August 16, 2026

Die angemessene Kleidung des Gläubigen – Teil 1

Serie:
Passage: Kolosser 3:12-17

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Möge der Name unseres Herrn, möge der Name Jesu Christi verherrlicht werden. Lasst uns den Text für die heutige Predigt aufschlagen und lesen: Kolosser Kapitel 3, die Verse 12 bis 17.

Kolosserbrief, Kapitel 3, die Verse 12 bis 17: „Zieht nun an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut. Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer Klage gegen den anderen hat; wie auch der Herr euch vergeben hat, so auch ihr. Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist. Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib. Und seid dankbar. Das Wort des Christus wohne reichlich in euch. In aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig. Mit Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade. Und alles, was ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus und sagt Gott, dem Vater, Dank durch ihn.“

Lasst uns beten. Unser Vater im Himmel, wir staunen über die unendlich große Gnade, die du uns gegenüber erweist. Wir dürfen von einer Gnade singen, die immer größer sein wird als die Sünde, die wir gegen dich begehen. So schwer die Sünde auch sein mag, so hoch der Berg sein möge, den wir in unseren Ungerechtigkeiten, unseren Übertretungen und Begierden und bösen Gedanken anhäufen: Deine Gnade ist mehr. Wir können niemals deine Gnade ausschöpfen.

In deiner Gnade dürfen wir von deiner Geduld singen, mit der du auf uns wartest, egal, wie weit wir irren. Du bist der gute Hirte, der uns sucht und findet. In deiner Gnade dürfen wir deine Güte sehen: dass du uns, die wir deine Feinde sind, nur Gutes schenkst und Gutes tust, danach trachtest und strebst, uns Gutes zu schenken. Und das Beste, was es gibt, das Beste, was existiert, deinen Sohn Jesus Christus, hast du für uns gegeben. Welch große Güte, welch Liebesbeweis.

Vater, wir bitten dich im Licht deines großen Heils, deiner Gnade, im Licht deines Sohnes, in dem wir deine Gnade, Treue, Liebe, dein Erbarmen und deine Demut personifiziert sehen dürfen: Ich bitte dich, dass wir in diesem Licht heute lernen mögen, diesen Christus mit all seinen Tugenden anzuziehen, sein Erbarmen, seine Demut, seine Langmut, seine Liebe und seine Güte. Hilf uns, all diese Dinge anzuziehen und anzulegen wie ein Kleid, um dementsprechend zu wandeln, der Position und der Identität entsprechend, die du uns geschenkt hast.

Auch heute, Vater, kommen wir vor dich, nicht als Menschen, die wegen ihrer eigenen Gerechtigkeit, ihrer eigenen Intelligenz oder ihres eigenen Könnens vor dir stehen, sondern einzig und allein aus Gnade stehen wir auch heute vor dir. Und wir brauchen deine Gnade. Wir verlassen uns auf deine Gnade, auch in dieser Zeit, wenn wir uns deinem Wort widmen. Lehre du uns durch dein Wort. Mache uns Christus groß, sodass wir ihn durch dein Wort sehen mögen und dadurch unsere Gesinnung erneuert und unser Wandel verändert wird.

Wir bitten dich darum, Vater, dass du alle Zuhörer, die hier sind, segnest. Öffne ihre Herzen, schenke ihnen die Aufmerksamkeit, deinem Wort zuzuhören, deine Größe und deine Erhabenheit zu erkennen, die Genugsamkeit und Erhabenheit des Sohnes zu erkennen. Mögest du verherrlicht werden in dieser Stunde. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Setzt euch gerne.

Es gibt eine sehr wohlbekannte Redewendung, die sicherlich auch ihr gehört oder vielleicht sogar benutzt habt. Sie heißt: „Kleider machen Leute.“ Ursprünglich stammt diese Redewendung aus einer Novelle aus dem 19. Jahrhundert von Gottfried Keller. Vielleicht musstet ihr auch diese Novelle in der Schule lesen oder habt darüber gelesen, wie ich es getan habe.

In dieser Geschichte von Gottfried Keller geht es darum, dass ein armer Schneider sich sehr edel und wohlhabend anzieht und wegen seiner vornehmen Kleidung für einen wohlhabenden Grafen gehalten wird, als er eine andere Stadt besucht. Er ist also ein einfacher Schneider, aber wegen seiner vornehmen Kleidung wird er für einen ehrbaren, wohlhabenden Grafen gehalten. Er wird als dieser Graf zu einer Feier eingeladen und behandelt und kommt sogar mit einer anderen Frau zusammen, die sehr wohlhabend ist.

Wir sehen in dieser Geschichte die Idee: Seine Kleidung hat ihn gemacht. Seine Kleidung hat den Menschen einen Eindruck, ein Bild davon vermittelt, wer dieser Mensch sei. Obwohl er ein armer Schneider war, wurde er wegen seiner Kleidung für einen Grafen gehalten. Wir sehen also: Die Art unserer Kleidung sagt etwas über unsere Person aus. In der Geschichte geht es so weit, dass ein armer, normalerweise verachteter Schneider für einen wohlhabenden und respektierten Grafen gehalten und dementsprechend von allen behandelt wird. So kann Kleidung Leute machen.

Während es in dieser Geschichte, in dieser Novelle, darum ging, dass die Kleidung einen falschen Eindruck über die Identität des Schneiders vermittelt hat, geht es in unserem heutigen Text darum, dass Paulus uns sagt: Zieh nicht Kleidung an, um jemand zu sein, der du nicht bist. Zieh Kleidung an, die deiner Identität entspricht. Paulus sagt den Gläubigen in der Gemeinde in Kolossä: Zieht die Kleidung an, die eurer wahren Identität entspricht.

Er sagt nicht: Zieh dich so an, um so zu tun, als wärst du jemand, der du nicht bist, wie der Schneider es in dieser Geschichte getan hat. Sondern er sagt: Zieh dich so an, wie es deiner tatsächlichen Identität entspricht. Paulus sagt: Du bist auserwählt, du bist heilig, du bist geliebt. Das ist deine Identität. Und deshalb sollen nun auch dein Leben und deine Kleidung dieser neuen Identität entsprechen.

Wir befinden uns in diesem dritten Kapitel des Kolosserbriefes, und zwei Kapitel lang haben wir gesehen, dass Paulus sich mit Lehre beschäftigt hat, überwiegend damit, dass Jesus Christus erhaben und genugsam ist. Das steht im Gegensatz zur Lehre zeremonieller und philosophischer Gesetzlichkeit, welche die Irrlehrer in die Gemeinde in Kolossä hineinzubringen versucht haben. Nachdem er zwei Kapitel lang auf einer lehrmäßigen Ebene diese Dinge adressiert hat, beginnt er im dritten Kapitel mit der Anwendung der Lehre, der Anwendung der Prinzipien, die er dargestellt hat.

Paulus betont unsere Einheit mit Jesus. Wir sind so eng mit Jesus verknüpft, wir sind so mit ihm eins gemacht, dass er zu unserem Leben geworden ist. So heißt es am Anfang von Kapitel 3: „Christus, euer Leben.“ Und weil Christus unsere ganze Identität ist, weil wir mit Christus so eins gemacht sind, sollen unser Fokus, unser Begehren, unser Verstand und unsere Zuneigung ganz auf ihn ausgerichtet sein.

Weil wir zum Himmel und zu Christus gehören, sollen wir dem Himmlischen nachstreben. Und weil wir dem Himmlischen nachstreben sollen, sollen wir das Irdische ablegen. Damit haben wir uns die vergangenen beiden Wochen beschäftigt. Paulus ist radikal in seiner Sprache und sagt: „Tötet die Glieder, die auf der Erde sind.“ Er meint damit unsere sündigen Gedanken, Handlungen und Herzenshaltungen. Er hat sich hier ganz besonders auf sexuelle Unmoral jeglicher Art bezogen: Wir sollen diese Dinge abtöten, aus unserem Leben ausmerzen. Sie passen nicht mehr zu unserer himmlischen Identität. Diese Dinge gehören zu dieser Erde. Diese Dinge werden von Gott gerichtet; sie passen nicht mehr zu uns.

