December 14, 2025

Jesu Schriftauslegung öffnet Augen

Series:
Passage: Lukas 24:13-35

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Schlagen wir auf das Lukasevangelium, Kapitel 24, und lasst uns die Verse 13 bis 35 lesen. Lukasevangelium, Kapitel vierundzwanzig, die Verse dreizehn bis fünfunddreißig.

Und siehe, zwei von ihnen gingen an diesem Tag nach einem Dorf mit Namen Emmaus, 60 Stadien von Jerusalem entfernt. Und sie unterhielten sich miteinander über dies alles, was sich zugetragen hatte. Und es geschah, während sie sich unterhielten und miteinander überlegten, dass sich Jesus selbst nahte und mit ihnen ging. Aber ihre Augen wurden gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten. Er sprach aber zu ihnen: „Was sind das für Reden, die ihr im Gehen miteinander wechselt?“ Und sie blieben niedergeschlagen stehen. Einer aber, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: „Bist du der Einzige, der in Jerusalem weilt und nicht weißt, was dort geschehen ist in diesen Tagen?“ Und er sprach zu ihnen: „Was denn?“ Sie aber sprachen zu ihm: „Das von Jesus, dem Nazarener, der ein Prophet war, mächtig im Werk und Wort vor Gott und dem ganzen Volk. Und wie ihn die Hohenpriester und unsere Obersten zum Todesurteil überlieferten und ihn kreuzigten. Wir aber hofften, dass er der sei, der Israel erlösen solle. Doch auch bei alledem ist es heute der dritte Tag, seitdem dies geschehen ist. Aber auch einige Frauen von uns haben uns aus der Fassung gebracht, die am frühen Morgen bei der Gruft gewesen sind. Und als sie seinen Leib nicht fanden, kamen sie und sagten, dass sie auch eine Erscheinung von Engeln gesehen hätten, die sagen, dass er lebe. Und einige von denen, die mit uns sind, gingen zu der Gruft und fanden es so, wie auch die Frauen gesagt hatten. Ihn aber sahen sie nicht.“ Und er sprach zu ihnen: „Ihr Unverständigen und im Herzen zu träge, an alles zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit hineingehen?“ Und von Mose und von allen Propheten anfangend, erklärte er ihnen in allen Schriften das, was ihn betraf. Und sie näherten sich dem Dorf, wohin sie gingen, und er stellte sich, als wollte er weitergehen. Und sie nötigten ihn und sagten: „Bleibe bei uns, denn es ist gegen Abend, und der Tag hat sich schon geneigt.“ Und er ging hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch lag, nahm er das Brot und segnete es. Und als er es gebrochen hatte, reichte er es ihnen. Ihre Augen aber wurden aufgetan, und sie erkannten ihn, und er wurde vor ihnen unsichtbar. Und sie sprachen zueinander: „Brannte nicht unser Herz in uns, wie er auf dem Weg zu uns redete und wie er uns die Schriften öffnete?“ Und sie standen zur gleichen Stunde auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Und sie fanden die Elf und die, die mit ihnen waren, versammelt. Die sagten: „Der Herr ist wirklich auferweckt worden und dem Simon erschienen.“ Und sie erzählten, was auf dem Weg geschehen war und wie er von ihnen erkannt worden war am Brechen des Brotes.

