wenn du das Buch Prediger mal liest – er hat alles probiert: Geld, Weisheit, Lust, Reichtum und alles Mögliche. Alles Mögliche hat er probiert. Nichts hat ihn erfüllt, was unter dieser Sonne ist. Seine Schlussplädoyer ist: „Fürchte Gott.“

Wenn du diesen Christus noch nicht empfangen hast, dann hast du dieses Heilsgeschenk noch nicht. Dann hast du diese lebendige Beziehung mit Gott nicht. Und wenn du diesen Christus ablehnst, dann wirst du eines Tages mit wahrlich leeren Händen vor Gott stehen. Strecke heute deine leeren Hände aus nach Christus. Rufe ihn an und glaube an ihn. Setze dein Vertrauen in ihn. „Wer den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden“, heißt es. „Wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennst und glaubst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hast, wirst du gerettet werden“, heißt es in Römer 10. So rufe ich dich zur Umkehr auf und zum Glauben an Christus Jesus, ihn aufzunehmen.

Kommen wir nun zum „So wandelt in ihm“. Wir haben jetzt gesehen: Wie ihr nun Christus Jesus den Herrn empfangen habt, so wandelt in ihm. Wandeln ist das einfache Wort für „wandeln“ bzw. „gehen“. Es wird oft im Neuen Testament verwendet, um eben unseren täglichen Wandel, unser tägliches Verhalten zu beschreiben. Es ist – „wandelt“ ist hier ein fortlaufender Befehl. Das ist nicht etwas, was man einmal macht und dann lässt, sondern wir sollen fortlaufend wandeln. Es geht um unseren tagtäglichen Wandel, wie wir uns verhalten.

Das heißt: „So wandelt in ihm.“ In Christus. „In ihm“ – das „ihm“ ist Christus. Christus ist die Sphäre, der Raum dieses Wandels. Der Wandel soll innerhalb des Rahmens geschehen, den Christus in seiner Person errichtet. Das bedeutet, der Wandel ist ein Wandel in Einheit mit ihm, in der Vereinigung mit Christus. Dadurch, dass wir eins gemacht sind mit ihm, soll auch der Wandel entsprechend dieser Vereinigung sein. Der Wandel in Christus bedeutet: Christus ist die Quelle, die Fülle und das Ziel dieses Wandels.

Und genau wir beginnen hier schon zu sehen: Genau das ist das, was diese irrelehrenden Kolosse angegriffen hat. Die gesagt hat: „Christus ist nicht genug für Geistlichkeit, für Gottesfürchtigkeit, für dein Leben und für deinen Wandel als Gläubiger.“ Sie haben gesagt: „Nicht wandel in Christus, sondern du musst woanders hinwandeln. Du musst dir eine andere Quelle suchen für Geistlichkeit, für Gott Seligkeit, für Heiligung. Du brauchst etwas anderes.“ Paulus sagt: „Wandelt in ihm.“ Und liebe Geschwister, wir werden später nochmal darauf eingehen, aber es ist mir so wichtig, dass wir das verstehen.

Christus – und ich habe es, glaube ich, vor einigen Wochen schon mal gesagt –, Christus ist nicht nur die Eintrittskarte für den Himmel. Und dann lassen wir ihn liegen: „Okay, jetzt bin ich drinnen in Christus, jetzt brauche ich dich nicht mehr.“ Christus ist nicht nur die Eintrittskarte, Christus ist auch der Weg. Das Evangelium ist nicht nur unsere Eintrittskarte in den Himmel, und dann brauchen wir es nicht mehr. Das Evangelium ist das, was wir auch für unseren Weg brauchen. Christus ist sowohl die Pforte, Christus ist auch der Weg. Das Evangelium ist das, was uns errettet, aber aus dem Evangelium kommt auch unsere Heiligung, unser Wandel. Deswegen heißt es so: Wandelt in ihm.

Es ist ein Befehl: Wandelt in ihm. Es ist ein Imperativ. Es ist etwas, was man gehorchen soll, ein Befehl, den man gehorchen soll. Ja, unabhängig davon, unabhängig von Zeit oder Umständen. Egal welcher Tag der Woche, das ist nicht nur ein Sonntagsbefehl: „Wandel am Sonntag in ihm, um in die Gemeinde zu kommen.“ Es ist auch nicht ein Wandel abhängig von Menschen um dich herum. In der Gemeinde wandle ich in Christus, weil das sind ja alle Gläubigen; aber wenn ich dann in der Welt bin, unter Ungläubigen, in meiner Arbeit oder unter Freunden, dann wandle ich wie die Welt, da bin ich ja in der Welt. Nein, „Wandelt in ihm“ ist ein täglicher Befehl, den du unabhängig von Ort, Zeit, Umständen gehorchen sollst. Das ist unabhängig davon, ob du dich danach fühlst oder nicht. Manchmal fühlst du dich vielleicht nicht danach, aber es ist ein Befehl, den man zu gehorchen hat. Es geht darum, in Christus zu wandeln, jeden Tag und j in jedem Bereich deines Lebens.