Genauso wenig, wie diese Unreinheit und Unzucht zu uns passen, passen auch Dinge wie Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung und schändliches Reden nicht mehr zu unserer neuen Identität. Paulus sagt: Legt es ab. Wie Kleidung sollen wir diese Dinge ausziehen, denn sie passen nicht mehr zu unserer Identität, zu unserer Position in Christus.

Denn Paulus sagt, wie wir letztes Mal gesehen haben: „Ihr habt den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen und habt den neuen angezogen.“ In eurer Position, in eurer Identität habt ihr den alten Menschen mit diesen irdischen, zur Erde gehörenden Taten, Gedanken und Handlungen ausgezogen. Und ihr habt einen neuen Menschen angezogen. Dieser neue Mensch wird nach dem Bild Jesu Christi erneuert. Paulus sagt also: Legt diese Dinge ab, denn sie passen nicht mehr zu eurer Identität. Legt die Kleidung ab, die euch nicht mehr passt.

Stell dir vor, ein Mensch war sehr übergewichtig, hat dann aber sehr viel Gewicht verloren. Es wäre komisch, wenn er immer noch dieselbe große Kleidung tragen würde, die er damals getragen hat, als er noch übergewichtig war. Die nun zu große Kleidung passt nicht mehr zu ihm. Es wäre unangebracht und unangemessen, wenn er sie immer noch tragen würde. Nein, er würde normalerweise Kleidung tragen, die jetzt zu seinem Körper passt.

In diesem Sinne sagt Paulus: Legt die Kleidung ab, die nicht mehr zu euch passt. Unreinheit und Unzucht, Wut und Zorn und Bosheit und Sünden der Zunge: Legt diese Dinge ab, sie passen nicht mehr zu euch. In dieser ganzen Anwendung, in den Kapiteln 3 und 4, geht es Paulus also darum, dass er den Gläubigen sagt: Euer Wandel soll eurer neuen Natur, eurer neuen Position und eurer neuen Identität entsprechen.

Die Irrlehrer sagen: Du musst diese Gesetze, zeremoniellen Gesetze, erfüllen. Du musst Engel anbeten und Visionen haben, um eine bestimmte Stellung zu erreichen. Paulus sagt: Nein, ihr habt bereits in Christus eine Stellung erreicht. Ihr habt bereits in Christus eine neue Identität empfangen. Nun lebt diese Identität in eurem Wandel aus. Dein Wandel fließt aus deiner Stellung heraus. Das ist es, was Paulus immer und immer wieder sagt.

Und so ist es auch in unserem heutigen Abschnitt, wo Paulus den Gläubigen dazu auffordert, in Anbetracht seiner Identität in Christus tugendhafte Eigenschaften im Umgang miteinander anzulegen. Paulus beschreibt uns drei Aspekte der angemessenen Kleidung eines Gläubigen. Sie zeigen uns, wie wir unsere Identität in Christus in unserem Wandel zum Ausdruck bringen sollen.

Der Titel der heutigen Predigt ist demnach „Die angemessene Kleidung des Gläubigen“. Heute werden wir uns nur Teil 1 anschauen, nur die Verse 12 bis 14. Die restlichen Verse werden wir uns, so der Herr will, das nächste Mal anschauen.

Wir wollen drei Aspekte der angemessenen Kleidung eines Gläubigen anschauen. Erstens: die dreifache Identität, die der Kleidung zugrunde liegt. Zweitens: das fünfteilige Kleid, das der Gläubige anzieht. Und drittens: das eine Band, das alles zusammenhält. Also die dreifache Identität, das fünfteilige Kleid und das eine Band. Unter diesen Aspekten wollen wir uns diesen Abschnitt und die angemessene Kleidung eines Gläubigen anschauen.

Bei der Novelle von Keller, die ich am Anfang erwähnt habe, heißt es: „Kleider machen Leute“, also: Deine Kleidung bestimmt deine Identität. Bei Paulus ist es andersherum. Er sagt sozusagen: Leute machen Kleider. Deine Identität soll deine Kleidung bestimmen. Deine Identität in Jesus Christus bestimmt deinen Wandel, deine Kleidung, das, was du anlegst. Die Kleider sollen dem entsprechen, wer wir in Christus geworden sind.

Lasst uns unter dem ersten Punkt beginnen: die dreifache Identität, die der Kleidung zugrunde liegt. Vers 12: „Zieht nun an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut.“

Paulus beginnt diesen Vers mit dem Befehl: „Zieht nun an.“ Es ist ein Befehl, ein Imperativ, der uns sagt, wir sollen etwas anziehen. Es ist ein Wort, das dafür verwendet wird, dass man Kleidung anzieht. Es ist das Gegenteil von „legt ab“ in Vers 8. In Vers 8 heißt es: „Jetzt aber legt ab“, zieht also aus. Nun sagt Paulus: Zieht an. Die alte Kleidung soll ausgezogen, eine neue Kleidung soll angezogen werden.

Wir haben uns die letzten beiden Wochen damit beschäftigt, was wir ausziehen sollen. In den Versen 5, 8 und 9 hat Paulus gesagt: Diese Dinge sollen aus eurem Leben entfernt und ausgemerzt werden. Kehrt euch ab von diesen Dingen. Aber das christliche Leben ist mehr als nur das Nichttun von Dingen. Das christliche Leben ist mehr als nur: Tu das nicht und tu das nicht. Es geht nicht nur darum, in unserem Wandel aufzuhören zu sündigen. Es geht auch darum, dass wir christusähnliche Tugenden und Handlungen anziehen und tun, gerechte, gottesfürchtige und gute Werke tun.

Wenn wir in dem Bild bleiben wollen, das Paulus hier vermittelt, lautet die Idee nicht nur: Zieht eure alte Kleidung aus und bleibt dann, metaphorisch gesehen, nackt. Sondern: Zieht auch die angemessene Kleidung an. Und das ist das Prinzip des christlichen Lebens: Zieht aus und zieht an.

Wir haben vergangene Woche in der Lesung des Neuen Testaments hier im Gottesdienst Epheser 4 gelesen, wo Paulus dieses Prinzip ebenfalls anwendet. Er sagt: Legt die Lüge ab und zieht die Wahrheit an; sagt nur Dinge, die der Erbauung dienen. Er sagt: Wer gestohlen hat, soll nicht mehr stehlen – legt ab –, sondern soll vielmehr Gutes mit seinen Händen tun und den Bedürftigen geben – zieht an. Legt ab, zieht an. Genau dieses Prinzip sehen wir auch hier.

Die unangemessene Kleidung soll nicht nur abgelegt werden, die angemessene Kleidung soll angezogen werden, die Kleidung, die unserer Identität entspricht. Und wir haben dieses kleine Wort „nun“: „Zieht nun an“, was eine Schlussfolgerung andeutet. Dieses „nun“ folgt unter anderem aus den Versen 9 bis 10, wo wir gesehen haben: Ihr habt den alten Menschen ausgezogen und den neuen Menschen angezogen.

Und es wirkt fast paradox. Paulus sagt in den Versen 9 bis 10: Ihr habt den alten Menschen ausgezogen und den neuen Menschen angezogen. Und jetzt sagt er, zusammengefasst in Vers 12: Zieht den neuen Menschen an. Was meint Paulus hier?

Er redet in den Versen 9 bis 10 von unserer Position, von unserer Stellung. In unserer Position haben wir den alten Menschen bereits ausgezogen und den neuen Menschen angezogen. Unsere Natur hat sich verändert. Die alte Natur, die der Sünde versklavte Natur, die Natur, die von den sündhaften Handlungen, die zur Erde gehören, charakterisiert und geprägt war, ist weg. Und uns wurde eine neue Natur geschenkt, die Christus entspricht und in der Lage ist, ihm wohlgefällig zu wandeln, Sünden zu überwinden und gerecht zu leben. Das ist unsere Position.

