{"id":2556,"date":"2026-08-19T06:16:57","date_gmt":"2026-08-19T04:16:57","guid":{"rendered":"https:\/\/solideogloria-muenchen.de\/?post_type=wpfc_sermon&#038;p=2556"},"modified":"2026-08-19T06:26:41","modified_gmt":"2026-08-19T04:26:41","slug":"die-angemessene-kleidung-des-glaeubigen-teil-1","status":"publish","type":"wpfc_sermon","link":"https:\/\/solideogloria-muenchen.de\/en\/sermons\/die-angemessene-kleidung-des-glaeubigen-teil-1\/","title":{"rendered":"Die angemessene Kleidung des Gl\u00e4ubigen &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<p><em>Automatisch generiertes Transkript<\/em><\/p>\n<p>M\u00f6ge der Name unseres Herrn, m\u00f6ge der Name Jesu Christi verherrlicht werden. Lasst uns den Text f\u00fcr die heutige Predigt aufschlagen und lesen: Kolosser Kapitel 3, die Verse 12 bis 17.<\/p>\n<p>Kolosserbrief, Kapitel 3, die Verse 12 bis 17: \u201eZieht nun an als Auserw\u00e4hlte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, G\u00fcte, Demut, Milde, Langmut. Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer Klage gegen den anderen hat; wie auch der Herr euch vergeben hat, so auch ihr. Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist. Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib. Und seid dankbar. Das Wort des Christus wohne reichlich in euch. In aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig. Mit Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade. Und alles, was ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus und sagt Gott, dem Vater, Dank durch ihn.\u201c<\/p>\n<p>Lasst uns beten. Unser Vater im Himmel, wir staunen \u00fcber die unendlich gro\u00dfe Gnade, die du uns gegen\u00fcber erweist. Wir d\u00fcrfen von einer Gnade singen, die immer gr\u00f6\u00dfer sein wird als die S\u00fcnde, die wir gegen dich begehen. So schwer die S\u00fcnde auch sein mag, so hoch der Berg sein m\u00f6ge, den wir in unseren Ungerechtigkeiten, unseren \u00dcbertretungen und Begierden und b\u00f6sen Gedanken anh\u00e4ufen: Deine Gnade ist mehr. Wir k\u00f6nnen niemals deine Gnade aussch\u00f6pfen.<\/p>\n<p>In deiner Gnade d\u00fcrfen wir von deiner Geduld singen, mit der du auf uns wartest, egal, wie weit wir irren. Du bist der gute Hirte, der uns sucht und findet. In deiner Gnade d\u00fcrfen wir deine G\u00fcte sehen: dass du uns, die wir deine Feinde sind, nur Gutes schenkst und Gutes tust, danach trachtest und strebst, uns Gutes zu schenken. Und das Beste, was es gibt, das Beste, was existiert, deinen Sohn Jesus Christus, hast du f\u00fcr uns gegeben. Welch gro\u00dfe G\u00fcte, welch Liebesbeweis.<\/p>\n<p>Vater, wir bitten dich im Licht deines gro\u00dfen Heils, deiner Gnade, im Licht deines Sohnes, in dem wir deine Gnade, Treue, Liebe, dein Erbarmen und deine Demut personifiziert sehen d\u00fcrfen: Ich bitte dich, dass wir in diesem Licht heute lernen m\u00f6gen, diesen Christus mit all seinen Tugenden anzuziehen, sein Erbarmen, seine Demut, seine Langmut, seine Liebe und seine G\u00fcte. Hilf uns, all diese Dinge anzuziehen und anzulegen wie ein Kleid, um dementsprechend zu wandeln, der Position und der Identit\u00e4t entsprechend, die du uns geschenkt hast.<\/p>\n<p>Auch heute, Vater, kommen wir vor dich, nicht als Menschen, die wegen ihrer eigenen Gerechtigkeit, ihrer eigenen Intelligenz oder ihres eigenen K\u00f6nnens vor dir stehen, sondern einzig und allein aus Gnade stehen wir auch heute vor dir. Und wir brauchen deine Gnade. Wir verlassen uns auf deine Gnade, auch in dieser Zeit, wenn wir uns deinem Wort widmen. Lehre du uns durch dein Wort. Mache uns Christus gro\u00df, sodass wir ihn durch dein Wort sehen m\u00f6gen und dadurch unsere Gesinnung erneuert und unser Wandel ver\u00e4ndert wird.<\/p>\n<p>Wir bitten dich darum, Vater, dass du alle Zuh\u00f6rer, die hier sind, segnest. \u00d6ffne ihre Herzen, schenke ihnen die Aufmerksamkeit, deinem Wort zuzuh\u00f6ren, deine Gr\u00f6\u00dfe und deine Erhabenheit zu erkennen, die Genugsamkeit und Erhabenheit des Sohnes zu erkennen. M\u00f6gest du verherrlicht werden in dieser Stunde. Im Namen Jesu Christi. Amen.<\/p>\n<p>Setzt euch gerne.<\/p>\n<p>Es gibt eine sehr wohlbekannte Redewendung, die sicherlich auch ihr geh\u00f6rt oder vielleicht sogar benutzt habt. Sie hei\u00dft: \u201eKleider machen Leute.\u201c Urspr\u00fcnglich stammt diese Redewendung aus einer Novelle aus dem 19. Jahrhundert von Gottfried Keller. Vielleicht musstet ihr auch diese Novelle in der Schule lesen oder habt dar\u00fcber gelesen, wie ich es getan habe.<\/p>\n<p>In dieser Geschichte von Gottfried Keller geht es darum, dass ein armer Schneider sich sehr edel und wohlhabend anzieht und wegen seiner vornehmen Kleidung f\u00fcr einen wohlhabenden Grafen gehalten wird, als er eine andere Stadt besucht. Er ist also ein einfacher Schneider, aber wegen seiner vornehmen Kleidung wird er f\u00fcr einen ehrbaren, wohlhabenden Grafen gehalten. Er wird als dieser Graf zu einer Feier eingeladen und behandelt und kommt sogar mit einer anderen Frau zusammen, die sehr wohlhabend ist.<\/p>\n<p>Wir sehen in dieser Geschichte die Idee: Seine Kleidung hat ihn gemacht. Seine Kleidung hat den Menschen einen Eindruck, ein Bild davon vermittelt, wer dieser Mensch sei. Obwohl er ein armer Schneider war, wurde er wegen seiner Kleidung f\u00fcr einen Grafen gehalten. Wir sehen also: Die Art unserer Kleidung sagt etwas \u00fcber unsere Person aus. In der Geschichte geht es so weit, dass ein armer, normalerweise verachteter Schneider f\u00fcr einen wohlhabenden und respektierten Grafen gehalten und dementsprechend von allen behandelt wird. So kann Kleidung Leute machen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es in dieser Geschichte, in dieser Novelle, darum ging, dass die Kleidung einen falschen Eindruck \u00fcber die Identit\u00e4t des Schneiders vermittelt hat, geht es in unserem heutigen Text darum, dass Paulus uns sagt: Zieh nicht Kleidung an, um jemand zu sein, der du nicht bist. Zieh Kleidung an, die deiner Identit\u00e4t entspricht. Paulus sagt den Gl\u00e4ubigen in der Gemeinde in Koloss\u00e4: Zieht die Kleidung an, die eurer wahren Identit\u00e4t entspricht.<\/p>\n<p>Er sagt nicht: Zieh dich so an, um so zu tun, als w\u00e4rst du jemand, der du nicht bist, wie der Schneider es in dieser Geschichte getan hat. Sondern er sagt: Zieh dich so an, wie es deiner tats\u00e4chlichen Identit\u00e4t entspricht. Paulus sagt: Du bist auserw\u00e4hlt, du bist heilig, du bist geliebt. Das ist deine Identit\u00e4t. Und deshalb sollen nun auch dein Leben und deine Kleidung dieser neuen Identit\u00e4t entsprechen.<\/p>\n<p>Wir befinden uns in diesem dritten Kapitel des Kolosserbriefes, und zwei Kapitel lang haben wir gesehen, dass Paulus sich mit Lehre besch\u00e4ftigt hat, \u00fcberwiegend damit, dass Jesus Christus erhaben und genugsam ist. Das steht im Gegensatz zur Lehre zeremonieller und philosophischer Gesetzlichkeit, welche die Irrlehrer in die Gemeinde in Koloss\u00e4 hineinzubringen versucht haben. Nachdem er zwei Kapitel lang auf einer lehrm\u00e4\u00dfigen Ebene diese Dinge adressiert hat, beginnt er im dritten Kapitel mit der Anwendung der Lehre, der Anwendung der Prinzipien, die er dargestellt hat.<\/p>\n<p>Paulus betont unsere Einheit mit Jesus. Wir sind so eng mit Jesus verkn\u00fcpft, wir sind so mit ihm eins gemacht, dass er zu unserem Leben geworden ist. So hei\u00dft es am Anfang von Kapitel 3: \u201eChristus, euer Leben.\u201c Und weil Christus unsere ganze Identit\u00e4t ist, weil wir mit Christus so eins gemacht sind, sollen unser Fokus, unser Begehren, unser Verstand und unsere Zuneigung ganz auf ihn ausgerichtet sein.<\/p>\n<p>Weil wir zum Himmel und zu Christus geh\u00f6ren, sollen wir dem Himmlischen nachstreben. Und weil wir dem Himmlischen nachstreben sollen, sollen wir das Irdische ablegen. Damit haben wir uns die vergangenen beiden Wochen besch\u00e4ftigt. Paulus ist radikal in seiner Sprache und sagt: \u201eT\u00f6tet die Glieder, die auf der Erde sind.\u201c Er meint damit unsere s\u00fcndigen Gedanken, Handlungen und Herzenshaltungen. Er hat sich hier ganz besonders auf sexuelle Unmoral jeglicher Art bezogen: Wir sollen diese Dinge abt\u00f6ten, aus unserem Leben ausmerzen. Sie passen nicht mehr zu unserer himmlischen Identit\u00e4t. Diese Dinge geh\u00f6ren zu dieser Erde. Diese Dinge werden von Gott gerichtet; sie passen nicht mehr zu uns.