Und der Befehl, „So wandelt in ihm“, ist natürlich der Hauptsatz, ist natürlich dieser Imperativ hier. Aber wir haben schon gesehen, diese Konstruktion ist wichtig: Wie ihr empfangen habt, so wandelt. Diese Wie-So-Beziehung – nicht „wieso“ das eine Wort, sondern einmal „wie“ und „so“ –, diese Wie-So-Beziehung beschreibt den Zusammenhang zwischen dem Befehl, dem Imperativ, und der Art und Weise, wie dieser Befehl ausgeführt werden soll. Und die Art und Weise, wie wir dem Befehl gehorchen sollen, entspricht der Aufnahme von Jesus Christus und dem Evangelium. Das ist das Indikativ.

Wieso ich das sage? Das sind gebräuchliche theologische Begriffe, die in vielen Kommentaren, aber auch in Predigten, im theologischen christlichen Kontext verwendet werden: der Indikativ und der Imperativ. Der Indikativ ist die Tatsachenaussage. Der Indikativ beschreibt das, was Gott bereits getan hat. Das ist auf der einen Seite der Indikativ. Der Imperativ auf der anderen Seite ist der Befehl, die Aufforderung zum Wandel, das, was wir tun sollen.

Und Paulus macht in seinen Schriften – macht es immer wieder –, dass er Indikativ hat und dann den Imperativ; dass der Imperativ aus dem Indikativ herausfließt. Was meine ich damit? Zuerst kommt das, was Gott bereits getan hat. Zuerst kommt das, was Gott vollbracht hat, das Werk Gottes. Danach kommt der Imperativ, der aus dem Indikativ herausfließt. Und diese Reihenfolge ist wichtig. Und wir werden später sehen: Wenn du diese Reihenfolge änderst, dann landest du bei einer falschen Lehre. Zuerst Indikativ: „Das hat Gott getan.“ Dann der Imperativ: „Das sollst du tun.“

Ich habe es vorhin gesagt: Epheserbrief. Drei Kapitel lang beschreibt Paulus den Indikativ, die Berufung. Das hat Gott in Christus für euch vollbracht und getan. Es beginnt mit der Erwählung, es geht weiter mit der Erlösung in Christus. Es geht darum, dass wir tot waren und auferweckt worden sind. Es geht darum, dass wir einst fern waren, jetzt nahegekommen sind. Es geht einst, es geht um das Geheimnis, das Gott offenbart hat, dass sogar die Nationen erlöst werden. Und dann Kapitel 4, Vers 1 – wir haben es vorhin gesagt: „Wandelt würdig der Berufung, mit der ihr berufen worden seid.“ Drei Kapitel lang Indikativ, das ist die Berufung; dann kommt drei Kapitel lang, mehr oder weniger, Imperativ: Wandelt nach dieser Berufung.

Römerbrief, elf Kapitel lang, Indikativ. Lehre hauptsächlich natürlich. Und dann in Kapitel 12 heißt es, Kapitel 12, Vers 1: „Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes.“ Durch den Indikativ, durch das, was Gott vollbracht hat, das, was Paulus elf Kapitel lang beschrieben hat, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, gottwohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist. Imperativ folgt aus dem Indikativ. Er fließt aus dem, was Gott vollbracht hat.

Das haben wir im Römerbrief – deswegen habe ich gesagt, fast nur Indikativ –, bereits auch etwas in Kapitel 6. Bereits fünf Kapitel lang, mehr oder weniger, hat Gott, hat Paulus indikativ beschrieben, [was] Gott vollbracht hat: die Sündhaftigkeit des Menschen, wie Gott aber den Sünder durch Glauben rechtfertigt und so weiter. Und dann in Kapitel 6 heißt es dann, Römer Kapitel 6: „Was sollen wir nun sagen? Sollten wir in der Sünde verharren, damit die Gnade zunimmt? Auf keinen Fall.“

Dann kommt etwas mehr Indikativ. Wir sind der Sünde gestorben. Wir können jetzt nicht mehr in ihr leben. Denn wir sind mit Christus gestorben. Alles Indikativ. Das ist alles geschehen durch die Erlösung. Das hat Gott vollbracht, indem er uns mit Christus eins gemacht hat. Wir sind mit Christus gestorben, mit ihm begraben worden, mit ihm auferstanden – alles Gottes Werk, unser Zustand. Dann heißt es, Vers 8, nochmal dieser Indikativ, das, was Gott getan hat: „Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.“ Das ist der Glaube, das ist die Grundlage.