Und Paulus sagt: Nun, da ihr in eurer Position den neuen Menschen angezogen habt, zieht nun in eurem Wandel auch den neuen Menschen an. Er sagt gewissermaßen: Weil ihr angezogen habt – Position –, zieht nun an – Wandel. Dieses „nun“ zieht einerseits die Schlussfolgerung aus den Versen vorher, aber es passt auch zu den Dingen, die Paulus in diesen Versen hier erwähnt.

„Zieht nun an als Auserwählte, Heilige und Geliebte.“ Zieht nun als solche an. Zieht nun an als solche, die diese Identität in Christus haben, als solche, die auserwählt, geheiligt und geliebt sind.

Und nun kommen wir zu dieser dreifachen Identität, die der Kleidung zugrunde liegt. Seht ihr, Paulus kann nicht widerstehen, immer wieder auf unsere Position und Identität in Christus zurückzukommen. Er hat uns bereits zwei Kapitel lang gelehrt. Hier in Kapitel 3, gerade in den Versen 9 und 10, hat er uns wieder gesagt, was uns in unserer Position bereits geschenkt ist. Jetzt könnte er einfach nur den Befehl geben, aber Paulus kann nicht anders: All seine Befehle sind in unserer Erlösung, in unserer neuen Identität in Christus gewurzelt.

Und so sagt er hier nicht einfach nur: Zieht herzliches Erbarmen, Güte, Demut und so weiter an. Nein: Zieht es als solche an, die diese Identität haben. Drei Bezeichnungen, eine dreifache Identität, sehen wir hier, die wir in Christus haben.

Unser Wandel ist nicht einfach aus der Luft gegriffen. Paulus sagt nicht einfach: Mach einfach, gehorche einfach. Sondern: Gehorche als jemand, wandle als jemand, der diese Identität hat. Daraus fließt dein Wandel, darin ist dein Wandel gewurzelt. Der Wandel ist unzertrennlich mit unserer Identität verknüpft.

Und wenn ihr euch an Kapitel 2, Vers 6 erinnert, wo es hieß: „Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm“, dann erinnert ihr euch daran, dass wir das bereits damals angefangen haben zu sehen. Wie ihr den Christus empfangen habt – die Position, der Indikativ, wenn ihr euch erinnert – bestimmt den Wandel, den Imperativ.

Was ist der Indikativ? Was ist die Identität in Christus, die wir haben? Drei Bezeichnungen. Erstens: Auserwählte Gottes. Die Identität eines Gläubigen in Christus ist, dass er ein Auserwählter Gottes ist, also jemand, der von Gott auserwählt worden ist.

Paulus lenkt unsere Aufmerksamkeit auf Gottes souveräne Erwählung. Er redet davon, dass du als Gläubiger in Christus vor Grundlegung der Welt von Gott nach seinem Vorsatz auserwählt worden bist. Wie sehr lieben wir die Verse aus Epheser Kapitel 1, ab Vers 3, wo es heißt: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus, wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor ihm sind in Liebe, und uns vorherbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens.“

Gott hat uns in Christus auserwählt, und er hat das vor Grundlegung der Welt getan, bevor es so etwas wie Zeit gab. Bevor es dich und mich gegeben hat, hat er uns aus seinem freien Willen, nach seinem Vorsatz, erwählt. Und wir sehen sogar in diesem Vers, in Vers 5: durch Jesus Christus, für sich selbst und nach dem Wohlgefallen seines Willens. Er tat das für sich selbst und nach dem Wohlgefallen seines Willens. Auf gut Deutsch: Er tat das, weil er es wollte. Weil er es wollte. Das ist das Fundament für unsere Erwählung.

Es ist nicht etwas, was du und ich getan hätten. Gott hat nicht in die Zukunft geschaut und gesehen, dass wir glauben oder etwas Gutes tun würden. Nein, weil er wollte, hat er uns vor ewigen Zeiten erwählt.

In 2. Timotheus Kapitel 1, Vers 9 heißt es: „Der hat uns gerettet und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben worden ist.“ Paulus sagt: Er hat uns berufen, nicht nach unseren Werken, nicht nach etwas, was du und ich getan hätten, nicht, weil wir so liebenswert oder so toll gewesen wären, sondern nach seinem eigenen Vorsatz. Auch ganz einfach gesprochen: weil er wollte. Und die Gnade wurde uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben.

Das bedeutet es, ein Auserwählter Gottes zu sein. Es bedeutet, jemand zu sein, den Gott vor Grundlegung der Welt auserwählt hat, obwohl er ein Sünder, ein Feind Gottes und ein Rebell ist. Ein Auserwählter Gottes ist jemand, der allein aus Gnade erwählt worden ist. Er ist jemand, dem trotz seiner tiefen Sündhaftigkeit Gnade zuteilgeworden ist: unverdientes Wohlgefallen Gottes, unverdient und einzig und allein in Gottes Vorsatz verankert.

Das ist ein Auserwählter Gottes. Und Paulus sagt: Das ist deine Identität in Christus. Du bist ein Auserwählter Gottes. Du bist jemand, dem Gott vor Grundlegung der Welt Gnade hat zuteilwerden lassen, einzig und allein, weil er es wollte, nach seinem Vorsatz und nach seinem Willen.

Du bist nicht nur ein Auserwählter Gottes, du bist ein Heiliger, sagt Paulus. „Als Heilige.“ Heilig – mit diesem Wort beschäftigen wir uns oft – bedeutet in seinem Kern, abgesondert zu sein. Es bedeutet, aus der Welt und von der Welt abgesondert und zu Gott abgesondert oder Gott geweiht zu sein. Es bedeutet, nicht mehr zu dieser Welt zu gehören, sondern von Gott aus dieser Welt herausgerissen und für sich geweiht worden zu sein.

Wir haben bereits am Beginn des Kolosserbriefes, in Kapitel 1, Vers 2, davon gelesen, wie Paulus die Gläubigen als „die heiligen und gläubigen Brüder in Christus“ bezeichnet. Lieber Bruder, liebe Schwester, du bist heilig in deiner Position. Nicht, weil es eine Kirche deklariert, sondern weil Gott dich für heilig erklärt hat.

Jesus spricht in Johannes 17 und im ganzen Johannesevangelium von denen, die der Vater ihm gegeben hat. Er unterscheidet sie von dieser Welt. In Johannes Kapitel 17, Vers 6 sagt er: „Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Dein waren sie, und mir hast du sie gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.“ Er sagt weiter in Vers 9: „Ich bitte für sie. Nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, welche du mir gegeben hast, denn sie sind dein.“

Hier sehen wir auch, wie Auserwählung und Heiligung miteinander verbunden sind. Diese auserwählten Menschen sind aus der Welt abgesondert. Dem Vater gehören sie, und der Vater hat sie dem Sohn gegeben.

Dieses Konzept der Absonderung sehen wir bereits im Alten Testament beim Volk Israel, wie Israel aus den Völkern ausgesondert wurde. In 3. Mose Kapitel 20, Vers 26 heißt es: „Ihr sollt mir heilig sein, denn ich bin heilig, ich, der Herr; und ich habe euch von den Völkern ausgesondert, um mein zu sein.“ Gott hat Israel aus allen Nationen erwählt und es ausgesondert, um sein zu sein. Seht ihr: aus den Nationen, aus der Welt getrennt und herausgerissen und für Gott, zum Eigentum Gottes, geweiht.

Heiligkeit ist unsere Position in Christus durch die Erwählung. In Epheser Kapitel 1 haben wir auch gelesen: Er hat uns erwählt, um heilig und tadellos vor ihm zu sein in Liebe. Über das Kreuzeswerk sagt Hebräer Kapitel 10, Vers 10: „In diesem Willen sind wir geheiligt durch das ein für alle Mal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi.“ Das Opfer Jesu Christi hat uns geheiligt. Es hat uns aus dieser Welt und aus den Fängen der Sünde erkauft und für Gott geheiligt.