Lasst uns beten. Unser Vater im Himmel, unser Herr Jesus Christus, wir dürfen in diesem Abschnitt dich, den Ausleger, erkennen. Wie schön muss es gewesen sein, eine Bibelstunde von dir, Herr Jesus, zu hören und zu empfangen. Vater, wir sehen in diesem Text Jünger, die niedergeschlagen waren. Sie waren verwirrt, sie waren voller Enttäuschung. Aber wir dürfen sehen, Herr Jesus, wie du sie wiederhergestellt hast, wie du ihre niedergeschlagene Seele mit einem brennenden Herzen ausgerüstet hast. Herr Jesus, wir sehen deine Gnade, wir sehen deine Barmherzigkeit deinen Jüngern gegenüber. Und wir sehen, dass du es getan hast mit der Schrift. So kommen wir nun zu deinen Füßen, unser Herr, und bitten dich: Möge doch jetzt in dieser Stunde dasselbe mit uns geschehen. Mögen wir kraftlos sein, mögen die Menschen hier vielleicht entmutigt sein, mit Anfechtungen und Versuchungen zu kämpfen haben, mögen sie vielleicht niedergeschlagen sein durch Enttäuschung, durch Sünde, durch den Kampf mit der Sünde, durch die Dinge, die in ihrem Leben geschehen – Vater, mögen doch diese Worte, deine Worte, sie erquicken, mögen sie Kraft schenken. So bitte ich dich, Vater, dass du diese Stunde segnen mögest, dass sie zu deiner Ehre dienen möge und zur Erbauung der Geschwister. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Setzt euch gerne. Mit langsamen Schritten kommen wir Schritt für Schritt zum Ende unserer fortlaufenden Betrachtung des Lukasevangeliums. Jedes Mal, wenn wir uns jetzt im Kapitel 24 befinden, muss ich zurückdenken an circa April oder Mai 2021, als wir mit dem Lukasevangelium begonnen haben, es fortlaufend zu betrachten. Und ja, viereinhalb Jahre später befinden wir uns jetzt in diesem großen, letzten Abschnitt dieses Evangeliums. Wir sehen in diesem Text, der vielen von euch sicherlich sehr gut bekannt ist, diese zwei Jünger. Und diesen zwei Jüngern werden die Augen aufgetan. Wenn wir an Sprichwörter denken, wie „der Groschen muss fallen“, oder über einen „Aha-Moment“ nachdenken, ist das vielleicht die perfekte Geschichte, um das zu illustrieren. Jünger, die etwas nicht verstanden haben, es nicht erkannt haben, die dann aber plötzlich diesen Moment gehabt haben – diesen Aha-Moment, diesen Moment, wo der Groschen gefallen ist, wo sie erkannt haben. Und wenn ich davon rede, dann denkt ihr alle sicherlich an diesen einen Vers, den wir gerade gelesen haben, Vers 31, wo steht: „Ihre Augen aber wurden aufgetan und sie erkannten ihn.“ Ihr denkt darüber nach, wie sie Jesus die ganze Zeit nicht erkannt haben und dann dieser Aha-Moment kam, als der Groschen gefallen ist und sie verstanden hatten, dass es Jesus war, mit dem sie unterwegs waren.

Dass die Öffnung der Augen hier in Vers 31 nicht die zentrale Öffnung der Augen ist, um die es in diesem Text geht. Ihre Augen wurden in Vers 31 aufgetan, damit sie Jesus erkennen, den sie bisher nicht erkannt hatten. Aber die Augenöffnung, die diese Jünger gebraucht haben – der Groschen, der bei diesen Jüngern fallen musste, der Aha-Moment, den diese Jünger gebraucht haben –, war nicht Vers 31, war nicht Jesus mit ihren physischen Augen zu erkennen. Sondern es war etwas anderes. Und das möchten wir heute sehen. Der Titel der heutigen Predigt ist: Jesu Schriftauslegung öffnet Augen.

Unser Abschnitt befindet sich in diesem letzten Kapitel des Lukasevangeliums. Wir haben uns die vergangenen Wochen, abgesehen von letzter Woche, als wir einen kurzen Exkurs in den Psalm 19 hatten, drei Wochen lang mit den ersten zwölf Versen beschäftigt. Die ersten zwölf Verse präsentieren uns die Zeugen der Auferstehung. Zuerst sind die Frauen Zeugen eines leeren Grabs. Das Grab ist leer. Jesus ist weg. Wir haben in den anderen Evangelien gesehen, dass Maria Magdalena zuerst dachte, dass jemand den Leib Jesu weggenommen hat, also Grabräuber am Werk waren. Aber sie sehen nicht nur das leere Grab als Zeugnis, sondern sie sehen auch eine göttliche Erscheinung, nämlich Engel – Boten Gottes, die diesen Frauen Zeugnis davon abliefern: „Was sucht ihr den Lebenden unter den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferweckt worden, so wie er es gesagt hat.“ Und dann sind die Frauen selbst zu Zeugen geworden, die den Jüngern Zeugnis abgeliefert haben über den auferstandenen Herrn Jesus. Wir haben also das leere Grab gesehen. Wir haben die göttlichen Boten gesehen, die Zeugnis abliefern über die Auferstehung Jesu Christi. Und dann sind die Frauen selbst zu Zeugen geworden, die den Jüngern vom auferstandenen Jesus berichteten.

