{"id":2277,"date":"2026-01-14T11:19:02","date_gmt":"2026-01-14T09:19:02","guid":{"rendered":"https:\/\/solideogloria-muenchen.de\/?post_type=wpfc_sermon&#038;p=2277"},"modified":"2026-01-14T18:39:07","modified_gmt":"2026-01-14T16:39:07","slug":"christus-alles-und-in-allen","status":"publish","type":"wpfc_sermon","link":"https:\/\/solideogloria-muenchen.de\/en\/sermons\/christus-alles-und-in-allen\/","title":{"rendered":"Christus alles und in allen"},"content":{"rendered":"<p><em>Automatisch generiertes Transkript<\/em><\/p>\n<p>Schlagen wir den Kolosserbrief auf.<\/p>\n<p>Kolosserbrief, Kapitel 1, die Verse 1 und 2.<\/p>\n<p>Kolosserbrief, Kapitel eins, die Verse eins bis zwei.<\/p>\n<p>\u201ePaulus, Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen, und Timotheus, der Bruder, den heiligen und gl\u00e4ubigen Br\u00fcdern in Christus zu Koloss\u00e4: Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater.\u201c<\/p>\n<p>Lasst uns beten.<\/p>\n<p>Unser Vater im Himmel, gro\u00dfer und herrlicher Gott, der seinen einen Sohn, seinen eingeborenen Sohn, auf diese Erde gesandt hat, um S\u00fcnder wie uns zu retten. Er, der das Bild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Sch\u00f6pfung; Er, in dem alle F\u00fclle der Gottheit wohnt \u2013 diesen, deinen Sohn, mit dem du die ganze Welt mit dir, mit dir selbst vers\u00f6hnt hast. Mit dem Opfer deines, dieses Sohnes, hast du alle Gewalten und M\u00e4chte zur Schau gestellt und hast \u00fcber sie Triumph gehalten. In diesem, deinem Sohn, sind wir als heilige und gl\u00e4ubige Br\u00fcder adoptiert in deine Familie, himmlischer Vater.<\/p>\n<p>Vater, wir beten dich an und deinen Sohn. Herr Jesus Christus, wir preisen deine Erhabenheit. Wir preisen deine Genugsamkeit. Du bist \u00fcber allem. Alles wurde durch dich geschaffen, Herr Jesus. Alles wurde zu dir hin geschaffen. Du bist \u00fcber alles erhoben worden, nachdem du dein Werk vollbracht hast, indem du Mensch geworden bist, gestorben bist, wieder auferstanden bist und in den Himmel aufgefahren bist. Alles bewegt sich zu dir hin. Alle Ehre geh\u00f6rt dir. Alle Herrlichkeit geh\u00f6rt dir, Herr Jesus.<\/p>\n<p>Und so bitte ich dich, dass, wenn wir uns jetzt deiner Genugsamkeit und deiner Erhabenheit und deiner Herrlichkeit widmen in diesem Brief und in dieser Stunde, du uns doch durch dein Wort gro\u00df gemacht wirst. Dass dein Wesen scheinen m\u00f6ge und wir deine Herrlichkeit sehen m\u00f6gen, mit aufgedecktem Angesicht durch dein Wort, durch die Offenbarung, die du uns geschenkt hast. M\u00f6gen Herzen, die finster sind, erleuchtet werden. M\u00f6gen Herzen, die noch tot sind in ihren Vergehen, auferweckt werden durch das Licht, das du durch dein Wort strahlen m\u00f6gest, durch deine Herrlichkeit. M\u00f6gen wir in der Erkenntnis deiner selbst wachsen. Du bist das Ziel und das h\u00f6chste Gut und das Ende aller Dinge, wohin alles f\u00fchren soll. M\u00f6gen wir durch die Betrachtung dieses Wortes, m\u00f6gen wir durch die Betrachtung dieses Briefes doch auch genau dazu hingef\u00fchrt werden: zu dir, zu deinen F\u00fc\u00dfen, zu einer gr\u00f6\u00dferen Erkenntnis von dir und deiner Herrlichkeit, Herr Jesus. M\u00f6ge das doch geschehen. Ich bete zu dir in deinem Namen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>Setzt euch gerne.<\/p>\n<p>Wie ihr seht, sp\u00e4testens heute seht, haben wir unsere fortlaufende Betrachtung des Lukasevangeliums mit der vergangenen Woche abgeschlossen. Wir haben uns diese letzten viereinhalb Jahre damit besch\u00e4ftigt, wie unser Herr Jesus Christus auf diese Erde kam. Wie seine Geburt und sogar die Geburt seines Vorg\u00e4ngers, Johannes des T\u00e4ufers, angek\u00fcndigt worden ist \u2013 sowohl Elisabeth, Zacharias als auch Maria und Josef. Wie Jesus als Mensch auf dieser Erde geboren wurde. Wie er als Zw\u00f6lfj\u00e4hriger im Tempel verweilte, wie er wuchs in Gnade und Gunst.<\/p>\n<p>Wie sein Vorg\u00e4nger auftrat, Johannes der T\u00e4ufer, und predigte. Wie Jesus selbst versucht wurde vom Widersacher, diese Versuchungen \u00fcberwunden hat und seinen Dienst begann. Wie er die frohe Botschaft predigte den Blinden und den Gefangenen und den Armen im Geiste. Wie er das Gnadenjahr ausgerufen hat. Wie die Menschen ihn daf\u00fcr umbringen wollten, f\u00fcr diese Botschaft. Wir haben gesehen, wie er gelehrt hat, wie er gelebt hat, wie er unendliche Zeichen und Wunder getan hat, aber letztendlich von den Hohepriestern, von den Pharis\u00e4ern, von den Obersten der Juden \u00fcberliefert worden ist an die R\u00f6mer, die ihn gekreuzigt haben und get\u00f6tet haben.<\/p>\n<p>Wie das Grab ihn aber nicht halten konnte und er am dritten Tage auferstand, vierzig Tage lang seine J\u00fcnger begleitete, sie aus der Schrift heraus belehrte, ihre Herzen und ihre Augen \u00f6ffnete. Und wie er schlussendlich \u2013 und damit haben wir uns vergangene Woche besch\u00e4ftigt \u2013 in den Himmel aufgefahren ist, mit der finalen Vorbereitung an die J\u00fcnger, mit dem finalen Auftrag an die J\u00fcnger: Zeugen zu sein, Zeugen von Jesus Christus und seiner Person, seines Werkes, seiner Auferstehung.<\/p>\n<p>Und nun, da wir das Lukasevangelium abgeschlossen haben, bewegen wir uns und m\u00f6chten beginnen mit der Betrachtung eines neuen Buches, n\u00e4mlich des Briefes des Apostels Paulus an die Gemeinde in Koloss\u00e4. Und wir haben vergangene Woche quasi mit der Verherrlichung des Herrn Jesus abgeschlossen; wie er in den Himmel zur Rechten Gottes aufgefahren ist, in die Herrlichkeit eingegangen ist, nachdem er sein Werk auf Erden vollbracht hat. Und wenn wir uns diesen Kolosserbrief anschauen, dann werden wir die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus bestaunen.<\/p>\n<p>Es ist schwer, diesen Kolosserbrief in wenigen Worten zusammenzufassen. Ich habe es versucht mit den Worten, die in Kapitel 3 auftauchen: Christus alles und in allen. Christus alles und in allen. Blaise Pascal, der franz\u00f6sische Mathematiker, Physiker, Literat und Philosoph \u2013 viele kennen ihn vielleicht von der Druckeinheit Pascal und von vielen anderen Dingen, die in der Wissenschaft und auch in der Philosophie nach ihm benannt worden sind \u2013 hat gesagt: \u201eJesus Christus ist das Zentrum von allem und das Ziel von allem. Und wer ihn nicht kennt, wei\u00df nichts \u00fcber die Ordnung der Natur und nichts \u00fcber sich selbst.\u201c<\/p>\n<p>Passende Worte, meiner Meinung nach, auch f\u00fcr den Kolosserbrief. Jesus Christus ist das Zentrum von allem und das Ziel von allem. Und wer ihn nicht kennt, wei\u00df nichts \u00fcber die Ordnung der Natur und nichts \u00fcber sich selbst. Du kannst alle Weisheit und Bildung der Welt haben. Du kannst der gr\u00f6\u00dfte Denker und Philosoph aller Zeiten sein und das gr\u00f6\u00dfte wissenschaftliche Verst\u00e4ndnis haben; aber wer Jesus Christus nicht kennt, kennt nichts \u2013 weder \u00fcber die Ordnung der Natur noch \u00fcber sich selbst.