Oktober 11, 2026

Die Arbeitsbeziehungen des neuen Menschen

Prediger:
Series:
Passage: Kolosser 3:22-4:1

Automatisch generiertes Transkript

Einen wunderschönen guten Morgen auch von meiner Seite. Herzlichen Dank für die Einladung. Vor einigen Monaten war John bei uns, so durften wir uns schon mal kennenlernen. Und ja, jetzt sind wir hier und dürfen euch persönlich kennenlernen. Die Beziehung ist entstanden durch Jeremy Dreier, der eine Zeit lang bei euch hier in der Gemeinde war. Der ist jetzt bei uns mit seiner Familie, sodass wir für die Verbundenheit dankbar sind. Und wir freuen uns auf den Kontakt, auf die Beziehung, die wir zu euch auch pflegen dürfen. Wie handhabt ihr das? Setzt ihr euch, oder? Ach so, okay.

Ihr dürft euch gerne setzen, ja. Okay. Vor einiger Zeit habe ich bei uns in der Gemeinde über den Kolosserbrief gepredigt. Und so passte es gerade, dass ich auch die Serie, die ihr gerade durch den Kolosserbrief macht, fortsetzen darf oder einen Abschnitt daraus predigen darf. Daher lasst mich noch vorher beten, bevor wir gleich mit der Schriftlesung oder mit der Predigt beginnen.

Vater, unser großer Gott, wir danken dir für dein Wort. Wir danken dir, dass du gut bist und dass du Gutes tust, und wir dürfen das in unserem Leben sehen. Herr, wir möchten dir danken, dass du uns mit deinem Wort alles gegeben hast, dass wir ein Leben leben dürfen, das dich ehrt und das dir Ehre bereitet. Herr, und so lass auch dieses Wort, die Auslegung, dazu dienen, Herr, dass wir zugerüstet werden im Alltag, dass wir hingehen und Täter deines Wortes werden und somit Salz und Licht sind in dieser Welt.

Herr, sei du dadurch verherrlicht, dir gebührt alle Ehre. Amen.

Stellt euch einen Leiharbeiter vor. Er geht jeden Morgen zur Firma, in der er vielleicht nur eine sehr, sehr kurze Zeit eingesetzt ist. Die Bezahlung ist gering, sein Job ist unsicher und die Wertschätzung ist auch kaum spürbar. Er funktioniert, und mehr wird von ihm nicht erwartet. Vielleicht kommt dir das gar nicht so fremd vor, denn unsere Arbeitswelt ist tatsächlich manchmal sehr geprägt von Druck, von Unsicherheit und manchmal tatsächlich von echter Ungerechtigkeit. Und gerade im Niedriglohnsektor wird das besonders sichtbar. In dem Bereich stellt sich natürlich ganz persönlich eine Frage: Was macht das mit mir? Wie gehe ich damit um, wenn meine Arbeit nicht gesehen wird? Wie gehe ich damit um, wenn ich ungerecht behandelt werde? Wenn ich innerlich vielleicht sogar schon gekündigt habe, ist die logische Reaktion nicht, einfach nur noch das Nötigste zu tun auf Arbeit, sich zurückzuziehen und vielleicht bitter zu werden?

Doch die Bibel spricht genau in so eine Situation hinein, und ich glaube sogar teilweise schärfer als das, was wir heute erleben. Und Kolosser 3,22 bis 4,1 zeigt uns heute: Gottes Ordnung für die Arbeitswelt hängt nicht zuerst von perfekten Umständen ab. Sie beginnt in unserem Herzen. Und sie gilt unabhängig davon, ob ich gerade unter guten oder auch unter schlechten Arbeitsbedingungen arbeite. Und wir fragen uns vielleicht: Funktioniert das wirklich im Alltag? Funktioniert das auch dann, wenn ich mich tatsächlich wie so ein austauschbares Rädchen fühle? Und der Text gibt uns eine klare, herausfordernde Antwort und richtet sich dabei an beide Seiten der Arbeitswelt. Zuerst an die Arbeitnehmer, an diejenigen, die Weisungen empfangen, die sich einordnen müssen, die vielleicht unter schwierigen Bedingungen arbeiten. Ihnen zeigt der Text, was echte christliche Arbeitsmoral bedeutet.

Und dann wendet sich der Text auch an die Arbeitgeber, die Verantwortung tragen, die Entscheidungen treffen, aber die auch Einfluss haben. Und auch sie stehen unter Gottes Maßstab. Und wir haben ja eben den Text gelesen, Kolosser 3, Vers 1. Da sagt ja Paulus, dass wir in Christus zu einem neuen Leben auferweckt worden sind. Und in diesem Abschnitt, den wir uns heute anschauen werden, werden wir sehen, wie sich dieses neue Leben gerade in der Arbeitswelt sichtbar macht. Und da eure letzte Kolosserpredigt, so wie ich gesehen habe, einige Wochen her ist, rufe ich noch mal kurz den Kontext in Erinnerung, bevor wir dann weitermachen im Text. Paulus beginnt ja seinen Brief, indem er sich als Apostel Jesu Christi nach dem Willen Gottes vorstellt, ähnlich wie im Timotheusbrief. Und Timotheus ist auch dabei.

Und vermutlich hat Paulus diktiert, und Timotheus hat diesen Brief aufgeschrieben, denn das sehen wir in Kolosser 4, Vers 18, im letzten Vers, wo es heißt: „Der Gruß mit meiner, des Paulus, Hand. Gedenkt an meine Fesseln! Die Gnade sei mit euch! Amen.“ Paulus hat diesen Brief ca. 60 bis 62 nach Christus während seiner ersten Gefangenschaft geschrieben. Und in dieser Zeit verfasste er auch den Epheserbrief, der sehr starke Parallelen zum Kolosserbrief aufweist. Aber auch den Philipperbrief und den Philemonbrief, den sehr persönlichen Philemonbrief, schrieb er in dieser Zeit. Deshalb werden diese Briefe auch die Gefängnisbriefe genannt.

Und in diesem Brief an die Kolosser sehen wir Paulus' Leidenschaft und auf der anderen Seite auch seine sehr starke Fürsorge für die Gemeinde. Er dankt dafür, dass sie durch die Wahrheiten des Evangeliums zum Glauben gekommen sind und dass es in ihnen sichtbar wird durch ihren Glauben, durch ihre Liebe und durch ihre Hoffnung. Und das motiviert Paulus und seine Mitarbeiter, weiter für sie zu beten. Und sein Anliegen ist es, dass die Kolosser die Größe und die Erhabenheit Christi verstehen, damit sie in der Lage sind, des Herrn würdig zu wandeln. Und das tut er in diesem Abschnitt, indem er ihnen Jesus Christus als erhaben über der Schöpfung und erhaben über die Gemeinde darstellt. Er macht deutlich: Jesus ist der Schöpfer und der Erhalter des Lebens. Jesus ist das Haupt der Gemeinde, Jesus Christus ist Gott. Sie sollen also dieses Geheimnis verstehen, dass Christus nun in ihnen lebt, und dass sie in Jesus die ganze Fülle haben.

