January 11, 2026

Christus alles und in allen

Series:
Passage: Kolosser 1:1-2

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Schlagen wir den Kolosserbrief auf.

Kolosserbrief, Kapitel 1, die Verse 1 und 2.

Kolosserbrief, Kapitel eins, die Verse eins bis zwei.

„Paulus, Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen, und Timotheus, der Bruder, den heiligen und gläubigen Brüdern in Christus zu Kolossä: Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater.“

Lasst uns beten.

Unser Vater im Himmel, großer und herrlicher Gott, der seinen einen Sohn, seinen eingeborenen Sohn, auf diese Erde gesandt hat, um Sünder wie uns zu retten. Er, der das Bild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Schöpfung; Er, in dem alle Fülle der Gottheit wohnt – diesen, deinen Sohn, mit dem du die ganze Welt mit dir, mit dir selbst versöhnt hast. Mit dem Opfer deines, dieses Sohnes, hast du alle Gewalten und Mächte zur Schau gestellt und hast über sie Triumph gehalten. In diesem, deinem Sohn, sind wir als heilige und gläubige Brüder adoptiert in deine Familie, himmlischer Vater.

Vater, wir beten dich an und deinen Sohn. Herr Jesus Christus, wir preisen deine Erhabenheit. Wir preisen deine Genugsamkeit. Du bist über allem. Alles wurde durch dich geschaffen, Herr Jesus. Alles wurde zu dir hin geschaffen. Du bist über alles erhoben worden, nachdem du dein Werk vollbracht hast, indem du Mensch geworden bist, gestorben bist, wieder auferstanden bist und in den Himmel aufgefahren bist. Alles bewegt sich zu dir hin. Alle Ehre gehört dir. Alle Herrlichkeit gehört dir, Herr Jesus.

Und so bitte ich dich, dass, wenn wir uns jetzt deiner Genugsamkeit und deiner Erhabenheit und deiner Herrlichkeit widmen in diesem Brief und in dieser Stunde, du uns doch durch dein Wort groß gemacht wirst. Dass dein Wesen scheinen möge und wir deine Herrlichkeit sehen mögen, mit aufgedecktem Angesicht durch dein Wort, durch die Offenbarung, die du uns geschenkt hast. Mögen Herzen, die finster sind, erleuchtet werden. Mögen Herzen, die noch tot sind in ihren Vergehen, auferweckt werden durch das Licht, das du durch dein Wort strahlen mögest, durch deine Herrlichkeit. Mögen wir in der Erkenntnis deiner selbst wachsen. Du bist das Ziel und das höchste Gut und das Ende aller Dinge, wohin alles führen soll. Mögen wir durch die Betrachtung dieses Wortes, mögen wir durch die Betrachtung dieses Briefes doch auch genau dazu hingeführt werden: zu dir, zu deinen Füßen, zu einer größeren Erkenntnis von dir und deiner Herrlichkeit, Herr Jesus. Möge das doch geschehen. Ich bete zu dir in deinem Namen.

Amen.

Setzt euch gerne.

Wie ihr seht, spätestens heute seht, haben wir unsere fortlaufende Betrachtung des Lukasevangeliums mit der vergangenen Woche abgeschlossen. Wir haben uns diese letzten viereinhalb Jahre damit beschäftigt, wie unser Herr Jesus Christus auf diese Erde kam. Wie seine Geburt und sogar die Geburt seines Vorgängers, Johannes des Täufers, angekündigt worden ist – sowohl Elisabeth, Zacharias als auch Maria und Josef. Wie Jesus als Mensch auf dieser Erde geboren wurde. Wie er als Zwölfjähriger im Tempel verweilte, wie er wuchs in Gnade und Gunst.

Wie sein Vorgänger auftrat, Johannes der Täufer, und predigte. Wie Jesus selbst versucht wurde vom Widersacher, diese Versuchungen überwunden hat und seinen Dienst begann. Wie er die frohe Botschaft predigte den Blinden und den Gefangenen und den Armen im Geiste. Wie er das Gnadenjahr ausgerufen hat. Wie die Menschen ihn dafür umbringen wollten, für diese Botschaft. Wir haben gesehen, wie er gelehrt hat, wie er gelebt hat, wie er unendliche Zeichen und Wunder getan hat, aber letztendlich von den Hohepriestern, von den Pharisäern, von den Obersten der Juden überliefert worden ist an die Römer, die ihn gekreuzigt haben und getötet haben.

Wie das Grab ihn aber nicht halten konnte und er am dritten Tage auferstand, vierzig Tage lang seine Jünger begleitete, sie aus der Schrift heraus belehrte, ihre Herzen und ihre Augen öffnete. Und wie er schlussendlich – und damit haben wir uns vergangene Woche beschäftigt – in den Himmel aufgefahren ist, mit der finalen Vorbereitung an die Jünger, mit dem finalen Auftrag an die Jünger: Zeugen zu sein, Zeugen von Jesus Christus und seiner Person, seines Werkes, seiner Auferstehung.

Und nun, da wir das Lukasevangelium abgeschlossen haben, bewegen wir uns und möchten beginnen mit der Betrachtung eines neuen Buches, nämlich des Briefes des Apostels Paulus an die Gemeinde in Kolossä. Und wir haben vergangene Woche quasi mit der Verherrlichung des Herrn Jesus abgeschlossen; wie er in den Himmel zur Rechten Gottes aufgefahren ist, in die Herrlichkeit eingegangen ist, nachdem er sein Werk auf Erden vollbracht hat. Und wenn wir uns diesen Kolosserbrief anschauen, dann werden wir die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus bestaunen.

Es ist schwer, diesen Kolosserbrief in wenigen Worten zusammenzufassen. Ich habe es versucht mit den Worten, die in Kapitel 3 auftauchen: Christus alles und in allen. Christus alles und in allen. Blaise Pascal, der französische Mathematiker, Physiker, Literat und Philosoph – viele kennen ihn vielleicht von der Druckeinheit Pascal und von vielen anderen Dingen, die in der Wissenschaft und auch in der Philosophie nach ihm benannt worden sind – hat gesagt: „Jesus Christus ist das Zentrum von allem und das Ziel von allem. Und wer ihn nicht kennt, weiß nichts über die Ordnung der Natur und nichts über sich selbst.“

Passende Worte, meiner Meinung nach, auch für den Kolosserbrief. Jesus Christus ist das Zentrum von allem und das Ziel von allem. Und wer ihn nicht kennt, weiß nichts über die Ordnung der Natur und nichts über sich selbst. Du kannst alle Weisheit und Bildung der Welt haben. Du kannst der größte Denker und Philosoph aller Zeiten sein und das größte wissenschaftliche Verständnis haben; aber wer Jesus Christus nicht kennt, kennt nichts – weder über die Ordnung der Natur noch über sich selbst.

Und so möchten wir heute eine Einführung in diesen Kolosserbrief machen, der, in Kürze gefasst, Christus groß macht. Christus groß macht. Natürlich macht das auch der Rest der Schrift, und die anderen Briefe und Bücher der Bibel machen das auch. Aber der Kolosserbrief tut das auf eine direkte Art und Weise, wie es sonst kaum ein anderes Buch tut. Und heute möchten wir diese Einführung machen.