<\/p>\n<p>Und so m\u00f6chten wir heute eine Einf\u00fchrung in diesen Kolosserbrief machen, der, in K\u00fcrze gefasst, Christus gro\u00df macht. Christus gro\u00df macht. Nat\u00fcrlich macht das auch der Rest der Schrift, und die anderen Briefe und B\u00fccher der Bibel machen das auch. Aber der Kolosserbrief tut das auf eine direkte Art und Weise, wie es sonst kaum ein anderes Buch tut. Und heute m\u00f6chten wir diese Einf\u00fchrung machen.<\/p>\n<p>In diesem Brief \u2013 und daf\u00fcr habt ihr hier ein Handout, das ich euch gerne jetzt kurz austeilen w\u00fcrde, damit jeder es hat \u2013 wie wir uns diese Einf\u00fchrung in diesen Kolosserbrief machen m\u00f6chten, ist: Wir m\u00f6chten uns wirklich die Einf\u00fchrung von Paulus selbst anschauen und an dieser verstehen, worum es in diesem Brief geht und wieso er geschrieben worden ist. Kolosser Kapitel 1, die Verse 1 bis 2. Paulus beginnt \u2013 wir werden uns vier Aspekte anschauen. Drei davon finden wir direkt hier. Den vierten sollten wir durch den Brief verstehen.<\/p>\n<p>Paulus beginnt diesen Brief \u2013 sehr typisch auch f\u00fcr die damalige Zeit und auch f\u00fcr Paulus selbst. Er beginnt seine Briefe oft erstens mit dem Autor, zweitens mit den Empf\u00e4ngern und drittens mit einem Segensgru\u00df. Das war damals etwas \u00dcbliches. Heutzutage beginnen wir Briefe oder E-Mails mit dem Adressaten, dann kommt der Inhalt, am Ende kommt ein Gru\u00df und dann wir selbst, der Autor oder der Verfasser. In der damaligen Zeit war es \u00fcblich, dass man mit dem Verfasser selbst begann, also mit sich selbst, dann den Empf\u00e4nger nannte und dann den Gru\u00df. In der k\u00fcrzesten Form w\u00e4re das hier zum Beispiel: \u201ePaulus, Br\u00fcder in Koloss\u00e4, Gru\u00df.\u201c Das w\u00e4re die k\u00fcrzeste und g\u00e4ngigste Form der damaligen Zeit, einen Brief zu beginnen.<\/p>\n<p>Aber Paulus \u2013 und es gibt dieses Zitat auch \u2013 Paulus nimmt diese g\u00e4ngige Gru\u00dfart und taucht alles ein in das Evangelium. Und so ist es auch in diesem Gru\u00df und in den Gr\u00fc\u00dfen von Paulus im Allgemeinen: Dass in dem Gru\u00df von Paulus, in diesen beginnenden Worten bereits, so viel Wahrheit und Lehre steckt und so viel Evangelium steckt. Aber beginnen wir ganz einfach erst einmal bei erstens: Die Autoren.<\/p>\n<p>Erstens: Die Autoren. \u201ePaulus, Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen, und Timotheus, der Bruder.\u201c Paulus ist jemand, der uns wohlbekannt ist, der in der Bibel zuerst als Saulus auftaucht. Und wer beim Bibelleseplan dabei ist, hat sich erst vor Kurzem wieder die Bekehrung dieses Mannes angeschaut. Paulus berichtet in der Apostelgeschichte 22,3 selbst von sich; er stellt sich selbst vor als einen j\u00fcdischen Mann, geboren in Tarsus in Zilizien, aber auferzogen in dieser Stadt zu den F\u00fc\u00dfen Gamaliels, unterwiesen nach der Strenge des v\u00e4terlichen Gesetzes. So ist Paulus bzw. Saulus aufgewachsen \u2013 ein j\u00fcdischer Mann, in der Strenge des v\u00e4terlichen Gesetzes unterwiesen zu den F\u00fc\u00dfen Gamaliels, eines Lehrers.<\/p>\n<p>In Philipper 3,5 bis 6 stellt sich Paulus vor als beschnitten am achten Tag, vom Geschlecht Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebr\u00e4er von Hebr\u00e4ern. Dem Gesetz nach ein Pharis\u00e4er, dem Eifer nach ein Verfolger der Gemeinde, der Gerechtigkeit nach, die im Gesetz ist, untadelig geworden. Das ist dieser Saulus. Er war ein Jude, er war ein Pharis\u00e4er, Teil der strengsten Sekte, Teil der strengsten Gruppierung des j\u00fcdischen Volkes damals. Er war nicht nur das, er war ein Verfolger der Gemeinde. Ja, gehen wir noch einmal kurz zur\u00fcck zu dieser Stra\u00dfe von Damaskus, Apostelgeschichte, Kapitel 9, wo dieser Saulus eine vollst\u00e4ndige Ver\u00e4nderung erlebt.<\/p>\n<p>In Apostelgeschichte Kapitel 9, Vers 1 lesen wir noch: \u201eSaulus aber schnaubte immer noch Drohung und Mord gegen die J\u00fcnger des Herrn und ging zu dem Hohenpriester und erbat sich von ihm Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er, wenn er einige, die des Weges waren, f\u00e4nde, M\u00e4nner wie auch Frauen, sie gebunden nach Jerusalem f\u00fchrte.\u201c Saulus war voller Eifer, und zwar voller Eifer gegen die Christen. Damals war eine Bezeichnung f\u00fcr die Christen: \u201ediejenigen, die des Weges waren\u201c. Er wollte sie verhaften, er wollte, dass sie sterben. Drohung und Mord schnaubte er gegen sie. Er willigte in die T\u00f6tung von Stephanus mit ein, der von den Juden gesteinigt worden ist. Das war Saulus.<\/p>\n<p>Aber auf dem Weg nach Damaskus passiert Folgendes, Vers 3: \u201eAls er aber hinzog, geschah es, dass er sich Damaskus n\u00e4herte und pl\u00f6tzlich umstrahlte ihn ein Licht aus dem Himmel. Und er fiel auf die Erde und h\u00f6rte eine Stimme, die zu ihm sprach: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Wer bist du, Herr? Er aber sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst.\u201c Jesus begegnet ihm auf dieser Stra\u00dfe nach Damaskus in einem Licht und spricht zu ihm: \u201eWas verfolgst du mich?\u201c Saulus fragt: \u201eWer bist du, Herr?\u201c Und Jesus sagt: \u201eIch bin Jesus, den du verfolgst.\u201c<\/p>\n<p>Eine kleine Randnotiz, aber wir sehen hier, wie sehr sich Jesus mit der Gemeinde identifiziert. Paulus hat nicht Jesus verfolgt. Paulus hat die Gemeinde verfolgt. Aber Jesus sagt: \u201eDu verfolgst mich.\u201c Wer die Gemeinde verfolgt, verfolgt Jesus. Wir sehen danach: Jesus sendet ihn nach Damaskus; er soll nach Damaskus gehen, und dort wird er Hananias treffen. Und Jesus sendet einen J\u00fcnger, der ihm das Evangelium verk\u00fcndet, der ihn heilt. Denn Jesus sagt zu Hananias in Vers 15: \u201eDer Herr aber sprach zu ihm: Geh hin! Denn dieser ist mir ein auserw\u00e4hltes Werkzeug, meinen Namen zu tragen sowohl vor Nationen als auch vor K\u00f6nigen und S\u00f6hnen Israels. Denn ich werde ihm zeigen, wie vieles er f\u00fcr meinen Namen leiden muss.\u201c<\/p>\n<p>Jesus hat diesen Saulus auserw\u00e4hlt, ein Werkzeug f\u00fcr seine Botschaft zu sein, den Namen Jesu Christi zu tragen vor Nationen, vor K\u00f6nigen und vor dem j\u00fcdischen Volk. Und er wird Paulus zeigen, wie viel er f\u00fcr den Namen Jesu leiden muss. Genau das ist es, was Paulus sagt in seiner Vorstellung hier, wenn er sich nennt: \u201eApostel Jesu Christi\u201c. Mit \u201ePaulus\u201c stellt er seinen Namen vor, er sagt einfach nur, wer er ist. \u201eApostel Jesu Christi\u201c ist sein Titel, ist seine Berufung. Apostel bedeutet an sich erst einmal nur, ein Gesandter zu sein, ein Bote zu sein. In der Bibel wird Apostel manchmal verwendet f\u00fcr einen einfachen Boten einer Gemeinde zum Beispiel, einen Gesandten einer Gemeinde. Aber Paulus ist nicht einfach nur ein Gesandter, er ist einer dieser bestimmten Gesandten \u2013 einer von den 13 M\u00e4nnern, die von Jesus bestimmt worden sind mit diesem Titel und dem Amt des Apostels.