Und dieses Verständnis, diese Identität, die sie in Christus haben, die soll sie davor bewahren, dass sie in die verschiedenen Irrlehren hereinfallen oder diesen verschiedenen Irrlehrern verfallen, die ihr Unwesen gerade dort in Kolossä trieben. Und deshalb finden wir dann im Anschluss fünf Warnungen, in denen Paulus vor Philosophien und Denksystemen dieser Welt warnt, die, wie er sagt, Täuschung, Betrug, Irrlehre, Menschenlehre und Gesetzlichkeit beinhalten. Und er richtet ihren Blick auf Jesus und zeigt ihnen, dass diese falschen Denksysteme alle von Christus ablenken. Und er macht deutlich: Christus allein genügt. Und deshalb beginnt Paulus dann ab Kapitel 3 mit der praktischen Umsetzung dessen, was er in Kapitel 1 bis 3 gelehrt hat. Dieses dritte Kapitel ist sozusagen ein Wendepunkt. Nachdem Paulus den Kolossern die wesentlichen theologischen Wahrheiten vermittelt hat, zeigt er ihnen nun, wie sich diese Wahrheiten in ihrem Leben niederschlagen müssen. Er sagt, dass sie christuszentriert leben sollen.

Sie sollen nach oben, also auf Christus ausgerichtet sein, und sie sollen die Sünde hassen. Und Paulus macht damit deutlich: Heiligung ist keine Option. Heiligung sollte unser Lebensstil sein. Und deshalb geht er dann auf die zwischenmenschlichen Beziehungen ein und zeigt uns, wie wir miteinander umgehen sollen. Und er verwendet diese Illustration, wie wir eben auch schon gehört haben, von dem Ablegen von alten Kleidern und dem Anziehen von neuen Kleidern. In den Versen 9 bis 17 zeigt er, wie ein von Christus bestimmtes Leben untereinander oder auch in der Gemeinde möglich ist. In den Versen 18 bis 19 zeigt er, wie die Ehebeziehung des neuen Menschen aussehen soll. Und in den Versen 20 bis 21 geht es um die Eltern-Kind-Beziehung des neuen Menschen. Und in unserem Abschnitt heute geht es um die Arbeitsbeziehungen des neuen Menschen.

Und so lautet auch der Predigttitel: „Die Arbeitsbeziehungen des neuen Menschen“. Und ich möchte uns diesen Abschnitt der Predigt noch mal vorlesen: Kapitel 3, Vers 22 bis Kapitel 4,1. Und ich lese aus der Schlachter-2000-Übersetzung.

„Ihr Sklaven, gehorcht euren leiblichen Herren in allen Dingen, nicht mit Augendienerei, um den Menschen zu gefallen, sondern in Einfalt des Herzens als solche, die Gott fürchten. Und alles, was ihr tut, das tut von Herzen, als für den Herrn und nicht für Menschen, da ihr wisst, dass ihr von dem Herrn zum Lohn das Erbe empfangen werdet. Denn ihr dient Christus, dem Herrn. Wer aber Unrecht tut, der wird empfangen, was er Unrechtes getan hat; und es gilt kein Ansehen der Person. Ihr Herren, gewährt euren Sklaven das, was recht und billig ist, da ihr wisst, dass auch ihr einen Herrn im Himmel habt.“

Und ich habe diesen Abschnitt in zwei Punkte gegliedert: Erstens, christliche Arbeitsmoral für Arbeitnehmer, die Verse 22 bis 25, und zweitens, christliche Arbeitsmoral für Arbeitgeber, Kapitel 4,1. Und doch, bevor wir zu diesen beiden Punkten kommen, denke ich, ist es wichtig, den kulturellen Hintergrund zu verstehen: An wen schreibt Paulus hier und in welche Situation hinein schreibt er? Wenn ihr auch die Schlachter 2000 gelesen habt, dann habt ihr gemerkt, dass ich in Kapitel 3,22 und 4,1 statt „Knecht“ „Sklave“ gelesen habe. An dieser Stelle haben natürlich die Luther und die Elberfelder richtig übersetzt: „Sklave“, denn im Griechischen steht da tatsächlich „doulos“, was Sklave oder auch Leibeigener bedeutet. Und das Wort „Sklave“ ist heute natürlich sehr negativ behaftet in unserer Gesellschaft. Und da haben natürlich manche Übersetzer versucht, das ein bisschen abzumildern, dass es nicht ganz so hart klingt, und haben dann „Knecht“ oder häufig auch „Diener“ übersetzt.

Und das wirkt natürlich hart, und es passt nicht wirklich in unser modernes Empfinden, könnte man sagen. Und ganz ehrlich gesagt: Niemand von uns möchte ja gern Sklave eines anderen sein, oder? Und wie tief dieses Gefühl sitzt, sieht man natürlich bis in unseren Alltag hinein. Und ich möchte aus unserer Familie ein bisschen erzählen: Bevor unser Sohn Tim geheiratet hat, hat er häufiger einen Spruch von unserer jüngsten Tochter, Kiana, gehört. Sie sagte dann meistens: „Ich bin doch nicht dein Sklave.“ Das lag daran, dass unser Sohn sein Zimmer auf dem Dachboden hatte. Und wenn er dann was benötigte oder was wegbringen wollte, dann hat er Kiana gerufen: „Du, bring mir bitte das, hol mir bitte das.“ Und da hat sie dann häufig gesagt: „Ich bin doch nicht dein Sklave.“ Und genau an diesem Punkt merken wir: Wir verbinden mit dem Begriff „Sklave“ in der Regel nichts Positives.

Das heißt, wir können das aus unserer heutigen Perspektive häufig gar nicht nachvollziehen. Umso wichtiger ist es, dass wir so einen Schritt zurückgehen und uns in die Zeit hineinversetzen, wie es damals war, um das besser einordnen zu können. Wenn ihr hier noch mal in unseren Text schaut, in den unmittelbaren Kontext, dann fällt in diesem Zusammenhang auf, dass Paulus hier in Vers 18 nur einen Vers an die Frauen richtet, in Vers 19 nur einen Vers an die Männer, in Vers 20 nur einen Vers an die Kinder und in Vers 21 wieder nur einen Vers an die Väter richtet. Aber an die Sklaven richtet er hier ganze vier Verse. Dafür gibt es auch einen Grund. Und ich glaube, dass es wichtig ist, an dieser Stelle den kulturellen Hintergrund ein bisschen zu beleuchten, damit wir es besser einordnen können. Und wir müssen uns in Erinnerung rufen, dass diese Gemeinde von Kolossä die Gemeinde von Philemon und Onesimus ist und dieser sehr persönliche Brief an Philemon gemeinsam mit dem Kolosserbrief nach Kolossä kam.