In diesem Brief – und dafür habt ihr hier ein Handout, das ich euch gerne jetzt kurz austeilen würde, damit jeder es hat – wie wir uns diese Einführung in diesen Kolosserbrief machen möchten, ist: Wir möchten uns wirklich die Einführung von Paulus selbst anschauen und an dieser verstehen, worum es in diesem Brief geht und wieso er geschrieben worden ist. Kolosser Kapitel 1, die Verse 1 bis 2. Paulus beginnt – wir werden uns vier Aspekte anschauen. Drei davon finden wir direkt hier. Den vierten sollten wir durch den Brief verstehen.

Paulus beginnt diesen Brief – sehr typisch auch für die damalige Zeit und auch für Paulus selbst. Er beginnt seine Briefe oft erstens mit dem Autor, zweitens mit den Empfängern und drittens mit einem Segensgruß. Das war damals etwas Übliches. Heutzutage beginnen wir Briefe oder E-Mails mit dem Adressaten, dann kommt der Inhalt, am Ende kommt ein Gruß und dann wir selbst, der Autor oder der Verfasser. In der damaligen Zeit war es üblich, dass man mit dem Verfasser selbst begann, also mit sich selbst, dann den Empfänger nannte und dann den Gruß. In der kürzesten Form wäre das hier zum Beispiel: „Paulus, Brüder in Kolossä, Gruß.“ Das wäre die kürzeste und gängigste Form der damaligen Zeit, einen Brief zu beginnen.

Aber Paulus – und es gibt dieses Zitat auch – Paulus nimmt diese gängige Grußart und taucht alles ein in das Evangelium. Und so ist es auch in diesem Gruß und in den Grüßen von Paulus im Allgemeinen: Dass in dem Gruß von Paulus, in diesen beginnenden Worten bereits, so viel Wahrheit und Lehre steckt und so viel Evangelium steckt. Aber beginnen wir ganz einfach erst einmal bei erstens: Die Autoren.

Erstens: Die Autoren. „Paulus, Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen, und Timotheus, der Bruder.“ Paulus ist jemand, der uns wohlbekannt ist, der in der Bibel zuerst als Saulus auftaucht. Und wer beim Bibelleseplan dabei ist, hat sich erst vor Kurzem wieder die Bekehrung dieses Mannes angeschaut. Paulus berichtet in der Apostelgeschichte 22,3 selbst von sich; er stellt sich selbst vor als einen jüdischen Mann, geboren in Tarsus in Zilizien, aber auferzogen in dieser Stadt zu den Füßen Gamaliels, unterwiesen nach der Strenge des väterlichen Gesetzes. So ist Paulus bzw. Saulus aufgewachsen – ein jüdischer Mann, in der Strenge des väterlichen Gesetzes unterwiesen zu den Füßen Gamaliels, eines Lehrers.

In Philipper 3,5 bis 6 stellt sich Paulus vor als beschnitten am achten Tag, vom Geschlecht Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern. Dem Gesetz nach ein Pharisäer, dem Eifer nach ein Verfolger der Gemeinde, der Gerechtigkeit nach, die im Gesetz ist, untadelig geworden. Das ist dieser Saulus. Er war ein Jude, er war ein Pharisäer, Teil der strengsten Sekte, Teil der strengsten Gruppierung des jüdischen Volkes damals. Er war nicht nur das, er war ein Verfolger der Gemeinde. Ja, gehen wir noch einmal kurz zurück zu dieser Straße von Damaskus, Apostelgeschichte, Kapitel 9, wo dieser Saulus eine vollständige Veränderung erlebt.

In Apostelgeschichte Kapitel 9, Vers 1 lesen wir noch: „Saulus aber schnaubte immer noch Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn und ging zu dem Hohenpriester und erbat sich von ihm Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er, wenn er einige, die des Weges waren, fände, Männer wie auch Frauen, sie gebunden nach Jerusalem führte.“ Saulus war voller Eifer, und zwar voller Eifer gegen die Christen. Damals war eine Bezeichnung für die Christen: „diejenigen, die des Weges waren“. Er wollte sie verhaften, er wollte, dass sie sterben. Drohung und Mord schnaubte er gegen sie. Er willigte in die Tötung von Stephanus mit ein, der von den Juden gesteinigt worden ist. Das war Saulus.

Aber auf dem Weg nach Damaskus passiert Folgendes, Vers 3: „Als er aber hinzog, geschah es, dass er sich Damaskus näherte und plötzlich umstrahlte ihn ein Licht aus dem Himmel. Und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die zu ihm sprach: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Wer bist du, Herr? Er aber sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ Jesus begegnet ihm auf dieser Straße nach Damaskus in einem Licht und spricht zu ihm: „Was verfolgst du mich?“ Saulus fragt: „Wer bist du, Herr?“ Und Jesus sagt: „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“

Eine kleine Randnotiz, aber wir sehen hier, wie sehr sich Jesus mit der Gemeinde identifiziert. Paulus hat nicht Jesus verfolgt. Paulus hat die Gemeinde verfolgt. Aber Jesus sagt: „Du verfolgst mich.“ Wer die Gemeinde verfolgt, verfolgt Jesus. Wir sehen danach: Jesus sendet ihn nach Damaskus; er soll nach Damaskus gehen, und dort wird er Hananias treffen. Und Jesus sendet einen Jünger, der ihm das Evangelium verkündet, der ihn heilt. Denn Jesus sagt zu Hananias in Vers 15: „Der Herr aber sprach zu ihm: Geh hin! Denn dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, meinen Namen zu tragen sowohl vor Nationen als auch vor Königen und Söhnen Israels. Denn ich werde ihm zeigen, wie vieles er für meinen Namen leiden muss.“

Jesus hat diesen Saulus auserwählt, ein Werkzeug für seine Botschaft zu sein, den Namen Jesu Christi zu tragen vor Nationen, vor Königen und vor dem jüdischen Volk. Und er wird Paulus zeigen, wie viel er für den Namen Jesu leiden muss. Genau das ist es, was Paulus sagt in seiner Vorstellung hier, wenn er sich nennt: „Apostel Jesu Christi“. Mit „Paulus“ stellt er seinen Namen vor, er sagt einfach nur, wer er ist. „Apostel Jesu Christi“ ist sein Titel, ist seine Berufung. Apostel bedeutet an sich erst einmal nur, ein Gesandter zu sein, ein Bote zu sein. In der Bibel wird Apostel manchmal verwendet für einen einfachen Boten einer Gemeinde zum Beispiel, einen Gesandten einer Gemeinde. Aber Paulus ist nicht einfach nur ein Gesandter, er ist einer dieser bestimmten Gesandten – einer von den 13 Männern, die von Jesus bestimmt worden sind mit diesem Titel und dem Amt des Apostels.

Die zwölf Jünger – wir wissen, Judas wurde ersetzt durch Matthias, auch in der Apostelgeschichte lesen wir davon. Und Paulus ist ein weiterer von diesen. Er wurde persönlich von Jesus berufen und auserwählt, Zeuge des auferstandenen Jesus Christus zu sein. Er ist ein Zeuge, er hat den auferstandenen Jesus gesehen. Und er hat damit die Autorität, ein Bote und Repräsentant von Jesus Christus zu sein. Er ist Apostel Jesu Christi. Jesu Christi – er ist Apostel von Jesus Christus. Seine Gesandtschaft gehört dem Herrn Jesus Christus. Er redet in der Autorität als Gesandter von Jesus Christus. Die Worte, die er spricht, spricht er als Botschafter und als Repräsentant von Jesus Christus. Wenn Paulus hier in diesem Brief an die Kolosser spricht, spricht er die Worte Jesu Christi. Denn Jesus spricht durch seinen Gesandten und durch seinen Boten.