Paulus sagt: Ihr seid erwählt, aber nicht einfach erwählt, um erwählt zu sein. Ihr seid erwählt, euch wurde diese Gnade gegeben, und ihr seid aus dieser Welt herausgenommen und Gott geweiht in eurer Position.

Ihr seid Erwählte, ihr seid Heilige und als Drittes – die dritte Identität – Geliebte. Nicht nur erwählt, nicht nur geheiligt: Ihr seid von Gott geliebt. Das Wort hier drückt aus: Ihr befindet euch in einem Zustand des Geliebtseins von Gott.

Wir mögen schnell über diese drei Worte hinweglesen oder auch über dieses letzte Wort: Geliebte. Aber liebe Geschwister, wir sind Geliebte. Wisst ihr, wie bedeutend diese Worte sind?

Erst vor Kurzem habe ich mich mit Jonas im Grundlagenkurs über die Eigenschaften Gottes und die Liebe Gottes beschäftigt. Oh, wie schön ist es, sich mit der Liebe Gottes zu beschäftigen. Und wie schön ist es zu sehen, wie die Liebe innerhalb Gottes, die Liebe innerhalb der drei Personen, innerhalb der Dreieinigkeit, wie diese vollkommene und wunderbare Liebe gleichsam hinausschwappt und hinaustritt, sodass wir Anteil an dieser Art von Liebe bekommen.

Wisst ihr, wie geliebt wir von Gott sind, liebe Geschwister? Jesus sagt auch in Johannes 17 und in Johannes 14 und 15, dass der Vater uns so liebt, wie er den Sohn liebt. Intratrinitarische Liebe sozusagen. So sehr sind wir von Gott geliebt.

Wir, die wir eigentlich nur Hass und Zorn verdient hatten. Im Psalm 5 heißt es: „Verblendete dürfen nicht vor deine Augen hintreten. Ein Böser darf vor dir nicht weilen. Du hassest alle, die Götzendienst üben. Du verabscheust den Mann des Blutes und des Truges.“ Das hätten wir von Gott verdient: Verabscheuung und Hass. Und stattdessen sind wir heute Geliebte. Das ist unsere Identität.

Paulus liebt es, diese Bezeichnung für Gläubige zu verwenden. Auch der Gemeinde in Rom schreibt er in Kapitel 1, Verse 6 und 7. Er nennt sie „Berufene Jesu Christi“, „alle Geliebten Gottes“, „berufene Heilige in Rom“. Auch hier sehen wir: Er nennt sie Berufene, er nennt sie Geliebte, er nennt sie Heilige.

Unsere Erwählung, unser Geheiligtsein und die Liebe – diese drei Dinge hängen eng miteinander zusammen. Denkt an Epheser Kapitel 1, Verse 3 bis 5: Wir wurden in ihm erwählt, in Liebe, um heilig und tadellos zu sein.

Und ganz ähnlich sagte Gott über Israel in 5. Mose Kapitel 7, die Verse 6 bis 8: „Denn du bist dem Herrn, deinem Gott, ein heiliges Volk. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt, dass du ihm zum Volk seines Eigentums wirst aus allen Völkern, die auf dem Erdboden sind. Nicht weil ihr mehr wäret als alle Völker, hat der Herr sich euch zugeneigt und euch erwählt – ihr seid ja das geringste unter allen Völkern –, sondern wegen der Liebe des Herrn zu euch und weil er den Eid hielt, den er euren Vätern geschworen hat.“

Ich habe euch erwählt, ich habe euch zu meinem Eigentum geheiligt, und ich tat das, weil ich euch geliebt habe. Nicht, weil ihr toll, groß oder stark wäret, sondern weil ich euch geliebt habe. Und wieso liebt der Herr Israel? Wieso liebt der Herr mich? Weil er sich dazu entschieden hat, mich zu lieben.

Deswegen heißt es in Römer Kapitel 8, Vers 29: „Die, die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt.“ Es ist so schade, es ist so traurig, wenn wir, wie es oft passiert, dieses „vorher erkannt“ damit gleichsetzen, dass Gott vorher in die Zukunft geschaut und gesehen hat, dass wir glauben würden, und uns deswegen erwählt hat.

Nein, wenn es in Römer 8,29 heißt: „die er vorher erkannt hat“, drückt dieses Erkennen eine intime Beziehung aus, die Gott bereits mit uns hatte, bevor wir existierten. Bereits vor Grundlegung der Welt hat Gott sich dazu entschieden, uns zu lieben. Und das wird in diesem „vorher erkannt“ zum Ausdruck gebracht. Das bedeutet es, Geliebte Gottes zu sein.

Das ist unsere dreifache Identität in Jesus Christus: Du bist auserwählt, du bist geheiligt, du bist geliebt. Du bist ein Auserwählter, ein Heiliger und ein Geliebter Gottes.

Seht ihr, was Paulus hier macht? Er sagt nicht: Zieht diese Dinge an, seid erbarmend, demütig und gütig, damit ihr geliebt werdet, damit ihr Heilige werdet, damit ihr euch eure Erwählung verdient. Nein, er sagt: Zieht Güte und Demut und Barmherzigkeit und all diese Dinge an, weil ihr bereits geheiligt, erwählt und geliebt seid. Ihr habt bereits diese Identität in Jesus. Und weil ihr diese Identität habt, soll nun euer Wandel ihr entsprechen.

Weil ihr eine neue Person in eurer Position angezogen habt, soll nun eure Kleidung dieser neuen Person entsprechen. Liebe Geschwister, was für ein Privileg ist unsere Identität in Christus Jesus. Wir könnten uns die ganze Predigt allein damit beschäftigen. Das ist die Grundlage für die Kleidung, die wir anziehen sollen. Das ist die Grundlage für den Wandel, den wir an den Tag legen sollen. Nur in diesen Wahrheiten gewurzelt werden wir die christusähnlichen Tugenden anlegen können.

Die Irrlehrer von damals in Kolossä wie auch heute sagen: Tu das, damit du geliebt wirst. Paulus sagt: Tu das, weil du geliebt bist.

Kommen wir zu zweitens: das fünfteilige Kleid, das der Gläubige anzieht. Wir haben die dreifache Identität gesehen, die dem Kleid zugrunde liegt. Nun kommen wir zum fünfteiligen Kleid, das der Gläubige anzieht.

Weiter in Vers 12 heißt es: „Zieht nun an als solche: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde und Langmut.“ Was folgt nun aus dieser dreifachen Identität? Was ist die Kleidung, die dieser Identität angemessen ist? Wir sehen: Fünf Teile hat das Kleid, fünf Aspekte. In Vers 5 waren es fünf Dinge, die wir töten sollen. In Vers 8 waren es fünf Dinge, die wir ablegen sollen. Und nun, in Vers 12, haben wir fünf Dinge, die wir anziehen sollen.

Dies sind Eigenschaften beziehungsweise innere Herzenshaltungen, die sich im Wandel offenbaren. Wir werden diese fünf Teile jetzt durchgehen, und es folgen nun eine Reihe von Definitionen. Wir müssen diese Worte definieren und richtig verstehen.

Aber mir ist wichtig: Wenn wir diese Liste von Definitionen durchgehen, möchte ich nicht, dass ihr das nur intellektuell versteht: Ah ja, dieses Wort bedeutet dies, das habe ich verstanden. Ich möchte euch bitten und dazu ermutigen: Wenn wir diese Worte durchgehen und verstehen, prüft euch. Prüft euch, ob das eurer Kleidung entspricht. Ist es das, was euren Wandel ausmacht? Wenn jemand euch und euren Wandel beschreiben würde, würde er diese fünf Dinge anführen? Prüft euch, wenn wir durch diese Dinge gehen.