Und dann Vers 11. So auch hier, jetzt kommt der Imperativ: „Haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus.“ Nachdem er also den Zustand beschrieben hat, das Werk Gottes beschrieben hat, uns mit Christus zu vereinen, sodass wir mit ihm gestorben und auferstanden sind, kommt danach der Befehl: „Haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus.“

Paulus, du hast doch gerade gesagt: „Wir sind der Sünde gestorben und leben mit Christus.“ Wieso gibst du uns jetzt den Befehl, uns der Sünde für tot zu halten, Gott aber lebend in Christus Jesus? Aber genau das ist der Imperativ hier. Es geht darum: Lebe entsprechend dem Werk, das Gott bereits in dir vollbracht hat. Lebe entsprechend des Werkes, das Gott bereits in dir vollbracht hat. Gott hat dich mit Christus eins gemacht, sodass du mit ihm der Sünde gestorben und Gott lebendig geworden bist, zu einer Neuheit des Lebens. Nun halte, denke darüber nach und halte dich genau dafür, was du in deinem Zustand bereits bist.

Und dann heißt es in Vers 12 weiter: „So herrsche nun nicht mehr die Sünde in eurem sterblichen Leib, dass er seinen Begierden gehorcht.“ Hier sehen wir diese Beziehung: Indikativ, Imperativ. Und hier im Kolosserbrief geht es darum, so zu wandeln – der Imperativ fließt aus dem Indikativ –, wie man Jesus empfangen hat. Aus dem, wie man Jesus empfangen hat, aus diesem Indikativ des Heilsgeschenks Gottes, wer dieser Jesus ist und wie du ihn empfangen hast – in all seiner Erhabenheit, in all seiner Genugsamkeit, in all seiner Autorität als absoluter Erlöser und erhabener Herr.

Aus diesem Indikativ kommt der Wandel in Christus. So wandle. Wandle entsprechend dieses Christus, dieses Jesus, den du empfangen hast. Der Befehl zum Wandel und damit der Wandel selbst ist gegründet im Evangelium. Gegründet in Christus, den man empfangen hat. Deswegen ist dieser erste Punkt dieser Predigt: Wandle in Christus gegründet. Wenn es heißt: „So wandelt in ihm“, bedeutet das: Wandle gegründet in Christus Jesus. Wandle dementsprechend, wer er ist und wie du ihn empfangen hast. Wir haben vorhin gesehen: Christus, Jesus und Herr, so bezeichnet Paulus ihn hier. Lasst uns das auch mal benutzen. Du hast den Christus empfangen. Zum Beispiel als Christus – das zeigt zum Beispiel, wie ich vorher erwähnt habe, dass er das verheißene Licht der Nationen ist. Dann wandle dementsprechend, dass Jesus dein Licht ist.

Zum Beispiel: Wieso liest du Bibel? Wieso liest du deine Bibel? Weil es den Befehl gibt „liest die Bibel“, dem du kalt gehorchst? Oder weil Jesus dein Licht geworden ist und weil du in seinem Wort das Licht seines Angesichts sehen kannst? Seht ihr den Unterschied? Gibt es den Befehl? Natürlich gibt es den Befehl und natürlich sollst du den Befehl gehorchen, aber es geht über den Befehl hinaus. Es geht darum, dass du eine lebendige Beziehung zu diesem Christus hast. Und das ist die letztendliche und die fundamentale Motivation, wieso du zum Beispiel die Bibel liest.