Und er ist Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen. Diesen Titel, dieses Amt hat Paulus sich nicht selbst ergriffen. Wir haben selbst gesehen: Er war gerade auf dem Weg, Christen gefangen zu nehmen und sie dem Tode zu überliefern. Gott hat ihm diesen Titel, dieses Amt und damit die Autorität gegeben. Er ist durch Gottes Willen Apostel Jesu Christi. Nicht durch eines Menschen Willen, nicht durch ihn selbst, auch nicht durch andere Menschen. Er ist nicht erwählt worden von anderen Menschen, sondern es war der Wille Gottes, durch den er ein Apostel geworden ist. Das bringt zwei Aspekte mit sich: Er hat damit die Autorität, weil sie von Gott kommt, weil sie vom Herrn Jesus Christus kommt. Gleichzeitig ist seine Autorität begrenzt auf das, was Gott will. Er hat keine absolute Autorität, sondern er hat abgeleitete Autorität von Gott. In Epheser 3, Vers 8 sagt Paulus: „Mir, dem Allergeringsten von allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, den Nationen den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen.“ Es ist ein Auftrag Gottes, den er empfangen hat – durch Gottes Willen.

Dann haben wir nicht nur Paulus, wir haben auch: Timotheus, der Bruder. Timotheus war nicht unbedingt der Mitautor. Er war wahrscheinlich einfach bei Paulus; er war dabei, als Paulus diesen Brief geschrieben hat. Es könnte sein, dass Timotheus derjenige war, der den Brief wirklich aufgeschrieben hat, also dem Paulus die Worte diktiert hat und Timotheus derjenige war, der es geschrieben hat. Denn in Kolosser Kapitel 4, Vers 18 am Ende sehen wir den Gruß, nämlich: „Der Gruß mit meiner, des Paulus, Hand. Gedenkt meiner Fesseln.“ Er betont hier, dass er diesen Gruß am Ende in Vers 18 mit seiner eigenen Hand geschrieben hat, was bedeuten kann, dass der Rest von jemand anderem niedergeschrieben wurde und er lediglich diktiert hat. Und dieser Jemand, der das niedergeschrieben hat, kann gut sein, dass das Timotheus war.

Wer ist Timotheus? Timotheus begegnet uns in Apostelgeschichte Kapitel 16 während der zweiten Missionsreise des Apostels Paulus. Er hat eine jüdische Mutter, aber einen griechischen Vater. Er ist durch seine Großmutter und seine Mutter im Wort gelehrt worden, ist dort damit aufgewachsen und ist gläubig geworden. Ein Mann von gutem Zeugnis, und er wird ein Begleiter des Apostels Paulus ab Apostelgeschichte, Kapitel 16. Er ist ein enger Gefährte von ihm. In Philipper Kapitel 2, Vers 19 bis 22 sagt Paulus Folgendes: „Ich hoffe aber im Herrn Jesus, Timotheus bald zu euch zu senden, damit auch ich guten Mutes bin, wenn ich um euer Ergehen weiß. Denn ich habe keinen ihm Gleichgesinnten, der aufrichtig für das Eure besorgt sein wird. Ihr kennt aber seine Bewährung, dass er wie ein Kind dem Vater mit mir für das Evangelium gedient hat.“ Paulus und Timotheus haben eine wunderschöne Beziehung. Es ist wie eine Vater-Sohn-Beziehung. Oft bezeichnet Paulus Timotheus als sein geliebtes Kind. Wenn wir die Timotheusbriefe lesen, sehen wir die Sorge und das Anliegen, das der Apostel Paulus für Timotheus hat. Über Timotheus wissen wir, dass er ein Lehrer war, dass er begabt war, aber dass er auch jemand war, der mit körperlichen Schwachheiten zu kämpfen hatte; der auch selbst nicht sehr mutig war, oft an sich selbst zweifelte oder an Dingen zweifelte und viel Ermutigung, viel Trost gebraucht hat.

Aber seht, mit welchen lieblichen Worten Paulus hier von Timotheus redet: „Es gibt keinen ihm Gleichgesinnten.“ Was für ein Kompliment ist das, was Paulus sagt – dass Timotheus ihm so gleichgesinnt ist. Diesen Timotheus, der mit Paulus ist, nennt er aber hier nicht „mein Kind“, sondern er nennt ihn hier: Timotheus, der Bruder. Ja, er ist Paulus‘ geistliches Kind, aber gleichzeitig ist er auch sein Bruder in Christus. Gleichwertig, gleichgestellt in Christus als Geschwister. Und genau das folgt ja jetzt auch hier in Vers 2, wenn wir davon lesen: „Den Empfängern, den heiligen und gläubigen Brüdern.“ Timotheus ist der Bruder, und ihr seid auch Brüder.

Die Adressaten, wer sind sie? Die Empfänger, wer sind sie? Also, das ist erstens, wir hatten die Autoren, zweitens: Die Empfänger. Treue Brüder. Auch darin steckt schon so viel reichlicher Inhalt. Sie sind heilig. Sie sind Heilige. Heilig – wir denken bei dem Wort oft daran, dass das moralisch etwas ist. Wenn jemand heilig ist, dann ist er gut, dann ist er gerecht, dann ist er ohne Sünde. „Ohne Sünde“ kann man zwar in gewisser Weise sagen, aber das Wort an sich hat erst einmal keine moralische Aussagekraft, sondern das Wort an sich bedeutet einfach nur, getrennt zu sein, abgesondert zu sein. Der Grund, wieso wir das oft mit Sündenlosigkeit oder so vermengen, ist, weil wir davon reden, dass Gott heilig ist. Aber sogar da bedeutet heilig erst einmal nur, dass Gott abgesondert ist von allem anderen; dass er einzigartig ist, dass er anders ist als alles andere, in einer eigenen Kategorie. Und deswegen ist er natürlich auch ohne Sünde und rein und gerecht. Wenn aber Paulus hier davon spricht, dass diese Menschen heilig sind, dann bedeutet das, dass Gott diese Menschen von der Welt getrennt hat und für sich selbst abgesondert hat. Ein Mensch ist heilig, weil Gott ihn für sich selbst weiht. Ein Mensch wird nicht heilig durch eigene Werke. Ein Mensch wird auch nicht heilig durch die Bestimmung der Kirche, weil er ein besonderes Leben geführt hat. Ein Mensch wird heilig aus Gnade allein. Gott erwählt einen unverdienten Sünder, der den Zorn und die Hölle verdient hat, sondert ihn ab von dieser Welt, trennt ihn von dieser Welt und bestimmt ihn für sich selbst, zur Heiligkeit, zur Weihung zu Gott. Und das trifft auf alle Gläubigen zu. Alle Gläubigen sind heilig. Jeder, der an Jesus Christus glaubt, ist ein Heiliger. Kolosser 1, Vers 13 redet davon: „Er hat uns gerettet aus der Macht der Finsternis und uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe.“ Es fand eine Trennung statt, ein Herausreißen aus der Macht der Finsternis, aus dieser Welt, und ein Versetzen, ein Absondern, eine Weihung in das Reich des Sohnes der Liebe, in das Reich Jesu Christi.