Erstens: herzliches Erbarmen. Wörtlich steht hier ein Herz des Erbarmens. Wenn wir noch wörtlicher sein wollen, steht hier eigentlich: Eingeweide des Erbarmens. Ihr habt vielleicht schon davon gehört, dass in der damaligen Zeit und in der biblischen Sprache die Eingeweide als Sitz der Gefühle gesehen wurden. Wenn man starke Emotionen empfand, spürte man sie im Inneren, in den Eingeweiden. Man empfand so stark, dass einem der Bauch schmerzte.

Das war die Idee der Eingeweide in der damaligen Zeit: dass sie der Sitz der Gefühle waren. Heutzutage reden wir eher vom Herzen als Sitz der Gefühle. Also wortwörtlich steht hier: die Eingeweide des Erbarmens. Legt herzliches Erbarmen an.

Diese Worte beschreiben ein tiefes Mitgefühl und Mitleid angesichts der Not eines anderen. Sie beschreiben die Bereitschaft: Man sieht die Not eines anderen, leidet mit dieser Person mit und ist bereit, das Leid dieser Person zu lindern.

Wir lesen davon, dass Gott ein Gott des Erbarmens ist. In Lukas Kapitel 1, Vers 78 redet Zacharias, wenn er über Jesus Christus spricht, davon, dass „die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes“ erschienen ist. In 2. Korinther Kapitel 1, Verse 3 und 4 sagt Paulus: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes.“

Unser Gott ist jemand, der sich erbarmt, der tiefes Mitgefühl und Mitleid mit Menschen in Not hat. Er ist ein Gott, der tröstet, wenn Menschen in Not sind. Paulus redet in diesem zweiten Korintherbrief, Kapitel 1, so oft vom Trost, den Gott schenkt: „der uns tröstet in aller Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst getröstet worden sind.“ Gott ist ein Gott des Erbarmens.

Jesus hatte tiefes Erbarmen. Ihr kennt vielleicht diese Bezeichnung, dass immer wieder von Jesus gesagt wird, dass er innerlich bewegt war. Auch das heißt, wortwörtlich gesehen: Seine Eingeweide bewegten sich oder wurden umgedreht. Es bezeichnet innere Bewegung, es bedeutet tiefes Empfinden von Leid und Not.

In Matthäus Kapitel 9, Vers 36 war Jesus innerlich bewegt über die Volksmengen, weil sie erschöpft und verschmachtet waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. In Lukas Kapitel 7 haben wir eine Witwe, also eine Frau, die bereits ihren Mann verloren hat und gerade ihren Sohn, ihren einzigen Sohn, verloren hat. Jesus sieht diese Witwe, und als er sie sah, wurde er innerlich bewegt über sie und sprach zu ihr: „Weine nicht.“

Das ist unser Herr, der herzliches Erbarmen demonstriert, der die Not, das Leid, die Bedrängnis des anderen sieht und mitleidet. Das ist etwas, was bei uns in dem Wort „Mitleid“ mittlerweile etwas verloren geht. Wenn wir von Mitleid reden, dann reden wir oft davon, dass einfach jemand Mitleid hat, dass jemand sagt: Oh, der Arme. Aber in dem Wort Mitleid steckt eigentlich, mit dieser Person mitzuleiden, Anteil an dem Leid zu nehmen, das eine andere Person hat.

Oder, um es mit den Worten von Römer Kapitel 12, Vers 15 zu sagen: „Freut euch mit den sich Freuenden, weint mit den Weinenden.“ Das soll uns ausmachen: herzliches Erbarmen.

Liebe Geschwister, seht ihr: Hier ist kein Raum für Gleichgültigkeit oder Kaltherzigkeit, für eine kalte, anteilnahmslose Härte. Das soll uns nicht ausmachen. Wir sollen tiefes Erbarmen haben und mit Menschen in Not, mit Menschen in Bedrängnis, mit Menschen in Anfechtung mitleiden.

Wir sehen Jesus nicht nur, wie er innerlich bewegt war und sagte: „Weine nicht.“ Wir sehen Jesus, wie er geweint hat, als Lazarus gestorben war und er sah, wie dessen Schwestern Martha und Maria geweint haben. Er war ein Herr und ein Mensch des Mitgefühls, der tiefes Erbarmen, herzliches Erbarmen hatte. Das soll dich ausmachen. Nicht nur kalte Regelkonformität, sondern herzliches Erbarmen. Und nicht, dass diese Dinge einander ausschließen. Sie gehören zusammen: den Geboten gehorsam sein, aber auch herzliches Erbarmen. Zieh das an, sagt Paulus.

Zweitens sehen wir Güte. Im deutschen Wort Güte steckt „gut“. Man könnte sagen, das deutsche Wort bezeichnet Gutsein, vor allem gegenüber anderen. Es wird im Wörterbuch auch als nützliche Freundlichkeit beschrieben, also Freundlichkeit, die dem Nächsten, einem anderen, einen Nutzen bereitet.

Wir haben das Gegenteil zur Bosheit in Vers 8. In Vers 8 hatten wir die Bosheit. Wir haben uns damit beschäftigt und gesehen: Diese Bosheit beschreibt, dass man dem anderen Schlechtes wünscht, dass man ständig darüber nachdenkt, wie man sich vielleicht an dem anderen rächen oder es ihm vergelten kann, ihm Unheil oder Unglück wünscht.

Wenn wir das hier auf Güte umdrehen, dann geht es darum, dem Nächsten, dem anderen, Gutes zu wollen, ihm das Beste zu wünschen und danach zu streben, ihm Gutes zu geben.

Auch hier sehen wir, dass Gott gütig ist. In Lukas Kapitel 6, Vers 35 heißt es: „Denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.“ Hier sehen wir, dass Gott gütig ist, und vor allem sehen wir: Er ist gütig gegenüber denen, die es nicht verdient haben. Er trachtet danach und schenkt denen Gutes, die das nicht verdient haben.

Wir haben gerade gesungen: „Welch Reichtum an Güte, welch Liebesbeweis.“ Es ist einfach, gütig zu sein und denen Gutes zu wünschen, die wir mögen, die uns sympathisch sind, mit denen wir gut klarkommen. Es ist schwer, gütig gegenüber denen zu sein, mit denen wir vielleicht unsere Differenzen haben, die uns vielleicht nicht so sympathisch sind. Gott ist gütig gegen Undankbare und Böse.

Jesus ist die Güte in Person. In Titus Kapitel 3, Verse 4 und 5 heißt es: „Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Rettergottes erschien, rettete er uns nicht aus Werken, sondern nach seiner Barmherzigkeit.“ Als aber die Güte und Menschenliebe erschien – was erschien denn? Wer erschien? Jesus Christus. Er ist die Güte unseres Rettergottes in Person. Er ist Gottes Güte gegen Undankbare und Böse in Person.

Güte ist also die Eigenschaft und Herzenshaltung, das Gute des anderen zu wollen. Und wir werden gleich über Demut reden, und ihr seht, wie eng das miteinander verbunden ist: den anderen höher zu achten als sich selbst, eigene Opfer zu bringen oder vielleicht sogar Schaden in Kauf zu nehmen, um dem anderen Gutes zu tun. Statt egoistisch nur nach seinem eigenen Wohl zu streben, trachtet der neue Mensch in Christus nach dem Wohl des anderen. Das ist Güte, und das sollst du anziehen.

Drittens: Demut. Demut ist eine angemessen kleine Sicht auf sich selbst. Ich betone „angemessen“, weil es so etwas wie falsche Demut gibt. Wir sehen, dass in Kapitel 2, Vers 18 sogar von der falschen Demut, der scheinbaren Demut der Irrlehrer, geredet wird.

Die Irrlehrer haben gesagt: Oh, wir sind so demütig, wir sind so sündhaft, wir können Jesus nicht direkt nahen, wir können Gott nicht direkt nahen, wir brauchen Engel als unsere Vermittler. Das wirkt demütig. Aber es ist eine Scheindemut, eine falsche Demut, eine geheuchelte Demut.