<\/p>\n<p>Genauso wenig, wie diese Unreinheit und Unzucht zu uns passen, passen auch Dinge wie Zorn, Wut, Bosheit, L\u00e4sterung und sch\u00e4ndliches Reden nicht mehr zu unserer neuen Identit\u00e4t. Paulus sagt: Legt es ab. Wie Kleidung sollen wir diese Dinge ausziehen, denn sie passen nicht mehr zu unserer Identit\u00e4t, zu unserer Position in Christus.<\/p>\n<p>Denn Paulus sagt, wie wir letztes Mal gesehen haben: \u201eIhr habt den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen und habt den neuen angezogen.\u201c In eurer Position, in eurer Identit\u00e4t habt ihr den alten Menschen mit diesen irdischen, zur Erde geh\u00f6renden Taten, Gedanken und Handlungen ausgezogen. Und ihr habt einen neuen Menschen angezogen. Dieser neue Mensch wird nach dem Bild Jesu Christi erneuert. Paulus sagt also: Legt diese Dinge ab, denn sie passen nicht mehr zu eurer Identit\u00e4t. Legt die Kleidung ab, die euch nicht mehr passt.<\/p>\n<p>Stell dir vor, ein Mensch war sehr \u00fcbergewichtig, hat dann aber sehr viel Gewicht verloren. Es w\u00e4re komisch, wenn er immer noch dieselbe gro\u00dfe Kleidung tragen w\u00fcrde, die er damals getragen hat, als er noch \u00fcbergewichtig war. Die nun zu gro\u00dfe Kleidung passt nicht mehr zu ihm. Es w\u00e4re unangebracht und unangemessen, wenn er sie immer noch tragen w\u00fcrde. Nein, er w\u00fcrde normalerweise Kleidung tragen, die jetzt zu seinem K\u00f6rper passt.<\/p>\n<p>In diesem Sinne sagt Paulus: Legt die Kleidung ab, die nicht mehr zu euch passt. Unreinheit und Unzucht, Wut und Zorn und Bosheit und S\u00fcnden der Zunge: Legt diese Dinge ab, sie passen nicht mehr zu euch. In dieser ganzen Anwendung, in den Kapiteln 3 und 4, geht es Paulus also darum, dass er den Gl\u00e4ubigen sagt: Euer Wandel soll eurer neuen Natur, eurer neuen Position und eurer neuen Identit\u00e4t entsprechen.<\/p>\n<p>Die Irrlehrer sagen: Du musst diese Gesetze, zeremoniellen Gesetze, erf\u00fcllen. Du musst Engel anbeten und Visionen haben, um eine bestimmte Stellung zu erreichen. Paulus sagt: Nein, ihr habt bereits in Christus eine Stellung erreicht. Ihr habt bereits in Christus eine neue Identit\u00e4t empfangen. Nun lebt diese Identit\u00e4t in eurem Wandel aus. Dein Wandel flie\u00dft aus deiner Stellung heraus. Das ist es, was Paulus immer und immer wieder sagt.<\/p>\n<p>Und so ist es auch in unserem heutigen Abschnitt, wo Paulus den Gl\u00e4ubigen dazu auffordert, in Anbetracht seiner Identit\u00e4t in Christus tugendhafte Eigenschaften im Umgang miteinander anzulegen. Paulus beschreibt uns drei Aspekte der angemessenen Kleidung eines Gl\u00e4ubigen. Sie zeigen uns, wie wir unsere Identit\u00e4t in Christus in unserem Wandel zum Ausdruck bringen sollen.<\/p>\n<p>Der Titel der heutigen Predigt ist demnach \u201eDie angemessene Kleidung des Gl\u00e4ubigen\u201c. Heute werden wir uns nur Teil 1 anschauen, nur die Verse 12 bis 14. Die restlichen Verse werden wir uns, so der Herr will, das n\u00e4chste Mal anschauen.<\/p>\n<p>Wir wollen drei Aspekte der angemessenen Kleidung eines Gl\u00e4ubigen anschauen. Erstens: die dreifache Identit\u00e4t, die der Kleidung zugrunde liegt. Zweitens: das f\u00fcnfteilige Kleid, das der Gl\u00e4ubige anzieht. Und drittens: das eine Band, das alles zusammenh\u00e4lt. Also die dreifache Identit\u00e4t, das f\u00fcnfteilige Kleid und das eine Band. Unter diesen Aspekten wollen wir uns diesen Abschnitt und die angemessene Kleidung eines Gl\u00e4ubigen anschauen.<\/p>\n<p>Bei der Novelle von Keller, die ich am Anfang erw\u00e4hnt habe, hei\u00dft es: \u201eKleider machen Leute\u201c, also: Deine Kleidung bestimmt deine Identit\u00e4t. Bei Paulus ist es andersherum. Er sagt sozusagen: Leute machen Kleider. Deine Identit\u00e4t soll deine Kleidung bestimmen. Deine Identit\u00e4t in Jesus Christus bestimmt deinen Wandel, deine Kleidung, das, was du anlegst. Die Kleider sollen dem entsprechen, wer wir in Christus geworden sind.<\/p>\n<p>Lasst uns unter dem ersten Punkt beginnen: die dreifache Identit\u00e4t, die der Kleidung zugrunde liegt. Vers 12: \u201eZieht nun an als Auserw\u00e4hlte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, G\u00fcte, Demut, Milde, Langmut.\u201c<\/p>\n<p>Paulus beginnt diesen Vers mit dem Befehl: \u201eZieht nun an.\u201c Es ist ein Befehl, ein Imperativ, der uns sagt, wir sollen etwas anziehen. Es ist ein Wort, das daf\u00fcr verwendet wird, dass man Kleidung anzieht. Es ist das Gegenteil von \u201elegt ab\u201c in Vers 8. In Vers 8 hei\u00dft es: \u201eJetzt aber legt ab\u201c, zieht also aus. Nun sagt Paulus: Zieht an. Die alte Kleidung soll ausgezogen, eine neue Kleidung soll angezogen werden.<\/p>\n<p>Wir haben uns die letzten beiden Wochen damit besch\u00e4ftigt, was wir ausziehen sollen. In den Versen 5, 8 und 9 hat Paulus gesagt: Diese Dinge sollen aus eurem Leben entfernt und ausgemerzt werden. Kehrt euch ab von diesen Dingen. Aber das christliche Leben ist mehr als nur das Nichttun von Dingen. Das christliche Leben ist mehr als nur: Tu das nicht und tu das nicht. Es geht nicht nur darum, in unserem Wandel aufzuh\u00f6ren zu s\u00fcndigen. Es geht auch darum, dass wir christus\u00e4hnliche Tugenden und Handlungen anziehen und tun, gerechte, gottesf\u00fcrchtige und gute Werke tun.<\/p>\n<p>Wenn wir in dem Bild bleiben wollen, das Paulus hier vermittelt, lautet die Idee nicht nur: Zieht eure alte Kleidung aus und bleibt dann, metaphorisch gesehen, nackt. Sondern: Zieht auch die angemessene Kleidung an. Und das ist das Prinzip des christlichen Lebens: Zieht aus und zieht an.<\/p>\n<p>Wir haben vergangene Woche in der Lesung des Neuen Testaments hier im Gottesdienst Epheser 4 gelesen, wo Paulus dieses Prinzip ebenfalls anwendet. Er sagt: Legt die L\u00fcge ab und zieht die Wahrheit an; sagt nur Dinge, die der Erbauung dienen. Er sagt: Wer gestohlen hat, soll nicht mehr stehlen \u2013 legt ab \u2013, sondern soll vielmehr Gutes mit seinen H\u00e4nden tun und den Bed\u00fcrftigen geben \u2013 zieht an. Legt ab, zieht an. Genau dieses Prinzip sehen wir auch hier.<\/p>\n<p>Die unangemessene Kleidung soll nicht nur abgelegt werden, die angemessene Kleidung soll angezogen werden, die Kleidung, die unserer Identit\u00e4t entspricht. Und wir haben dieses kleine Wort \u201enun\u201c: \u201eZieht nun an\u201c, was eine Schlussfolgerung andeutet. Dieses \u201enun\u201c folgt unter anderem aus den Versen 9 bis 10, wo wir gesehen haben: Ihr habt den alten Menschen ausgezogen und den neuen Menschen angezogen.<\/p>\n<p>Und es wirkt fast paradox. Paulus sagt in den Versen 9 bis 10: Ihr habt den alten Menschen ausgezogen und den neuen Menschen angezogen. Und jetzt sagt er, zusammengefasst in Vers 12: Zieht den neuen Menschen an. Was meint Paulus hier?<\/p>\n<p>Er redet in den Versen 9 bis 10 von unserer Position, von unserer Stellung. In unserer Position haben wir den alten Menschen bereits ausgezogen und den neuen Menschen angezogen. Unsere Natur hat sich ver\u00e4ndert. Die alte Natur, die der S\u00fcnde versklavte Natur, die Natur, die von den s\u00fcndhaften Handlungen, die zur Erde geh\u00f6ren, charakterisiert und gepr\u00e4gt war, ist weg. Und uns wurde eine neue Natur geschenkt, die Christus entspricht und in der Lage ist, ihm wohlgef\u00e4llig zu wandeln, S\u00fcnden zu \u00fcberwinden und gerecht zu leben. Das ist unsere Position.<\/p>\n<p>Und Paulus sagt: Nun, da ihr in eurer Position den neuen Menschen angezogen habt, zieht nun in eurem Wandel auch den neuen Menschen an. Er sagt gewisserma\u00dfen: Weil ihr angezogen habt \u2013 Position \u2013, zieht nun an \u2013 Wandel. Dieses \u201enun\u201c zieht einerseits die Schlussfolgerung aus den Versen vorher, aber es passt auch zu den Dingen, die Paulus in diesen Versen hier erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>\u201eZieht nun an als Auserw\u00e4hlte, Heilige und Geliebte.\u201c Zieht nun als solche an. Zieht nun an als solche, die diese Identit\u00e4t in Christus haben, als solche, die auserw\u00e4hlt, geheiligt und geliebt sind.