Ich habe einmal mit einem Bruder darüber geredet, der mit gewissen Dingen zu kämpfen hatte, und habe ihn gefragt: „Bist du heilig? Bist du ein Heiliger?“ Und er hat gesagt: „Ich weiß es nicht. Ich versuche, heilig zu sein, ich versuche, gut zu leben, aber ich weiß es nicht.“ Da habe ich ihm gesagt: „Also ich – ich bin ein Heiliger.“ Und er war verwirrt. Ich bin ein Heiliger, aber nicht aus mir selbst heraus. Nicht, weil ich gut lebe, heilige Werke tue oder gerechte Werke tue. Ich bin ein Heiliger, weil Gott mich erwählt hat und Gott mich abgesondert hat aus Gnade allein. Diese Brüder in Kolossä – und wir werden später sehen, mit welchen Dingen sie zu kämpfen haben, in welcher Gefahr sie stehen, Irrlehren zu verfallen – sie sind Heilige. Sie sind heilige und gläubige Brüder. Oder „treu“ kann das auch übersetzt werden. Sie sind also nicht nur in einer abstrakten Weise abgesondert, die niemand merkt, weil Gott das ja für sich gemacht hat – nein, sie sind gläubige Brüder. Diese Adressaten sind durch den Glauben an Jesus Christus Kinder Gottes geworden und somit Brüder, in die Familie Gottes aufgenommen worden und somit Geschwister. Paulus nennt Timotheus Bruder, und Paulus nennt hier jetzt die Kolosser Brüder, weil sie alle miteinander Brüder sind, adoptiert in die Familie Gottes durch den Glauben an Jesus Christus. Wenn Heiligkeit diese Trennung und Absonderung ist, die vielleicht etwas Abstraktes ist, dann ist „gläubig“ das, was diese Kolosser erlebt haben: den Glauben an Jesus Christus. Die innere Veränderung, die geschehen ist durch die Absonderung, durch die Berufung Gottes, die in ihrem Leben Wirklichkeit geworden ist, als sie an den Herrn Jesus Christus geglaubt haben.

Und weil wir später nicht mehr so viel darauf eingehen werden, möchte ich jetzt bereits sagen: Liebe Geschwister, wie schön ist das? Das ist etwas, was wir verstehen müssen, wenn wir solche Briefe lesen und diesen Anfang lesen – nicht einfach drüberzulesen, schnell drüberzulesen, sondern einmal innezuhalten und darüber nachzudenken. Bist du dir bewusst: Wenn du an den Herrn Jesus Christus glaubst, bist du heilig? Du bist in deiner Position und in deiner Stellung heilig, weil Gott dich für heilig erklärt hat. Nicht aus dir selbst heraus, sondern aufgrund des Werkes Jesu Christi. Durch den Glauben an Jesus bist du aufgenommen in die Familie Gottes – ein Sohn Gottes, mit allen Rechten und Privilegien. Aufgenommen in der Familie Gottes. Du bist nicht allein hier auf dieser Erde. Du hast Brüder, du hast Geschwister.

Und das kommt als Nächstes, Paulus sagt: „In Christus zu Kolossä.“ In Christus zu Kolossä. Das ist auch so schön. Eigentlich: „In Christus, in Kolossä“. Man könnte dieses „zu Kolossä“ auch mit „in“ übersetzen. Und es ist so interessant, weil Paulus hier sagt: Ihr seid Brüder, ihr seid heilige und gläubige Brüder in Christus und in Kolossä. Das ist so, als würde er von den Gläubigen reden, dass sie zwei Standorte haben. Als wären sie an zwei Standorten gleichzeitig. Wenn wir „in Christus“ lesen, denken wir oft nicht im Sinne einer Position oder eines Standortes. Aber wenn wir das einmal machen, „in Christus“ als Standort nehmen und dann „in Kolossä“ als Standort nehmen, dann bezieht sich Paulus ja auf zwei unterschiedliche Positionen bzw. Standorte. Zuallererst befinden sich die Brüder in Christus. Das ist ein Standort, das ist eine Position. Christus ist wie eine Sphäre, ein Raum, in dem man sich befindet. Das ist ihr geistlicher Standort. Der Gläubige ist mit Christus vereint worden. Unsere Einheit mit Christus, unsere Vereinigung mit Christus ist die Grundlage für allen Segen in unserer Rettung, in unserem Leben als Gläubige, in unserer Verherrlichung. Wir reden oft bei Taufen über Römer Kapitel 6: wie wir eins gemacht worden sind mit Christus – mit seinem Tod, mit seinem Begräbnis und mit seiner Auferstehung. Dadurch, dass wir in Christus sind, sind wir in dieser Sphäre des Segens. Denn Epheser 1, Vers 3 – wir haben uns oft damit beschäftigt: „In Christus hat der Gott und Vater uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt.“ In Christus haben wir die Erlösung, die Vergebung unserer Sünden. In Christus sind wir versiegelt worden mit dem Heiligen Geist. In Christus – das ist unsere Position, unser Standort. Es ist der Raum und die Sphäre allen Segens, den Gott ausgießt. Die Brüder befinden sich in Christus. In Kolosser 3 heißt es später: Sie sind mit Christus verborgen in Gott. Umrandet, umwickelt in dieser Sphäre von Christus. Und alle Privilegien, aller Segen, alle Verheißungen, die in diese Sphäre hineinfließen, gehören den Brüdern in Christus.

Aber sie sind nicht nur in Christus, sie sind auch in Kolossä. Sie sind auch noch auf dieser Erde. Sie haben auch noch einen irdischen Standort. Auf dieser Erde sind sie Fremdlinge; ihr Bürgerrecht ist im Himmel. Aber im Moment sind sie noch hier. Und die Tatsache, dass sie aber in Christus und in Kolossä sind, hat etwas zu bedeuten. Auch hier nur kurz: Wie sie in Kolossä leben, wird dadurch bestimmt, dass sie in Christus leben. Ihr geistlicher Standort bestimmt ihr Leben an ihrem irdischen Standort. Wenn wir das auf uns übertragen: Wir sind Gläubige heute in Christus und in München. Und wie du heute in München lebst, muss davon bestimmt werden, dass du in Christus bist. Dein geistlicher Standort bestimmt dein Leben an deinem irdischen Standort. In Kolossä sollen sie leben als heilige und gläubige Geschwister der Familie Gottes. In München sollst du als Gläubiger leben als heiliger und gläubiger Teil der Familie Gottes.

Sie sind in Kolossä – und lasst uns nun etwas Zeit nehmen, um Kolossä als Stadt etwas zu verstehen. Kolossä befindet sich in Phrygien, in der römischen Provinz Asien, damals oft auch Kleinasien genannt. Kolossä befindet sich in der heutigen westlichen Türkei. Ihr habt hier einmal eine Karte mit den Missionsreisen des Paulus. Lasst euch von den vielen Strichen hoffentlich nicht zu sehr verwirren, aber zur Orientierung: Also das Mittelmeer natürlich. Hier haben wir quasi Israel, Judäa, Jerusalem. Hier haben wir Antiochia – dort startete Paulus oft seine Missionsreisen, dort war er in der Gemeinde. Und hier haben wir quasi Asien, die Provinz. Und hier ist Phrygien. Ihr seht hier Galatien, Phrygien. Und in Phrygien befindet sich Kolossä. Wie gesagt, heutige, ungefähr westliche Türkei, befindet sich Kolossä. Es befindet sich in einem Tal von einem Fluss. Der Fluss heißt Lykos. Kolossä ist 160 Kilometer von Ephesus entfernt. Also hier habt ihr Ephesus, hier ist Kolossä. Und ihr seht die Nachbarstädte von Kolossä hier, die ihr vielleicht auch aus der Schrift kennt: Laodizea, und auch eine bekannte Stadt in der Nähe von Kolossä ist Hierapolis. Laodizea ist 16 Kilometer von Kolossä entfernt und Hierapolis ist 21 Kilometer von Kolossä entfernt.