<\/p>\n<p>Die zw\u00f6lf J\u00fcnger \u2013 wir wissen, Judas wurde ersetzt durch Matthias, auch in der Apostelgeschichte lesen wir davon. Und Paulus ist ein weiterer von diesen. Er wurde pers\u00f6nlich von Jesus berufen und auserw\u00e4hlt, Zeuge des auferstandenen Jesus Christus zu sein. Er ist ein Zeuge, er hat den auferstandenen Jesus gesehen. Und er hat damit die Autorit\u00e4t, ein Bote und Repr\u00e4sentant von Jesus Christus zu sein. Er ist Apostel Jesu Christi. Jesu Christi \u2013 er ist Apostel von Jesus Christus. Seine Gesandtschaft geh\u00f6rt dem Herrn Jesus Christus. Er redet in der Autorit\u00e4t als Gesandter von Jesus Christus. Die Worte, die er spricht, spricht er als Botschafter und als Repr\u00e4sentant von Jesus Christus. Wenn Paulus hier in diesem Brief an die Kolosser spricht, spricht er die Worte Jesu Christi. Denn Jesus spricht durch seinen Gesandten und durch seinen Boten.<\/p>\n<p>Und er ist Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen. Diesen Titel, dieses Amt hat Paulus sich nicht selbst ergriffen. Wir haben selbst gesehen: Er war gerade auf dem Weg, Christen gefangen zu nehmen und sie dem Tode zu \u00fcberliefern. Gott hat ihm diesen Titel, dieses Amt und damit die Autorit\u00e4t gegeben. Er ist durch Gottes Willen Apostel Jesu Christi. Nicht durch eines Menschen Willen, nicht durch ihn selbst, auch nicht durch andere Menschen. Er ist nicht erw\u00e4hlt worden von anderen Menschen, sondern es war der Wille Gottes, durch den er ein Apostel geworden ist. Das bringt zwei Aspekte mit sich: Er hat damit die Autorit\u00e4t, weil sie von Gott kommt, weil sie vom Herrn Jesus Christus kommt. Gleichzeitig ist seine Autorit\u00e4t begrenzt auf das, was Gott will. Er hat keine absolute Autorit\u00e4t, sondern er hat abgeleitete Autorit\u00e4t von Gott. In Epheser 3, Vers 8 sagt Paulus: \u201eMir, dem Allergeringsten von allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, den Nationen den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verk\u00fcndigen.\u201c Es ist ein Auftrag Gottes, den er empfangen hat \u2013 durch Gottes Willen.<\/p>\n<p>Dann haben wir nicht nur Paulus, wir haben auch: Timotheus, der Bruder. Timotheus war nicht unbedingt der Mitautor. Er war wahrscheinlich einfach bei Paulus; er war dabei, als Paulus diesen Brief geschrieben hat. Es k\u00f6nnte sein, dass Timotheus derjenige war, der den Brief wirklich aufgeschrieben hat, also dem Paulus die Worte diktiert hat und Timotheus derjenige war, der es geschrieben hat. Denn in Kolosser Kapitel 4, Vers 18 am Ende sehen wir den Gru\u00df, n\u00e4mlich: \u201eDer Gru\u00df mit meiner, des Paulus, Hand. Gedenkt meiner Fesseln.\u201c Er betont hier, dass er diesen Gru\u00df am Ende in Vers 18 mit seiner eigenen Hand geschrieben hat, was bedeuten kann, dass der Rest von jemand anderem niedergeschrieben wurde und er lediglich diktiert hat. Und dieser Jemand, der das niedergeschrieben hat, kann gut sein, dass das Timotheus war.<\/p>\n<p>Wer ist Timotheus? Timotheus begegnet uns in Apostelgeschichte Kapitel 16 w\u00e4hrend der zweiten Missionsreise des Apostels Paulus. Er hat eine j\u00fcdische Mutter, aber einen griechischen Vater. Er ist durch seine Gro\u00dfmutter und seine Mutter im Wort gelehrt worden, ist dort damit aufgewachsen und ist gl\u00e4ubig geworden. Ein Mann von gutem Zeugnis, und er wird ein Begleiter des Apostels Paulus ab Apostelgeschichte, Kapitel 16. Er ist ein enger Gef\u00e4hrte von ihm. In Philipper Kapitel 2, Vers 19 bis 22 sagt Paulus Folgendes: \u201eIch hoffe aber im Herrn Jesus, Timotheus bald zu euch zu senden, damit auch ich guten Mutes bin, wenn ich um euer Ergehen wei\u00df. Denn ich habe keinen ihm Gleichgesinnten, der aufrichtig f\u00fcr das Eure besorgt sein wird. Ihr kennt aber seine Bew\u00e4hrung, dass er wie ein Kind dem Vater mit mir f\u00fcr das Evangelium gedient hat.\u201c Paulus und Timotheus haben eine wundersch\u00f6ne Beziehung. Es ist wie eine Vater-Sohn-Beziehung. Oft bezeichnet Paulus Timotheus als sein geliebtes Kind. Wenn wir die Timotheusbriefe lesen, sehen wir die Sorge und das Anliegen, das der Apostel Paulus f\u00fcr Timotheus hat. \u00dcber Timotheus wissen wir, dass er ein Lehrer war, dass er begabt war, aber dass er auch jemand war, der mit k\u00f6rperlichen Schwachheiten zu k\u00e4mpfen hatte; der auch selbst nicht sehr mutig war, oft an sich selbst zweifelte oder an Dingen zweifelte und viel Ermutigung, viel Trost gebraucht hat.<\/p>\n<p>Aber seht, mit welchen lieblichen Worten Paulus hier von Timotheus redet: \u201eEs gibt keinen ihm Gleichgesinnten.\u201c Was f\u00fcr ein Kompliment ist das, was Paulus sagt \u2013 dass Timotheus ihm so gleichgesinnt ist. Diesen Timotheus, der mit Paulus ist, nennt er aber hier nicht \u201emein Kind\u201c, sondern er nennt ihn hier: Timotheus, der Bruder. Ja, er ist Paulus&#8216; geistliches Kind, aber gleichzeitig ist er auch sein Bruder in Christus. Gleichwertig, gleichgestellt in Christus als Geschwister. Und genau das folgt ja jetzt auch hier in Vers 2, wenn wir davon lesen: \u201eDen Empf\u00e4ngern, den heiligen und gl\u00e4ubigen Br\u00fcdern.\u201c Timotheus ist der Bruder, und ihr seid auch Br\u00fcder.<\/p>\n<p>Die Adressaten, wer sind sie? Die Empf\u00e4nger, wer sind sie? Also, das ist erstens, wir hatten die Autoren, zweitens: Die Empf\u00e4nger. Treue Br\u00fcder. Auch darin steckt schon so viel reichlicher Inhalt. Sie sind heilig. Sie sind Heilige. Heilig \u2013 wir denken bei dem Wort oft daran, dass das moralisch etwas ist. Wenn jemand heilig ist, dann ist er gut, dann ist er gerecht, dann ist er ohne S\u00fcnde. \u201eOhne S\u00fcnde\u201c kann man zwar in gewisser Weise sagen, aber das Wort an sich hat erst einmal keine moralische Aussagekraft, sondern das Wort an sich bedeutet einfach nur, getrennt zu sein, abgesondert zu sein. Der Grund, wieso wir das oft mit S\u00fcndenlosigkeit oder so vermengen, ist, weil wir davon reden, dass Gott heilig ist. Aber sogar da bedeutet heilig erst einmal nur, dass Gott abgesondert ist von allem anderen; dass er einzigartig ist, dass er anders ist als alles andere, in einer eigenen Kategorie. Und deswegen ist er nat\u00fcrlich auch ohne S\u00fcnde und rein und gerecht. Wenn aber Paulus hier davon spricht, dass diese Menschen heilig sind, dann bedeutet das, dass Gott diese Menschen von der Welt getrennt hat und f\u00fcr sich selbst abgesondert hat. Ein Mensch ist heilig, weil Gott ihn f\u00fcr sich selbst weiht. Ein Mensch wird nicht heilig durch eigene Werke. Ein Mensch wird auch nicht heilig durch die Bestimmung der Kirche, weil er ein besonderes Leben gef\u00fchrt hat. Ein Mensch wird heilig aus Gnade allein. Gott erw\u00e4hlt einen unverdienten S\u00fcnder, der den Zorn und die H\u00f6lle verdient hat, sondert ihn ab von dieser Welt, trennt ihn von dieser Welt und bestimmt ihn f\u00fcr sich selbst, zur Heiligkeit, zur Weihung zu Gott. Und das trifft auf alle Gl\u00e4ubigen zu. Alle Gl\u00e4ubigen sind heilig. Jeder, der an Jesus Christus glaubt, ist ein Heiliger. Kolosser 1, Vers 13 redet davon: \u201eEr hat uns gerettet aus der Macht der Finsternis und uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe.\u201c Es fand eine Trennung statt, ein Herausrei\u00dfen aus der Macht der Finsternis, aus dieser Welt, und ein Versetzen, ein Absondern, eine Weihung in das Reich des Sohnes der Liebe, in das Reich Jesu Christi.<\/p>\n<p>Ich habe einmal mit einem Bruder dar\u00fcber geredet, der mit gewissen Dingen zu k\u00e4mpfen hatte, und habe ihn gefragt: \u201eBist du heilig? Bist du ein Heiliger?\u201c Und er hat gesagt: \u201eIch wei\u00df es nicht. Ich versuche, heilig zu sein, ich versuche, gut zu leben, aber ich wei\u00df es nicht.\u201c Da habe ich ihm gesagt: \u201eAlso ich \u2013 ich bin ein Heiliger.\u201c Und er war verwirrt. Ich bin ein Heiliger, aber nicht aus mir selbst heraus. Nicht, weil ich gut lebe, heilige Werke tue oder gerechte Werke tue. Ich bin ein Heiliger, weil Gott mich erw\u00e4hlt hat und Gott mich abgesondert hat aus Gnade allein. Diese Br\u00fcder in Koloss\u00e4 \u2013 und wir werden sp\u00e4ter sehen, mit welchen Dingen sie zu k\u00e4mpfen haben, in welcher Gefahr sie stehen, Irrlehren zu verfallen \u2013 sie sind Heilige. Sie sind heilige und gl\u00e4ubige Br\u00fcder. Oder \u201etreu\u201c kann das auch \u00fcbersetzt werden. Sie sind also nicht nur in einer abstrakten Weise abgesondert, die niemand merkt, weil Gott das ja f\u00fcr sich gemacht hat \u2013 nein, sie sind gl\u00e4ubige Br\u00fcder. Diese Adressaten sind durch den Glauben an Jesus Christus Kinder Gottes geworden und somit Br\u00fcder, in die Familie Gottes aufgenommen worden und somit Geschwister. Paulus nennt Timotheus Bruder, und Paulus nennt hier jetzt die Kolosser Br\u00fcder, weil sie alle miteinander Br\u00fcder sind, adoptiert in die Familie Gottes durch den Glauben an Jesus Christus. Wenn Heiligkeit diese Trennung und Absonderung ist, die vielleicht etwas Abstraktes ist, dann ist \u201egl\u00e4ubig\u201c das, was diese Kolosser erlebt haben: den Glauben an Jesus Christus. Die innere Ver\u00e4nderung, die geschehen ist durch die Absonderung, durch die Berufung Gottes, die in ihrem Leben Wirklichkeit geworden ist, als sie an den Herrn Jesus Christus geglaubt haben.<\/p>\n<p>Und weil wir sp\u00e4ter nicht mehr so viel darauf eingehen werden, m\u00f6chte ich jetzt bereits sagen: Liebe Geschwister, wie sch\u00f6n ist das? Das ist etwas, was wir verstehen m\u00fcssen, wenn wir solche Briefe lesen und diesen Anfang lesen \u2013 nicht einfach dr\u00fcberzulesen, schnell dr\u00fcberzulesen, sondern einmal innezuhalten und dar\u00fcber nachzudenken. Bist du dir bewusst: Wenn du an den Herrn Jesus Christus glaubst, bist du heilig? Du bist in deiner Position und in deiner Stellung heilig, weil Gott dich f\u00fcr heilig erkl\u00e4rt hat. Nicht aus dir selbst heraus, sondern aufgrund des Werkes Jesu Christi. Durch den Glauben an Jesus bist du aufgenommen in die Familie Gottes \u2013 ein Sohn Gottes, mit allen Rechten und Privilegien. Aufgenommen in der Familie Gottes. Du bist nicht allein hier auf dieser Erde. Du hast Br\u00fcder, du hast Geschwister.<\/p>\n<p>Und das kommt als N\u00e4chstes, Paulus sagt: \u201eIn Christus zu Koloss\u00e4.\u201c In Christus zu Koloss\u00e4. Das ist auch so sch\u00f6n. Eigentlich: \u201eIn Christus, in Koloss\u00e4\u201c. Man k\u00f6nnte dieses \u201ezu Koloss\u00e4\u201c auch mit \u201ein\u201c \u00fcbersetzen. Und es ist so interessant, weil Paulus hier sagt: Ihr seid Br\u00fcder, ihr seid heilige und gl\u00e4ubige Br\u00fcder in Christus und in Koloss\u00e4. Das ist so, als w\u00fcrde er von den Gl\u00e4ubigen reden, dass sie zwei Standorte haben. Als w\u00e4ren sie an zwei Standorten gleichzeitig. Wenn wir \u201ein Christus\u201c lesen, denken wir oft nicht im Sinne einer Position oder eines Standortes. Aber wenn wir das einmal machen, \u201ein Christus\u201c als Standort nehmen und dann \u201ein Koloss\u00e4\u201c als Standort nehmen, dann bezieht sich Paulus ja auf zwei unterschiedliche Positionen bzw. Standorte. Zuallererst befinden sich die Br\u00fcder in Christus. Das ist ein Standort, das ist eine Position. Christus ist wie eine Sph\u00e4re, ein Raum, in dem man sich befindet. Das ist ihr geistlicher Standort. Der Gl\u00e4ubige ist mit Christus vereint worden. Unsere Einheit mit Christus, unsere Vereinigung mit Christus ist die Grundlage f\u00fcr allen Segen in unserer Rettung, in unserem Leben als Gl\u00e4ubige, in unserer Verherrlichung. Wir reden oft bei Taufen \u00fcber R\u00f6mer Kapitel 6: wie wir eins gemacht worden sind mit Christus \u2013 mit seinem Tod, mit seinem Begr\u00e4bnis und mit seiner Auferstehung. Dadurch, dass wir in Christus sind, sind wir in dieser Sph\u00e4re des Segens. Denn Epheser 1, Vers 3 \u2013 wir haben uns oft damit besch\u00e4ftigt: \u201eIn Christus hat der Gott und Vater uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt.\u201c In Christus haben wir die Erl\u00f6sung, die Vergebung unserer S\u00fcnden. In Christus sind wir versiegelt worden mit dem Heiligen Geist. In Christus \u2013 das ist unsere Position, unser Standort. Es ist der Raum und die Sph\u00e4re allen Segens, den Gott ausgie\u00dft. Die Br\u00fcder befinden sich in Christus. In Kolosser 3 hei\u00dft es sp\u00e4ter: Sie sind mit Christus verborgen in Gott. Umrandet, umwickelt in dieser Sph\u00e4re von Christus. Und alle Privilegien, aller Segen, alle Verhei\u00dfungen, die in diese Sph\u00e4re hineinflie\u00dfen, geh\u00f6ren den Br\u00fcdern in Christus.<\/p>\n<p>Aber sie sind nicht nur in Christus, sie sind auch in Koloss\u00e4. Sie sind auch noch auf dieser Erde. Sie haben auch noch einen irdischen Standort. Auf dieser Erde sind sie Fremdlinge; ihr B\u00fcrgerrecht ist im Himmel. Aber im Moment sind sie noch hier. Und die Tatsache, dass sie aber in Christus und in Koloss\u00e4 sind, hat etwas zu bedeuten. Auch hier nur kurz: Wie sie in Koloss\u00e4 leben, wird dadurch bestimmt, dass sie in Christus leben. Ihr geistlicher Standort bestimmt ihr Leben an ihrem irdischen Standort. Wenn wir das auf uns \u00fcbertragen: Wir sind Gl\u00e4ubige heute in Christus und in M\u00fcnchen. Und wie du heute in M\u00fcnchen lebst, muss davon bestimmt werden, dass du in Christus bist. Dein geistlicher Standort bestimmt dein Leben an deinem irdischen Standort. In Koloss\u00e4 sollen sie leben als heilige und gl\u00e4ubige Geschwister der Familie Gottes. In M\u00fcnchen sollst du als Gl\u00e4ubiger leben als heiliger und gl\u00e4ubiger Teil der Familie Gottes.