Du hast Jesus empfangen, wir haben gesehen. Jesus, der es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein, sondern sich erniedrigt hat, um dich zu erlösen. Lass mich die Frage stellen: Wieso bist du bereit, für Gutes zu leiden? Vielleicht auf dein Recht zu verzichten? Oder dich für deinen Nächsten aufzuopfern? Wieso tust du das? Weil es das Christliche ist zu tun? Weil du willst es zwar eigentlich gar nicht tun, aber du musst es tun, weil das ja von dir erwartet wird als Gläubiger? Oder drängt es dich, bewegt es dich, dass, wenn du den Sohn Gottes siehst, der selbst Sklavengestalt angenommen hat, indem er Mensch geworden ist? Dass, wenn du ihn siehst und wie du ihn empfangen hast – durch seine Erniedrigung und Demütigung hindurch – drängt es dich, ihm nachzuahmen, diesen Christus und wie du ihn empfangen hast?

Wenn du siehst, wie der Herr über alles – wie er, der Herr über alles, sich selbst erniedrigt hat und leidet – ist es überhaupt etwas Großes, Schweres oder überhaupt Beachtenswertes, wenn ich mich mal erniedrigen muss? Wenn er sich erniedrigt hat, und zwar so in eine Tiefe: Muss ich einfach nur einem kalten Befehl gehorchen oder der christlichen Erwartungshaltung gehorchen, dass ich mich erniedrigen muss? Oder wenn ich seine Erniedrigung sehe, wie kann ich dann sagen, dass es schwer für mich ist, mich zu erniedigen? Wer bin ich im Vergleich zu ihm, dass ich mich für etwas Höheres achte? Dass ich mir zu gut bin, mich zu erniedrigen? Seht ihr den Unterschied?

Du hast den Herrn empfangen, den Herrscher des Universums, den Sohn Gottes, Urheber, Erhalter und Ziel der Schöpfung. Wieso gehorchst du ihm? Weil du sonst bestraft wirst? Oder gehorchst du ihm, weil dieser Jesus auch Herr und Hirte deines ganzen Lebens ist? Weil du ihm vertraust und glaubst, dass er das, was er verspricht und das, was er befiehlt, besser ist als das, was die Welt mir anbietet? Dass es köstlicher ist, den Weg des Gehorsams zu gehen als der Verlockung der Sünde zu vertrauen? Seht ihr, dass es am Ende auch um Glauben geht? Glaubst du diesem Jesus? Dass er besser ist als das, was dir die Sünde, die kurzweilige Freude, die dir Sünde verspricht?

Es ist mehr als „tu das nicht“ und „tu das“. Es ist, wie ihr den Herrn empfangen habt. Schau dir diesen Christus an. Schau dir das Evangelium an. Schau an, wie du ihn empfangen hast: Nicht aus deiner eigenen Kraft, nicht als Verdienst, um dich vor Gottes Zorn zu retten, sondern als Heilsgeschenk, absolut und nur allein abhängig von Christus. Wir können so weitermachen. Auch in Efeser Kapitel 4 heißt es so. Mir ist es wichtig, dass wir das nicht falsch verstehen: Gibt es Befehle, denen wir gehorchen sollen? Ja. Gibt es dir den Befehl, die Bibel zu lesen, darüber nachzusinnen, gute Werke zu tun, heilig zu wandeln, all das? Ja, es gibt diese Befehle und wir sollen ihnen gehorchen, unabhängig davon, ob ich mich danach gerade fühle oder nicht. Der Wandel in Christus ist nicht weniger als das Gehorchen von Geboten, aber es ist auch nicht nur das Gehorchen von Geboten, das kalte Befolgen von Gesetzen. Es ist viel mehr als das. Es ist das Ausleben der lebendigen Beziehungen und Einheit mit Jesus Christus. Es ist das Evangelium, das uns dazu drängt, ihm zu gehorchen – nicht nur aus Befehlsgehorsam, sondern aus dieser Einheit von Christus und aus der Liebe, die er zu mir hat.

Seht ihr, deswegen habe ich gesagt, das ist so wichtig, dass wir diesen Vers 6 und 7 verstehen: Wie ihr den Christus nun empfangen habt, so wandelt in ihn. This I empfangen habt, so wandelt in ihm, and this principles that we in the script find bewahrt us vor Gesetzlosigkeit – was auch Antinorismus bezeichnet wird, Antinomismus – oder Gesetzlichkeit.