Vor der neutestamentlichen Zeit, also vor der Zeit des Neuen Testaments, vor der Zeit von Paulus, war Kolossä sehr bedeutend im Handel mit schwarzer Wolle und Farbstoffen, und es war auch eine Kreuzung von wichtigen Handelsrouten. Zur Zeit von Paulus aber gab es eine andere Entwicklung: Nämlich die Stadt Laodizea zum Beispiel hat Kolossä abgelöst als Handelszentrum, als Metropole. Wir lesen über Laodizea etwas in diesem Brief auch, aber vor allem in Offenbarung Kapitel 3 lesen wir von Laodizea – wie dort Salben für die Augen gemacht wurden, wie dort viel mit Stoff und Schmuck gehandelt worden ist und so weiter. Also zur Zeit von Paulus befand sich Kolossä bereits im Niedergang. Einige Zeit später findet man Kolossä als Stadt nicht mehr – nach der Zeit des Neuen Testaments, nach der Zeit von Paulus. Also Kolossä befindet sich im Niedergang, während sich eben Laodizea und Hierapolis entwickelten. Hierapolis war ein Heilungs- und Reinigungszentrum; aus Hierapolis kam heißes Wasser von heißen Quellen. Aus Kolossä kam das kalte Wasser, und deswegen war in Laodizea das Wasser lauwarm, wenn ihr an Offenbarung 3 denkt. Aber Hierapolis war ein Heilungs- und Religionszentrum, Laodizea wurde zum Handelszentrum und zur Metropole, und Kolossä befand sich im Niedergang. Jemand hat auch einmal gesagt: Kolossä war quasi die Stadt mit der geringsten Bedeutung, an die Paulus einen Brief schrieb, verglichen zu den anderen Briefen, die an Gemeinden in jenen Städten gingen. Kolossä, natürlich in einer römischen Provinz, war überwiegend heidnisch, aber es befanden sich auch einige Juden in Kolossä. Man hat Aufzeichnungen von Steuerabgaben gefunden, die auf Juden zurückgehen. Man geht davon aus, dass sich bis zu 50.000 Juden zu einer Zeit in Kolossä befanden. Also überwiegend heidnisch, aber eben auch Juden.

Weil die Karte auch schon hier drauf ist: Wie ist diese Gemeinde in Kolossä entstanden? Paulus hat die Gemeinde in Kolossä nicht gegründet und ist den Geschwistern dort auch noch nicht begegnet zur Zeit der Abfassung dieses Briefes. In Kapitel 2, Vers 1 lesen wir davon, dass Paulus sagt, er habe das Angesicht dieser Brüder noch nicht gesehen. Was aber passiert ist: Auf seiner dritten Missionsreise – die dritte Missionsreise ist hier mit den grünen Pfeilen eingezeichnet – ist Paulus von Antiochia ausgehend diesen Weg gezogen, und er ist auch durch Phrygien gezogen. In Apostelgeschichte Kapitel 18, Vers 23 lesen wir davon, dass Paulus durch Phrygien zieht. Dort heißt es: „Und als er dort einige Zeit zugebracht hatte, reiste er ab und durchzog der Reihe nach die galatische Landschaft und Phrygien und stärkte alle Jünger.“ Also er startete von Antiochia, hier der grüne Pfeil, durch die galatische Landschaft und er zog durch Phrygien – aber wohl nicht durch Kolossä direkt, weil er war ja noch nicht dort bzw. er hatte die Geschwister dort oder die Gemeinde dort noch nicht gesehen. Und dann zu Beginn von Kapitel 19 befindet sich Paulus in Ephesus. Er zieht diesen Weg also bis nach Ephesus. Paulus verbringt zwei Jahre in Ephesus, das heißt ca. 52 bis 54 nach Christus, und in Kapitel 19, Vers 9 heißt es, dass Paulus täglich in der Schule des Tyrannus redete für zwei Jahre. Also zwei Jahre lang unterrichtete Paulus, gab quasi Bibelstunden in der Schule von Tyrannus. Und in Apostelgeschichte Kapitel 19, Vers 10 heißt es: „Dies aber geschah zwei Jahre lang, so dass alle, die in Asien wohnten, sowohl Juden als auch Griechen, das Wort des Herrn hörten.“ Zwei Jahre lang lehrte Paulus also von Ephesus aus, und in diesen zwei Jahren hörten alle in Asien das Wort des Herrn. Also können wir davon ausgehen, dass in dieser Zeit auch nach Kolossä das Wort gegangen ist, das Evangelium gegangen ist – vermutlich durch Epaphras.

Wer ist Epaphras? Er ist ein Kolosser. In Kapitel 4, Vers 12 lesen wir, dass er „von ihnen ist“, also aus der Gemeinde in Kolossä. Und er war wahrscheinlich unter denen, die in dieser zweijährigen Zeit, in der Paulus in Ephesus war, dort waren, von Paulus unterrichtet wurden, dann nach Kolossä in ihre Heimat zurückgingen und dort den Menschen das Evangelium verkündigten. Denn in Kapitel 1, Vers 7 heißt es – Paulus redet vom Evangelium und wie sie es gehört haben: „So habt ihr es gelernt von Epaphras, unserem geliebten Mitknecht, der ein treuer Diener des Christus für euch ist und uns auch eure Liebe im Geist kundgetan hat.“ Also Epaphras ist nun zu Paulus gekommen aus Kolossä. Und er ist es, der den Kolossern das Evangelium verkündigt hat.

Kurze Randnotiz: In einem weiteren Brief, der unter diesen Gefängnisbriefen ist – Paulus hat diesen Brief in seiner römischen Gefangenschaft am Ende von Apostelgeschichte 28 geschrieben. Zu diesen Gefängnisbriefen gehören Epheser, Philipper, Kolosser und Philemon. In einem dieser Briefe redet Paulus später von Epaphras, dass er ein Mitgefangener ist. Also es kann gut sein, dass Epaphras, weil Paulus in Gefangenschaft war und Epaphras ihn besucht hat, ebenfalls festgenommen wurde. Nur eine kleine Randnotiz. Mit Epaphras werden wir uns natürlich später mehr beschäftigen. Dies also zum Hintergrund zu Kolossä und zur Entstehung dieser Gemeinde, wahrscheinlich von Epaphras gegründet, der von Paulus in der Zeit in Ephesus unterrichtet worden war.