Sie wurden von denselben Personen nach Kolossä gebracht. Wir lesen zum Beispiel in Kolosser 4,7 bis 9, dass es Tychikus mit Onesimus waren. Und im Philemonbrief lesen wir in Vers 11, dass Paulus Onesimus selbst mit diesem Brief zurück an seinen Herrn Philemon zurückschickt. Und auch in beiden Briefen sehen wir, dass Timotheus der Mitautor der Briefe ist. Und in beiden Briefen wird auch Archippus gegrüßt, der vermutlich eine leitende Funktion in der Gemeinde hatte oder die Gemeinde bei sich zu Hause beherbergte. Wenn wir uns den persönlichen Brief an Philemon ansehen, dann verstehen wir auch, warum Paulus gerade bei diesem Thema, Sklaven und ihre Herren, ein paar Verse mehr verwendet. Ich fasse die Geschichte kurz zusammen: Onesimus ist der entlaufene Sklave von Philemon und hat dem Herrn dadurch natürlich einiges an Schaden angerichtet. Durch Gottes Gnade kreuzen sich die Wege von Onesimus und Paulus, und durch die Verkündigung des Evangeliums kommt er zum Glauben an den Herrn Jesus Christus.

Und Paulus, der in Rom gefangen war, schreibt in dem Brief an Philemon, dass Onesimus für ihn sehr nützlich war. Und dann schickt er ihn mit diesem Brief dem Philemon, seinem Herrn, wieder zurück und bittet ihn, Onesimus nicht wieder als Sklaven aufzunehmen, sondern als etwas, was viel besser ist: als seinen eigenen Bruder oder seinen Bruder im Herrn. Und wir wissen, was in der Regel einen Sklaven erwartet hat, der von seinem Herrn geflohen ist: Ihn erwartete eigentlich die Todesstrafe. Und das wird vermutlich auch der Grund sein, warum Paulus gerade im Kolosserbrief einige Verse mehr für dieses Thema verwendet. Und hieraus schließen wir, dass es in dieser Zeit, in der damaligen Zeit, ganz normal war, dass sowohl Herren, die Sklaven besaßen, als auch Sklaven gemeinsam in einer Gemeinde waren. Und in der heutigen Zeit fragen sich natürlich die Leute: Wie kann das sein, dass Paulus hier an dieser Stelle nichts gegen die Sklaverei sagt? Er nimmt sie einfach nur als gegeben hin. Und dazu müssen wir berücksichtigen, dass es im 1. Jahrhundert im Römischen Reich ganz normal war, Sklaven zu besitzen.

Und ich habe vor einigen Jahren das Buch „Sklave Christi“ gelesen von John MacArthur. Der ein oder andere wird es vielleicht kennen. Und in diesem Buch zeigt er sehr gut den Hintergrund auf, wie es sich mit der Sklaverei im 1. Jahrhundert im Römischen Reich so zugetragen hat. Und da fand ich den Punkt sehr gut, den er gemacht hat, und möchte daraus zwei Zitate bringen.

„Im ersten Jahrhundert war die Sklaverei eine weit verbreitete Gesellschaftsordnung im Römischen Reich. Sie war so alltäglich, dass ihre Existenz als Institution von niemandem ernsthaft infrage gestellt wurde. Sklaven jedes Alters, Geschlechts und jeder ethnischen Herkunft bildeten im antiken Rom eine sozioökonomische Klasse. Etwa ein Fünftel der Bevölkerung des Reiches waren Sklaven, was zu Beginn des 1. Jahrhunderts nach Christus zwölf Millionen Menschen entsprach. Und so überrascht es nicht, dass die ganze römische Wirtschaft von dieser beträchtlichen Menge an gelernten und ungelernten Arbeitskräften im höchsten Maße abhängig war. Anfänglich entstand die Sklavenbevölkerung durch militärische Eroberungen. Als Rom seine Grenzen erweiterte, wurden viele Menschen gefangen genommen und anschließend als Sklaven verkauft. Aber im 1. Jahrhundert war die Mehrheit der Sklaven in die Sklaverei hineingeboren worden. Die meisten von ihnen hatten die Freiheit nie gekannt.“

Es gab also verschiedene Möglichkeiten, wie sie zu Sklaven wurden: durch Eroberung, aber teilweise auch dadurch, dass sie in die Sklaverei hineingeboren wurden. Und wir wissen auch, dass einige sich in die Sklaverei sogar freiwillig aus ihrer Not oder aus ihrem Bankrott heraus begeben haben. Und als Sklave hatte man damals keine Rechte. Du warst somit Leibeigener und wurdest eigentlich wie ein Gegenstand behandelt, den man kaufen und verkaufen konnte.

Und somit waren die Sklaven gänzlich von der Laune und von der Güte ihres eigenen Herrn absolut abhängig. Und je nachdem, in welchem Gewerbe, ob nun in einem Dorf oder in einer Stadt du als Sklave tätig warst, konntest du eben auch Friseur, Arzt oder auch Hausverwalter werden. Und daher schreibt John MacArthur weiter, zweites Zitat: „In der römischen Welt war die Sklaverei so unterschiedlich wie die Zahl der Herren, die Sklaven besaßen. Ob Sklaven auf den Feldern arbeiteten oder in der Stadt, ob sie Bauern, Hausverwalter oder etwas anderes wurden, ob sie schließlich ihre Freiheit bekamen oder nicht und ob ihre täglichen Erfahrungen gut oder schlecht waren, alles lag in den Händen des Herrn. Jeder Sklavenbesitzer bestimmte das Leben seiner Sklaven selbst. Sklaven hatten nur eine Zielvorgabe: ihrem Herrn in allem durch ihren treuen Gehorsam gefällig zu sein.“ Zitat Ende. Doch die Sklaven, die mussten sich nicht um das Essen kümmern, sie mussten sich nicht darum kümmern, wo sie schlafen, was der nächste Tag bringt.

Dafür sorgte natürlich der Herr, der sie besaß. Und auch wenn wir dieses Verhältnis von Sklave und Herrn der damaligen Zeit nicht eins zu eins mit der heutigen Zeit vergleichen können, glaube ich dennoch, dass wir die Prinzipien, die wir hier sehen, auch auf uns als Arbeitnehmer und Arbeitgeber anwenden können. Und so wollen wir uns nun im ersten Punkt zwei Prinzipien anschauen für eine christliche Arbeitsmoral. Erstens also: christliche Arbeitsmoral als Arbeitnehmer. Erst mal was Generelles: Was sagt die Bibel überhaupt zum Thema Arbeiten? Und ich habe oft Christen gehört, die gesagt haben: „Ja, die Arbeit ist der Fluch oder die Folge vom Sündenfall.“ Doch das ist nicht ganz korrekt. Wenn wir in 1. Mose schauen, dann sehen wir in Kapitel 1,26, aber auch in Kapitel 2, Vers 15 ganz deutlich, dass der Auftrag zur Arbeit schon vor dem Sündenfall erfolgt ist. Ich lese diese beiden Stellen einmal vor.