Gesetzlosigkeit, Antinorismus besagt, dass das Gesetz bzw. die Gebote nicht mehr bindend für uns ist. Ja, wir sind errettet, wir sind durch Gnade errettet, wir sind nicht durch unsere eigenen Werke gerettet, deswegen sind die Gebote nicht mehr bindend vor uns. Wir sind befreit vom Gesetz, sagt der Gesetzlosigkeit, der Antinomismus. Der Antinomismus ist der Indikativ ohne Imperativ. Es ist nur alles, was Gott gemacht hat, und es ist aber nie – es hat nie das. Es beinhaltet nie das, wo die Bibel sagt: Tu das, du sollst gehorchen. Es ist Indikativ ohne Imperativ. Es ist Rechtfertigung ohne Heiligung. Und die Schrift ist klar darin: Das sei ferne. Wir haben vorhin Römer 6 gelesen: Können wir einfach in der Sünde verharren, weil damit die Gnade überreich wird? Auf keinen Fall. Das sei ferne.

Das Gebet eines Puritaners aus „Valley of Vision“ ist etwas – ein Zitat, das wirklich, glaube ich, auch… Das Gebet eines Puritaners. „Valley of Vision“ ist ein Buch, eine Sammlung von Gebeten von Puritanern und Andachten von ihnen. Dort heißt es – er betet das quasi: „Von allen Heuchlern, lass mich bloß nicht zu einem evangelikalen Heuchler werden, der sich in der Gewissheit der überfließenden Gnade sicherer in Sünde übt. Der seinen Begierden einredet, das Blut Christi reinige sie. Der sich einredet, Gott könne ihn nicht in die Hölle werfen, da er doch errettet sei. Der evangelikale Predigten, Kirchen und Christen liebt, aber ein gottloses Leben führt.“

Der betet hier und sagt: Lass mich kein Heuchler sein, der Indikativ ohne Imperativ lebt. Der behauptet zu glauben, aber lebt, wie er es will, in Gottlosigkeit. Der nie sein Leben in Unterordnung und Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes bringt. Er betet: Oh, bloß lass mich Gott nicht so sein. Möge das doch auch unser Gebet sein. Das ist auf der einen Seite die Gesetzlosigkeit – aber du kannst wieder weiter.

Auf der anderen Seite ist es die Gesetzlichkeit. Gesetzlichkeit setzt den Imperativ vor den Indikativ. Ja, die Reihenfolge ist wichtig. Gesetzlichkeit sagt: Ich muss gehorchen, damit ich gerettet werde. Ich muss gehorchen, damit Gott mich liebt. Das ist Gesetzlichkeit. Aber auch das sei ferne. Wir gehorchen nicht, damit Gott uns liebt. Wir gehorchen nicht, damit wir von Gott aufgenommen werden oder damit wir gerettet werden. Nein, wir gehorchen, weil Gott uns zuerst geliebt hat und seinen Sohn hingegeben hat. Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.

Also wir wollen keine Gesetzlichkeit, ja? Wir wollen kein Pharisäertum – und wir werden später sehen im Laufe, welche Gesetze, ja: „Taste nicht, fühle nicht, schmecke nicht“ und all diese Befehle, selbst auferlegten Befehle, die sich die Kolosser und diese Irrlehrer ausgedacht haben. Wir wollen keine Gesetzlichkeit, wir wollen aber auch keine Gesetzlosigkeit. Es gibt Gebote, denen wir Gehorsam leisten sollen und müssen.

Ich glaube, ein Vers, der das Gleichgewicht schön zum Ausdruck kommt, ist 2. Korinther Kapitel 5, Vers 14: „Denn die Liebe Christi drängt uns.“ Ich liebe diesen Vers, weil wir haben das Wort „drängen“ hier, 2. Korinther 5, 14. Es ist ein starkes Wort. Es wird dafür verwendet, um zu beschreiben, wie Krankheiten einen plagen können. Das Wort „Plagen“ wird manchmal – dieses Wort wird manchmal mit „Plagen“ übersetzt. Es ist ein… also eine Art ein immenser Druck, den Paulus spürt, Christus zu dienen. Und wenn wir das hören, dann sagen wir vielleicht sofort: Oh, das christliche Leben soll doch kein Druck sein, ich soll doch nicht gedrängt werden oder geplagt werden – wenn wir die andere Übersetzung mit dem Zusammenhang von Krankheiten verwenden nehmen wollen.

Aber was drängt ihnen Paulus hier? Was drängt ihn und motiviert ihn und gibt ihm diesen Druck, Christus zu dienen? Ist es die Angst vor der Hölle? Ist es der Wunsch von Gott, akzeptiert zu werden? Er sagt: „Die Liebe Christi drängt mich.“ Und es ist nicht seine Liebe zu Christus, sondern es ist die Liebe Christi zu ihm und zu allen Sündern. Wenn er die Liebe Christi zu Sündern sieht – er kann nicht anders. Er wird gedrängt und motiviert, diesem Christus zu dienen.