Also, wir haben gesehen: „Paulus, Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen, und Timotheus, der Bruder, den heiligen und gläubigen Brüdern in Christus zu Kolossä.“ Wir haben erstens die Autoren gesehen, wir haben zweitens die Empfänger gesehen, drittens: Der Segensgruß. Er sagt: „Gnade euch und Friede.“ Der Segensgruß, den Paulus in ähnlicher Weise oft in seinen Briefen hat, ist das Evangelium zusammengefasst. Was ist Gnade? Er wünscht ihnen Gnade. Gnade ist unverdiente Gunst Gottes. Es ist das Ausgießen der Liebe und Barmherzigkeit Gottes an Sünder, die nichts anderes als seinen Zorn verdient haben. Es ist, Sündern nicht das zu geben, was sie eigentlich verdient hätten, und ihnen stattdessen das zu geben, was sie nicht verdient haben. Wenn er ihnen hier Gnade wünscht, dann wünscht er ihnen Gnade im Überfluss. Gnade, die jeden Tag neu ist, Gnade, die niemals ausgeht, Gnade, die nie zu wenig sein wird, Gnade, für die niemals gearbeitet werden muss, Gnade, die nicht durch ein höheres Level von Geistlichkeit oder Spiritualität erreicht werden muss. Gnade, die immer frei ist. Mit denselben Worten endet er seinen Brief in 4,18 und sagt: „Die Gnade sei mit euch.“

Dann wünscht er ihnen nicht nur Gnade, sondern Frieden. Das war im Griechischen eher unüblich, aber im Hebräischen war es üblich, in Grüßen Frieden zu wünschen. Das ist dieses Shalom, das wir kennen. Und in dieser Reihenfolge ist es auch wichtig: Denn zuerst kommt Gnade und dann kommt der Friede. Denn der Friede ist das Ergebnis ausgegossener Gnade. Weil Gott die Initiative ergriffen hat, sich Sündern zu erbarmen, sie nicht zu vernichten, nicht auszutilgen in seinem Zorn, sondern sie rettet, ihnen Gnade ausgießt in Jesus Christus, sie rettet und ihnen die Sünden vergibt. Deswegen haben wir Frieden – Frieden mit Gott, denn wir sind durch den Glauben an Jesus für gerecht erklärt (Römer 5, Vers 1). In Kapitel 1, Vers 20 werden wir auch sehen: Durch Jesus hat er alles mit sich versöhnt, indem er Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes. Durch das Blut des Kreuzes Jesu Christi, durch die Gnade, die darin ausgegossen worden ist, ist Friede gemacht worden. Frieden mit Gott, der unser Feind war. Friede, der nur denen gilt, welche diese Gnade und Vergebung der Sünden empfangen haben; nur denen gilt, die durch den Glauben an Jesus Christus gerechtfertigt worden sind. Du hast diesen Frieden nicht, wenn du nicht an Jesus Christus glaubst, und du bist ein Feind Gottes.

Er sagt: „Gnade und Friede euch von Gott, unserem Vater.“ Woher kommt die Gnade? Und woher kommt der Friede? Kommt er durch die Philosophie, kommt er durch die eigene Tugend und das eigene Erarbeiten und das Halten von Geboten? Nein, sie kommt von Gott, dem Vater. Er ist die Quelle, die einzige Quelle von Gnade und Frieden. Paulus detailliert näher: „Gott, unserem Vater“. Gott ist Vater. Wieder haben wir die Idee der Familie, die Adoption in die Familie Gottes, die Sohnschaft, zu der wir bestimmt worden sind. Als Söhne Gottes, als Miterben Jesu Christi, ist er der Erstgeborene unter vielen Brüdern. Und wir sind Söhne mit allen Privilegien, allen Rechten, die damit einhergehen. Und er ist unser Vater. Paulus zeigt hier seine Gemeinschaft mit den Kolossern: „Er ist unser Vater.“ Dieser Gott – der Ursprung von unergründlicher Gnade, unermesslicher Gnade und vollkommenem, wahrhaftigem Frieden. Nicht Frieden wie die Welt, sagte Jesus, sondern: „Meinen Frieden gebe ich euch.“ Er ist unser gemeinsamer Vater. Auch hier: Wie sehr dürfen wir ruhen in der Gnade, im Überfluss dieser Gnade und dem Frieden, den wir haben. Wie dankbar können wir sein, dass wir für diese Gnade nicht arbeiten müssen und für diesen Frieden nichts tun mussten. Gott selbst hat diesen Frieden geschaffen durch die Gnade und durch seinen Sohn.

Lasst uns zu viertens kommen: Dem Hintergrund des Briefes. Wieso schreibt Paulus diesen Brief? Wieso muss der Apostel Jesu Christi in der Autorität, die ihm gegeben worden ist, diesen Kolossern schreiben? Ich habe bereits erwähnt: Am Ende von Apostelgeschichte Kapitel 28 befindet sich Paulus in Gefangenschaft in Rom, nachdem er von den Juden angeklagt worden ist und er sich auf den Kaiser berufen hat. In Apostelgeschichte 28, 30 bis 31 lesen wir davon. Es wird oft eher als Hausarrest bezeichnet, weil er von Soldaten bewacht und auch angekettet war, aber er konnte Besucher empfangen, er konnte das Wort Gottes reden, er hatte, was diese Dinge angeht, keine Einschränkungen. Das war in den Jahren ca. 60 bis 62 nach Christus. In dieser Zeit kommt Epaphras von Kolossä nach Rom. Denn wir sehen ja in Kapitel 1 und auch Kapitel 4: Epaphras befindet sich jetzt bei Paulus. Das ist kein einfacher Weg, liebe Geschwister. Das sind, je nachdem, welche Route man nimmt, 1600 bis 1900 Kilometer von Kolossä nach Rom. Ich weiß nicht, ob man das auf dieser Karte noch einmal sehen kann – ja, hier sieht man Rom. Von Kolossä aus oft natürlich mit dem Schiff. Das ist der Weg, den Paulus gehen musste, als er gefangen genommen wurde und nach Rom ging. Aber das ist kein einfacher Weg. Und Epaphras berichtet Paulus von der Gemeinde in Kolossä, das haben wir gesehen: „Der uns auch eure Liebe im Geist kundgetan hat.“ Und über Epaphras wird auch gesagt in Kapitel 4 ab Vers 12: „Der Epaphras allezeit für euch ringt in den Gebeten, dass ihr vollkommen und völlig überzeugt in allem Willen Gottes dasteht.“ Epaphras macht sich Sorgen um die Gemeinde in Kolossä. Deswegen ging er nach Rom. Deswegen ging er zu Paulus.