<\/p>\n<p>Sie sind in Koloss\u00e4 \u2013 und lasst uns nun etwas Zeit nehmen, um Koloss\u00e4 als Stadt etwas zu verstehen. Koloss\u00e4 befindet sich in Phrygien, in der r\u00f6mischen Provinz Asien, damals oft auch Kleinasien genannt. Koloss\u00e4 befindet sich in der heutigen westlichen T\u00fcrkei. Ihr habt hier einmal eine Karte mit den Missionsreisen des Paulus. Lasst euch von den vielen Strichen hoffentlich nicht zu sehr verwirren, aber zur Orientierung: Also das Mittelmeer nat\u00fcrlich. Hier haben wir quasi Israel, Jud\u00e4a, Jerusalem. Hier haben wir Antiochia \u2013 dort startete Paulus oft seine Missionsreisen, dort war er in der Gemeinde. Und hier haben wir quasi Asien, die Provinz. Und hier ist Phrygien. Ihr seht hier Galatien, Phrygien. Und in Phrygien befindet sich Koloss\u00e4. Wie gesagt, heutige, ungef\u00e4hr westliche T\u00fcrkei, befindet sich Koloss\u00e4. Es befindet sich in einem Tal von einem Fluss. Der Fluss hei\u00dft Lykos. Koloss\u00e4 ist 160 Kilometer von Ephesus entfernt. Also hier habt ihr Ephesus, hier ist Koloss\u00e4. Und ihr seht die Nachbarst\u00e4dte von Koloss\u00e4 hier, die ihr vielleicht auch aus der Schrift kennt: Laodizea, und auch eine bekannte Stadt in der N\u00e4he von Koloss\u00e4 ist Hierapolis. Laodizea ist 16 Kilometer von Koloss\u00e4 entfernt und Hierapolis ist 21 Kilometer von Koloss\u00e4 entfernt.<\/p>\n<p>Vor der neutestamentlichen Zeit, also vor der Zeit des Neuen Testaments, vor der Zeit von Paulus, war Koloss\u00e4 sehr bedeutend im Handel mit schwarzer Wolle und Farbstoffen, und es war auch eine Kreuzung von wichtigen Handelsrouten. Zur Zeit von Paulus aber gab es eine andere Entwicklung: N\u00e4mlich die Stadt Laodizea zum Beispiel hat Koloss\u00e4 abgel\u00f6st als Handelszentrum, als Metropole. Wir lesen \u00fcber Laodizea etwas in diesem Brief auch, aber vor allem in Offenbarung Kapitel 3 lesen wir von Laodizea \u2013 wie dort Salben f\u00fcr die Augen gemacht wurden, wie dort viel mit Stoff und Schmuck gehandelt worden ist und so weiter. Also zur Zeit von Paulus befand sich Koloss\u00e4 bereits im Niedergang. Einige Zeit sp\u00e4ter findet man Koloss\u00e4 als Stadt nicht mehr \u2013 nach der Zeit des Neuen Testaments, nach der Zeit von Paulus. Also Koloss\u00e4 befindet sich im Niedergang, w\u00e4hrend sich eben Laodizea und Hierapolis entwickelten. Hierapolis war ein Heilungs- und Reinigungszentrum; aus Hierapolis kam hei\u00dfes Wasser von hei\u00dfen Quellen. Aus Koloss\u00e4 kam das kalte Wasser, und deswegen war in Laodizea das Wasser lauwarm, wenn ihr an Offenbarung 3 denkt. Aber Hierapolis war ein Heilungs- und Religionszentrum, Laodizea wurde zum Handelszentrum und zur Metropole, und Koloss\u00e4 befand sich im Niedergang. Jemand hat auch einmal gesagt: Koloss\u00e4 war quasi die Stadt mit der geringsten Bedeutung, an die Paulus einen Brief schrieb, verglichen zu den anderen Briefen, die an Gemeinden in jenen St\u00e4dten gingen. Koloss\u00e4, nat\u00fcrlich in einer r\u00f6mischen Provinz, war \u00fcberwiegend heidnisch, aber es befanden sich auch einige Juden in Koloss\u00e4. Man hat Aufzeichnungen von Steuerabgaben gefunden, die auf Juden zur\u00fcckgehen. Man geht davon aus, dass sich bis zu 50.000 Juden zu einer Zeit in Koloss\u00e4 befanden. Also \u00fcberwiegend heidnisch, aber eben auch Juden.<\/p>\n<p>Weil die Karte auch schon hier drauf ist: Wie ist diese Gemeinde in Koloss\u00e4 entstanden? Paulus hat die Gemeinde in Koloss\u00e4 nicht gegr\u00fcndet und ist den Geschwistern dort auch noch nicht begegnet zur Zeit der Abfassung dieses Briefes. In Kapitel 2, Vers 1 lesen wir davon, dass Paulus sagt, er habe das Angesicht dieser Br\u00fcder noch nicht gesehen. Was aber passiert ist: Auf seiner dritten Missionsreise \u2013 die dritte Missionsreise ist hier mit den gr\u00fcnen Pfeilen eingezeichnet \u2013 ist Paulus von Antiochia ausgehend diesen Weg gezogen, und er ist auch durch Phrygien gezogen. In Apostelgeschichte Kapitel 18, Vers 23 lesen wir davon, dass Paulus durch Phrygien zieht. Dort hei\u00dft es: \u201eUnd als er dort einige Zeit zugebracht hatte, reiste er ab und durchzog der Reihe nach die galatische Landschaft und Phrygien und st\u00e4rkte alle J\u00fcnger.\u201c Also er startete von Antiochia, hier der gr\u00fcne Pfeil, durch die galatische Landschaft und er zog durch Phrygien \u2013 aber wohl nicht durch Koloss\u00e4 direkt, weil er war ja noch nicht dort bzw. er hatte die Geschwister dort oder die Gemeinde dort noch nicht gesehen. Und dann zu Beginn von Kapitel 19 befindet sich Paulus in Ephesus. Er zieht diesen Weg also bis nach Ephesus. Paulus verbringt zwei Jahre in Ephesus, das hei\u00dft ca. 52 bis 54 nach Christus, und in Kapitel 19, Vers 9 hei\u00dft es, dass Paulus t\u00e4glich in der Schule des Tyrannus redete f\u00fcr zwei Jahre. Also zwei Jahre lang unterrichtete Paulus, gab quasi Bibelstunden in der Schule von Tyrannus. Und in Apostelgeschichte Kapitel 19, Vers 10 hei\u00dft es: \u201eDies aber geschah zwei Jahre lang, so dass alle, die in Asien wohnten, sowohl Juden als auch Griechen, das Wort des Herrn h\u00f6rten.\u201c Zwei Jahre lang lehrte Paulus also von Ephesus aus, und in diesen zwei Jahren h\u00f6rten alle in Asien das Wort des Herrn. Also k\u00f6nnen wir davon ausgehen, dass in dieser Zeit auch nach Koloss\u00e4 das Wort gegangen ist, das Evangelium gegangen ist \u2013 vermutlich durch Epaphras.<\/p>\n<p>Wer ist Epaphras? Er ist ein Kolosser. In Kapitel 4, Vers 12 lesen wir, dass er \u201evon ihnen ist\u201c, also aus der Gemeinde in Koloss\u00e4. Und er war wahrscheinlich unter denen, die in dieser zweij\u00e4hrigen Zeit, in der Paulus in Ephesus war, dort waren, von Paulus unterrichtet wurden, dann nach Koloss\u00e4 in ihre Heimat zur\u00fcckgingen und dort den Menschen das Evangelium verk\u00fcndigten. Denn in Kapitel 1, Vers 7 hei\u00dft es \u2013 Paulus redet vom Evangelium und wie sie es geh\u00f6rt haben: \u201eSo habt ihr es gelernt von Epaphras, unserem geliebten Mitknecht, der ein treuer Diener des Christus f\u00fcr euch ist und uns auch eure Liebe im Geist kundgetan hat.\u201c Also Epaphras ist nun zu Paulus gekommen aus Koloss\u00e4. Und er ist es, der den Kolossern das Evangelium verk\u00fcndigt hat.<\/p>\n<p>Kurze Randnotiz: In einem weiteren Brief, der unter diesen Gef\u00e4ngnisbriefen ist \u2013 Paulus hat diesen Brief in seiner r\u00f6mischen Gefangenschaft am Ende von Apostelgeschichte 28 geschrieben. Zu diesen Gef\u00e4ngnisbriefen geh\u00f6ren Epheser, Philipper, Kolosser und Philemon. In einem dieser Briefe redet Paulus sp\u00e4ter von Epaphras, dass er ein Mitgefangener ist. Also es kann gut sein, dass Epaphras, weil Paulus in Gefangenschaft war und Epaphras ihn besucht hat, ebenfalls festgenommen wurde. Nur eine kleine Randnotiz. Mit Epaphras werden wir uns nat\u00fcrlich sp\u00e4ter mehr besch\u00e4ftigen. Dies also zum Hintergrund zu Koloss\u00e4 und zur Entstehung dieser Gemeinde, wahrscheinlich von Epaphras gegr\u00fcndet, der von Paulus in der Zeit in Ephesus unterrichtet worden war.<\/p>\n<p>Also, wir haben gesehen: \u201ePaulus, Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen, und Timotheus, der Bruder, den heiligen und gl\u00e4ubigen Br\u00fcdern in Christus zu Koloss\u00e4.\u201c Wir haben erstens die Autoren gesehen, wir haben zweitens die Empf\u00e4nger gesehen, drittens: Der Segensgru\u00df. Er sagt: \u201eGnade euch und Friede.