Sinclair Ferguson sagt über wahre Demut Folgendes: „Demut bedeutet nicht einfach, sich klein und nutzlos zu fühlen, wie bei einem Minderwertigkeitskomplex. Es bedeutet vielmehr, zu spüren, wie groß und herrlich Gott ist, und mich selbst in diesem Licht zu sehen.“

Demut bedeutet nicht, einen Minderwertigkeitskomplex zu haben, sich ständig klein und schlecht machen zu wollen. Es gibt auch diese falsche Demut, bei der ich mich einfach nur schlecht mache, um anderen Menschen zu gefallen, um vielleicht Lob von anderen Menschen herauszukitzeln.

Nein, Demut bedeutet nicht, dich kleiner zu machen, als du bist, sondern die angemessene Sicht auf dich im Licht der Größe Gottes zu haben. Wenn du Gott siehst, seine Heiligkeit, seine Größe, und wenn du dich in seinem Licht siehst, in deiner Sündhaftigkeit, deiner Verlorenheit und deiner Abhängigkeit von ihm, dann ist das Demut.

Ein demütiger Mensch ist jemand, der versteht, dass er rein gar nichts als Gottes heiligen Zorn verdient. Ein demütiger Mensch ist derjenige, der versteht, dass Gnade allein den Unterschied macht. Nicht mein Können, nicht meine Intelligenz, nicht meine guten Werke, sondern Gnade allein macht den Unterschied. Der Demütige ist es, der sieht, dass es nichts gibt, dessen er sich rühmen kann.

Sieh deine Identität in Christus: erwählt, geheiligt und geliebt. Hast du irgendetwas dazu beigetragen, diese Identität zu erreichen? Kannst du dir auf die Schulter klopfen und sagen: Ich bin so toll, ich bin von Gott erwählt; weil ich so gut bin, weil ich dies und das getan habe, bin ich von Gott geliebt? Nein, es ist allein aus Gnade. Und der Demütige erkennt das.

Deswegen hat auch jemand, der an Erwählung glaubt, aber hochmütig ist, die Erwählung nicht wirklich verstanden. Es ist das Prinzip, den anderen höher zu achten als sich selbst. Wieso? Es bedeutet auch hier wieder, sich nicht künstlich klein zu machen.

Aber in seinen Briefen sehen wir, wie Paulus sich in seinem Leben, vor allem gegen Ende seines Lebens, als den größten der Sünder, als den Ersten der Sünder bezeichnet. Paulus war so von der Heiligkeit Gottes überwältigt, dass er seine eigene Sünde im Licht dieser Reinheit gesehen und gesagt hat: Ich bin der größte Sünder.

Und wenn ich der größte Sünder bin, dann achte ich jeden anderen höher als mich. Nicht, weil ich einen Minderwertigkeitskomplex habe, sondern weil ich das tatsächlich bin im Licht der Heiligkeit Gottes.

In Philipper Kapitel 2, Vers 3 heißt es: „Nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht, sondern dass in der Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst.“ Ihr seht, wie das alles verbunden ist. Ich suche nicht meinen Nutzen, ich suche nicht meinen Ruhm, sondern ich bin gütig, ich suche das Wohl des anderen. Und ich tue das in Demut, indem ich den anderen höher achte als mich selbst. Sein Wohl ist wichtiger als mein Wohl.

Der demütige Mensch versucht nicht, sich selbst zu erheben, und versucht nicht, sich selbst zu rühmen. Selbst wenn er für Leistungen nicht anerkannt wird, selbst wenn Menschen niemals sehen, was der demütige Mensch tut, ist er zufrieden und glücklich.

Manche Menschen haben vielleicht Erbarmen, wollen gütig sein und suchen das Wohl des anderen, aber sie wollen es nur tun, wenn andere Menschen es sehen, wenn sie von anderen Menschen gelobt oder erhoben werden und sich dessen rühmen können.

George Whitefield sagt: „Mein Name möge in Vergessenheit geraten. Ich möge von allen Menschen mit Füßen getreten werden, wenn dadurch Jesus verherrlicht wird.“ Das ist der demütige Mann. Mein Name möge in Vergessenheit geraten. Ich bin nicht wichtig. Jeder andere ist wichtiger und höher als ich. Und vor allem im Licht Gottes: Wenn Jesus dadurch verherrlicht wird, soll mein Name in Vergessenheit geraten.

Zieh Demut an: ein Nichtwichtigsein deiner selbst und ein Höherachten des anderen, ein rechter Blick und eine angemessen kleine Sicht auf dich selbst. Zieh das an.

Viertens: Milde, oft auch mit Sanftmut übersetzt. Milde oder Sanftmut ist ein sanftes Gemüt, das aus Demut und aus der Sicht kommt, sich selbst nicht so wichtig oder bedeutend zu sehen. Ich kann nur sanftmütig sein, ich kann nur milde sein, wenn ich mir selbst nicht so wichtig bin. Ich kann nur sanftmütig sein, wenn ich mich selbst beherrsche. Es ist mit Selbstbeherrschung verbunden.

Im Kontrast dazu haben wir die Wut in Vers 8. Wir haben gesehen: Es ist diese aufbrausende Wut. Etwas geschieht nicht so, wie ich es wollte. Jemand behandelt mich nicht so, wie ich es von ihm erwartet habe, und deswegen brause ich in Wut und Zorn auf.

Das Gegenteil davon ist die Milde. Jemand mag mich schlecht behandeln, nicht so behandeln, wie ich es erwartet oder verdient hätte oder meine, es verdient zu haben. Aber ich bin nicht so wichtig. Ich kann sanftmütig darauf reagieren. Ich kann milde darauf reagieren, weil ich demütig bin und mich selbst nicht so hochschätze.

Ich, der größte Sünder – was, wenn mich jemand schlecht behandelt? Was, wenn jemand Schlechtes über mich sagt? Ich habe in einer Predigt gehört, wie der Prediger sagte: „Ich singe schon so viele schlimmere Dinge über mich im Gottesdienst, wenn ich die Lieder singe. Was willst du Schlechteres über mich sagen als das, was ich bereits über mich selbst singe und sage?“

Milde wird oft im Kontrast zur Streitsucht dargestellt. In 2. Timotheus Kapitel 2 heißt es: „Der Knecht des Herrn soll nicht streiten, sondern gegen alle milde sein.“ Er soll Widersacher in Sanftmut zurechtweisen. In Titus Kapitel 3 haben wir auch: nicht streitsüchtig sein, sondern milde sein und an allen Menschen alle Sanftmut erweisen.

Wir sehen also: Milde und Sanftmut sind ein Gegenteil zur Streitsucht. Jemand, der Streit sucht, fühlt sich leicht angegriffen und muss sich dann verteidigen, sich rechtfertigen und sucht den Streit. Das ist das Gegenteil von Milde. Sanftmut sucht nicht den Streit. Sanftmut lässt lieber Ungerechtigkeit über sich ergehen und trägt lieber Bosheit, als den Streit zu suchen.

Mose wird zum Beispiel von Miriam und Aaron kritisiert, weil er eine kuschitische Frau hat. Dann heißt es in 4. Mose Kapitel 12, Verse 1 und 2: Ja, sie streiten, sie reden gegen ihn. „Bist du der Einzige, mit dem Gott geredet hat? Hat Gott nicht auch mit uns geredet?“

Und was hätte Mose alles sagen können? Habt ihr mit dem feurigen Dornbusch geredet? Habt ihr die Rückseite der Herrlichkeit Gottes gesehen? Wart ihr auf dem Berg Sinai? Mose aber hat nichts gesagt.

Und darauf folgt in Kapitel 12, Vers 3: „Der Mann Mose aber war sehr demütig.“ In manchen Übersetzungen wird „demütig“ mit „sanftmütig“ übersetzt. Also: sehr demütig oder sehr sanftmütig, mehr als alle Menschen, die auf dem Erdboden waren.

Was hätte Mose alles sagen können, und welchen Streit hätte er mit ihnen anfangen können? Er hat nichts gesagt. Er war milde, er war sanftmütig, er hat nicht den Streit gesucht. Er hat lieber die ungerechte Rede gegen sich ertragen. Das ist Milde, das ist Sanftmut.