1. Mose 1,26: „Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich; die sollen herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde, auch über alles Gewürm, das auf der Erde kriecht.“ Kapitel 2,15: „Und Gott, der Herr, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und bewahre.“

Diese Verse machen deutlich: Der Mensch soll also arbeiten, weil er im Bilde Gottes geschaffen wurde. Arbeiten ist somit etwas, womit wir Gott auf dieser Erde repräsentieren. Gott arbeitete sechs Tage, und er ruhte am siebten Tag. Er ruhte von der Schöpfung, aber wir müssen uns bewusst sein: Er hat nie aufgehört zu wirken. Er ist auch aktuell am Arbeiten. Er erhält, was wir auch in Kolosser 1 gelesen haben, die ganze Schöpfung. Er hat alles gemacht, und er erhält es aktuell. Und er sendet auch heute noch seine Boten aus, die das Evangelium verkündigen und Menschen der Sünde überführen, und er wirkt in ihnen durch den Heiligen Geist die Wiedergeburt.

Das heißt, Gott ist auch heute aktiv, er hat sich nie zurückgezogen. Und das heißt für uns: Wir arbeiten, weil wir in Gottes Bild geschaffen sind und ihn auf dieser Erde repräsentieren. Die Folgen der Sünde werden uns erst in Kapitel 3 beschrieben: dass die Erde verflucht ist und Unkraut wächst, dass der Mann sich mit Mühe das Brot verdienen soll, dass die Frau nach dem Mann trachtet, sprich, dass sie über ihn herrschen will, und dass sie eben Schmerzen bei der Geburt haben wird. Und wir sehen tatsächlich bis in unseren Alltag hinein, wie sehr die Sünde unsere Beziehungen zerstört hat. Die Beziehungen zu Gott, die Beziehungen in den Ehen, in den Familien sind häufig kaputt. Und somit ist dann natürlich auch die Arbeitsmoral davon betroffen. Und deshalb ermahnt Paulus zum Beispiel auch im zweiten Thessalonicherbrief, in Kapitel 3, wo er der Gemeinde sagt, wie sie mit faulen Menschen umgehen sollen.

Und da schreibt er in Vers 7: „Ihr wisst ja selbst, wie ihr uns nachahmen sollt; denn wir haben nicht unordentlich unter euch gelebt, und wir haben auch nicht umsonst bei jemandem Brot gegessen, sondern mit Mühe und Anstrengungen haben wir Tag und Nacht gearbeitet, um niemandem von euch zur Last zu fallen.“ Und obwohl sie das Recht gehabt hätten, von ihnen unterstützt zu werden, haben sie neben dem Verkündigen des Evangeliums auch noch selber ihren Lebensunterhalt verdient. Und später in dem Text sagt er: „Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen.“ Und wir sehen in den ganzen Briefen des Paulus immer wieder die Veränderung, die in dem Menschen stattfindet, wenn er wiedergeboren wird, wenn er ein neuer Mensch wird. Und wie wir es auch gelesen haben, beschreibt er es häufig in dem Ablegen von Kleidern und dem Anziehen von neuen Kleidern. Durch die Wiedergeburt verändert sich also auch langfristig die Arbeitsmoral oder auch die Arbeitsethik.

Und das können wir laufend auch in der Kirchengeschichte beobachten. Wir sehen es in Europa nach der Reformation, oder wir haben es gesehen nach der Reformation, dass sich tatsächlich gerade die Christen sehr fleißig beim Arbeiten gezeigt haben. Wir sehen das aber auch, wenn wir in die Geschichte schauen: Nach dem Zweiten Weltkrieg hier in Deutschland, wo die Kirchen noch relativ voll waren, da war die Arbeitsmoral noch sehr hoch. Und so wollen wir hier in diesem Text das erste Prinzip lernen. Und dieses erste Prinzip heißt: Arbeite für Christus und nicht für Menschen. Und Paulus fordert hier die Sklaven auf, ihren Herren in allem gehorsam zu sein. Und Paulus sagt hier im Text erst mal, wie sie es nicht tun sollen, um ihnen anschließend zu sagen, wie sie es tun sollen. Er sagt, dass sie es nicht mit Augendienerei tun sollen, um den Menschen zu gefallen. Und das ist so ähnlich, um das zu verstehen, wie unsere kleinen Kinder agieren.

Wenn ihr kleine Kinder habt oder gehabt habt, wisst ihr das: Wenn ihr sagt: „Geh dein Zimmer aufräumen“, passiert da nicht viel. Wenn du im Zimmer bist, dann arbeiten die. Bist du aus dem Zimmer raus, wird wieder aufgehört zu arbeiten. So sind nun mal ganz kleine Kinder. Und so ähnlich sehen wir oder können wir beobachten, dass auch wir Erwachsenen häufig so handeln. Ganz extrem beobachten wir das im Handwerk oder in der Industrie. Wenn der Vorgesetzte da ist, dann wird fleißig gearbeitet. Wenn der Vorgesetzte mal nicht da ist, zum Beispiel in der Nachtschicht, dann wird auch weniger Leistung erbracht. Kennst du vielleicht solche Situationen aus deinem Leben?

Hast du vielleicht ähnlich gehandelt oder vielleicht sogar ähnlich gedacht? Natürlich gibt es Arbeitsplätze, ich hatte auch eine Zeit lang so einen in der Industrie, wo du arbeiten kannst, deine Maschine gut läuft und, wenn alles gut läuft, kannst du nebenher noch was lesen. Aber an den meisten Arbeitsplätzen ist es nicht so. Zum Beispiel im Büro, da kannst du das nicht machen. Und in der Firma, wo ich gearbeitet habe, da war ein Mitarbeiter im Büro. Wenn man ihn um etwas gebeten hat, dann tat er immer so, als hätte er so viel zu tun. Und als man ihn näher kennengelernt hat, hat man festgestellt: Er hat ein Drittel seiner Arbeitszeit damit verbracht, etwas für seine Hobbys zu suchen im Netz und es zu bestellen. Aber jedes Mal, wenn du ihn gefragt hast: „Oh du, ich habe so viel zu tun, keine Zeit.“

Man spricht heute auch weniger, wie es hier im Text heißt, von Augendienerei. Wir sprechen vielleicht von Augenwischerei oder wir sprechen vielleicht von Täuschung. Es ist eine Irreführung, und letzten Endes ist es Betrug. Das heißt, wenn du also Augenwischerei betreibst, willst du in der Regel vor deinem Arbeitgeber besser dastehen, als du bist. Also so tun als ob. Und Paulus sagt: So sollen wir unsere Arbeit nicht tun. Wir sollen sie in Einfalt des Herzens tun als Menschen, die Gott fürchten. Und die Einfalt des Herzens ist im Grunde genommen genau das Gegenteil von dieser Augendienerei. Es beschreibt jemanden, der echt ist, der authentisch ist und der aufrichtig ist.