Ein paar Verse vorher heißt es: „Der Schrecken des Herrn bringt uns dazu.“ Nicht der Schrecken im Sinne von die Angst vor der Hölle, sondern die gesunde Ehrfurcht vor Gott. Gott ehren zu wollen, in ehrvollem Respekt vor Gott zu leben und zu treten – das ist es, was motiviert. Das ist es, was den christlichen Wandel ausmacht.

So zu wandeln, wie wir Christus empfangen haben, bedeutet also, entsprechend des Indikativs zu wandeln: im Lichte dessen, wer dieser Jesus ist, den wir empfangen haben (Christus Jesus, den Herrn) und der Wahrheit, die wir über ihn aufgenommen haben. Dass unser Wandel all diesen Dingen entspricht. Unser Wandel ist nicht das kalte Befolgen von Geboten, um einen Zustand der Akzeptanz vor Gott zu erreichen. Aber unser Wandel ist auch nicht die Abwesenheit von Gehorsam, ein Leben nach unserem eigenen Willen, weil ja Gott alles schon gemacht hat. Es ist ein Wandel, gegründet in Christus, gegründet in dem Werk Gottes, in der Botschaft des Evangeliums. Es ist ein Wandel, der nicht eine bis ins kleinste Detail gehende To-Do-Liste braucht, sondern ein Wandel, der aus dem Schaun auch den empfangenen Christus herausströmt. Das Evangelium, der Blick auf Christus ist es, der diesen Wandel informiert.

John Bunyan hat gesagt: „Man kann nicht mit Christus wandeln und gleichzeitig den Weg leben, den Weg lieben, von dem er dich durch seinen Tod errettet hat.“ Ich wiederhole: „Man kann nicht mit Christus wandeln und gleichzeitig den Weg lieben, von dem er dich durch seinen Tod errettet hat.“

Wir kommen heute nicht mehr zu Vers 7 und machen an dieser Stelle Schluss. Aber ich hoffe, wir verstehen. Ich hoffe, wir verstehen diesen Zusammenhang. Es war es mir wert, mir diese Zeit zu nehmen, um diesen Zusammenhang zu verstehen. Unser Leben und unser Wandel als Gläubige ist nicht das kalte Befolgen einer To-Do-Liste. Es ist nicht einfach nur dieses detailliertes „Tu das nicht“ und „Tu das“. Gibt es Befehle? Ja. Sollen wir diesen Befehlen gehorchen? Unabhängig von Umständen, Zeit oder egal in welchem Bereich unseres Lebens: Ja. Aber die grundlegende Motivation kommt aus dem Evangelium heraus. Der grundlegende Wandel – und deswegen, das war der erste Punkt, den wir uns heute die ganze Zeit angeschaut haben – der Wandel soll gegründet sein in Christus.

Ich möchte kurz eingehen. In Epheser Kapitel 4 haben wir sehr ähnliche Verse. Epheser Kapitel 4, ab Vers 17. Wir werden nicht jeden Vers lesen, aber nur kurz anschauen. Afersabrief, Kapitel 4, ab Vers 17. Er beschreibt in den Versen 17 bis 19, wie der Wandel unter den Nationen ist und wie der Wandel der Gläubigen früher war: ja, verfinstert am Verstand, in Unwissenheit und Verstockung des Herzens und Abgestumpftheit.

Dann in Vers 20 heißt es: „Ihr aber habt den Christus nicht so kennengelernt.“ Sehr ähnlich, wie ihr den Christus empfangen habt. Ihr habt den Christus nicht so kennengelernt. Ihr habt ihn gehört und sind in ihm gelehrt worden, wie es in Wahrheit in Christus ist. Und was ist die Wahrheit in Christus? Dass ihr, was den früheren Lebenswandel angeht, den alten Menschen abgelegt habt, der sich durch die betrügerischen Begierden zugrunde richtet, dagegen erneuert werdet in dem Geist eurer Gesinnung und den neuen Menschen angezogen habt, der nach Gott geschaffen ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Und danach, ab Vers 25, folgte an: „Legt die Lüge ab, redet die Wahrheit. Zürn, sündigt nicht. Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern mühe sich vielmehr Gutes zu tun mit den Händen.“

Kein faules Wort soll kommen, sondern man soll nur Erbauliches reden. Was ich meine, was ich hier sehe, was wir hier sehen, ist: Ihr habt den Christus nicht so kennengelernt. Nicht in dieser Nichtigkeit des Lebens der Nationen, in Sünde und Verstockung und Ausschweifung, sondern: Wie habt ihr Christus kennengelernt? Wie habt ihr ihn empfangen, in der Sprache von Kolosser?