<\/p>\n<p>Und nun kommen wir zu dieser dreifachen Identit\u00e4t, die der Kleidung zugrunde liegt. Seht ihr, Paulus kann nicht widerstehen, immer wieder auf unsere Position und Identit\u00e4t in Christus zur\u00fcckzukommen. Er hat uns bereits zwei Kapitel lang gelehrt. Hier in Kapitel 3, gerade in den Versen 9 und 10, hat er uns wieder gesagt, was uns in unserer Position bereits geschenkt ist. Jetzt k\u00f6nnte er einfach nur den Befehl geben, aber Paulus kann nicht anders: All seine Befehle sind in unserer Erl\u00f6sung, in unserer neuen Identit\u00e4t in Christus gewurzelt.<\/p>\n<p>Und so sagt er hier nicht einfach nur: Zieht herzliches Erbarmen, G\u00fcte, Demut und so weiter an. Nein: Zieht es als solche an, die diese Identit\u00e4t haben. Drei Bezeichnungen, eine dreifache Identit\u00e4t, sehen wir hier, die wir in Christus haben.<\/p>\n<p>Unser Wandel ist nicht einfach aus der Luft gegriffen. Paulus sagt nicht einfach: Mach einfach, gehorche einfach. Sondern: Gehorche als jemand, wandle als jemand, der diese Identit\u00e4t hat. Daraus flie\u00dft dein Wandel, darin ist dein Wandel gewurzelt. Der Wandel ist unzertrennlich mit unserer Identit\u00e4t verkn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Und wenn ihr euch an Kapitel 2, Vers 6 erinnert, wo es hie\u00df: \u201eWie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm\u201c, dann erinnert ihr euch daran, dass wir das bereits damals angefangen haben zu sehen. Wie ihr den Christus empfangen habt \u2013 die Position, der Indikativ, wenn ihr euch erinnert \u2013 bestimmt den Wandel, den Imperativ.<\/p>\n<p>Was ist der Indikativ? Was ist die Identit\u00e4t in Christus, die wir haben? Drei Bezeichnungen. Erstens: Auserw\u00e4hlte Gottes. Die Identit\u00e4t eines Gl\u00e4ubigen in Christus ist, dass er ein Auserw\u00e4hlter Gottes ist, also jemand, der von Gott auserw\u00e4hlt worden ist.<\/p>\n<p>Paulus lenkt unsere Aufmerksamkeit auf Gottes souver\u00e4ne Erw\u00e4hlung. Er redet davon, dass du als Gl\u00e4ubiger in Christus vor Grundlegung der Welt von Gott nach seinem Vorsatz auserw\u00e4hlt worden bist. Wie sehr lieben wir die Verse aus Epheser Kapitel 1, ab Vers 3, wo es hei\u00dft: \u201eGepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus, wie er uns in ihm auserw\u00e4hlt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor ihm sind in Liebe, und uns vorherbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus f\u00fcr sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens.\u201c<\/p>\n<p>Gott hat uns in Christus auserw\u00e4hlt, und er hat das vor Grundlegung der Welt getan, bevor es so etwas wie Zeit gab. Bevor es dich und mich gegeben hat, hat er uns aus seinem freien Willen, nach seinem Vorsatz, erw\u00e4hlt. Und wir sehen sogar in diesem Vers, in Vers 5: durch Jesus Christus, f\u00fcr sich selbst und nach dem Wohlgefallen seines Willens. Er tat das f\u00fcr sich selbst und nach dem Wohlgefallen seines Willens. Auf gut Deutsch: Er tat das, weil er es wollte. Weil er es wollte. Das ist das Fundament f\u00fcr unsere Erw\u00e4hlung.<\/p>\n<p>Es ist nicht etwas, was du und ich getan h\u00e4tten. Gott hat nicht in die Zukunft geschaut und gesehen, dass wir glauben oder etwas Gutes tun w\u00fcrden. Nein, weil er wollte, hat er uns vor ewigen Zeiten erw\u00e4hlt.<\/p>\n<p>In 2. Timotheus Kapitel 1, Vers 9 hei\u00dft es: \u201eDer hat uns gerettet und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben worden ist.\u201c Paulus sagt: Er hat uns berufen, nicht nach unseren Werken, nicht nach etwas, was du und ich getan h\u00e4tten, nicht, weil wir so liebenswert oder so toll gewesen w\u00e4ren, sondern nach seinem eigenen Vorsatz. Auch ganz einfach gesprochen: weil er wollte. Und die Gnade wurde uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben.<\/p>\n<p>Das bedeutet es, ein Auserw\u00e4hlter Gottes zu sein. Es bedeutet, jemand zu sein, den Gott vor Grundlegung der Welt auserw\u00e4hlt hat, obwohl er ein S\u00fcnder, ein Feind Gottes und ein Rebell ist. Ein Auserw\u00e4hlter Gottes ist jemand, der allein aus Gnade erw\u00e4hlt worden ist. Er ist jemand, dem trotz seiner tiefen S\u00fcndhaftigkeit Gnade zuteilgeworden ist: unverdientes Wohlgefallen Gottes, unverdient und einzig und allein in Gottes Vorsatz verankert.<\/p>\n<p>Das ist ein Auserw\u00e4hlter Gottes. Und Paulus sagt: Das ist deine Identit\u00e4t in Christus. Du bist ein Auserw\u00e4hlter Gottes. Du bist jemand, dem Gott vor Grundlegung der Welt Gnade hat zuteilwerden lassen, einzig und allein, weil er es wollte, nach seinem Vorsatz und nach seinem Willen.<\/p>\n<p>Du bist nicht nur ein Auserw\u00e4hlter Gottes, du bist ein Heiliger, sagt Paulus. \u201eAls Heilige.\u201c Heilig \u2013 mit diesem Wort besch\u00e4ftigen wir uns oft \u2013 bedeutet in seinem Kern, abgesondert zu sein. Es bedeutet, aus der Welt und von der Welt abgesondert und zu Gott abgesondert oder Gott geweiht zu sein. Es bedeutet, nicht mehr zu dieser Welt zu geh\u00f6ren, sondern von Gott aus dieser Welt herausgerissen und f\u00fcr sich geweiht worden zu sein.<\/p>\n<p>Wir haben bereits am Beginn des Kolosserbriefes, in Kapitel 1, Vers 2, davon gelesen, wie Paulus die Gl\u00e4ubigen als \u201edie heiligen und gl\u00e4ubigen Br\u00fcder in Christus\u201c bezeichnet. Lieber Bruder, liebe Schwester, du bist heilig in deiner Position. Nicht, weil es eine Kirche deklariert, sondern weil Gott dich f\u00fcr heilig erkl\u00e4rt hat.<\/p>\n<p>Jesus spricht in Johannes 17 und im ganzen Johannesevangelium von denen, die der Vater ihm gegeben hat. Er unterscheidet sie von dieser Welt. In Johannes Kapitel 17, Vers 6 sagt er: \u201eIch habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Dein waren sie, und mir hast du sie gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.\u201c Er sagt weiter in Vers 9: \u201eIch bitte f\u00fcr sie. Nicht f\u00fcr die Welt bitte ich, sondern f\u00fcr die, welche du mir gegeben hast, denn sie sind dein.\u201c<\/p>\n<p>Hier sehen wir auch, wie Auserw\u00e4hlung und Heiligung miteinander verbunden sind. Diese auserw\u00e4hlten Menschen sind aus der Welt abgesondert. Dem Vater geh\u00f6ren sie, und der Vater hat sie dem Sohn gegeben.<\/p>\n<p>Dieses Konzept der Absonderung sehen wir bereits im Alten Testament beim Volk Israel, wie Israel aus den V\u00f6lkern ausgesondert wurde. In 3. Mose Kapitel 20, Vers 26 hei\u00dft es: \u201eIhr sollt mir heilig sein, denn ich bin heilig, ich, der Herr; und ich habe euch von den V\u00f6lkern ausgesondert, um mein zu sein.\u201c Gott hat Israel aus allen Nationen erw\u00e4hlt und es ausgesondert, um sein zu sein. Seht ihr: aus den Nationen, aus der Welt getrennt und herausgerissen und f\u00fcr Gott, zum Eigentum Gottes, geweiht.<\/p>\n<p>Heiligkeit ist unsere Position in Christus durch die Erw\u00e4hlung. In Epheser Kapitel 1 haben wir auch gelesen: Er hat uns erw\u00e4hlt, um heilig und tadellos vor ihm zu sein in Liebe. \u00dcber das Kreuzeswerk sagt Hebr\u00e4er Kapitel 10, Vers 10: \u201eIn diesem Willen sind wir geheiligt durch das ein f\u00fcr alle Mal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi.\u201c Das Opfer Jesu Christi hat uns geheiligt. Es hat uns aus dieser Welt und aus den F\u00e4ngen der S\u00fcnde erkauft und f\u00fcr Gott geheiligt.<\/p>\n<p>Paulus sagt: Ihr seid erw\u00e4hlt, aber nicht einfach erw\u00e4hlt, um erw\u00e4hlt zu sein. Ihr seid erw\u00e4hlt, euch wurde diese Gnade gegeben, und ihr seid aus dieser Welt herausgenommen und Gott geweiht in eurer Position.<\/p>\n<p>Ihr seid Erw\u00e4hlte, ihr seid Heilige und als Drittes \u2013 die dritte Identit\u00e4t \u2013 Geliebte. Nicht nur erw\u00e4hlt, nicht nur geheiligt: Ihr seid von Gott geliebt. Das Wort hier dr\u00fcckt aus: Ihr befindet euch in einem Zustand des Geliebtseins von Gott.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6gen schnell \u00fcber diese drei Worte hinweglesen oder auch \u00fcber dieses letzte Wort: Geliebte. Aber liebe Geschwister, wir sind Geliebte. Wisst ihr, wie bedeutend diese Worte sind?<\/p>\n<p>Erst vor Kurzem habe ich mich mit Jonas im Grundlagenkurs \u00fcber die Eigenschaften Gottes und die Liebe Gottes besch\u00e4ftigt. Oh, wie sch\u00f6n ist es, sich mit der Liebe Gottes zu besch\u00e4ftigen. Und wie sch\u00f6n ist es zu sehen, wie die Liebe innerhalb Gottes, die Liebe innerhalb der drei Personen, innerhalb der Dreieinigkeit, wie diese vollkommene und wunderbare Liebe gleichsam hinausschwappt und hinaustritt, sodass wir Anteil an dieser Art von Liebe bekommen.