Wir sollen unsere Arbeit also authentisch tun als solche, die Gott fürchten und nicht den Menschen, weil wir wissen: Gott ist sowieso immer da. Er sieht uns, egal, wo wir sind und was wir tun. Und somit können wir sagen: Die Gottesfurcht ist die wichtigste Tugend eines Christen, und sie ist, ähnlich wie die Demut, eine sehr vergessene Tugend, selbst unter Christen. Und wenn wir in die Schrift schauen, dann sehen wir Beispiele, was es heißt, Gott zu fürchten. Wenn wir uns Hiob anschauen, wie er uns beschrieben wird in Hiob 1, Vers 1, da heißt es: „Es war ein Mann im Land Uz, der hieß Hiob; der war ein untadeliger und rechtschaffener Mann, der Gott fürchtete und das Böse mied.“ Er war untadelig, er war rechtschaffen und er fürchtete Gott. Er tat also das, was Gott gefiel.

Und wir wissen alle, wie die Geschichte ausgeht, dass er Gott treu blieb trotz seiner ganzen Verluste und seines Leidens. Und dieser Hiob sagt dann später in Hiob 42,5 bis 6, nachdem er Gott als souverän über Leben und Tod, über die Schöpfung anerkennt, Folgendes. Er sagt: „Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und Asche.“ Und was tut Gott? Er segnet ihn im Nachhinein mehr als zuvor. Und daran sehen wir, dass die Gottesfurcht eben nicht von unseren Umständen abhängt. So nach dem Motto: „Ich fürchte Gott, wenn es mir gut geht. Wenn es mir schlecht geht, dann nicht.“

Schauen wir uns Jesaja an. Jesaja gibt uns die Prophezeiung über den Messias, wo er ihn beschreibt, der aus der damaligen Zeit ja noch kommen sollte. Und dort heißt es über den Messias in Jesaja 11,1 bis 2: „Und es wird ein Zweig hervorgehen aus dem Stumpf Isais und ein Schössling hervorbrechen aus seinen Wurzeln. Und auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rats und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn.“ Das heißt, das Kennzeichen des Messias sollte Gottesfurcht sein. Und im Neuen Testament sehen wir das, dass Jesus Gott, den Vater, fürchtete und seinen Willen tat. Aber auch von Paulus sehen wir: Seine Motivation, zum Beispiel seinen Dienst auszuführen, war die Furcht Gottes, weil er wusste, dass er eines Tages vor ihm stehen würde.

Und deshalb schreibt er in 2. Korinther 5,9, sagt er: „Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden, damit jeder das empfängt, was er durch den Leib gewirkt hat, es sei gut oder böse.“ Und hier im Kontext spricht Paulus von dem Preisgericht. Ja, und dieses Bewusstsein, dass ich eines Tages als Kind Gottes vor ihm stehen werde, dieses Bewusstsein soll uns antreiben. Und dieses Bewusstsein sollte auch etwas sein, was uns in unserer Arbeitswelt, da, wo wir arbeiten, antreiben soll. Wir arbeiten für den Herrn. Stell dir eine Baustelle vor. Da sind drei Männer, sie arbeiten und verrichten scheinbar die gleiche Arbeit. Sie sind Maurer.

Vielleicht kennt der eine oder andere diese Illustration schon. Dann wird der erste Mann gefragt: „Was machst du?“ Und der antwortet sehr genervt: „Ich verdiene hier halt mein Geld.“ Dann wird der zweite gefragt: „Was machst du?“ „Ich mauere eine Wand.“ Da wird der Dritte gefragt: „Was machst du hier?“ Er sagt: „Ich baue an einer Kathedrale.“ Alle drei tun äußerlich dasselbe, aber ihre innere Haltung ist völlig unterschiedlich. Und das ist der Punkt, den Paulus hier auch macht.

Es geht nicht nur darum, was du tust, es geht auch darum, für wen du es tust und vor allem, mit welcher Haltung du es tust. Der eine arbeitete für seinen Lohn, der andere arbeitete für die Mauer und der andere sah darüber hinaus und sah die ganze Kathedrale, an der er arbeitet. Und Paulus sagt: Wenn du arbeitest, egal wo, egal unter welchen Bedingungen, egal welche Aufgabe, arbeite so, als würdest du an etwas Größerem arbeiten, als würdest du für den Herrn der Herren persönlich arbeiten. Und Paulus geht in unserem Text dann noch weiter und weitet diese Einstellung noch massiv aus. In Vers 23 zum Beispiel heißt es ja: „Und alles, was ihr tut, das tut von Herzen, als für den Herrn und nicht für Menschen.“ Und wenn wir uns den Kontext anschauen, dann wiederholt sich Paulus hier. Dann schaut noch mal in den Vers 17. Dort hat er es sehr ähnlich ausgedrückt. Dort sagt er: „Und was immer ihr tut in Wort oder Werk, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“

Das heißt, Paulus wiederholt sich hier ein paar Verse weiter, und wir wissen ja alle, was Wiederholungen im Text bedeuten. Es zeigt eine Wichtigkeit, es zeigt eine Dringlichkeit. Diese zwei Verse, 17 und 23, rahmen die Anforderungen, die Paulus ihnen gibt in diesem Text. Sie rahmen diesen Abschnitt ein, indem er von Unterordnung innerhalb der Familie und der Arbeitswelt spricht. Und in dieser Herzenshaltung unterordnet sich die Frau ihrem Mann, in dieser Herzenshaltung unterordnen sich die Kinder ihren Eltern und der Sklave seinem Herrn. Und genau mit dieser Herzenshaltung unterordnen auch wir uns unserem Arbeitgeber.

Und ich gebe zu: Wenn uns unser Vorgesetzter eine Arbeit überträgt, die aus unserer Sicht vielleicht gar keinen Sinn macht und die vielleicht töricht ist, fällt es schwer, so einem Auftrag zu gehorchen. Aber ich denke, in solchen Fällen kann man natürlich den Vorgesetzten liebevoll darauf hinweisen oder aufmerksam machen. Und dennoch müssen wir es von Herzen tun. Etwas von Herzen zu tun heißt also eigentlich, mit allem, was wir sind und haben, diese Dinge, die aufgetragenen Arbeiten, zu tun: von ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzem Denken und mit aller Kraft. Ihr erinnert euch, so sollen wir unseren Herrn lieben. Wir sollen mit unserem ganzen Sein ihn verherrlichen. Das ist das erste Gebot.