Und wir sehen dann im Folgenden: Gott tritt für ihn ein. Gott hat zugehört und richtet Miriam und Aaron. Miriam wird danach aussätzig. Das passiert, wenn du milde bist, wenn du nicht deine eigene Rache und Gerechtigkeit suchst: Gott wird sich darum kümmern.

Jesus ist sanftmütig und von Herzen demütig, sagt er in Matthäus Kapitel 11, Vers 29: „Nehmt auf euch mein Joch, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“ Wie haben wir das in Jesus gesehen?

„Obwohl er geschmäht wurde, schmähte er nicht wieder; leidend drohte er nicht, sondern er übergab sich dem, der gerecht richtet“, heißt es in 1. Petrus Kapitel 2. Das ist Sanftmut, und das ist Milde. Und wir sehen sie wieder in Jesus personifiziert.

Fünftens, das letzte Kleidungsstück: Langmut. Das Wort Langmut besteht hier wörtlich gesehen aus „lang“ und „Zorn“. Es bedeutet, dass es lange dauert, bis jemand wütend wird. Er hat einen langen Mut, einen langen Atem.

Das steht wieder im Kontrast zur aufbrausenden Wut in Vers 8, die sich nicht unter Kontrolle hält und eine kurze Zündschnur hat. In einer Predigt habe ich eine Illustration gehört: Es ist, wie wenn du Dynamit hast und entweder eine kurze Zündschnur, die schnell zur Explosion führt, oder eine lange Zündschnur. Das ist die Langmut: die lange Zeit, die es bis zum Zorn braucht.

Langmut wird oft auch mit Geduld übersetzt. Wer einen langen Atem bis zum Zorn hat, ist jemand, der geduldig ist, insbesondere gegenüber dem Verhalten von anderen.

In 1. Thessalonicher Kapitel 5, Vers 14 heißt es: „Wir ermahnen euch, Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an, seid langmütig gegen alle.“ Habt einen langen Atem, Geduld gegenüber allen.

Gott ist langmütig mit uns. In 1. Timotheus Kapitel 1, Vers 16 sagt Paulus: Ich bin der Erste, an dem Christus die ganze Langmut beweist, zum Vorbild für andere. Paulus sagt: Ich bin das größte Beispiel dafür, wie geduldig Jesus mit Sündern ist. An meinem Beispiel sollen die anderen erkennen, wie geduldig, wie langmütig Jesus ist.

Ein Zitat sagt Folgendes: „Die gründliche und gebührende Betrachtung der unendlichen Geduld Gottes uns gegenüber wird die Geduld unseres Geistes in hohem Maße fördern und uns in dasselbe Bild verwandeln.“ Das Zitat sagt im Grunde: Wenn du Gottes Geduld dir gegenüber siehst, wird dir das helfen, geduldig gegenüber anderen zu sein.

Jedes Mal, wenn du diesen Ausbruch oder die kurze Zündschnur hast, denk an die lange Zündschnur, die Gott mit dir gehabt hat, bevor du gläubig geworden bist. Und jetzt, wo du gläubig bist: Wie langmütig ist er mit dir, wie geduldig ist er mit dir. Wir haben auch wieder in dem dritten Lied über die Langmut Gottes gesungen. Wir weichen oft ab, aber er ist langmütig.

Das sind die Kleidungsstücke des Gläubigen. Diese fünf Teile hat das Kleid: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde und Langmut. All diese Dinge fließen aus unserer Identität, die Gott uns geschenkt hat.

Denn in unserer Erlösung hat Gott, beziehungsweise Jesus, all diese Eigenschaften demonstriert. Du bist auserwählt, du bist heilig und du bist geliebt. Du bist all das, weil Gott Erbarmen, Güte, Demut, Milde und Langmut gezeigt hat.

Du bist auserwählt, geheiligt und geliebt, weil Jesus diese Tugenden demonstriert hat und die Personifizierung von Erbarmen, Güte, Demut, Milde und Langmut ist. Sein Erbarmen, seine Güte, Demut, Milde und Langmut zu sehen, wird uns dazu formen, selbst diese Herzenshaltungen zu entwickeln.

Daher deckt sich diese Liste auch so sehr mit der Frucht des Geistes. Wir haben in der Lesung Galater Kapitel 5 gelesen: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit.“ Sehr ähnlich zu der Liste hier.

Die Idee ist, dass der Heilige Geist in uns diese Frucht hervorbringt. Wir müssen uns ihm durch das Wort und im Gehorsam unterwerfen, ihn über unser Leben herrschen lassen, sodass diese Dinge in uns gefördert werden.

Wir werden heute nicht zu den Versen 13 und 14 kommen. Das werden wir uns nächstes Mal anschauen. Was haben wir heute gesehen?

Wir haben erstens die dreifache Identität des Gläubigen gesehen, die dreifache Identität, die der Kleidung zugrunde liegt. Paulus sagt nicht einfach: Tu einfach, mach einfach, gehorche einfach. Sondern jeder seiner Befehle ist in der Identität gewurzelt, die wir in Christus haben.

Liebe Geschwister, was für ein Privileg ist es, dass wir Geliebte, Geheiligte und Auserwählte heißen dürfen. Wie sehr müssen wir uns mit diesen Wahrheiten füllen. Und er sagt: Zieht als solche diese Kleidungsstücke an, legt diese Tugenden an den Tag.

Und wir haben gesehen: All diese Dinge haben mit dem Umgang miteinander zu tun. Erbarmen ist Mitleid und tiefes Mitgefühl mit anderen in Not: ihre Not zu sehen, mit ihnen zu leiden, bereit zu sein, ihr Leid zu lindern und mit ihnen zu fühlen.

Wir haben nicht nur Erbarmen gesehen, sondern auch Güte: das Wohl des anderen zu wollen und danach zu streben. Ich bin nicht das Zentrum des Universums. Christus ist das Zentrum des Universums, und den Kindern Gottes, meinen Geschwistern im Herrn, gilt mein Streben nach Gutem: ihnen Gutes zu tun, ihr Wohl zu wollen und danach zu trachten.

Damit verbunden ist die Demut: den anderen höher zu achten als mich selbst, im Licht Gottes, im Licht seiner Heiligkeit und Größe. Wer bin ich? Im Psalm 8 fragt der Psalmist: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“ Wer bin ich, dass meine Gedanken sich nur um mich selbst, mein Wohl und meine Vorteile drehen?

Demut sagt: Achte den anderen höher. Güte sagt: Suche sein Wohl, strebe danach, dem anderen Gutes zu tun.

Milde und Langmut: Nimm dich selbst nicht so wichtig und bedeutend. Suche nicht den Streit, sondern sei sanftmütig. Deine Worte sollen in Sanftmut geschehen. Ertrage Ungerechtigkeit, wenn es sein muss.

Und wir werden nächstes Mal in Vers 13 sehen: „Ertragt einander, vergebt einander.“ All das sind Ausdrücke dieser fünf Eigenschaften. Sei milde. Sei langmütig. Habe Geduld mit den Menschen um dich herum.

Denke an die Geduld, die Gott mit dir hatte, bis du gläubig geworden bist, bis du dich verändert hast, bis du diese oder jene Sünde abgelegt hast oder immer noch nicht abgelegt hast. Wie geduldig ist Gott mit dir? Wie viel geduldiger solltest du mit deinen Geschwistern und mit den Menschen um dich herum sein?

Was können wir hieraus lernen? Was können wir anwenden?

Erstens: Prüfe deine Kleidung. Ich weiß nicht, ob jeder von euch es getan hat, aber die meisten von euch werden sich heute Morgen, bevor sie hinausgegangen sind, kurz im Spiegel angeschaut haben: Was habe ich heute an? Sitzt die Kleidung, sitzt die Krawatte, oder habe ich das Passende an? Passt die Farbkombination?