<\/p>\n<p>Wisst ihr, wie geliebt wir von Gott sind, liebe Geschwister? Jesus sagt auch in Johannes 17 und in Johannes 14 und 15, dass der Vater uns so liebt, wie er den Sohn liebt. Intratrinitarische Liebe sozusagen. So sehr sind wir von Gott geliebt.<\/p>\n<p>Wir, die wir eigentlich nur Hass und Zorn verdient hatten. Im Psalm 5 hei\u00dft es: \u201eVerblendete d\u00fcrfen nicht vor deine Augen hintreten. Ein B\u00f6ser darf vor dir nicht weilen. Du hassest alle, die G\u00f6tzendienst \u00fcben. Du verabscheust den Mann des Blutes und des Truges.\u201c Das h\u00e4tten wir von Gott verdient: Verabscheuung und Hass. Und stattdessen sind wir heute Geliebte. Das ist unsere Identit\u00e4t.<\/p>\n<p>Paulus liebt es, diese Bezeichnung f\u00fcr Gl\u00e4ubige zu verwenden. Auch der Gemeinde in Rom schreibt er in Kapitel 1, Verse 6 und 7. Er nennt sie \u201eBerufene Jesu Christi\u201c, \u201ealle Geliebten Gottes\u201c, \u201eberufene Heilige in Rom\u201c. Auch hier sehen wir: Er nennt sie Berufene, er nennt sie Geliebte, er nennt sie Heilige.<\/p>\n<p>Unsere Erw\u00e4hlung, unser Geheiligtsein und die Liebe \u2013 diese drei Dinge h\u00e4ngen eng miteinander zusammen. Denkt an Epheser Kapitel 1, Verse 3 bis 5: Wir wurden in ihm erw\u00e4hlt, in Liebe, um heilig und tadellos zu sein.<\/p>\n<p>Und ganz \u00e4hnlich sagte Gott \u00fcber Israel in 5. Mose Kapitel 7, die Verse 6 bis 8: \u201eDenn du bist dem Herrn, deinem Gott, ein heiliges Volk. Dich hat der Herr, dein Gott, erw\u00e4hlt, dass du ihm zum Volk seines Eigentums wirst aus allen V\u00f6lkern, die auf dem Erdboden sind. Nicht weil ihr mehr w\u00e4ret als alle V\u00f6lker, hat der Herr sich euch zugeneigt und euch erw\u00e4hlt \u2013 ihr seid ja das geringste unter allen V\u00f6lkern \u2013, sondern wegen der Liebe des Herrn zu euch und weil er den Eid hielt, den er euren V\u00e4tern geschworen hat.\u201c<\/p>\n<p>Ich habe euch erw\u00e4hlt, ich habe euch zu meinem Eigentum geheiligt, und ich tat das, weil ich euch geliebt habe. Nicht, weil ihr toll, gro\u00df oder stark w\u00e4ret, sondern weil ich euch geliebt habe. Und wieso liebt der Herr Israel? Wieso liebt der Herr mich? Weil er sich dazu entschieden hat, mich zu lieben.<\/p>\n<p>Deswegen hei\u00dft es in R\u00f6mer Kapitel 8, Vers 29: \u201eDie, die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt.\u201c Es ist so schade, es ist so traurig, wenn wir, wie es oft passiert, dieses \u201evorher erkannt\u201c damit gleichsetzen, dass Gott vorher in die Zukunft geschaut und gesehen hat, dass wir glauben w\u00fcrden, und uns deswegen erw\u00e4hlt hat.<\/p>\n<p>Nein, wenn es in R\u00f6mer 8,29 hei\u00dft: \u201edie er vorher erkannt hat\u201c, dr\u00fcckt dieses Erkennen eine intime Beziehung aus, die Gott bereits mit uns hatte, bevor wir existierten. Bereits vor Grundlegung der Welt hat Gott sich dazu entschieden, uns zu lieben. Und das wird in diesem \u201evorher erkannt\u201c zum Ausdruck gebracht. Das bedeutet es, Geliebte Gottes zu sein.<\/p>\n<p>Das ist unsere dreifache Identit\u00e4t in Jesus Christus: Du bist auserw\u00e4hlt, du bist geheiligt, du bist geliebt. Du bist ein Auserw\u00e4hlter, ein Heiliger und ein Geliebter Gottes.<\/p>\n<p>Seht ihr, was Paulus hier macht? Er sagt nicht: Zieht diese Dinge an, seid erbarmend, dem\u00fctig und g\u00fctig, damit ihr geliebt werdet, damit ihr Heilige werdet, damit ihr euch eure Erw\u00e4hlung verdient. Nein, er sagt: Zieht G\u00fcte und Demut und Barmherzigkeit und all diese Dinge an, weil ihr bereits geheiligt, erw\u00e4hlt und geliebt seid. Ihr habt bereits diese Identit\u00e4t in Jesus. Und weil ihr diese Identit\u00e4t habt, soll nun euer Wandel ihr entsprechen.<\/p>\n<p>Weil ihr eine neue Person in eurer Position angezogen habt, soll nun eure Kleidung dieser neuen Person entsprechen. Liebe Geschwister, was f\u00fcr ein Privileg ist unsere Identit\u00e4t in Christus Jesus. Wir k\u00f6nnten uns die ganze Predigt allein damit besch\u00e4ftigen. Das ist die Grundlage f\u00fcr die Kleidung, die wir anziehen sollen. Das ist die Grundlage f\u00fcr den Wandel, den wir an den Tag legen sollen. Nur in diesen Wahrheiten gewurzelt werden wir die christus\u00e4hnlichen Tugenden anlegen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Irrlehrer von damals in Koloss\u00e4 wie auch heute sagen: Tu das, damit du geliebt wirst. Paulus sagt: Tu das, weil du geliebt bist.<\/p>\n<p>Kommen wir zu zweitens: das f\u00fcnfteilige Kleid, das der Gl\u00e4ubige anzieht. Wir haben die dreifache Identit\u00e4t gesehen, die dem Kleid zugrunde liegt. Nun kommen wir zum f\u00fcnfteiligen Kleid, das der Gl\u00e4ubige anzieht.<\/p>\n<p>Weiter in Vers 12 hei\u00dft es: \u201eZieht nun an als solche: herzliches Erbarmen, G\u00fcte, Demut, Milde und Langmut.\u201c Was folgt nun aus dieser dreifachen Identit\u00e4t? Was ist die Kleidung, die dieser Identit\u00e4t angemessen ist? Wir sehen: F\u00fcnf Teile hat das Kleid, f\u00fcnf Aspekte. In Vers 5 waren es f\u00fcnf Dinge, die wir t\u00f6ten sollen. In Vers 8 waren es f\u00fcnf Dinge, die wir ablegen sollen. Und nun, in Vers 12, haben wir f\u00fcnf Dinge, die wir anziehen sollen.<\/p>\n<p>Dies sind Eigenschaften beziehungsweise innere Herzenshaltungen, die sich im Wandel offenbaren. Wir werden diese f\u00fcnf Teile jetzt durchgehen, und es folgen nun eine Reihe von Definitionen. Wir m\u00fcssen diese Worte definieren und richtig verstehen.<\/p>\n<p>Aber mir ist wichtig: Wenn wir diese Liste von Definitionen durchgehen, m\u00f6chte ich nicht, dass ihr das nur intellektuell versteht: Ah ja, dieses Wort bedeutet dies, das habe ich verstanden. Ich m\u00f6chte euch bitten und dazu ermutigen: Wenn wir diese Worte durchgehen und verstehen, pr\u00fcft euch. Pr\u00fcft euch, ob das eurer Kleidung entspricht. Ist es das, was euren Wandel ausmacht? Wenn jemand euch und euren Wandel beschreiben w\u00fcrde, w\u00fcrde er diese f\u00fcnf Dinge anf\u00fchren? Pr\u00fcft euch, wenn wir durch diese Dinge gehen.<\/p>\n<p>Erstens: herzliches Erbarmen. W\u00f6rtlich steht hier ein Herz des Erbarmens. Wenn wir noch w\u00f6rtlicher sein wollen, steht hier eigentlich: Eingeweide des Erbarmens. Ihr habt vielleicht schon davon geh\u00f6rt, dass in der damaligen Zeit und in der biblischen Sprache die Eingeweide als Sitz der Gef\u00fchle gesehen wurden. Wenn man starke Emotionen empfand, sp\u00fcrte man sie im Inneren, in den Eingeweiden. Man empfand so stark, dass einem der Bauch schmerzte.<\/p>\n<p>Das war die Idee der Eingeweide in der damaligen Zeit: dass sie der Sitz der Gef\u00fchle waren. Heutzutage reden wir eher vom Herzen als Sitz der Gef\u00fchle. Also wortw\u00f6rtlich steht hier: die Eingeweide des Erbarmens. Legt herzliches Erbarmen an.<\/p>\n<p>Diese Worte beschreiben ein tiefes Mitgef\u00fchl und Mitleid angesichts der Not eines anderen. Sie beschreiben die Bereitschaft: Man sieht die Not eines anderen, leidet mit dieser Person mit und ist bereit, das Leid dieser Person zu lindern.<\/p>\n<p>Wir lesen davon, dass Gott ein Gott des Erbarmens ist. In Lukas Kapitel 1, Vers 78 redet Zacharias, wenn er \u00fcber Jesus Christus spricht, davon, dass \u201edie herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes\u201c erschienen ist. In 2. Korinther Kapitel 1, Verse 3 und 4 sagt Paulus: \u201eGepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes.\u201c<\/p>\n<p>Unser Gott ist jemand, der sich erbarmt, der tiefes Mitgef\u00fchl und Mitleid mit Menschen in Not hat. Er ist ein Gott, der tr\u00f6stet, wenn Menschen in Not sind. Paulus redet in diesem zweiten Korintherbrief, Kapitel 1, so oft vom Trost, den Gott schenkt: \u201eder uns tr\u00f6stet in aller Bedr\u00e4ngnis, damit wir die tr\u00f6sten k\u00f6nnen, die in allerlei Bedr\u00e4ngnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst getr\u00f6stet worden sind.\u201c Gott ist ein Gott des Erbarmens.<\/p>\n<p>Jesus hatte tiefes Erbarmen. Ihr kennt vielleicht diese Bezeichnung, dass immer wieder von Jesus gesagt wird, dass er innerlich bewegt war. Auch das hei\u00dft, wortw\u00f6rtlich gesehen: Seine Eingeweide bewegten sich oder wurden umgedreht. Es bezeichnet innere Bewegung, es bedeutet tiefes Empfinden von Leid und Not.