Und im Grunde genommen fordert Paulus die Kolosser und auch uns heute auf, das erste Gebot zu leben. Auch da, wo er dich hinstellt, ob du nun eingestellt bist, ob du selbstständig bist, ob du zu Hause der Hausarbeit nachgehst, deine Kinder erziehst oder auch deinem Nachbarn hilfst. Tue also alles für den Herrn. Und dann gibt Paulus hier im Text noch den Grund an, warum wir alles für den Herrn tun sollen, was also unsere innere Haltung, unsere Motivation ist. Und damit kommen wir zum zweiten Prinzip, welches wir heute lernen wollen oder in Erinnerung rufen wollen. Zweitens also: Arbeite nicht für die Gegenwart, sondern für die Ewigkeit. Und ich lese noch mal die Verse 24 bis 25: „Da ihr wisst, dass ihr vom Herrn zum Lohn das Erbe empfangen werdet; denn ihr dient Christus, dem Herrn. Wer aber Unrecht tut, der wird empfangen, was er Unrechtes getan hat; und es gibt kein Ansehen der Person.“

Paulus begründet hier, warum wir alles für den Herrn tun. Er sagt: „Da ihr wisst, dass ihr vom Herrn Lohn empfangen werdet.“ Er setzt es also voraus, dass sie es wissen. Mit anderen Worten: Halte es dir ständig vor Augen, dass dein Auftraggeber nicht in erster Linie dein Chef ist, sondern der Herr selbst ist. Ja, selbst die Dinge, die du nicht gerne tust, sei es auf Arbeit oder auch zu Hause. Als Kinder mussten wir immer den Müll rausbringen: „Schon wieder ich!“ Nein, auch diese Arbeiten darf ich gerne tun.

Das heißt, der Lohn, den du von deinem Arbeitgeber erwartest, der ist sekundär. Der ist zweitrangig. Du tust deine Arbeit, weil Gott dich entlohnen wird. Natürlich müssen wir unsere Familien versorgen, und wir müssen auch nicht so naiv sein und uns auf der Arbeitswelt unter Preis verkaufen. Das heißt es nicht. Es geht hier aber vielmehr um die Herzenshaltung, warum wir das tun, was wir tun. Wir müssen bedenken, dass Paulus hier im Kontext an Sklaven schreibt. Und er sagt den Sklaven: „Ihr werdet ein Erbe empfangen.“

Sklaven besaßen nichts, und somit konnten sie auch nichts erben. Die Erben waren die rechtmäßigen Erben, die Söhne und die Töchter. Und im Epheserbrief, da schreibt Paulus ja auch an die Sklaven eine ähnliche Aufforderung. Und da schreibt er in Kapitel 6, Epheser 6, Verse 5 bis 6 Folgendes. Da heißt es: „Ihr Sklaven, gehorcht euren leiblichen Herren mit Furcht und Zittern in Einfalt eures Herzens als dem Christus; nicht mit Augendienerei, um Menschen zu gefallen, sondern als Sklaven des Christus, die den Willen Gottes von Herzen tun.“ Sie sollen also die Arbeit für ihre irdischen Herren so tun, als würden sie diese Arbeit für Christus selbst tun.

Und nun sagt Paulus diesen Sklaven, dass sie von Gott selbst ein Erbe bekommen werden. Und somit wird ein Sklave behandelt wie ein Sohn.

Und dieses Erbe, was Gott hier verspricht, das geht weit über das Erbe hinaus, was wir hier auf Erden erleben können oder erben können, das natürlich in den meisten Fällen oder generell verpuffen wird. Wir lesen zum Beispiel in Matthäus 19,29, dass wir Erben des ewigen Lebens sind. Und für dieses Erbe lohnt es sich tatsächlich zu arbeiten. Auch wenn ich hier auf Erden zum Beispiel kein großes Gehalt bekomme oder auch nie reich werde, weiß ich, dass ich eines Tages ein Erbe bekommen werde, ein Erbe, was in Ewigkeit auf mich wartet. Es ist ein Erbe des Heils, der Errettung, und Petrus schreibt sogar von einem unvergänglichen, einem unverwelklichen Erbe, welches jetzt schon im Himmel für uns aufbewahrt wird.

Und nachdem er hier über das Erbe spricht, sagt er dann: Und für dieses „dient“ steht hier auch die Grundform „doulos“. Ja, man könnte sagen: „Denn ihr dient als Sklaven Christi dem Herrn.“ Das heißt, all unsere Aufgaben, die wir tun, egal auf Arbeit, zu Hause, wo wir sind, sollen wir in dem Bewusstsein tun, dass unser Arbeitgeber nicht in erster Linie unser Chef ist, sondern Christus persönlich. Und von ihm werden wir die Entlohnung bekommen. Wenn du also für die Ewigkeit arbeitest, dann wird es sich in deinem Alltag, in deinem Berufsleben, an deiner Arbeitsmoral und deiner Arbeitsethik zeigen. Und das soll auch uns heute motivieren, unsere Arbeit, ganz gleich, welche es ist, wirklich von Herzen für den Herrn zu tun. Und nachdem wir nun gesehen haben, dass der Gerechte Lohn empfangen wird, sagt Paulus dann weiter in Vers 25, dass der Ungerechte dagegen Strafe empfangen wird. Er sagt, dass jeder empfangen wird, was er Unrechtes getan hat, und dass es kein Ansehen der Person gibt.

Und hier beschreibt er Sklaven oder Arbeiter, die ihrem Herrn eben nicht gehorchen, die vielleicht faul sind, die vielleicht so tun als ob, die nachlässig sind. Gott wird, und das müssen wir uns bewusst sein, Gott wird am Tag des Gerichts nicht sagen: „Du wurdest ungerecht von deinem Arbeitgeber behandelt. Ich kann schon verstehen, dass du deine Arbeit nur halbherzig getan hast.“ Oder: „Deine Entlohnung war miserabel, also kann ich verstehen, dass du nur halb so gut gearbeitet hast.“ Nein, das wird es nicht geben. Es gibt kein Ansehen der Person. Gott misst nicht mit zweierlei Maß. Und das ist auch der Grund, warum er sich genauso mit dieser Schärfe auch an die Arbeitgeber wendet.

Auch sie, macht er deutlich, stehen unter seiner Autorität. Und damit kommen wir zu unserem zweiten Punkt: christliche Arbeitsmoral als Arbeitgeber. Noch mal den Vers 1:

„Ihr Herren, gewährt den Sklaven das, was recht und billig ist, da ihr wisst, dass auch ihr einen Herrn im Himmel habt.“ Und auch hier in Kapitel 4, Vers 1 können wir ein Prinzip ableiten: Behandle deine Mitarbeiter in dem Bewusstsein, dass du einen Herrn hast. Wir haben uns ja am Anfang der Predigt angesehen, welche Umstände die Sklaven in der damaligen Zeit hatten. Die Sklaven waren völlig von den Launen und der Güte des Herrn abhängig. Und darum hier die Aufforderung an die Herren, die Sklaven so zu behandeln, wie es recht und billig ist. Und man könnte sagen, für „recht und billig“ könnte man auch sagen: Behandle sie gerecht und gleich. Übervorteile sie nicht und nutze sie nicht aus. Oder: Liebe Arbeitgeber, seht zu, dass es euren Sklaven gut geht. Und dazu gehört, dass sie genug zu essen hatten, um Kraft zu haben, zu arbeiten.