Und das sehen wir in den Worten des Paulus, Kapitel 2, Vers 4: „Dies sage ich aber…“ Damit wird ein Zweck ausgedrückt – ein Zweck für die Worte, aber auch der Zweck für diesen Brief: „Dies sage ich aber, damit niemand euch verführe.“ Wieso nahm Epaphras diesen weiten Weg auf sich, um Paulus von der Gemeinde zu berichten? Es war die große Sorge, die er um die Gemeinde hatte. Es gab nämlich eine Irrlehre, die sich in die Gemeinde von Kolossä einschlich – eine Mischung von heidnischer Philosophie und jüdischer Gesetzlichkeit. Woher weiß ich das? Heidnische Philosophie sehen wir in Kolosser Kapitel 2, Vers 8: „Seht zu, dass niemand euch einfange durch die Philosophie und leeren Betrug nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt und nicht Christus gemäß.“ Paulus warnt hier also vor Philosophie, vor überredenden Worten, vor Lehrenbetrug, vor Überlieferungen der Menschen. Es geht um menschliche Philosophie. Philosophie war etwas, das die Griechen schätzten. In 1. Korinther 1,21 sagt Paulus: „Die Griechen suchen Weisheit.“ Und sie waren fasziniert von der Idee einer tieferen Erkenntnis. So wie Paulus in Athen – wir sehen, wie er eingeladen wird, auf dem Areopag zu reden. Die Leute wollen sich belustigen an dieser Philosophie und diesen Diskussionen. Und sie waren auf der Suche nach dieser tieferen Geistlichkeit, nach dieser höheren Ebene der Spiritualität. Diese Form nennt man „Proto-Gnosis“ oder „Proto-Gnostizismus“. Die Gnosis ist erst im 2. Jahrhundert wirklich ausgereift gewesen. Gnosis bedeutet „Erkenntnis“. Diese Philosophie hatte die Idee einer höheren Erkenntnis, einer höheren Geistlichkeit, die erreicht werden muss, um wahren Frieden oder Glück zu finden. Und für die Griechen war das Evangelium eine Torheit. Das Evangelium war zu einfach. „Du glaubst, und dann bist du gerechtfertigt? Dann sind dir deine Sünden vergeben, und dann kommt nichts mehr?“ Das war zu dumm für die Griechen. „Das ist zu einfach. Ihr glaubt an einen Gott, der Mensch wurde und sich opfert für Sünde? Und nur wenn ihr daran glaubt, werdet ihr für gerecht erklärt? Das ist zu wenig. Man muss doch – es muss doch mehr geben. Es muss doch eine höhere Ebene zu erreichen geben.“ In dieser heidnischen Philosophie ging es darum, dass man höhere Erkenntnisse und Visionen braucht, dass man in die spirituellen Sphären eindringen muss. Kolosser 2, Vers 18 gibt einen Hinweis darauf: „Um den Kampfpreis soll euch niemand bringen, der seinen eigenen Willen tut in scheinbarer Demut und Anbetung der Engel, der auf das eingeht, was er in Visionen gesehen hat, grundlos aufgeblasen von der Gesinnung seines Fleisches.“ Sie gingen also Visionen nach, sie strebten nach einer höheren Erkenntnis. Ja, es schien demütig, sie beteten Engel an. Und dazu kommen wir gleich: In ihrer Vorstellung war Jesus auch einer von den Engeln. Er war nicht Gott, er war nicht der Gottmensch, sondern er war ein geschaffenes Engelswesen, das etwas göttlich war, aber nicht wirklich Gott war. Diese Vorstellung – alles Materielle ist böse, ist schlecht, ist beschmutzt, und alles Geistliche ist gut. Deswegen könne Jesus nicht Gott sein, weil er ja Mensch war und weil er materiell war. Und das könne nicht gut sein. Deswegen sei Jesus nicht Gott gewesen, sondern so eine Art Engelswesen, eine Art Zwischending zwischen Gott und Mensch. Sie verneinten also die Gottheit von Jesus.

Zweitens: Nicht nur heidnische Philosophie, sondern es war gemischt mit einer Gesetzlichkeit, die man aus dem Judentum kannte. Wir sehen das zum Beispiel auch bei den Galatern. Die Galater hatten mit jüdischer Gesetzlichkeit zu kämpfen, wo es hieß, dass Jesus nicht genug sei. „Okay, vielleicht schafft Jesus es auch noch, einen zu retten, ja, aber man muss auch noch beschnitten werden und man muss noch all die jüdischen zeremoniellen Gesetze halten.“ Ähnlich ist das auch hier in Kolossä. Wir sehen in Kolosser 2, Vers 16: „So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes oder Neumondes oder Sabbats.“ Das sind alles jüdische Dinge. Auch vorher in Kapitel 2, Vers 11 redet er von der Beschneidung. Es geht hier um die Gesetzlichkeit, die neben dieser Philosophie kam – also diese jüdischen Gesetze wie die Speisegebote, die Sabbate, die Beschneidung, all das musste auch gehalten werden. Und die Idee ist diese Art von Askese: Man muss sich allem Möglichen enthalten, um diese höhere Geistlichkeit zu erreichen. An Jesus zu glauben und das Wort des Herrn Jesus zu nehmen und danach zu leben, sei nicht genug. Man müsse dem Werk Jesu noch seine eigenen Werke hinzufügen: Sabbat, Neumonde, Beschneidung und all diese Dinge, damit man diese höhere Stufe der Geistlichkeit erreichen kann. Paulus sagt ganz klar darüber: „Das alles hat zwar einen Anschein von Weisheit, dient aber zur Befriedigung des Fleisches.“ Diese Menschen, diese Irrlehrer, sie schienen so geistlich. Aber am Ende dienten sie ihrem eigenen Fleisch. Darum hat sich Epaphras gesorgt, in Kolossä, aber auch in Laodizea und Hierapolis. Der Brief sollte ja dann auch in der Gemeinde in Laodizea gelesen werden. Deswegen nahm er den weiten Weg auf sich zu Paulus nach Rom.

Und daraufhin schreibt Paulus diesen Brief. Dieser Brief ist eine Antwort an diese einschleichende Irrlehre. Denn was diese Irrlehre am Ende des Tages sagt, ist: „Jesus ist nicht genug.“ Jesus ist nicht genug, dich zu retten. Jesus ist nicht genug, dir alle Erkenntnis zu geben, die du brauchst. Jesus ist nicht genug für dein geistliches Leben in Gottseligkeit und Heiligkeit. Du musst Erkenntnissen und Visionen nachjagen, Engel anbeten, in geistliche Sphären eindringen. Du darfst deinen Leib nicht verschonen. Und dieser Brief ist eine Antwort auf diese Irrlehre. Und wir hören das vielleicht und denken uns: „Ach, das sind so Irrlehren, die im ersten, zweiten Jahrhundert eben aufgetaucht sind. Das waren damals dumme Menschen. Das passiert uns nicht.“ Vor diesem Hochmut möchte ich euch warnen. Denn heute sieht es oft nicht anders aus. Auch heute sagen Religionen dieser Welt – sogar die sogenannten christlichen Religionen – genau dasselbe: „Jesus ist nicht genug.“ Jesus – ja, er rettet dich, und du musst an ihn glauben, und ohne sein Opfer gäbe es keine Rettung, aber du brauchst Jesus plus Sakramente, Jesus plus Wassertaufe, Jesus plus andere Dinge, Philosophie, Psychologie. Jesus sei nicht genug. Es gibt viele christliche Bewegungen, die sagen: „Du musst in Zungen reden, du musst Visionen haben, du musst prophetisch sein, du musst vom Geist ergriffen sein.“ Und das bedeutet für sie, in Sprachen zu reden oder umzufallen oder Dämonen auszutreiben. Nur dann habest du Geistlichkeit erreicht. Auch da denken wir vielleicht: „Das passiert uns ja nicht.“ Aber auch uns Gläubigen – und diese Menschen in Kolossä waren Gläubige, treue Brüder in Christus – auch uns kann das passieren: Zweifel daran, dass Jesus genug ist. Wenn wir damit zu kämpfen haben, ob Jesus retten kann, wenn wir an unserem eigenen Heil zweifeln, wenn wir denken, dass Jesus nicht genug ist und ich noch arbeiten muss, noch wirken muss, um gerettet zu werden oder zu bleiben. Dieser Gedanke kann sich auch schnell bei uns einschleichen. Oder wir sagen: „Jesus ist nicht genug für unser Leben.“ Unser Leben ist so voller Anfechtungen, so voller Herausforderungen. Jesus und sein Wort seien nicht genug. Wir bräuchten weltliche Philosophie, weltliche Psychologie, Tricks, menschliche Erfahrungen, diesen geheimen Schlüssel zur Gottseligkeit, der irgendwo ist, damit wir endlich unser Leben auf die Reihe kriegen, damit wir endlich unsere Sünden überwinden können. Jesus sei nicht genug, sein Wort sei nicht genug, wir bräuchten dieses Extra. Es kann uns passieren, wenn wir Dinge nicht bekommen, die wir uns wünschen. In 2. Petrus heißt es: „Die Kraft Gottes hat uns alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt.“ Aber so schnell kann es passieren, dass wir sagen: „Jesus ist nicht genug. Ich brauche den Job, ich brauche das Geld, ich brauche den Wohlstand.“