<\/p>\n<p>In Matth\u00e4us Kapitel 9, Vers 36 war Jesus innerlich bewegt \u00fcber die Volksmengen, weil sie ersch\u00f6pft und verschmachtet waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. In Lukas Kapitel 7 haben wir eine Witwe, also eine Frau, die bereits ihren Mann verloren hat und gerade ihren Sohn, ihren einzigen Sohn, verloren hat. Jesus sieht diese Witwe, und als er sie sah, wurde er innerlich bewegt \u00fcber sie und sprach zu ihr: \u201eWeine nicht.\u201c<\/p>\n<p>Das ist unser Herr, der herzliches Erbarmen demonstriert, der die Not, das Leid, die Bedr\u00e4ngnis des anderen sieht und mitleidet. Das ist etwas, was bei uns in dem Wort \u201eMitleid\u201c mittlerweile etwas verloren geht. Wenn wir von Mitleid reden, dann reden wir oft davon, dass einfach jemand Mitleid hat, dass jemand sagt: Oh, der Arme. Aber in dem Wort Mitleid steckt eigentlich, mit dieser Person mitzuleiden, Anteil an dem Leid zu nehmen, das eine andere Person hat.<\/p>\n<p>Oder, um es mit den Worten von R\u00f6mer Kapitel 12, Vers 15 zu sagen: \u201eFreut euch mit den sich Freuenden, weint mit den Weinenden.\u201c Das soll uns ausmachen: herzliches Erbarmen.<\/p>\n<p>Liebe Geschwister, seht ihr: Hier ist kein Raum f\u00fcr Gleichg\u00fcltigkeit oder Kaltherzigkeit, f\u00fcr eine kalte, anteilnahmslose H\u00e4rte. Das soll uns nicht ausmachen. Wir sollen tiefes Erbarmen haben und mit Menschen in Not, mit Menschen in Bedr\u00e4ngnis, mit Menschen in Anfechtung mitleiden.<\/p>\n<p>Wir sehen Jesus nicht nur, wie er innerlich bewegt war und sagte: \u201eWeine nicht.\u201c Wir sehen Jesus, wie er geweint hat, als Lazarus gestorben war und er sah, wie dessen Schwestern Martha und Maria geweint haben. Er war ein Herr und ein Mensch des Mitgef\u00fchls, der tiefes Erbarmen, herzliches Erbarmen hatte. Das soll dich ausmachen. Nicht nur kalte Regelkonformit\u00e4t, sondern herzliches Erbarmen. Und nicht, dass diese Dinge einander ausschlie\u00dfen. Sie geh\u00f6ren zusammen: den Geboten gehorsam sein, aber auch herzliches Erbarmen. Zieh das an, sagt Paulus.<\/p>\n<p>Zweitens sehen wir G\u00fcte. Im deutschen Wort G\u00fcte steckt \u201egut\u201c. Man k\u00f6nnte sagen, das deutsche Wort bezeichnet Gutsein, vor allem gegen\u00fcber anderen. Es wird im W\u00f6rterbuch auch als n\u00fctzliche Freundlichkeit beschrieben, also Freundlichkeit, die dem N\u00e4chsten, einem anderen, einen Nutzen bereitet.<\/p>\n<p>Wir haben das Gegenteil zur Bosheit in Vers 8. In Vers 8 hatten wir die Bosheit. Wir haben uns damit besch\u00e4ftigt und gesehen: Diese Bosheit beschreibt, dass man dem anderen Schlechtes w\u00fcnscht, dass man st\u00e4ndig dar\u00fcber nachdenkt, wie man sich vielleicht an dem anderen r\u00e4chen oder es ihm vergelten kann, ihm Unheil oder Ungl\u00fcck w\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Wenn wir das hier auf G\u00fcte umdrehen, dann geht es darum, dem N\u00e4chsten, dem anderen, Gutes zu wollen, ihm das Beste zu w\u00fcnschen und danach zu streben, ihm Gutes zu geben.<\/p>\n<p>Auch hier sehen wir, dass Gott g\u00fctig ist. In Lukas Kapitel 6, Vers 35 hei\u00dft es: \u201eDenn er ist g\u00fctig gegen die Undankbaren und B\u00f6sen.\u201c Hier sehen wir, dass Gott g\u00fctig ist, und vor allem sehen wir: Er ist g\u00fctig gegen\u00fcber denen, die es nicht verdient haben. Er trachtet danach und schenkt denen Gutes, die das nicht verdient haben.<\/p>\n<p>Wir haben gerade gesungen: \u201eWelch Reichtum an G\u00fcte, welch Liebesbeweis.\u201c Es ist einfach, g\u00fctig zu sein und denen Gutes zu w\u00fcnschen, die wir m\u00f6gen, die uns sympathisch sind, mit denen wir gut klarkommen. Es ist schwer, g\u00fctig gegen\u00fcber denen zu sein, mit denen wir vielleicht unsere Differenzen haben, die uns vielleicht nicht so sympathisch sind. Gott ist g\u00fctig gegen Undankbare und B\u00f6se.<\/p>\n<p>Jesus ist die G\u00fcte in Person. In Titus Kapitel 3, Verse 4 und 5 hei\u00dft es: \u201eAls aber die G\u00fcte und die Menschenliebe unseres Rettergottes erschien, rettete er uns nicht aus Werken, sondern nach seiner Barmherzigkeit.\u201c Als aber die G\u00fcte und Menschenliebe erschien \u2013 was erschien denn? Wer erschien? Jesus Christus. Er ist die G\u00fcte unseres Rettergottes in Person. Er ist Gottes G\u00fcte gegen Undankbare und B\u00f6se in Person.<\/p>\n<p>G\u00fcte ist also die Eigenschaft und Herzenshaltung, das Gute des anderen zu wollen. Und wir werden gleich \u00fcber Demut reden, und ihr seht, wie eng das miteinander verbunden ist: den anderen h\u00f6her zu achten als sich selbst, eigene Opfer zu bringen oder vielleicht sogar Schaden in Kauf zu nehmen, um dem anderen Gutes zu tun. Statt egoistisch nur nach seinem eigenen Wohl zu streben, trachtet der neue Mensch in Christus nach dem Wohl des anderen. Das ist G\u00fcte, und das sollst du anziehen.<\/p>\n<p>Drittens: Demut. Demut ist eine angemessen kleine Sicht auf sich selbst. Ich betone \u201eangemessen\u201c, weil es so etwas wie falsche Demut gibt. Wir sehen, dass in Kapitel 2, Vers 18 sogar von der falschen Demut, der scheinbaren Demut der Irrlehrer, geredet wird.<\/p>\n<p>Die Irrlehrer haben gesagt: Oh, wir sind so dem\u00fctig, wir sind so s\u00fcndhaft, wir k\u00f6nnen Jesus nicht direkt nahen, wir k\u00f6nnen Gott nicht direkt nahen, wir brauchen Engel als unsere Vermittler. Das wirkt dem\u00fctig. Aber es ist eine Scheindemut, eine falsche Demut, eine geheuchelte Demut.<\/p>\n<p>Sinclair Ferguson sagt \u00fcber wahre Demut Folgendes: \u201eDemut bedeutet nicht einfach, sich klein und nutzlos zu f\u00fchlen, wie bei einem Minderwertigkeitskomplex. Es bedeutet vielmehr, zu sp\u00fcren, wie gro\u00df und herrlich Gott ist, und mich selbst in diesem Licht zu sehen.\u201c<\/p>\n<p>Demut bedeutet nicht, einen Minderwertigkeitskomplex zu haben, sich st\u00e4ndig klein und schlecht machen zu wollen. Es gibt auch diese falsche Demut, bei der ich mich einfach nur schlecht mache, um anderen Menschen zu gefallen, um vielleicht Lob von anderen Menschen herauszukitzeln.<\/p>\n<p>Nein, Demut bedeutet nicht, dich kleiner zu machen, als du bist, sondern die angemessene Sicht auf dich im Licht der Gr\u00f6\u00dfe Gottes zu haben. Wenn du Gott siehst, seine Heiligkeit, seine Gr\u00f6\u00dfe, und wenn du dich in seinem Licht siehst, in deiner S\u00fcndhaftigkeit, deiner Verlorenheit und deiner Abh\u00e4ngigkeit von ihm, dann ist das Demut.<\/p>\n<p>Ein dem\u00fctiger Mensch ist jemand, der versteht, dass er rein gar nichts als Gottes heiligen Zorn verdient. Ein dem\u00fctiger Mensch ist derjenige, der versteht, dass Gnade allein den Unterschied macht. Nicht mein K\u00f6nnen, nicht meine Intelligenz, nicht meine guten Werke, sondern Gnade allein macht den Unterschied. Der Dem\u00fctige ist es, der sieht, dass es nichts gibt, dessen er sich r\u00fchmen kann.<\/p>\n<p>Sieh deine Identit\u00e4t in Christus: erw\u00e4hlt, geheiligt und geliebt. Hast du irgendetwas dazu beigetragen, diese Identit\u00e4t zu erreichen? Kannst du dir auf die Schulter klopfen und sagen: Ich bin so toll, ich bin von Gott erw\u00e4hlt; weil ich so gut bin, weil ich dies und das getan habe, bin ich von Gott geliebt? Nein, es ist allein aus Gnade. Und der Dem\u00fctige erkennt das.<\/p>\n<p>Deswegen hat auch jemand, der an Erw\u00e4hlung glaubt, aber hochm\u00fctig ist, die Erw\u00e4hlung nicht wirklich verstanden. Es ist das Prinzip, den anderen h\u00f6her zu achten als sich selbst. Wieso? Es bedeutet auch hier wieder, sich nicht k\u00fcnstlich klein zu machen.<\/p>\n<p>Aber in seinen Briefen sehen wir, wie Paulus sich in seinem Leben, vor allem gegen Ende seines Lebens, als den gr\u00f6\u00dften der S\u00fcnder, als den Ersten der S\u00fcnder bezeichnet. Paulus war so von der Heiligkeit Gottes \u00fcberw\u00e4ltigt, dass er seine eigene S\u00fcnde im Licht dieser Reinheit gesehen und gesagt hat: Ich bin der gr\u00f6\u00dfte S\u00fcnder.<\/p>\n<p>Und wenn ich der gr\u00f6\u00dfte S\u00fcnder bin, dann achte ich jeden anderen h\u00f6her als mich. Nicht, weil ich einen Minderwertigkeitskomplex habe, sondern weil ich das tats\u00e4chlich bin im Licht der Heiligkeit Gottes.<\/p>\n<p>In Philipper Kapitel 2, Vers 3 hei\u00dft es: \u201eNichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht, sondern dass in der Demut einer den anderen h\u00f6her achtet als sich selbst.