\u201c Der Segensgru\u00df, den Paulus in \u00e4hnlicher Weise oft in seinen Briefen hat, ist das Evangelium zusammengefasst. Was ist Gnade? Er w\u00fcnscht ihnen Gnade. Gnade ist unverdiente Gunst Gottes. Es ist das Ausgie\u00dfen der Liebe und Barmherzigkeit Gottes an S\u00fcnder, die nichts anderes als seinen Zorn verdient haben. Es ist, S\u00fcndern nicht das zu geben, was sie eigentlich verdient h\u00e4tten, und ihnen stattdessen das zu geben, was sie nicht verdient haben. Wenn er ihnen hier Gnade w\u00fcnscht, dann w\u00fcnscht er ihnen Gnade im \u00dcberfluss. Gnade, die jeden Tag neu ist, Gnade, die niemals ausgeht, Gnade, die nie zu wenig sein wird, Gnade, f\u00fcr die niemals gearbeitet werden muss, Gnade, die nicht durch ein h\u00f6heres Level von Geistlichkeit oder Spiritualit\u00e4t erreicht werden muss. Gnade, die immer frei ist. Mit denselben Worten endet er seinen Brief in 4,18 und sagt: \u201eDie Gnade sei mit euch.\u201c<\/p>\n<p>Dann w\u00fcnscht er ihnen nicht nur Gnade, sondern Frieden. Das war im Griechischen eher un\u00fcblich, aber im Hebr\u00e4ischen war es \u00fcblich, in Gr\u00fc\u00dfen Frieden zu w\u00fcnschen. Das ist dieses Shalom, das wir kennen. Und in dieser Reihenfolge ist es auch wichtig: Denn zuerst kommt Gnade und dann kommt der Friede. Denn der Friede ist das Ergebnis ausgegossener Gnade. Weil Gott die Initiative ergriffen hat, sich S\u00fcndern zu erbarmen, sie nicht zu vernichten, nicht auszutilgen in seinem Zorn, sondern sie rettet, ihnen Gnade ausgie\u00dft in Jesus Christus, sie rettet und ihnen die S\u00fcnden vergibt. Deswegen haben wir Frieden \u2013 Frieden mit Gott, denn wir sind durch den Glauben an Jesus f\u00fcr gerecht erkl\u00e4rt (R\u00f6mer 5, Vers 1). In Kapitel 1, Vers 20 werden wir auch sehen: Durch Jesus hat er alles mit sich vers\u00f6hnt, indem er Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes. Durch das Blut des Kreuzes Jesu Christi, durch die Gnade, die darin ausgegossen worden ist, ist Friede gemacht worden. Frieden mit Gott, der unser Feind war. Friede, der nur denen gilt, welche diese Gnade und Vergebung der S\u00fcnden empfangen haben; nur denen gilt, die durch den Glauben an Jesus Christus gerechtfertigt worden sind. Du hast diesen Frieden nicht, wenn du nicht an Jesus Christus glaubst, und du bist ein Feind Gottes.<\/p>\n<p>Er sagt: \u201eGnade und Friede euch von Gott, unserem Vater.\u201c Woher kommt die Gnade? Und woher kommt der Friede? Kommt er durch die Philosophie, kommt er durch die eigene Tugend und das eigene Erarbeiten und das Halten von Geboten? Nein, sie kommt von Gott, dem Vater. Er ist die Quelle, die einzige Quelle von Gnade und Frieden. Paulus detailliert n\u00e4her: \u201eGott, unserem Vater\u201c. Gott ist Vater. Wieder haben wir die Idee der Familie, die Adoption in die Familie Gottes, die Sohnschaft, zu der wir bestimmt worden sind. Als S\u00f6hne Gottes, als Miterben Jesu Christi, ist er der Erstgeborene unter vielen Br\u00fcdern. Und wir sind S\u00f6hne mit allen Privilegien, allen Rechten, die damit einhergehen. Und er ist unser Vater. Paulus zeigt hier seine Gemeinschaft mit den Kolossern: \u201eEr ist unser Vater.\u201c Dieser Gott \u2013 der Ursprung von unergr\u00fcndlicher Gnade, unermesslicher Gnade und vollkommenem, wahrhaftigem Frieden. Nicht Frieden wie die Welt, sagte Jesus, sondern: \u201eMeinen Frieden gebe ich euch.\u201c Er ist unser gemeinsamer Vater. Auch hier: Wie sehr d\u00fcrfen wir ruhen in der Gnade, im \u00dcberfluss dieser Gnade und dem Frieden, den wir haben. Wie dankbar k\u00f6nnen wir sein, dass wir f\u00fcr diese Gnade nicht arbeiten m\u00fcssen und f\u00fcr diesen Frieden nichts tun mussten. Gott selbst hat diesen Frieden geschaffen durch die Gnade und durch seinen Sohn.<\/p>\n<p>Lasst uns zu viertens kommen: Dem Hintergrund des Briefes. Wieso schreibt Paulus diesen Brief? Wieso muss der Apostel Jesu Christi in der Autorit\u00e4t, die ihm gegeben worden ist, diesen Kolossern schreiben? Ich habe bereits erw\u00e4hnt: Am Ende von Apostelgeschichte Kapitel 28 befindet sich Paulus in Gefangenschaft in Rom, nachdem er von den Juden angeklagt worden ist und er sich auf den Kaiser berufen hat. In Apostelgeschichte 28, 30 bis 31 lesen wir davon. Es wird oft eher als Hausarrest bezeichnet, weil er von Soldaten bewacht und auch angekettet war, aber er konnte Besucher empfangen, er konnte das Wort Gottes reden, er hatte, was diese Dinge angeht, keine Einschr\u00e4nkungen. Das war in den Jahren ca. 60 bis 62 nach Christus. In dieser Zeit kommt Epaphras von Koloss\u00e4 nach Rom. Denn wir sehen ja in Kapitel 1 und auch Kapitel 4: Epaphras befindet sich jetzt bei Paulus. Das ist kein einfacher Weg, liebe Geschwister. Das sind, je nachdem, welche Route man nimmt, 1600 bis 1900 Kilometer von Koloss\u00e4 nach Rom. Ich wei\u00df nicht, ob man das auf dieser Karte noch einmal sehen kann \u2013 ja, hier sieht man Rom. Von Koloss\u00e4 aus oft nat\u00fcrlich mit dem Schiff. Das ist der Weg, den Paulus gehen musste, als er gefangen genommen wurde und nach Rom ging. Aber das ist kein einfacher Weg. Und Epaphras berichtet Paulus von der Gemeinde in Koloss\u00e4, das haben wir gesehen: \u201eDer uns auch eure Liebe im Geist kundgetan hat.\u201c Und \u00fcber Epaphras wird auch gesagt in Kapitel 4 ab Vers 12: \u201eDer Epaphras allezeit f\u00fcr euch ringt in den Gebeten, dass ihr vollkommen und v\u00f6llig \u00fcberzeugt in allem Willen Gottes dasteht.\u201c Epaphras macht sich Sorgen um die Gemeinde in Koloss\u00e4. Deswegen ging er nach Rom. Deswegen ging er zu Paulus.<\/p>\n<p>Und das sehen wir in den Worten des Paulus, Kapitel 2, Vers 4: \u201eDies sage ich aber&#8230;\u201c Damit wird ein Zweck ausgedr\u00fcckt \u2013 ein Zweck f\u00fcr die Worte, aber auch der Zweck f\u00fcr diesen Brief: \u201eDies sage ich aber, damit niemand euch verf\u00fchre.\u201c Wieso nahm Epaphras diesen weiten Weg auf sich, um Paulus von der Gemeinde zu berichten? Es war die gro\u00dfe Sorge, die er um die Gemeinde hatte. Es gab n\u00e4mlich eine Irrlehre, die sich in die Gemeinde von Koloss\u00e4 einschlich \u2013 eine Mischung von heidnischer Philosophie und j\u00fcdischer Gesetzlichkeit. Woher wei\u00df ich das? Heidnische Philosophie sehen wir in Kolosser Kapitel 2, Vers 8: \u201eSeht zu, dass niemand euch einfange durch die Philosophie und leeren Betrug nach der \u00dcberlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt und nicht Christus gem\u00e4\u00df.\u201c Paulus warnt hier also vor Philosophie, vor \u00fcberredenden Worten, vor Lehrenbetrug, vor \u00dcberlieferungen der Menschen. Es geht um menschliche Philosophie. Philosophie war etwas, das die Griechen sch\u00e4tzten. In 1. Korinther 1,21 sagt Paulus: \u201eDie Griechen suchen Weisheit.