Sorge dafür, dass sie ausreichend Ruhepausen haben und nicht beim Arbeiten einfach zusammenklappen. Und das hat es auch damals bei bösen Arbeitgebern durchaus gegeben, dass sie die Mitarbeiter so weit ausgenutzt haben, dass sie irgendwann mal auf dem Feld einfach zusammengebrochen sind, weil sie unterernährt waren oder häufig keine ausreichenden Pausen hatten. Behandle sie also fair. Und in der heutigen Zeit betrifft es meistens den Billigpreissektor, wo die Mitarbeiter teilweise nur den Mindestlohn bekommen und mit diesem Mindestlohn teilweise ihre Familien nur sehr schwer versorgen können. Und wenn wir in die Schrift schauen, ins Alte Testament, dann wird schon im dritten und fünften Buch Mose sehr deutlich gemacht, welche Anforderung Gott den Arbeitgebern gegeben hat, wo er deutlich macht, dass die Armen oder auch die Tagelöhner nicht übervorteilt werden sollen. In 5. Mose 24,14 gibt Gott durch Mose diese Anordnung für das Miteinander im Volk. Und da sagt er, 5. Mose 24,14:

„Du sollst einen armen und elenden Tagelöhner nicht bedrücken, er sei einer deiner Brüder oder deiner Fremdlinge, die in deinem Land und in deinen Toren sind.“ Und hieraus schließen wir, dass teilweise sogar die eigenen Brüder von ihnen sich freiwillig in die Sklaverei begeben haben aus gewissen finanziellen Nöten. Und auch dafür gibt Gott dann eine Ordnung, wann sie wieder freigelassen werden sollen. Und hier im Kolosserbrief schreibt Paulus an die gläubigen Herren und fordert sie auf, ihre Sklaven gleich zu behandeln. Da stellt sich die Frage: Wie gleich? So, wie ihr behandelt wurdet. Denn Gott macht ja auch keinen Unterschied, ganz gleich, in welcher Position wir stehen oder welche Gesellschaftsposition wir haben.

In Christus gibt es keinen Unterschied mehr. Und das hat Paulus kurz zuvor geschrieben, und wir haben es in der Schriftlesung auch gehört, in Kapitel 3, Vers 11. Da heißt es ja: „Wo nicht Grieche noch Jude ist, weder Beschneidung noch Unbeschnittenheit, noch Barbar noch Skythe, noch Knecht, Freier, sondern alles und in allem Christus.“ Paulus macht also den Arbeitgebern deutlich: Du bist nicht besser als dein Sklave. Gott hat dich vielleicht in der Gesellschaft über den Arbeitnehmer gesetzt, aber das heißt nicht, dass du ihn ausbeuten oder übervorteilen kannst oder ihn unterdrücken kannst. Paulus macht also hier im Kontext deutlich, dass Gott uns Menschen tatsächlich in unterschiedliche Gesellschaftsformen hineingestellt hat. Und es gibt tatsächlich auch in unserer Gesellschaft verschiedene Formen, denen wir unterstellt sind. Ja, es gibt die Regierung, der wir uns unterordnen müssen. Gott hat den Mann als das Haupt über die Frau gesetzt, dem sich die Frau unterordnet.

Die Sklaven haben sich ihren Herren zu unterordnen. Es gibt Vorgesetzte, es gibt Geschäftsführer, denen wir uns unterordnen müssen. Der Staat hat die Polizei eingesetzt, um für Ordnung zu sorgen. Und die Kinder unterordnen sich ihren Eltern und so weiter. Aber wichtig ist, was der Kolosserbrief deutlich macht: In Christus sind wir alle gleich. Als Arbeitgeber bist du nicht besser als dein Mitarbeiter. Und wenn wir uns an Philemon erinnern, den Paulus ermutigt, seinen entlaufenen Sklaven Onesimus wieder aufzunehmen, und er sagt: „Nimm ihn nicht als einen Sklaven auf, sondern als etwas, was viel besser ist: als einen Bruder, als einen geliebten Bruder.“ Und in der zweiten Hälfte, in Kapitel 4,1, sagt Paulus, warum die Herren ihre Sklaven gerecht und gleich und fair behandeln sollen.

Auch hier heißt es: „Da ihr wisst, dass auch ihr einen Herrn im Himmel habt.“ Wie in Vers 24: „Da ihr wisst.“ Er setzt es also voraus, dass es für jeden Gläubigen glasklar sein sollte. Die Gnade und Barmherzigkeit Gottes, die du selber erlebt hast, sollst du auch weitergeben. Behandle also deinen Arbeitnehmer so, wie Gott dich behandelt. Und somit trifft auch hier wieder das größte Gebot zu. Auf die Frage der Schriftgelehrten in Markus 12, welches das größte Gebot ist, antwortet Jesus. Ich lese aus Markus 12,29 bis 31.

Dort sagt er: „Das erste Gebot unter allen ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft. Dies ist das erste Gebot. Und das zweite ist ihm vergleichbar, nämlich dies: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Größer als dieses ist kein anderes Gebot.“ Mit anderen Worten: Behandle deinen Mitarbeiter wie deinen Nächsten, den du genauso liebst wie dich selbst. Und wenn wir das tun als Arbeitgeber, dann werden wir unsere Mitarbeiter nicht ausbeuten, nicht übervorteilen, aber auch nicht schlecht bezahlen. Und wenn Gott dich als Unternehmer segnet, wenn Unternehmer hier unter uns sein sollten, dann lass es auch deine Mitarbeiter spüren und sorge für gute Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen. Und wir sollten uns, selbst wenn wir diesen Vorrang haben, dass wir ein Unternehmen haben, nicht die Gedanken machen: Wann kaufe ich mir ein größeres Boot, ein Wohnmobil, noch ein größeres Haus?

Sondern frag dich vielmehr: Wie gehe ich mit den Menschen um, die Gott mir als Arbeitgeber anvertraut hat? Wie kann ich ihnen gerecht werden? Wie kann ich sie fördern, statt nur zu fordern? Wie kann ich ihnen dienen, anstatt sie nur für meine Ziele einzuspannen? Und frag dich vor allem: Spiegelt mein Umgang mit ihnen etwas von dem wider, wie Gott mit mir selbst umgeht? Paulus erinnert hier damit die Herren daran, dass auch sie einen Herrn haben. Und er macht deutlich: Ihr Herren, ihr seid nicht die letzte Instanz. Ihr habt nicht das letzte Wort, auch ihr unterordnet euch Christus. Ihr seid Sklaven Christi. Und damit stellt Paulus die gläubigen Herren und Sklaven letztendlich auf eine Stufe. Und auf heute übertragen bedeutet es: In Christus sind der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer gleich.

Auch in der heutigen Zeit gibt es, und das kennen wir auch, Unternehmer, also Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einer Gemeinde. Und daher gilt das Prinzip genauso wie damals. Auch heute: Behandle deinen Mitarbeiter in dem Bewusstsein, dass Gott euer Herr ist, nicht nur deiner, sondern auch der des Mitarbeiters. Und auch wenn wir dieses Prinzip vom Verhältnis Sklave und Herr nicht eins zu eins vergleichen können mit Arbeitnehmer und Arbeitgeber, glaube ich dennoch, dass wir hier diese Prinzipien sehen. Und sie ermutigen uns, eine christliche Arbeitsmoral an den Tag zu legen, die sich nicht in Augendienerei, Betrug oder Falschheit zeigt, sondern eben in Unterordnung, in Treue und in Fleiß. Du arbeitest also gewissenhaft, weil du weißt, dass Gott dein Arbeitgeber ist und du Gott fürchtest. Können wir auch sagen: Die Furcht Gottes ist das Herzstück der Frömmigkeit.