\u201c Ihr seht, wie das alles verbunden ist. Ich suche nicht meinen Nutzen, ich suche nicht meinen Ruhm, sondern ich bin g\u00fctig, ich suche das Wohl des anderen. Und ich tue das in Demut, indem ich den anderen h\u00f6her achte als mich selbst. Sein Wohl ist wichtiger als mein Wohl.<\/p>\n<p>Der dem\u00fctige Mensch versucht nicht, sich selbst zu erheben, und versucht nicht, sich selbst zu r\u00fchmen. Selbst wenn er f\u00fcr Leistungen nicht anerkannt wird, selbst wenn Menschen niemals sehen, was der dem\u00fctige Mensch tut, ist er zufrieden und gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Manche Menschen haben vielleicht Erbarmen, wollen g\u00fctig sein und suchen das Wohl des anderen, aber sie wollen es nur tun, wenn andere Menschen es sehen, wenn sie von anderen Menschen gelobt oder erhoben werden und sich dessen r\u00fchmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>George Whitefield sagt: \u201eMein Name m\u00f6ge in Vergessenheit geraten. Ich m\u00f6ge von allen Menschen mit F\u00fc\u00dfen getreten werden, wenn dadurch Jesus verherrlicht wird.\u201c Das ist der dem\u00fctige Mann. Mein Name m\u00f6ge in Vergessenheit geraten. Ich bin nicht wichtig. Jeder andere ist wichtiger und h\u00f6her als ich. Und vor allem im Licht Gottes: Wenn Jesus dadurch verherrlicht wird, soll mein Name in Vergessenheit geraten.<\/p>\n<p>Zieh Demut an: ein Nichtwichtigsein deiner selbst und ein H\u00f6herachten des anderen, ein rechter Blick und eine angemessen kleine Sicht auf dich selbst. Zieh das an.<\/p>\n<p>Viertens: Milde, oft auch mit Sanftmut \u00fcbersetzt. Milde oder Sanftmut ist ein sanftes Gem\u00fct, das aus Demut und aus der Sicht kommt, sich selbst nicht so wichtig oder bedeutend zu sehen. Ich kann nur sanftm\u00fctig sein, ich kann nur milde sein, wenn ich mir selbst nicht so wichtig bin. Ich kann nur sanftm\u00fctig sein, wenn ich mich selbst beherrsche. Es ist mit Selbstbeherrschung verbunden.<\/p>\n<p>Im Kontrast dazu haben wir die Wut in Vers 8. Wir haben gesehen: Es ist diese aufbrausende Wut. Etwas geschieht nicht so, wie ich es wollte. Jemand behandelt mich nicht so, wie ich es von ihm erwartet habe, und deswegen brause ich in Wut und Zorn auf.<\/p>\n<p>Das Gegenteil davon ist die Milde. Jemand mag mich schlecht behandeln, nicht so behandeln, wie ich es erwartet oder verdient h\u00e4tte oder meine, es verdient zu haben. Aber ich bin nicht so wichtig. Ich kann sanftm\u00fctig darauf reagieren. Ich kann milde darauf reagieren, weil ich dem\u00fctig bin und mich selbst nicht so hochsch\u00e4tze.<\/p>\n<p>Ich, der gr\u00f6\u00dfte S\u00fcnder \u2013 was, wenn mich jemand schlecht behandelt? Was, wenn jemand Schlechtes \u00fcber mich sagt? Ich habe in einer Predigt geh\u00f6rt, wie der Prediger sagte: \u201eIch singe schon so viele schlimmere Dinge \u00fcber mich im Gottesdienst, wenn ich die Lieder singe. Was willst du Schlechteres \u00fcber mich sagen als das, was ich bereits \u00fcber mich selbst singe und sage?\u201c<\/p>\n<p>Milde wird oft im Kontrast zur Streitsucht dargestellt. In 2. Timotheus Kapitel 2 hei\u00dft es: \u201eDer Knecht des Herrn soll nicht streiten, sondern gegen alle milde sein.\u201c Er soll Widersacher in Sanftmut zurechtweisen. In Titus Kapitel 3 haben wir auch: nicht streits\u00fcchtig sein, sondern milde sein und an allen Menschen alle Sanftmut erweisen.<\/p>\n<p>Wir sehen also: Milde und Sanftmut sind ein Gegenteil zur Streitsucht. Jemand, der Streit sucht, f\u00fchlt sich leicht angegriffen und muss sich dann verteidigen, sich rechtfertigen und sucht den Streit. Das ist das Gegenteil von Milde. Sanftmut sucht nicht den Streit. Sanftmut l\u00e4sst lieber Ungerechtigkeit \u00fcber sich ergehen und tr\u00e4gt lieber Bosheit, als den Streit zu suchen.<\/p>\n<p>Mose wird zum Beispiel von Miriam und Aaron kritisiert, weil er eine kuschitische Frau hat. Dann hei\u00dft es in 4. Mose Kapitel 12, Verse 1 und 2: Ja, sie streiten, sie reden gegen ihn. \u201eBist du der Einzige, mit dem Gott geredet hat? Hat Gott nicht auch mit uns geredet?\u201c<\/p>\n<p>Und was h\u00e4tte Mose alles sagen k\u00f6nnen? Habt ihr mit dem feurigen Dornbusch geredet? Habt ihr die R\u00fcckseite der Herrlichkeit Gottes gesehen? Wart ihr auf dem Berg Sinai? Mose aber hat nichts gesagt.<\/p>\n<p>Und darauf folgt in Kapitel 12, Vers 3: \u201eDer Mann Mose aber war sehr dem\u00fctig.\u201c In manchen \u00dcbersetzungen wird \u201edem\u00fctig\u201c mit \u201esanftm\u00fctig\u201c \u00fcbersetzt. Also: sehr dem\u00fctig oder sehr sanftm\u00fctig, mehr als alle Menschen, die auf dem Erdboden waren.<\/p>\n<p>Was h\u00e4tte Mose alles sagen k\u00f6nnen, und welchen Streit h\u00e4tte er mit ihnen anfangen k\u00f6nnen? Er hat nichts gesagt. Er war milde, er war sanftm\u00fctig, er hat nicht den Streit gesucht. Er hat lieber die ungerechte Rede gegen sich ertragen. Das ist Milde, das ist Sanftmut.<\/p>\n<p>Und wir sehen dann im Folgenden: Gott tritt f\u00fcr ihn ein. Gott hat zugeh\u00f6rt und richtet Miriam und Aaron. Miriam wird danach auss\u00e4tzig. Das passiert, wenn du milde bist, wenn du nicht deine eigene Rache und Gerechtigkeit suchst: Gott wird sich darum k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Jesus ist sanftm\u00fctig und von Herzen dem\u00fctig, sagt er in Matth\u00e4us Kapitel 11, Vers 29: \u201eNehmt auf euch mein Joch, denn ich bin sanftm\u00fctig und von Herzen dem\u00fctig.\u201c Wie haben wir das in Jesus gesehen?<\/p>\n<p>\u201eObwohl er geschm\u00e4ht wurde, schm\u00e4hte er nicht wieder; leidend drohte er nicht, sondern er \u00fcbergab sich dem, der gerecht richtet\u201c, hei\u00dft es in 1. Petrus Kapitel 2. Das ist Sanftmut, und das ist Milde. Und wir sehen sie wieder in Jesus personifiziert.<\/p>\n<p>F\u00fcnftens, das letzte Kleidungsst\u00fcck: Langmut. Das Wort Langmut besteht hier w\u00f6rtlich gesehen aus \u201elang\u201c und \u201eZorn\u201c. Es bedeutet, dass es lange dauert, bis jemand w\u00fctend wird. Er hat einen langen Mut, einen langen Atem.<\/p>\n<p>Das steht wieder im Kontrast zur aufbrausenden Wut in Vers 8, die sich nicht unter Kontrolle h\u00e4lt und eine kurze Z\u00fcndschnur hat. In einer Predigt habe ich eine Illustration geh\u00f6rt: Es ist, wie wenn du Dynamit hast und entweder eine kurze Z\u00fcndschnur, die schnell zur Explosion f\u00fchrt, oder eine lange Z\u00fcndschnur. Das ist die Langmut: die lange Zeit, die es bis zum Zorn braucht.<\/p>\n<p>Langmut wird oft auch mit Geduld \u00fcbersetzt. Wer einen langen Atem bis zum Zorn hat, ist jemand, der geduldig ist, insbesondere gegen\u00fcber dem Verhalten von anderen.<\/p>\n<p>In 1. Thessalonicher Kapitel 5, Vers 14 hei\u00dft es: \u201eWir ermahnen euch, Br\u00fcder: Weist die Unordentlichen zurecht, tr\u00f6stet die Kleinm\u00fctigen, nehmt euch der Schwachen an, seid langm\u00fctig gegen alle.\u201c Habt einen langen Atem, Geduld gegen\u00fcber allen.<\/p>\n<p>Gott ist langm\u00fctig mit uns. In 1. Timotheus Kapitel 1, Vers 16 sagt Paulus: Ich bin der Erste, an dem Christus die ganze Langmut beweist, zum Vorbild f\u00fcr andere. Paulus sagt: Ich bin das gr\u00f6\u00dfte Beispiel daf\u00fcr, wie geduldig Jesus mit S\u00fcndern ist. An meinem Beispiel sollen die anderen erkennen, wie geduldig, wie langm\u00fctig Jesus ist.<\/p>\n<p>Ein Zitat sagt Folgendes: \u201eDie gr\u00fcndliche und geb\u00fchrende Betrachtung der unendlichen Geduld Gottes uns gegen\u00fcber wird die Geduld unseres Geistes in hohem Ma\u00dfe f\u00f6rdern und uns in dasselbe Bild verwandeln.\u201c Das Zitat sagt im Grunde: Wenn du Gottes Geduld dir gegen\u00fcber siehst, wird dir das helfen, geduldig gegen\u00fcber anderen zu sein.<\/p>\n<p>Jedes Mal, wenn du diesen Ausbruch oder die kurze Z\u00fcndschnur hast, denk an die lange Z\u00fcndschnur, die Gott mit dir gehabt hat, bevor du gl\u00e4ubig geworden bist. Und jetzt, wo du gl\u00e4ubig bist: Wie langm\u00fctig ist er mit dir, wie geduldig ist er mit dir. Wir haben auch wieder in dem dritten Lied \u00fcber die Langmut Gottes gesungen. Wir weichen oft ab, aber er ist langm\u00fctig.