\u201c Und sie waren fasziniert von der Idee einer tieferen Erkenntnis. So wie Paulus in Athen \u2013 wir sehen, wie er eingeladen wird, auf dem Areopag zu reden. Die Leute wollen sich belustigen an dieser Philosophie und diesen Diskussionen. Und sie waren auf der Suche nach dieser tieferen Geistlichkeit, nach dieser h\u00f6heren Ebene der Spiritualit\u00e4t. Diese Form nennt man \u201eProto-Gnosis\u201c oder \u201eProto-Gnostizismus\u201c. Die Gnosis ist erst im 2. Jahrhundert wirklich ausgereift gewesen. Gnosis bedeutet \u201eErkenntnis\u201c. Diese Philosophie hatte die Idee einer h\u00f6heren Erkenntnis, einer h\u00f6heren Geistlichkeit, die erreicht werden muss, um wahren Frieden oder Gl\u00fcck zu finden. Und f\u00fcr die Griechen war das Evangelium eine Torheit. Das Evangelium war zu einfach. \u201eDu glaubst, und dann bist du gerechtfertigt? Dann sind dir deine S\u00fcnden vergeben, und dann kommt nichts mehr?\u201c Das war zu dumm f\u00fcr die Griechen. \u201eDas ist zu einfach. Ihr glaubt an einen Gott, der Mensch wurde und sich opfert f\u00fcr S\u00fcnde? Und nur wenn ihr daran glaubt, werdet ihr f\u00fcr gerecht erkl\u00e4rt? Das ist zu wenig. Man muss doch \u2013 es muss doch mehr geben. Es muss doch eine h\u00f6here Ebene zu erreichen geben.\u201c In dieser heidnischen Philosophie ging es darum, dass man h\u00f6here Erkenntnisse und Visionen braucht, dass man in die spirituellen Sph\u00e4ren eindringen muss. Kolosser 2, Vers 18 gibt einen Hinweis darauf: \u201eUm den Kampfpreis soll euch niemand bringen, der seinen eigenen Willen tut in scheinbarer Demut und Anbetung der Engel, der auf das eingeht, was er in Visionen gesehen hat, grundlos aufgeblasen von der Gesinnung seines Fleisches.\u201c Sie gingen also Visionen nach, sie strebten nach einer h\u00f6heren Erkenntnis. Ja, es schien dem\u00fctig, sie beteten Engel an. Und dazu kommen wir gleich: In ihrer Vorstellung war Jesus auch einer von den Engeln. Er war nicht Gott, er war nicht der Gottmensch, sondern er war ein geschaffenes Engelswesen, das etwas g\u00f6ttlich war, aber nicht wirklich Gott war. Diese Vorstellung \u2013 alles Materielle ist b\u00f6se, ist schlecht, ist beschmutzt, und alles Geistliche ist gut. Deswegen k\u00f6nne Jesus nicht Gott sein, weil er ja Mensch war und weil er materiell war. Und das k\u00f6nne nicht gut sein. Deswegen sei Jesus nicht Gott gewesen, sondern so eine Art Engelswesen, eine Art Zwischending zwischen Gott und Mensch. Sie verneinten also die Gottheit von Jesus.<\/p>\n<p>Zweitens: Nicht nur heidnische Philosophie, sondern es war gemischt mit einer Gesetzlichkeit, die man aus dem Judentum kannte. Wir sehen das zum Beispiel auch bei den Galatern. Die Galater hatten mit j\u00fcdischer Gesetzlichkeit zu k\u00e4mpfen, wo es hie\u00df, dass Jesus nicht genug sei. \u201eOkay, vielleicht schafft Jesus es auch noch, einen zu retten, ja, aber man muss auch noch beschnitten werden und man muss noch all die j\u00fcdischen zeremoniellen Gesetze halten.\u201c \u00c4hnlich ist das auch hier in Koloss\u00e4. Wir sehen in Kolosser 2, Vers 16: \u201eSo richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes oder Neumondes oder Sabbats.\u201c Das sind alles j\u00fcdische Dinge. Auch vorher in Kapitel 2, Vers 11 redet er von der Beschneidung. Es geht hier um die Gesetzlichkeit, die neben dieser Philosophie kam \u2013 also diese j\u00fcdischen Gesetze wie die Speisegebote, die Sabbate, die Beschneidung, all das musste auch gehalten werden. Und die Idee ist diese Art von Askese: Man muss sich allem M\u00f6glichen enthalten, um diese h\u00f6here Geistlichkeit zu erreichen. An Jesus zu glauben und das Wort des Herrn Jesus zu nehmen und danach zu leben, sei nicht genug. Man m\u00fcsse dem Werk Jesu noch seine eigenen Werke hinzuf\u00fcgen: Sabbat, Neumonde, Beschneidung und all diese Dinge, damit man diese h\u00f6here Stufe der Geistlichkeit erreichen kann. Paulus sagt ganz klar dar\u00fcber: \u201eDas alles hat zwar einen Anschein von Weisheit, dient aber zur Befriedigung des Fleisches.\u201c Diese Menschen, diese Irrlehrer, sie schienen so geistlich. Aber am Ende dienten sie ihrem eigenen Fleisch. Darum hat sich Epaphras gesorgt, in Koloss\u00e4, aber auch in Laodizea und Hierapolis. Der Brief sollte ja dann auch in der Gemeinde in Laodizea gelesen werden. Deswegen nahm er den weiten Weg auf sich zu Paulus nach Rom.<\/p>\n<p>Und daraufhin schreibt Paulus diesen Brief. Dieser Brief ist eine Antwort an diese einschleichende Irrlehre. Denn was diese Irrlehre am Ende des Tages sagt, ist: \u201eJesus ist nicht genug.\u201c Jesus ist nicht genug, dich zu retten. Jesus ist nicht genug, dir alle Erkenntnis zu geben, die du brauchst. Jesus ist nicht genug f\u00fcr dein geistliches Leben in Gottseligkeit und Heiligkeit. Du musst Erkenntnissen und Visionen nachjagen, Engel anbeten, in geistliche Sph\u00e4ren eindringen. Du darfst deinen Leib nicht verschonen. Und dieser Brief ist eine Antwort auf diese Irrlehre. Und wir h\u00f6ren das vielleicht und denken uns: \u201eAch, das sind so Irrlehren, die im ersten, zweiten Jahrhundert eben aufgetaucht sind. Das waren damals dumme Menschen. Das passiert uns nicht.\u201c Vor diesem Hochmut m\u00f6chte ich euch warnen. Denn heute sieht es oft nicht anders aus. Auch heute sagen Religionen dieser Welt \u2013 sogar die sogenannten christlichen Religionen \u2013 genau dasselbe: \u201eJesus ist nicht genug.\u201c Jesus \u2013 ja, er rettet dich, und du musst an ihn glauben, und ohne sein Opfer g\u00e4be es keine Rettung, aber du brauchst Jesus plus Sakramente, Jesus plus Wassertaufe, Jesus plus andere Dinge, Philosophie, Psychologie. Jesus sei nicht genug. Es gibt viele christliche Bewegungen, die sagen: \u201eDu musst in Zungen reden, du musst Visionen haben, du musst prophetisch sein, du musst vom Geist ergriffen sein.\u201c Und das bedeutet f\u00fcr sie, in Sprachen zu reden oder umzufallen oder D\u00e4monen auszutreiben. Nur dann habest du Geistlichkeit erreicht. Auch da denken wir vielleicht: \u201eDas passiert uns ja nicht.\u201c Aber auch uns Gl\u00e4ubigen \u2013 und diese Menschen in Koloss\u00e4 waren Gl\u00e4ubige, treue Br\u00fcder in Christus \u2013 auch uns kann das passieren: Zweifel daran, dass Jesus genug ist. Wenn wir damit zu k\u00e4mpfen haben, ob Jesus retten kann, wenn wir an unserem eigenen Heil zweifeln, wenn wir denken, dass Jesus nicht genug ist und ich noch arbeiten muss, noch wirken muss, um gerettet zu werden oder zu bleiben. Dieser Gedanke kann sich auch schnell bei uns einschleichen. Oder wir sagen: \u201eJesus ist nicht genug f\u00fcr unser Leben.\u201c Unser Leben ist so voller Anfechtungen, so voller Herausforderungen. Jesus und sein Wort seien nicht genug. Wir br\u00e4uchten weltliche Philosophie, weltliche Psychologie, Tricks, menschliche Erfahrungen, diesen geheimen Schl\u00fcssel zur Gottseligkeit, der irgendwo ist, damit wir endlich unser Leben auf die Reihe kriegen, damit wir endlich unsere S\u00fcnden \u00fcberwinden k\u00f6nnen. Jesus sei nicht genug, sein Wort sei nicht genug, wir br\u00e4uchten dieses Extra. Es kann uns passieren, wenn wir Dinge nicht bekommen, die wir uns w\u00fcnschen. In 2. Petrus hei\u00dft es: \u201eDie Kraft Gottes hat uns alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt.\u201c Aber so schnell kann es passieren, dass wir sagen: \u201eJesus ist nicht genug. Ich brauche den Job, ich brauche das Geld, ich brauche den Wohlstand.\u201c<\/p>\n<p>Dieser Brief ist eine Antwort auf diese Irrlehre, auf diesen Gedanken, der sich einschleichen kann. Er betont die Gottheit Jesu. Er betont die Erhabenheit Jesu. Er betont in einem Wort zusammengefasst die Genugsamkeit Jesu. Christus \u2013 alles in allen. Dieser Brief, die Antwort dieses Briefes in einem Satz zusammengefasst, ist: Christus ist genug. Du m\u00f6chtest Gott erkennen? In der Erkenntnis Gottes wachsen? Du denkst, du brauchst daf\u00fcr Philosophie oder tiefe Visionen? Kolosser Kapitel 1, Vers 15 sagt: \u201eEr ist das Bild des unsichtbaren Gottes. In ihm wohnt die ganze F\u00fclle.\u201c Du m\u00f6chtest Gott erkennen? Hier ist Jesus. Du m\u00f6chtest Frieden haben? Du sp\u00fcrst Frieden nicht in deinem Leben? Kolosser 1, Vers 20: \u201eDurch ihn, durch Jesus, hat Gott alles mit sich vers\u00f6hnt, indem er Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes.\u201c Die Kolosser suchen nach Engeln und D\u00e4monen. Jesus hat alles mit Gott vers\u00f6hnt. Z\u00e4hlt einmal nach, wenn ihr das lest ab Vers 15 in Kapitel 1, wie oft das Wort \u201ealles\u201c vorkommt. Alles ist durch ihn, alles ist zu ihm hin geschaffen. Er ist vor allem, und alles besteht durch ihn. Du m\u00f6chtest diese Welt erkennen? Paulus sagt: Jesus ist der Sch\u00f6pfer. Alles, was existiert, besteht durch ihn. Du m\u00f6chtest ein Geheimnis, ein geistliches Mysterium aufdecken? Paulus sagt in Kolosser 1,27: \u201eWas ist dieses gro\u00dfe Geheimnis? Es ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.\u201c Dass Christus in euch ist \u2013 wir sind in Christus, und er ist in uns. Das ist das Geheimnis. In Christus sind alle Sch\u00e4tze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen. Du musst nicht woanders hin. In Christus findest du alles f\u00fcr Leben und Gottseligkeit. Kolosser 2, Vers 9 und 10: \u201eDenn in ihm wohnt die ganze F\u00fclle der Gottheit leibhaftig.\u201c Jesus hatte einen Leib, er war Mensch, er war voll Gott. Und dann seht, wie sch\u00f6n: \u201eUnd ihr seid in ihm zur F\u00fclle gebracht.\u201c Du f\u00fchlst dich leer, unvollst\u00e4ndig? Paulus sagt: Du bist in Christus zur F\u00fclle gebracht. Er ist alles. Er ist das Haupt jeder Gewalt und jeder Macht. Die Kolosser denken, sie m\u00fcssen Engel anbeten. In Jesus hat Gott den Triumph \u00fcber sie gehalten. Du m\u00f6chtest die Speisegebote und Sabbate halten? Kolosser 2,17 sagt: \u201eSie sind ein Schatten der k\u00fcnftigen Dinge; der K\u00f6rper selbst aber ist des Christus.\u201c Wieso bleibst du also beim Schatten, wenn Jesus die Substanz ist? Wieso versuchst du mit deinen eigenen Werken, Gott wohlgef\u00e4llig zu sein, wenn du Christus hast? Du m\u00f6chtest wachsen in deinem christlichen Leben? Woher kommt Wachstum? Er kommt nicht von der Welt da drau\u00dfen. Er kommt nicht aus dir selbst heraus. Er kommt vom Haupt aus \u2013 und das ist Jesus. Kolosser 3: \u201eIhr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.\u201c Christus ist dein Leben. Was willst du mehr? Was fehlt dir in deinem Leben, was Christus nicht zur F\u00fclle gebracht hat? Er ist Christus, euer Leben. Da ist weder Grieche noch Jude, sondern Christus alles in allen. Egal wo wir herkommen, egal wie reich oder arm wir sind: Es ist Christus alles in allen. Paulus sagt: \u201eDer Friede des Christus regiere in euren Herzen.\u201c Das Wort des Christus wohne reichlich in euch. Alles tut im Namen des Herrn Jesus. Ihr dient dem Herrn Christus. Nicht nur f\u00fcr die Errettung, auch f\u00fcr deine Heiligung \u2013 Christus ist alles und er ist genug.<\/p>\n<p>Was ist also die Anwendung? Ganz einfach: Ruhe in der Genugsamkeit des erhabenen Herrn Jesus Christus. Kehre um von \u201eJesus Plus\u201c. Kehre um von Jesus plus Sakramente, Jesus plus eigene Werke, Jesus plus Visionen, Jesus plus Philosophie, Jesus plus Psychologie. Kehre davon um, wenn du denkst, du br\u00e4uchtest diese Dinge f\u00fcr Heil und Gottseligkeit. Nat\u00fcrlich hei\u00dft das nicht, du sollst nicht heilig leben oder keine guten Werke tun. Aber wenn du dem Werk Jesu Christi das hinzuf\u00fcgst, weil du es zur Rettung brauchst oder um eine tiefere Ebene zu erreichen, dann bist du auf der falschen Seite. Und dann solltest du davon umkehren. Kehre zu Jesus, dem Gottmenschen, dem Christus, der alles in allen ist. Ruhe darin. Und wenn du heute nicht an den Herrn Jesus Christus glaubst, dann bitte ich dich: Auch du kehre um von \u201eJesus Plus\u201c. Bei dir k\u00f6nnte es sein: Jesus plus deine eigene Selbstgerechtigkeit oder menschliche Weisheit. Es gibt keinen anderen Namen, der unter dem Himmel gegeben ist, als der Name Jesus Christus. Empfange die freie Gnade des Herrn Jesus. Glaube an ihn, und er vergibt dir deine S\u00fcnden. Ihm m\u00f6ge alle Ehre zuteilwerden.<\/p>\n<p>Lass uns beten.<\/p>\n<p>Herr Jesus Christus, wir lesen diese Worte aus dem Kolosserbrief, die dich beschreiben. Jesus, du bist alles. Alles, was wir brauchen. Und am Ende bist du auch eigentlich alles, was wir haben. Unser Leben, unser Heil, alles ist in dir. Und wir sind in dir, und du bist in uns. Herr Jesus, du Erhabener, du, in dem alle Sch\u00e4tze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind \u2013 wir beten dich an. M\u00f6gest du uns gro\u00df gemacht werden durch diesen Kolosserbrief. Bewahre uns alle, Vater, vor betr\u00fcgerischer Philosophie, vor menschlicher Weisheit. Bewahre uns alle vor Gesetzlichkeit; sie schleicht sich so schnell bei uns ein. Schenke uns Bu\u00dfe, dass wir in der Genugsamkeit von Jesus ruhen m\u00f6gen. Herr Jesus, ich bitte dich: \u00dcberf\u00fchre uns. Es ist so leicht zu denken: \u201eAch, das passiert uns schon nicht.\u201c \u00dcberf\u00fchre uns, \u00f6ffne unsere Augen f\u00fcr das, was wir in unserem Leben Jesus Christus hinzuf\u00fcgen; wo wir offenbaren, dass wir nicht glauben, dass Jesus genug ist \u2013 sei es in der Arbeit, in der Familie, in der Gemeinde. Bewahre uns davor. Und Jesus, mach dich selbst uns gro\u00df. Wir k\u00f6nnen uns nicht zu viel mit dir besch\u00e4ftigen. Mach uns dich selbst gro\u00df, Herr Jesus. M\u00f6ge das Wort des Christus reichlich in uns wohnen. Verherrliche dich an den Predigern, segne sie und gib ihnen Kraft. Vater, ich bitte dich, dass dein Sohn in unserem Leben gro\u00df gemacht wird. Ich bitte dich: Rette diejenigen, die nicht an deinen Sohn glauben. Offenbare ihnen die F\u00fclle des Christus. Ihm zur Ehre.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Automatisch generiertes Transkript Schlagen wir den Kolosserbrief auf. Kolosserbrief, Kapitel 1, die Verse 1 und 2. 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