Danach haben wir uns etwas Zeit genommen, um alle vier Auferstehungsberichte in den Evangelien miteinander zu vergleichen, die scheinbaren Widersprüche durchzugehen und zu zeigen, wie wunderbar diese Berichte miteinander harmonieren. Und wir konnten darüber staunen, wie genial Gott sein Wort von Menschen hat niederschreiben lassen. Das ist das Wort Gottes, das ist die Lehre der Inspiration. Menschen haben die Schrift geschrieben, mit ihren Persönlichkeiten und ihrem Schreibstil. Das Lukasevangelium war ein Versuch des Arztes und Historikers Lukas an Theophilus, einen zuverlässigen Bericht von Augenzeugen zu schreiben, damit Theophilus Sicherheit und Gewissheit empfängt in den Dingen, von denen er gehört hatte. Gleichzeitig hat aber der Heilige Geist diese Menschen angeleitet, sodass jedes Wort, das sie geschrieben haben, das Wort Gottes war – ohne Fehler, weder im Ganzen noch in Teilen. Wir durften darüber staunen, dass Gott Frauen auserwählt hat, um die ersten Zeugen zu sein. Frauen, die in der Kultur damals keinen großen Stellenwert hatten. Maria Magdalena war die erste, die das leere Grab gesehen und den auferstandenen Herrn gesehen hat. Sie war mit sieben Dämonen besessen gewesen, und Jesus hat ihr diese sieben Dämonen ausgetrieben. So eine Frau wird auserwählt als erste Zeugin. Wir haben darüber gestaunt, wie Gott das Verachtete, das Schwache und das Törichte der Welt auserwählt und die Weisheit der Weisen dadurch zur Torheit macht.

Heute möchten wir sehen, wie Jesus Augen öffnet – die Augen dieser Jünger öffnet. Und wir möchten sehen, wie er es tut: durch die Schrift, durch die Schriftauslegung. Und das ist das Erstaunliche an diesem Text. Wir möchten uns diesen Text in drei Punkten anschauen. Erstens: Die Mutlosigkeit verschlossener Augen. Dort starten diese Jünger – mutlos mit verschlossenen Augen. Zweitens: Der Schlüssel für geöffnete Augen. Wie werden die Augen dieser Jünger geöffnet? Was ist der Schlüssel für diesen Aha-Moment? Und drittens: Die Konsequenz geöffneter Augen. Was machen die Jünger, nachdem ihre Augen geöffnet worden sind? Was ist ihre Reaktion?

Erstens: Die Mutlosigkeit verschlossener Augen. Vers 13: „Und siehe, zwei von ihnen gingen an diesem Tag nach einem Dorf mit Namen Emmaus, 60 Stadien von Jerusalem entfernt.“ Mit „Und siehe“ leitet Lukas einen neuen Abschnitt ein und richtet unsere Aufmerksamkeit auf zwei konkrete Personen, nämlich „zwei von ihnen“. Wer sind diese zwei? „Von ihnen“ beschreibt eine Gruppe, und aus dieser Gruppe gehen zwei zu diesem Dorf Emmaus. Es sind zwei aus der Gruppe, die in Vers 9 beschrieben wird: Die Frauen kehrten von der Gruft zurück und verkündeten dies alles den elf Aposteln und den übrigen allen. Und aus dieser Gruppe der übrigen gehen nun zwei nach Emmaus. Einer dieser Jünger heißt Kleopas. Den Namen des anderen Jüngers wissen wir nicht. Einige gehen davon aus, dass es Kleopas‘ Frau war, weil sie ja zusammen in Emmaus in das gemeinsame Haus gehen, aber wir wissen es nicht genau. Wir wissen, dass einer Kleopas ist; sonst wissen wir fast nichts über diese Menschen. Sie sind fast anonym für uns. Sie sind nicht einer von den großen Aposteln.