<\/p>\n<p>Das sind die Kleidungsst\u00fccke des Gl\u00e4ubigen. Diese f\u00fcnf Teile hat das Kleid: herzliches Erbarmen, G\u00fcte, Demut, Milde und Langmut. All diese Dinge flie\u00dfen aus unserer Identit\u00e4t, die Gott uns geschenkt hat.<\/p>\n<p>Denn in unserer Erl\u00f6sung hat Gott, beziehungsweise Jesus, all diese Eigenschaften demonstriert. Du bist auserw\u00e4hlt, du bist heilig und du bist geliebt. Du bist all das, weil Gott Erbarmen, G\u00fcte, Demut, Milde und Langmut gezeigt hat.<\/p>\n<p>Du bist auserw\u00e4hlt, geheiligt und geliebt, weil Jesus diese Tugenden demonstriert hat und die Personifizierung von Erbarmen, G\u00fcte, Demut, Milde und Langmut ist. Sein Erbarmen, seine G\u00fcte, Demut, Milde und Langmut zu sehen, wird uns dazu formen, selbst diese Herzenshaltungen zu entwickeln.<\/p>\n<p>Daher deckt sich diese Liste auch so sehr mit der Frucht des Geistes. Wir haben in der Lesung Galater Kapitel 5 gelesen: \u201eDie Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, G\u00fcte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit.\u201c Sehr \u00e4hnlich zu der Liste hier.<\/p>\n<p>Die Idee ist, dass der Heilige Geist in uns diese Frucht hervorbringt. Wir m\u00fcssen uns ihm durch das Wort und im Gehorsam unterwerfen, ihn \u00fcber unser Leben herrschen lassen, sodass diese Dinge in uns gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>Wir werden heute nicht zu den Versen 13 und 14 kommen. Das werden wir uns n\u00e4chstes Mal anschauen. Was haben wir heute gesehen?<\/p>\n<p>Wir haben erstens die dreifache Identit\u00e4t des Gl\u00e4ubigen gesehen, die dreifache Identit\u00e4t, die der Kleidung zugrunde liegt. Paulus sagt nicht einfach: Tu einfach, mach einfach, gehorche einfach. Sondern jeder seiner Befehle ist in der Identit\u00e4t gewurzelt, die wir in Christus haben.<\/p>\n<p>Liebe Geschwister, was f\u00fcr ein Privileg ist es, dass wir Geliebte, Geheiligte und Auserw\u00e4hlte hei\u00dfen d\u00fcrfen. Wie sehr m\u00fcssen wir uns mit diesen Wahrheiten f\u00fcllen. Und er sagt: Zieht als solche diese Kleidungsst\u00fccke an, legt diese Tugenden an den Tag.<\/p>\n<p>Und wir haben gesehen: All diese Dinge haben mit dem Umgang miteinander zu tun. Erbarmen ist Mitleid und tiefes Mitgef\u00fchl mit anderen in Not: ihre Not zu sehen, mit ihnen zu leiden, bereit zu sein, ihr Leid zu lindern und mit ihnen zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Wir haben nicht nur Erbarmen gesehen, sondern auch G\u00fcte: das Wohl des anderen zu wollen und danach zu streben. Ich bin nicht das Zentrum des Universums. Christus ist das Zentrum des Universums, und den Kindern Gottes, meinen Geschwistern im Herrn, gilt mein Streben nach Gutem: ihnen Gutes zu tun, ihr Wohl zu wollen und danach zu trachten.<\/p>\n<p>Damit verbunden ist die Demut: den anderen h\u00f6her zu achten als mich selbst, im Licht Gottes, im Licht seiner Heiligkeit und Gr\u00f6\u00dfe. Wer bin ich? Im Psalm 8 fragt der Psalmist: \u201eWas ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?\u201c Wer bin ich, dass meine Gedanken sich nur um mich selbst, mein Wohl und meine Vorteile drehen?<\/p>\n<p>Demut sagt: Achte den anderen h\u00f6her. G\u00fcte sagt: Suche sein Wohl, strebe danach, dem anderen Gutes zu tun.<\/p>\n<p>Milde und Langmut: Nimm dich selbst nicht so wichtig und bedeutend. Suche nicht den Streit, sondern sei sanftm\u00fctig. Deine Worte sollen in Sanftmut geschehen. Ertrage Ungerechtigkeit, wenn es sein muss.<\/p>\n<p>Und wir werden n\u00e4chstes Mal in Vers 13 sehen: \u201eErtragt einander, vergebt einander.\u201c All das sind Ausdr\u00fccke dieser f\u00fcnf Eigenschaften. Sei milde. Sei langm\u00fctig. Habe Geduld mit den Menschen um dich herum.<\/p>\n<p>Denke an die Geduld, die Gott mit dir hatte, bis du gl\u00e4ubig geworden bist, bis du dich ver\u00e4ndert hast, bis du diese oder jene S\u00fcnde abgelegt hast oder immer noch nicht abgelegt hast. Wie geduldig ist Gott mit dir? Wie viel geduldiger solltest du mit deinen Geschwistern und mit den Menschen um dich herum sein?<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen wir hieraus lernen? Was k\u00f6nnen wir anwenden?<\/p>\n<p>Erstens: Pr\u00fcfe deine Kleidung. Ich wei\u00df nicht, ob jeder von euch es getan hat, aber die meisten von euch werden sich heute Morgen, bevor sie hinausgegangen sind, kurz im Spiegel angeschaut haben: Was habe ich heute an? Sitzt die Kleidung, sitzt die Krawatte, oder habe ich das Passende an? Passt die Farbkombination?<\/p>\n<p>Pr\u00fcfe deine Kleidung. Check dein Outfit sozusagen. Mein Papa muss immer sehr fr\u00fch zur Arbeit, muss um drei oder vier Uhr losfahren, und immer am Abend vorher legt er seine Kleidung heraus, die er dann am n\u00e4chsten Tag zur Arbeit anziehen wird.<\/p>\n<p>Was wirst du morgen fr\u00fch anziehen? Welche Tugenden willst du an den Tag legen? Pr\u00fcfe dein Outfit, pr\u00fcfe deine Kleidung. Was sagen die Menschen um dich herum, wenn sie \u201eherzliches Erbarmen, G\u00fcte, Demut, Milde und Langmut\u201c h\u00f6ren? Sind das Eigenschaften, die dich beschreiben? W\u00fcrden andere Menschen dich so beschreiben? Das macht ihn aus: Er ist ein Mensch des Erbarmens und der Milde. Er ist ein langm\u00fctiger Mensch, der Geduld hat.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfe deine Kleidung. Was macht deinen Wandel aus? Sind es Zorn und Wut? Sind es Egoismus und Selbstzentriertheit? Ist es aufbrausender Zorn, dich selbst zum Zentrum zu machen und f\u00fcr zu wichtig zu halten? Ist es Streitsucht, jede Gelegenheit zum Streit zu suchen, dich schnell angegriffen zu f\u00fchlen, weil du dir selbst so wichtig bist?<\/p>\n<p>Wenn das dich und deinen Wandel ausmacht, lieber Bruder, liebe Schwester, dann passt das nicht zu deiner Identit\u00e4t. Kehre davon um. Tue Bu\u00dfe davon. Pr\u00fcfe deine Kleidung und tue Bu\u00dfe, wenn deine Kleidung nicht deiner Identit\u00e4t entspricht.<\/p>\n<p>Zweitens: F\u00fchre dir deine Identit\u00e4t in Christus vor Augen. Gedenke des Erbarmens, der G\u00fcte, der Demut, der Sanftmut und der Langmut, die Jesus dir gegen\u00fcber gezeigt hat.<\/p>\n<p>Es gibt diese Selbstbekr\u00e4ftigungsmethoden, nach denen du jeden Tag aufstehen, in den Spiegel schauen und sagen sollst: Du bist stark, du bist mutig, du bist dies und das. Ich sage nicht, dass ihr das tun sollt. Aber ihr m\u00fcsst euch eure Identit\u00e4t in Christus vor Augen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Paulus tut das ununterbrochen. Jeder zweite Vers, jeder zweite Befehl ist mit deiner Identit\u00e4t in Christus verbunden. Und deine Identit\u00e4t ist: Du bist auserw\u00e4hlt, du bist heilig und du bist geliebt. Ohne diese Identit\u00e4t kannst du diese Tugenden nicht an den Tag legen. Aus dieser Identit\u00e4t heraus soll dieser Wandel flie\u00dfen.<\/p>\n<p>Und das musst du nicht auf eine mystische oder mantrahafte Weise vor dem Spiegel tun. Du tust es, wenn du das Wort liest. Es ist voll davon, wie Gott dich auserw\u00e4hlt hat. Du kannst anhand der Erw\u00e4hlung Israels lernen und als Beispiel sehen, wie Gott dich auserw\u00e4hlt hat. Wir haben all die Verse gelesen.<\/p>\n<p>Du kannst in der Bibel, wenn du das Wort liest, davon lesen, wie du geheiligt, abgesondert und Gott geweiht bist. Du kannst davon lesen, wie geliebt du bist. Ich habe kurz davon geredet: Oh, wie geliebt wir sind. \u201eOh, die tiefe Liebe Jesu\u201c ist das Lied, das wir vor Kurzem eingef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p>Halte dir das vor Augen. Das ist deine Identit\u00e4t in Christus Jesus, die du als Gl\u00e4ubiger bereits hast. Nur wenn du das vor Augen hast, kannst du auch diese Tugenden an den Tag legen.<\/p>\n<p>Schaue auf Jesus, auf sein Erbarmen, seine Langmut, G\u00fcte, Demut und Sanftmut. Lerne von ihm. Schau diesen herrlichen Jesus an, der diese Tugenden demonstriert, und werde dadurch verwandelt.<\/p>\n<p>Du kannst das tun, indem du zum Gottesdienst kommst, hier von Jesus h\u00f6rst, indem du das Herrenmahl feierst, wo wir Woche f\u00fcr Woche daran erinnert werden, wer wir in Christus sind und was Christus vollbracht hat.<\/p>\n<p>Wenn wir das Brot brechen und den Kelch zu uns nehmen, f\u00fchrt uns das nicht das herzliche Erbarmen Jesu vor Augen? Seine G\u00fcte, seine Demut, wie er sich erniedrigt hat, seine Langmut, seine Milde und seine Sanftmut? F\u00fchrt es uns nicht die Gnade Gottes vor Augen, die uns vor Grundlegung der Welt erw\u00e4hlt, uns abgesondert und uns einen Platz am Tisch des Herrn gegeben hat? Ist das nicht ein Ausdruck der Liebe Gottes zu uns und der Liebe des Herrn?