Dieser Brief ist eine Antwort auf diese Irrlehre, auf diesen Gedanken, der sich einschleichen kann. Er betont die Gottheit Jesu. Er betont die Erhabenheit Jesu. Er betont in einem Wort zusammengefasst die Genugsamkeit Jesu. Christus – alles in allen. Dieser Brief, die Antwort dieses Briefes in einem Satz zusammengefasst, ist: Christus ist genug. Du möchtest Gott erkennen? In der Erkenntnis Gottes wachsen? Du denkst, du brauchst dafür Philosophie oder tiefe Visionen? Kolosser Kapitel 1, Vers 15 sagt: „Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes. In ihm wohnt die ganze Fülle.“ Du möchtest Gott erkennen? Hier ist Jesus. Du möchtest Frieden haben? Du spürst Frieden nicht in deinem Leben? Kolosser 1, Vers 20: „Durch ihn, durch Jesus, hat Gott alles mit sich versöhnt, indem er Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes.“ Die Kolosser suchen nach Engeln und Dämonen. Jesus hat alles mit Gott versöhnt. Zählt einmal nach, wenn ihr das lest ab Vers 15 in Kapitel 1, wie oft das Wort „alles“ vorkommt. Alles ist durch ihn, alles ist zu ihm hin geschaffen. Er ist vor allem, und alles besteht durch ihn. Du möchtest diese Welt erkennen? Paulus sagt: Jesus ist der Schöpfer. Alles, was existiert, besteht durch ihn. Du möchtest ein Geheimnis, ein geistliches Mysterium aufdecken? Paulus sagt in Kolosser 1,27: „Was ist dieses große Geheimnis? Es ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.“ Dass Christus in euch ist – wir sind in Christus, und er ist in uns. Das ist das Geheimnis. In Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen. Du musst nicht woanders hin. In Christus findest du alles für Leben und Gottseligkeit. Kolosser 2, Vers 9 und 10: „Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“ Jesus hatte einen Leib, er war Mensch, er war voll Gott. Und dann seht, wie schön: „Und ihr seid in ihm zur Fülle gebracht.“ Du fühlst dich leer, unvollständig? Paulus sagt: Du bist in Christus zur Fülle gebracht. Er ist alles. Er ist das Haupt jeder Gewalt und jeder Macht. Die Kolosser denken, sie müssen Engel anbeten. In Jesus hat Gott den Triumph über sie gehalten. Du möchtest die Speisegebote und Sabbate halten? Kolosser 2,17 sagt: „Sie sind ein Schatten der künftigen Dinge; der Körper selbst aber ist des Christus.“ Wieso bleibst du also beim Schatten, wenn Jesus die Substanz ist? Wieso versuchst du mit deinen eigenen Werken, Gott wohlgefällig zu sein, wenn du Christus hast? Du möchtest wachsen in deinem christlichen Leben? Woher kommt Wachstum? Er kommt nicht von der Welt da draußen. Er kommt nicht aus dir selbst heraus. Er kommt vom Haupt aus – und das ist Jesus. Kolosser 3: „Ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.“ Christus ist dein Leben. Was willst du mehr? Was fehlt dir in deinem Leben, was Christus nicht zur Fülle gebracht hat? Er ist Christus, euer Leben. Da ist weder Grieche noch Jude, sondern Christus alles in allen. Egal wo wir herkommen, egal wie reich oder arm wir sind: Es ist Christus alles in allen. Paulus sagt: „Der Friede des Christus regiere in euren Herzen.“ Das Wort des Christus wohne reichlich in euch. Alles tut im Namen des Herrn Jesus. Ihr dient dem Herrn Christus. Nicht nur für die Errettung, auch für deine Heiligung – Christus ist alles und er ist genug.

Was ist also die Anwendung? Ganz einfach: Ruhe in der Genugsamkeit des erhabenen Herrn Jesus Christus. Kehre um von „Jesus Plus“. Kehre um von Jesus plus Sakramente, Jesus plus eigene Werke, Jesus plus Visionen, Jesus plus Philosophie, Jesus plus Psychologie. Kehre davon um, wenn du denkst, du bräuchtest diese Dinge für Heil und Gottseligkeit. Natürlich heißt das nicht, du sollst nicht heilig leben oder keine guten Werke tun. Aber wenn du dem Werk Jesu Christi das hinzufügst, weil du es zur Rettung brauchst oder um eine tiefere Ebene zu erreichen, dann bist du auf der falschen Seite. Und dann solltest du davon umkehren. Kehre zu Jesus, dem Gottmenschen, dem Christus, der alles in allen ist. Ruhe darin. Und wenn du heute nicht an den Herrn Jesus Christus glaubst, dann bitte ich dich: Auch du kehre um von „Jesus Plus“. Bei dir könnte es sein: Jesus plus deine eigene Selbstgerechtigkeit oder menschliche Weisheit. Es gibt keinen anderen Namen, der unter dem Himmel gegeben ist, als der Name Jesus Christus. Empfange die freie Gnade des Herrn Jesus. Glaube an ihn, und er vergibt dir deine Sünden. Ihm möge alle Ehre zuteilwerden.

Lass uns beten.

Herr Jesus Christus, wir lesen diese Worte aus dem Kolosserbrief, die dich beschreiben. Jesus, du bist alles. Alles, was wir brauchen. Und am Ende bist du auch eigentlich alles, was wir haben. Unser Leben, unser Heil, alles ist in dir. Und wir sind in dir, und du bist in uns. Herr Jesus, du Erhabener, du, in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind – wir beten dich an. Mögest du uns groß gemacht werden durch diesen Kolosserbrief. Bewahre uns alle, Vater, vor betrügerischer Philosophie, vor menschlicher Weisheit. Bewahre uns alle vor Gesetzlichkeit; sie schleicht sich so schnell bei uns ein. Schenke uns Buße, dass wir in der Genugsamkeit von Jesus ruhen mögen. Herr Jesus, ich bitte dich: Überführe uns. Es ist so leicht zu denken: „Ach, das passiert uns schon nicht.“ Überführe uns, öffne unsere Augen für das, was wir in unserem Leben Jesus Christus hinzufügen; wo wir offenbaren, dass wir nicht glauben, dass Jesus genug ist – sei es in der Arbeit, in der Familie, in der Gemeinde. Bewahre uns davor. Und Jesus, mach dich selbst uns groß. Wir können uns nicht zu viel mit dir beschäftigen. Mach uns dich selbst groß, Herr Jesus. Möge das Wort des Christus reichlich in uns wohnen. Verherrliche dich an den Predigern, segne sie und gib ihnen Kraft. Vater, ich bitte dich, dass dein Sohn in unserem Leben groß gemacht wird. Ich bitte dich: Rette diejenigen, die nicht an deinen Sohn glauben. Offenbare ihnen die Fülle des Christus. Ihm zur Ehre.

Amen.

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