Hier sieht man, wie sich der Trend fortsetzt, wem sich Jesus offenbart. Ich als auferstandener Jesus hätte mich wahrscheinlich als Erstes in den Tempel gestellt, vor die Volksmengen und Hohenpriester, um ihnen zu beweisen, dass ich auferstanden bin. Aber seht den Trend: Zuerst Maria Magdalena, dann den Frauen und jetzt diesen zwei fast anonymen Jüngern. Aus weltlicher Perspektive sind das keine bedeutenden Menschen, aber Jesus begegnet ihnen persönlich. Es ist keine Zur-Schaustellung. Er nimmt sich Zeit. Jesus ist derjenige, der sich naht und sucht: die Verstoßenen, die Zöllner, die Sünder. Im Lukasevangelium insbesondere sehen wir, wie er sich um Frauen, Heiden und Aussätzige kümmert. Er strahlt auch hier wieder dieses göttliche Wesen aus, indem er sich diesen No-Names offenbart. Im ersten Korintherbrief heißt es: „Nicht viele Edle, sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt.“

Diese beiden gingen „an diesem Tag“ nach Emmaus. Es ist immer noch derselbe Tag, der Sonntag, der erste Tag der Woche – der dritte Tag nach der Kreuzigung. Derselbe Tag, an dem die Frauen das Grab besucht haben. Wir wissen, es ist immer noch derselbe Tag, und später wird es Abend. Wir können davon ausgehen, dass es Nachmittag ist. Sie gehen nach Emmaus, das 60 Stadien weit entfernt ist. Eine Stadie entspricht etwa 185 Metern; 60 Stadien sind also circa 11 Kilometer.

Verse 14 bis 16: „Und sie unterhielten sich miteinander über dies alles, was sich zugetragen hatte. Und es geschah, während sie sich unterhielten und miteinander überlegten, dass sich Jesus selbst nahte und mit ihnen ging. Aber ihre Augen wurden gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.“ Sie unterhalten sich über das Wirken und den Tod des Herrn Jesus, über den Bericht der Frauen und über die Enttäuschung, die sie empfinden. Dieses „miteinander Überlegen“ beschreibt ein intensives Gespräch, fast wie eine Verhandlung oder ein Ringen um Verständnis. Und während sie dieses Gespräch führen, naht sich Jesus und geht mit ihnen. Aber sie erkannten ihn nicht. Das sind Männer, die Jesus vielleicht erst drei Tage vorher lebendig gesehen haben, die ihn in der letzten Woche in Jerusalem erlebt haben. Aber ihre Augen wurden gehalten. Manche meinen, sie waren so überzeugt von seinem Tod, dass sie ihn deshalb nicht erkannten. Andere glauben, er sah nach der Auferstehung anders aus. Aber Maria Magdalena hielt ihn für einen Gärtner; er hatte also offensichtlich kein übernatürliches Leuchten an sich. Ich glaube, hier liegt ein göttliches Handeln vor: Jesus selbst hielt ihre Augen, sodass sie ihn nicht erkannten. Später, in Vers 31, heißt es: „Ihre Augen wurden aufgetan“ – auch das ist ein Passiv.

Warum hält Jesus ihre Augen? Wäre es nicht einfacher gewesen, wenn er sich sofort gezeigt hätte? Dann wären sie nicht mehr niedergeschlagen gewesen, dann hätten sie sofort geglaubt. Offensichtlich war das nicht der Weg. Die Antwort auf diese Frage ist der Schlüssel zum Text: Jesus nimmt an ihrem Gespräch teil, und sie halten ihn für einen weiteren Reisenden.