<\/p>\n<p>F\u00fchre dir also deine Identit\u00e4t vor Augen, nicht auf eine mantrahafte oder mystische Art und Weise. Du tust es durch das Wort. Du tust es durch die Gemeinschaft mit Gl\u00e4ubigen, mit den Heiligen. Du tust es, indem du zum Gottesdienst kommst, indem du das Herrenmahl feierst. Du tust es, indem du dich Gott und seinem Wort hingibst.<\/p>\n<p>Drittens: Zieh die Kleidung an, die deiner Identit\u00e4t entspricht. Auf der einen Seite sind das Dinge, die der Geist in uns produziert. Wir k\u00f6nnen das nicht aus eigener Kraft machen.<\/p>\n<p>Aber gleichzeitig ist unsere Heiligung etwas, bei dem wir etwas tun und aktiv sein sollen. Wir k\u00f6nnen uns nicht einfach faul in die Ecke stellen und sagen: Ja, der Geist soll mal machen. Nein, Paulus gibt dir einen Imperativ, einen Befehl: Zieh das an. Eigne dir diese Eigenschaften an. Lege diese Dinge, diese Tugenden, an den Tag.<\/p>\n<p>Ich habe vorhin gefragt: Welche Kleidung legst du morgen fr\u00fch heraus? Was ziehst du morgen an? Nimm dir diese Tugenden vor und bete daf\u00fcr. Wenn du einen Bruder oder eine Schwester in Not siehst, hab herzliches Erbarmen. Sei g\u00fctig, suche das Wohl des anderen und nicht dein eigenes.<\/p>\n<p>Sei dem\u00fctig und sanftm\u00fctig. Nimm dich selbst nicht so wichtig oder zu hoch, sondern achte den anderen h\u00f6her als dich selbst. Suche nicht den Streit, sondern sei sanft, sei milde. Wer bist du? Jemand, dem Gnade zuteilgeworden ist. Sei langm\u00fctig, \u00fcbe dich in Geduld. Wenn du eine kurze Z\u00fcndschnur zur Wut hast, \u00fcbe dich darin, geduldig zu sein, nicht aufzubrausen und deine Selbstbeherrschung zu verlieren.<\/p>\n<p>Beginne zu Hause, in deiner Familie: deinem Mann gegen\u00fcber, deiner Frau gegen\u00fcber, deinen Kindern gegen\u00fcber, deinen Eltern gegen\u00fcber, deinen Geschwistern gegen\u00fcber. In der Gemeinde, mit Geschwistern. Paulus redet hier \u00fcber all das im Zusammenhang der Gemeinde: miteinander, zueinander.<\/p>\n<p>Wir werden dar\u00fcber reden: \u201eErtragt einander, vergebt einander.\u201c Zieh die Kleidung an, die deiner Identit\u00e4t entspricht. Sei aktiv darin, nimm es dir vor. Bete daf\u00fcr. Denn letztendlich ist es etwas, was nur Gott schenkt, aber du sollst trotzdem aktiv sein.<\/p>\n<p>Und als Letztes an den Ungl\u00e4ubigen, an denjenigen, der hier ist, aber nicht an Christus glaubt: Du kannst diese Dinge nicht an den Tag legen. Du kannst diese Dinge nicht anziehen ohne die Identit\u00e4t in Christus Jesus.<\/p>\n<p>Paulus&#8216; ganze Argumentationskette ist: Weil du den alten Menschen ausgezogen und den neuen Menschen angezogen hast, zieh nun das an, was diesem neuen Menschen entspricht. Aber wenn deine Natur nicht erneuert ist, kannst du das von dir selbst und aus dir selbst heraus nicht tun. Das widerspricht jeder Faser deiner s\u00fcndhaften und gefallenen Natur: Erbarmen, Demut, dich selbst klein zu machen, das Wohl des anderen zu suchen.<\/p>\n<p>Und so bitte ich dich und rufe dich dazu auf: Kehre um zu Jesus Christus. Kehre um von einem Leben, das nach deinen eigenen Vorstellungen und Ma\u00dfst\u00e4ben ausgerichtet ist. Kehre davon um, dich selbst vor Menschen oder vor Gott gerecht und tugendhaft darstellen zu wollen. Erkenne stattdessen an, dass Jesus allein deine Hoffnung ist.<\/p>\n<p>Jesus allein ist derjenige, der dich von deinen S\u00fcnden erl\u00f6sen und dir eine neue Natur schenken kann, die nach ihm geschaffen ist und ihm \u00e4hnlich wird. Glaube an Jesus Christus.<\/p>\n<p>Sieh seine Tugenden. Sieh seine Langmut gegen\u00fcber S\u00fcndern, wie er denen, die er eigentlich hassen sollte, nichts als Liebe, G\u00fcte und Erbarmen erwiesen hat, S\u00fcndern wie dir. Schenke ihm dein Vertrauen und glaube an ihn.<\/p>\n<p>Denn wir haben vorhin gesehen: Er ist g\u00fctig gegen\u00fcber den Undankbaren und B\u00f6sen. Das ist unser Gott, das ist unser Rettergott. Jesus ist die G\u00fcte und Menschenliebe unseres Rettergottes, die erschienen ist. So setze dein Vertrauen auf ihn. Ihm m\u00f6ge alle Ehre zuteilwerden.<\/p>\n<p>Lasst uns beten.<\/p>\n<p>Unser Vater im Himmel, wenn wir diese Tugenden sehen \u2013 Erbarmen, Demut, G\u00fcte, Sanftmut und Langmut \u2013, erscheinen sie uns und unserer s\u00fcndhaften Natur so fremd und so fern. Diese Dinge anzulegen, sie uns anzueignen, wirkt unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>So oft sind wir doch so selbstzentriert, so auf unser eigenes Wohl und unseren eigenen Vorteil bedacht. Und selbst wenn wir nach dem Wohl des anderen streben, ist es doch oft mit Ruhmsucht und Eitelkeit verbunden, damit, dass wir von Menschen geehrt oder anerkannt werden wollen.<\/p>\n<p>O Vater, wie fern sind wir von der Reinheit dieser Tugenden, die wir in Christus Jesus sehen: sein heiliges Erbarmen, seine vollkommene G\u00fcte und Langmut und Demut und Sanftmut.<\/p>\n<p>Aber Vater, du hast uns nicht auf uns allein gestellt, sondern du hast uns eine neue Natur geschenkt. Du hast uns deinen Heiligen Geist geschenkt, der in uns wohnt. Du hast uns so eine Identit\u00e4t gegeben, die es uns m\u00f6glich macht, in diesen Dingen zu wachsen, im Umgang miteinander Erbarmen und G\u00fcte und all diese Dinge zum Ausdruck zu bringen, dies zu Herzenshaltungen zu machen, die uns ausmachen.<\/p>\n<p>Und so bitte ich dich, Vater, dass du uns vor Augen f\u00fchren m\u00f6gest, wer wir in Jesus Christus sind: Auserw\u00e4hlte, Heilige und Geliebte. Und dass diese Identit\u00e4t, die wir in Jesus haben, das Fundament daf\u00fcr sein m\u00f6ge, in den Tugenden, die Jesus demonstriert hat, zu wandeln, seinen Fu\u00dfspuren nachzufolgen.<\/p>\n<p>Gro\u00dfer Gott, mach uns deinen Sohn so gro\u00df, so herrlich und so erhaben. Zeige uns all diese Eigenschaften, die er uns gegen\u00fcber erwiesen hat und auch heute noch zeigt und demonstriert, sodass es uns doch leichtfallen m\u00f6ge, im Licht seines Erbarmens, seiner Milde und seiner G\u00fcte dies auch anderen gegen\u00fcber zu sein.<\/p>\n<p>O Vater, mach uns klein im Licht der Gr\u00f6\u00dfe deines Sohnes, sodass wir uns selbst nicht so wichtig, nicht so bedeutend nehmen, sondern du alles in allen erf\u00fcllst, und dass wir diese Eigenschaften auch im Umgang miteinander anwenden m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Vater, ich bitte dich: Schenke uns ein pr\u00fcfendes Auge daf\u00fcr, in welchen Bereichen unseres Lebens wir Mangel an diesen Dingen haben, wo wir zu oft selbstzentriert, wo wir zu oft kaltherzig und streits\u00fcchtig sind, wo wir uns selbst r\u00fchmen wollen. Hilf uns, diese Dinge in unserem Leben zu identifizieren. Schenke uns das Auge daf\u00fcr. Mach uns sensibel daf\u00fcr, sodass wir von diesen Dingen Bu\u00dfe tun, umkehren und diese Christus\u00e4hnlichkeit an den Tag legen.<\/p>\n<p>Ich bitte darum: Lehre uns. Aus uns selbst heraus k\u00f6nnen wir das nicht. Dein Geist m\u00f6ge es uns schenken. M\u00f6gen wir uns ihm unterwerfen, deinem Wort und dem Gehorsam unterwerfen und wirklich aktiv nach diesen Dingen streben, sodass wir mit deiner Kraft in das Bild deines Sohnes verwandelt werden k\u00f6nnen. Vater, darum bitte ich dich.<\/p>\n<p>Vater, ich bitte dich f\u00fcr diejenigen, die nicht an dich glauben. Erweise ihnen gegen\u00fcber dein Erbarmen und deine G\u00fcte, indem du ihre Herzen \u00f6ffnest und ihnen die neue Geburt schenkst. Schenke ihnen den Glauben an diesen guten Retter Jesus, an die G\u00fcte und Menschenliebe, die erschienen ist, an den Heiland, der uns rettet und sie retten kann, nicht nach ihren Werken, sondern einzig und allein nach deiner Gnade und nach dem, was er am Kreuz von Golgatha vollbracht hat.<\/p>\n<p>Vater, wir bitten dich um all dies im Namen deines Sohnes. Amen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Automatisch generiertes Transkript M\u00f6ge der Name unseres Herrn, m\u00f6ge der Name Jesu Christi verherrlicht werden. Lasst uns den Text f\u00fcr die heutige Predigt aufschlagen und lesen: Kolosser Kapitel 3, die Verse 12 bis 17. 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