Noch mal: Die Furcht Gottes ist das Herzstück der Frömmigkeit. Die Furcht des Herrn sollte also meine und deine Arbeitsmoral beeinflussen. Und jeder, der mich kennt, der weiß: Ich bin ein Freund guter Bücher. Und ich empfehle an dieser Stelle einfach mal das Buch von Edward Welch. Vielleicht kennt ihr das auch schon: „Befreit leben – von Menschenfurcht zu Gottesfurcht“. Das neue Buch heißt, glaube ich, oder die neue Auflage heißt jetzt, glaube ich, „Befreites Leben“. Und als ich es vor Jahren gelesen habe, war ich erstaunt, wie viel Menschenfurcht in mir noch vorhanden ist. Weil häufig fürchten wir Menschen mehr als Gott, der uns jeden Moment sieht. Das ist eine gute Hilfe, sich darüber Gedanken zu machen.

Was heißt es, Gott mehr zu fürchten als den Menschen? Ich möchte jetzt zum Schluss kommen und uns noch kurz drei Prinzipien mitgeben, die wir jetzt mit nach Hause nehmen können aus dieser Predigt. Erstens: Du arbeitest für Christus und nicht für Menschen. Das heißt, sobald du auf Arbeit einstempelst, arbeitest du für den Herrn. Dann machst du auch die Arbeiten gewissenhaft, die dein Chef dir aufträgt oder dein Vorgesetzter. Dein Fleiß auf der Arbeit spiegelt dein Bewusstsein wider, dass du in erster Linie Christus dienst. Und dann erledigst du natürlich auch gerne die Arbeiten, die du nicht so gerne machst, ohne zu sagen: „Ich bin doch nicht dein Sklave.“ Ganz gleich, ob es in der Firma oder auch zu Hause ist, weil du es eben für den Herrn tust. Zweitens: Arbeite nicht primär für die Gegenwart, sondern für die Ewigkeit.

Und auch hier: Erwarte deinen primären Lohn nicht in erster Linie am 15. oder 30. von deinem Arbeitgeber, sondern arbeite für den unvergänglichen Lohn, der nicht nur am Ende des Monats kommt, sondern in Ewigkeit von dem Herrn persönlich für uns jetzt schon im Himmel aufbewahrt wird, wenn er uns das Erbe, den Lohn und das ewige Leben übergibt.

Und wenn du dich an diese Prinzipien hältst und lebst, dann wird es vielleicht sogar in deinem Leben Schwierigkeiten geben. Deine Karriereleiter hört irgendwann vielleicht auf, wenn du ehrlich bist. Denn ab irgendeinem bestimmten Punkt wird von dir erwartet, dass du Fünfe gerade sein lässt. Es sei denn, du hast natürlich einen gläubigen Arbeitgeber. Auch das gibt es bei uns häufig, dass wir gläubige Arbeitgeber haben. Dann ist es nicht so. Und für die Arbeitgeber unter uns gilt das dritte Prinzip: Behandle deine Mitarbeiter in dem Bewusstsein, dass Gott dein Herr ist. Wenn du deine Mitarbeiter gerecht und gleich behandelst, indem du sie nicht nur ausnutzt, dann wirst du auch von deinen Mitarbeitern tatsächlich Respekt bekommen, und in der Regel werden solche Mitarbeiter auch gute Arbeit abliefern. Das heißt, ganz egal, in welcher Rangordnung du stehst, ob du Vorgesetzter bist oder Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, bedenke: Christus ist letztendlich dein Herr. Du bist ein Sklave, aber wir müssen da umdenken im positiven Sinne.

Wir sind Sklaven Christi, denn wir wurden zur Freiheit berufen. Und wir wissen ja, wir waren alle Sklaven der Sünde. Und Paulus beschreibt es in Römer 6 und auch hier im Kolosserbrief, Kapitel 1. Aber dann heißt es: „Nun aber seid ihr von Herzen gehorsam.“

Es war Johann Sebastian Bach, und damit möchte ich schließen, der unter allen seinen Stücken, die er komponiert hat, drei Kürzel geschrieben hat. Wisst ihr, welche es waren? Es steht in eurem Namen: SDG, im Namen eurer Gemeinde. Gott allein die Ehre. Und mit dieser Einstellung hat Bach alle seine Stücke geschrieben. Und das ist mein Wunsch auch heute, dass wir mit dieser Herzenshaltung, ganz gleich, welcher Arbeit wir nachgehen, ob wir Arbeitgeber sind, Arbeitnehmer, ob wir zu Hause unsere Kinder erziehen oder sonst welche Arbeiten wir tun, alles zur Ehre Gottes tun wollen, weil wir wissen, dass wir unseren Lohn von ihm persönlich empfangen werden. Amen. Lasst mich noch kurz danken.

Vater, wir möchten dir danken, dass dein Wort klar ist, dass es verständlich ist und dass wir den Auftrag haben, dein Wort zu studieren, dich besser kennenzulernen, um dich mehr zu fürchten. Und wenn wir sehen, wie du in unseren Alltag, in unsere Situation, in unsere Arbeitswelt, in unsere Familien hineinsprichst, dann überführst du uns. Und wir sehen, wie häufig boshaft unser Herz ist, wie egoistisch, wie selbstzentriert wir häufig sind. Herr, bitte lass uns in dem Alltag, in den Familien, da, wo du uns hineinstellst, immer mehr etwas von deiner Größe entdecken, immer mehr erkennen, wie du möchtest, dass wir leben. Herr, und dass wir verstehen, dass wir dich viel mehr fürchten müssen als die Menschen. Herr, ich bitte dich, dass du im Nachdenken uns darin segnest, dass wir nach Hause gehen, dass wir Täter deines Wortes werden. Ja, und dass es wirklich in unserem Alltag sichtbar wird, dass wir veränderte Menschen sind, dass wir diese neuen Menschen sind, von denen Paulus hier spricht. Herr, dass wir Licht sind für dich.

Herr, segne alle Beziehungen, in denen wir stehen. Gib uns immer wieder das Bewusstsein, dass wir nach oben ausgerichtet sind, dass wir uns auf dich ausrichten und dir mit unserem Leben Ehre bringen. Hab Dank, dass du deine Gemeinde baust und wir dir vertrauen dürfen, dass du deine Kinder bis ans Ende bringst. Das ist unser Trost, unsere Hoffnung. Herr, dir allein gebührt die Ehre, dir wollen wir danken für das, was du tust in unserem Leben, in deiner Gemeinde. Sei du dadurch verherrlicht. Amen.