Verse 17 bis 18: „Er aber sprach zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr im Gehen miteinander wechselt? Und sie blieben niedergeschlagen stehen. Einer aber, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige, der in Jerusalem weilt und nicht weißt, was dort geschehen ist in diesen Tagen?“ Jesus klinkt sich ein und fragt nach dem Thema ihres Gesprächs. Er weiß es natürlich, aber er will sie dazu bringen, ihm zu antworten, damit er sie belehren kann. Die Reaktion ist: Sie bleiben niedergeschlagen stehen. Dieses Wort wird auch mit „düster“ übersetzt. Sie sind enttäuscht, mutlos und hoffnungslos. Kleopas reagiert mit Unverständnis: „Hast du die letzten Tage unter einem Felsen verbracht? Wie kann es sein, dass du das nicht mitbekommen hast?“ Jeder in Jerusalem musste davon gehört haben.

Jesus geht nicht darauf ein und fragt: „Was denn? Erzählt es mir.“ Er möchte von ihnen hören, was ihr Problem ist. Verse 19 bis 20 beschreiben es: „Das von Jesus, dem Nazarener, der ein Prophet war, mächtig im Werk und Wort vor Gott und dem ganzen Volk. Und wie ihn die Hohenpriester und unsere Obersten zum Todesurteil überlieferten und ihn kreuzigten.“ Jesus hört hier undercover zu, wie sie über ihn reden. Sie nennen ihn einen Propheten – und er war der Prophet, der in 5. Mose 18 angekündigt wurde. Er war mächtig im Werk und Wort, so wie Mose beschrieben wurde. Die Menschen erkannten seine Vollmacht an. Und dann folgt der Kontrast in Vers 20: „Diesen mächtigen Propheten überlieferten unsere Obersten zum Todesurteil und kreuzigten ihn.“

In Vers 21 kommen sie zum Kern ihrer Enttäuschung: „Wir aber hofften, dass er der sei, der Israel erlösen solle. Doch auch bei alledem ist es heute der dritte Tag, seitdem dies geschehen ist.“ Sie hatten die Hoffnung auf politische Erlösung, auf die Befreiung von den Römern. Sie dachten nicht an den Preis, der für die Erlösung gezahlt werden muss. Und jetzt ist er tot, und es sind drei Tage vergangen. Das macht sie mutlos. Sogar der Bericht der Frauen (Verse 22-23) und die Bestätigung des leeren Grabs durch Petrus und Johannes (Vers 24) ändern nichts an ihrer Niedergeschlagenheit. Sie sahen ihn nicht – und deshalb glauben sie nicht. Ihr Mangel an Erkenntnis lässt sie ohne Hoffnung zurück. Sie sind verblendet und kurzsichtig.

Zweitens: Der Schlüssel für geöffnete Augen. In Vers 25 spricht Jesus: „Ihr Unverständigen und im Herzen zu träge, an alles zu glauben, was die Propheten geredet haben!“ Er weist sie zurecht. Sie sind zu langsam zu glauben. Sie haben zwar an Teile der Prophetie geglaubt, aber nicht an alles. Ihr Problem war nicht, dass Jesus gestorben ist – das war der Plan. Ihr Problem war auch nicht, dass sie ihn physisch nicht erkannten. Ihr Problem war, dass sie die Schrift nicht verstanden und ihr nicht glaubten. Deshalb hält Jesus ihre Augen. Er will ihr eigentliches Problem lösen, und das geht tiefer als das bloße Sehen. Sie müssen unterwiesen werden. Die Schriftauslegung ist der Schlüssel.

Welchen Stellenwert Jesus der Schrift beimisst! Die Schrift hat die Vollmacht, Augen zu öffnen. Erfahrungen und Erlebnisse sind wertvoll, aber für dauerhafte Freude und festen Glauben ist die Auslegung der Schrift der Schlüssel. Jesus bemitleidet sie nicht für ihren Unverstand; er überführt sie. Das Alte Testament war klar genug. Vers 26: „Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit hineingehen?“ Es gab eine göttliche Notwendigkeit. Das Kreuz kam vor der Krone.