Ihr habt ihn so empfangen, dass er euren alten Menschen genommen hat, ihn ausgezogen hat und euch einen neuen Menschen geschenkt hat. Ihr habt einen neuen Menschen angezogen in Christus, der neu geschaffen ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit. Deshalb legt die Lüge ab.

Wieso lege ich die Lüge ab und rede die Wahrheit? Weil ich Christus nicht so kennengelernt habe. Ich habe ihn nicht kennengelernt als Lügner. Ich habe ihn nicht kennengelernt als einen, der mich als Lügner einfach belässt. Ich habe ihn kennengelernt als denen, dass, wenn ich ein Lügner war, er diesen alten Menschen ausgezogen hat, mich in einen neuen Menschen verwandelt hat, und deswegen rege ich die Lüge ab und rede die Wahrheit. Mein Wandel entspricht dem Evangelium und dem Werk Gottes, das Werk Christi, das er an mir vollbracht hat. So habe ich Christus kennengelernt.

Wieso soll kein faules Wort aus meinem Mund kommen und nur noch Nötiges zur Erbauung kommen? Weil Gott mein Herz erfüllter mit Dankbarkeit und Liebe für das Heil, das er vollbracht hat. Wie kann aus demselben Mund, aus dem der Lob Gottes herauskommt, auch Fluch und faules Wort kommen?

Seht ihr, es geht um mehr als: „Ja, steht halt in der Bibel. Meine Eltern haben es mir so gesagt, der Prediger hat es so befohlen.“ Nein, es ist die lebendige Beziehung zu Gott, es ist das Evangelium. Es ist der Indikativ, der unseren Wandel, den Imperativ, informiert. Wieso gebe ich meinen fleischlichen Begierden nicht nach? Weil es einfach das christliche Leben ist und Dinge, die ich eigentlich tun will, aber ein Christ halt nicht tut? Das sei ferne.

Ich gebe meinen fleischlichen Begeben nicht nach, weil ich mit Christus der Sünde gestorben bin. Wie kann ich noch in ihr leben, wenn dieser Heiland sein Leben für mich gegeben hat? Wie John Bunyan gesagt hat: „Wie kann ich das lieben, wofür Jesus sein Leben gegeben hat, um mich davon zu retten?“ Das ist so viel mehr, das ist so viel stärker und mächtiger als einfach: „Ja, weil es halt dasteht.“ Steht es da? Ja. Soll ich dem, was da steht, gehorchen? Ja, aber hör dort nicht auf. Schau diesen Christus an. Schau an, wie du ihn empfangen hast, was er vollbracht hat.

Oh, wie kann ich die Sünde lieben, für die Christus sein Leben gelassen hat, um mich davon zu retten? Wie kann ich der Verheißung der Sünde von kurzweiliger, nichtiger und und verkehrter Freude glauben, wenn dieser Christus nicht mal sein Leben geschont hat, um mich von dieser Sünde zu retten? Weil der Gehorsam besser ist als das, was die Sünde mir verspricht.

Seht ihr, liebe Geschwister, wieso dieses Wandeln in Christus so wichtig ist. Wieso dass die Grundlage für alles, was später kommt, ist – wie du dich in deiner Ehe, in deiner Familie, in deiner Arbeit, in der Gemeinde verhalten sollst. Es gründet und wurzelt alles in Christus, im Evangelium. „So wie ihr ihn empfangen habt, so wandelt.“ Und wenn wir das nicht haben, dann fallen wir entweder in Gesetzlosigkeit oder in Gesetzlichkeit. Und wir sehen, in Kolossä war genau eben die Gesetzlichkeit die Gefahr und das Problem.

Was ist also die Anwendung? Erstens – oder heute nur erstens eigentlich: Sinne über den empfangenen Christus Jesus, den Herrn, nach. Denke an das Indikativ. Sinne darüber nachtäglich, führe dir vor Augen, wie du Jesus Christus empfangen hast, wer er ist, was er getan hat, was er durch das Evangelium in deinem Leben vollbracht hat – nicht durch deine eigenen Werke, nicht durch deinen Verdienst, sondern er in seiner absoluten Erhabenheit, in seiner Genugsamkeit.

Das muss dich erfüllen, damit du dementsprechend wandeln kannst. Wir haben darüber geredet: „Ich hätte gerne konkretere, ich wüsste genau, wie ich mich in dieser und dieser Situation mich verhalten soll.“ Ich sage dir, der Gläubige braucht das nicht. Der Gläubige braucht keine bis ins Kleinste gehende, detailreiche To-do-Liste. Denn er hat Christus. Und wenn er Christus sieht, wenn er mit Christus erfüllt wird – das drängt ihn, um es mit der Sprache von 2. Korinther 5,14 zu sagen, dementsprechend zu wandeln.

Und das ist das Einzigartige des Christentums: Nicht das kalte und leere Befolgen von Regeln und Geboten. Nicht Ausschweifung in Gesetzlosigkeit, weil sich Gott ja eh schon um alles kümmert. Nein, das ist dieses: das Sehen dieses Christus, was dich drängt und bewegt, dementsprechend zu wandeln. In Heiligung und in Gehorsam, möge ihm alle Ehre zuteil werden. Amen.

Let’s be. Unser Vater im Himmel, ich kann nicht anders als staunen über deine erhabene Weisheit. Du hättest – du hast uns nicht einfach eine To-do-Liste gegeben, eine Gebrauchsanweisung. Du hast uns auch nicht einfach uns überlassen, um in unseren Begierden und Sünden zu leben, in einer falsch verstandenen Freiheit. Nein, du hast dich entschieden, unser Leben durch dieses unglaubliche Evangelium zu verändern und durch deinen unermesslich erhabenen Sohn zu verändern. Du hast uns dieses einzigartige Mittel gegeben und dieses einzigartige Prinzip, das aus Christus heraus, aus dem Evangelium heraus, wie wir ihn empfangen haben, was er in dieser Botschaft vollbracht hat, und der Erhabenheit seiner Person heraus, dass aus ihm heraus unser Wandel herausströmt. Was für eine Weisheit. Was für ein – was für ein schöner Wandel.

O Vater, du bewahrst uns davor, kalte Pharisäer zu sein, die dich nicht lieben, deren Herzen fern von dir sind, sondern lediglich menschlich aufgestellte Gesetze befolgen. Du bewahrst uns aber auch davor, unsere eigenen Wege zu gehen, unseren Begehren und Sünden uns hinzugeben, weil du weißt, dass das nicht gut für uns ist, weil Gehorsam und Heiligung besser ist. Und so veränderst du uns.

Wir haben Christus empfangen mit leeren Händen, ohne eigenen Verdienst. Wir haben Christus empfangen als den, der uns zum Licht und zum Herrn und Heiland geworden ist. Wir haben Christus empfangen als den, der uns verwandelt hat, mit dem wir gestorben sind, begraben worden sind und zur Neuheit des Lebens auferweckt worden sind. Wir haben Christus empfangen als den, unseren alten Menschen abgelegt hat und uns einen neuen Menschen angezogen hat, der neu in Gerechtigkeit und Heiligkeit geschaffen worden ist.

O Vater, mögen diese Wahrheiten, möge dieser Christus, den wir empfangen haben und wie wir ihn eben empfangen haben, möge er doch unseren Wandel bestimmen und informieren. Mögen wir in unserem Alltag uns erfüllen mit diesem Christus. Mögen wir ihn sehen, Vater. In deinem Wort mögen wir ihn sehen. Nicht nur, weil wir heute eine Liste abhaken müssen von dem, was wir gelesen haben, sondern lass uns lesen und sinnen und studieren, weil wir Christus sehen wollen.

Und möge das unseren Wandel bestimmen – ob in der Arbeit, ob in der Schule, in der Universität, unter Freunden, ob unter Gläubigen oder Ungläubigen, egal zu welcher Tageszeit, egal zu welchem, an welchem Wochentag – möge unser Wandel von Christus und dem, wie wir ihn empfangen haben, bestimmt werden. Ich bitte dich, den Herrn Vater, segne alle Zuhörer, sodass sie erfüllt werden mit diesem Christus und ihm entsprechend wandeln.

Ich bitte dich für alle, die Christus nicht aufgenommen haben, dass sie ihn doch empfangen mögen, dass sie von ihren Händen ablegen mögen alle Selbstgerechtigkeit, alle Götzen, alle Liebe zu ihren Sünden und zu dieser Welt, alles von diesen Dingen umkehren mögen und mit leeren Händen zu dir, zu Christus kommen mögen, um ihn – das Kostbarste, was es gibt – von dir zu empfangen. Wir bitten dich um all dies im Namen Jesu Christi. Amen.

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