Vers 27: „Und von Mose und von allen Propheten anfangend, erklärte er ihnen in allen Schriften das, was ihn betraf.“ Jesus gibt eine Bibelstunde von Genesis bis Maleachi. Er zeigt ihnen den Roten Faden: von der Verheißung in Genesis 3,15 über die Opfertiere, das Passahlamm bis hin zu den Psalmen und Jesaja 53. Er macht deutlich: Es ging immer um ihn. Er war der Stellvertreter, der leiden musste, um für Sünde zu bezahlen.

Drittens: Die Konsequenz geöffneter Augen. In den Versen 28 bis 30 näherten sie sich Emmaus. Jesus stellt sich so, als wolle er weitergehen. Sie aber nötigten ihn zu bleiben. Sie hatten Hunger nach mehr entwickelt; sie wollten nicht, dass diese Auslegung endet. Die Ironie in Vers 30 ist, dass Jesus – der Gast – das Brot nimmt, segnet und bricht, was eigentlich die Aufgabe des Gastgebers gewesen wäre. Ihr Herz brannte bereits, und sie wollten mehr von ihm hören.

In Vers 31 geschieht es: „Ihre Augen aber wurden aufgetan und sie erkannten ihn, und er wurde vor ihnen unsichtbar.“ Warum erst jetzt? Weil Jesus mit seiner Mission fertig war. Er hatte ihr eigentliches Problem – das Unverständnis der Schrift – gelöst. Jetzt konnten sie ihn auch physisch erkennen, weil sie nun eine tiefere Grundlage für ihren Glauben hatten. Und sofort wurde er unsichtbar. In Vers 32 sagen sie: „Brannte nicht unser Herz in uns, wie er auf dem Weg zu uns redete und wie er uns die Schriften öffnete?“ Sie reden nicht über sein Aussehen, sondern über die Wirkung des Wortes. Die Auslegung der Schrift brachte die 180-Grad-Drehung hervor: von Niedergeschlagenheit zu brennenden Herzen.

Das Feuer steht für Eifer, Freude und Begeisterung. Jeder Gläubige kennt diesen Moment, wenn das Evangelium zum ersten Mal wirklich verstanden wird – die Freude über die Vergebung. Dieses Feuer bleibt nicht für sich; es breitet sich aus. Verse 33 bis 35 zeigen die Konsequenz: „Und sie standen zur gleichen Stunde auf und kehrten nach Jerusalem zurück.“ Es ist Abend, aber sie können nicht warten. Sie gehen die elf Kilometer zurück nach Jerusalem, finden die Elf und berichten: „Der Herr ist wirklich auferweckt worden!“ Aus Zweiflern sind brennende Zeugen geworden.

Zum Schluss: Die Augenöffnung geschah auf dem Weg durch das Wort. Wir brauchen keine neuen Wunder oder Zeichen, um mit Feuer durch das Leben zu gehen. Wir haben die mächtigste Waffe bereits in unseren Händen: das Wort Gottes. Abraham sagte im Gleichnis: „Wenn sie Mose und die Propheten nicht hören, so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht.“ Es gibt kein größeres Zeugnis als die Schrift.

Lass dein Herz durch das Wort entfachen. Studiere die ganze Schrift, nicht nur die Teile, die dir gefallen. Wenn das Feuer erkaltet ist, gibt es keine magische Formel außer dem Wort Gottes. Bete um Verständnis und sei selbst ein Ausleger für dein Umfeld. Erkenne, dass Christus der auferstandene Herr ist und die einzige Hoffnung für Sünder. Ihm sei alle Ehre. Amen.

Lasst uns beten. Unser Herr Jesus Christus, du bist der Auferstandene. In dir erfüllt sich das Wort Gottes, all die Prophetien und Bilder. Ich danke dir, dass du durch die Schriftauslegung diese Jünger auf dem Weg nach Emmaus erleuchtet hast. Wir haben heute dasselbe mächtige Werkzeug in unserer Hand. Herr Jesus, ich bitte dich: Erleuchte auch unsere Augen. Lass unsere Herzen brennen, wenn wir dein Wort lesen. Gib uns Verständnis und lass uns treue Kenner deiner Schrift sein. Lass nicht zu, dass wir mutlos durch das Leben gehen. Wir haben alles, was wir brauchen, in deinem Wort. Amen.

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