Prüfe deine Kleidung. Check dein Outfit sozusagen. Mein Papa muss immer sehr früh zur Arbeit, muss um drei oder vier Uhr losfahren, und immer am Abend vorher legt er seine Kleidung heraus, die er dann am nächsten Tag zur Arbeit anziehen wird.

Was wirst du morgen früh anziehen? Welche Tugenden willst du an den Tag legen? Prüfe dein Outfit, prüfe deine Kleidung. Was sagen die Menschen um dich herum, wenn sie „herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde und Langmut“ hören? Sind das Eigenschaften, die dich beschreiben? Würden andere Menschen dich so beschreiben? Das macht ihn aus: Er ist ein Mensch des Erbarmens und der Milde. Er ist ein langmütiger Mensch, der Geduld hat.

Prüfe deine Kleidung. Was macht deinen Wandel aus? Sind es Zorn und Wut? Sind es Egoismus und Selbstzentriertheit? Ist es aufbrausender Zorn, dich selbst zum Zentrum zu machen und für zu wichtig zu halten? Ist es Streitsucht, jede Gelegenheit zum Streit zu suchen, dich schnell angegriffen zu fühlen, weil du dir selbst so wichtig bist?

Wenn das dich und deinen Wandel ausmacht, lieber Bruder, liebe Schwester, dann passt das nicht zu deiner Identität. Kehre davon um. Tue Buße davon. Prüfe deine Kleidung und tue Buße, wenn deine Kleidung nicht deiner Identität entspricht.

Zweitens: Führe dir deine Identität in Christus vor Augen. Gedenke des Erbarmens, der Güte, der Demut, der Sanftmut und der Langmut, die Jesus dir gegenüber gezeigt hat.

Es gibt diese Selbstbekräftigungsmethoden, nach denen du jeden Tag aufstehen, in den Spiegel schauen und sagen sollst: Du bist stark, du bist mutig, du bist dies und das. Ich sage nicht, dass ihr das tun sollt. Aber ihr müsst euch eure Identität in Christus vor Augen führen.

Paulus tut das ununterbrochen. Jeder zweite Vers, jeder zweite Befehl ist mit deiner Identität in Christus verbunden. Und deine Identität ist: Du bist auserwählt, du bist heilig und du bist geliebt. Ohne diese Identität kannst du diese Tugenden nicht an den Tag legen. Aus dieser Identität heraus soll dieser Wandel fließen.

Und das musst du nicht auf eine mystische oder mantrahafte Weise vor dem Spiegel tun. Du tust es, wenn du das Wort liest. Es ist voll davon, wie Gott dich auserwählt hat. Du kannst anhand der Erwählung Israels lernen und als Beispiel sehen, wie Gott dich auserwählt hat. Wir haben all die Verse gelesen.

Du kannst in der Bibel, wenn du das Wort liest, davon lesen, wie du geheiligt, abgesondert und Gott geweiht bist. Du kannst davon lesen, wie geliebt du bist. Ich habe kurz davon geredet: Oh, wie geliebt wir sind. „Oh, die tiefe Liebe Jesu“ ist das Lied, das wir vor Kurzem eingeführt haben.

Halte dir das vor Augen. Das ist deine Identität in Christus Jesus, die du als Gläubiger bereits hast. Nur wenn du das vor Augen hast, kannst du auch diese Tugenden an den Tag legen.

Schaue auf Jesus, auf sein Erbarmen, seine Langmut, Güte, Demut und Sanftmut. Lerne von ihm. Schau diesen herrlichen Jesus an, der diese Tugenden demonstriert, und werde dadurch verwandelt.

Du kannst das tun, indem du zum Gottesdienst kommst, hier von Jesus hörst, indem du das Herrenmahl feierst, wo wir Woche für Woche daran erinnert werden, wer wir in Christus sind und was Christus vollbracht hat.

Wenn wir das Brot brechen und den Kelch zu uns nehmen, führt uns das nicht das herzliche Erbarmen Jesu vor Augen? Seine Güte, seine Demut, wie er sich erniedrigt hat, seine Langmut, seine Milde und seine Sanftmut? Führt es uns nicht die Gnade Gottes vor Augen, die uns vor Grundlegung der Welt erwählt, uns abgesondert und uns einen Platz am Tisch des Herrn gegeben hat? Ist das nicht ein Ausdruck der Liebe Gottes zu uns und der Liebe des Herrn?

Führe dir also deine Identität vor Augen, nicht auf eine mantrahafte oder mystische Art und Weise. Du tust es durch das Wort. Du tust es durch die Gemeinschaft mit Gläubigen, mit den Heiligen. Du tust es, indem du zum Gottesdienst kommst, indem du das Herrenmahl feierst. Du tust es, indem du dich Gott und seinem Wort hingibst.

Drittens: Zieh die Kleidung an, die deiner Identität entspricht. Auf der einen Seite sind das Dinge, die der Geist in uns produziert. Wir können das nicht aus eigener Kraft machen.

Aber gleichzeitig ist unsere Heiligung etwas, bei dem wir etwas tun und aktiv sein sollen. Wir können uns nicht einfach faul in die Ecke stellen und sagen: Ja, der Geist soll mal machen. Nein, Paulus gibt dir einen Imperativ, einen Befehl: Zieh das an. Eigne dir diese Eigenschaften an. Lege diese Dinge, diese Tugenden, an den Tag.

Ich habe vorhin gefragt: Welche Kleidung legst du morgen früh heraus? Was ziehst du morgen an? Nimm dir diese Tugenden vor und bete dafür. Wenn du einen Bruder oder eine Schwester in Not siehst, hab herzliches Erbarmen. Sei gütig, suche das Wohl des anderen und nicht dein eigenes.

Sei demütig und sanftmütig. Nimm dich selbst nicht so wichtig oder zu hoch, sondern achte den anderen höher als dich selbst. Suche nicht den Streit, sondern sei sanft, sei milde. Wer bist du? Jemand, dem Gnade zuteilgeworden ist. Sei langmütig, übe dich in Geduld. Wenn du eine kurze Zündschnur zur Wut hast, übe dich darin, geduldig zu sein, nicht aufzubrausen und deine Selbstbeherrschung zu verlieren.

Beginne zu Hause, in deiner Familie: deinem Mann gegenüber, deiner Frau gegenüber, deinen Kindern gegenüber, deinen Eltern gegenüber, deinen Geschwistern gegenüber. In der Gemeinde, mit Geschwistern. Paulus redet hier über all das im Zusammenhang der Gemeinde: miteinander, zueinander.

Wir werden darüber reden: „Ertragt einander, vergebt einander.“ Zieh die Kleidung an, die deiner Identität entspricht. Sei aktiv darin, nimm es dir vor. Bete dafür. Denn letztendlich ist es etwas, was nur Gott schenkt, aber du sollst trotzdem aktiv sein.

Und als Letztes an den Ungläubigen, an denjenigen, der hier ist, aber nicht an Christus glaubt: Du kannst diese Dinge nicht an den Tag legen. Du kannst diese Dinge nicht anziehen ohne die Identität in Christus Jesus.

Paulus‘ ganze Argumentationskette ist: Weil du den alten Menschen ausgezogen und den neuen Menschen angezogen hast, zieh nun das an, was diesem neuen Menschen entspricht. Aber wenn deine Natur nicht erneuert ist, kannst du das von dir selbst und aus dir selbst heraus nicht tun. Das widerspricht jeder Faser deiner sündhaften und gefallenen Natur: Erbarmen, Demut, dich selbst klein zu machen, das Wohl des anderen zu suchen.

Und so bitte ich dich und rufe dich dazu auf: Kehre um zu Jesus Christus. Kehre um von einem Leben, das nach deinen eigenen Vorstellungen und Maßstäben ausgerichtet ist. Kehre davon um, dich selbst vor Menschen oder vor Gott gerecht und tugendhaft darstellen zu wollen. Erkenne stattdessen an, dass Jesus allein deine Hoffnung ist.

Jesus allein ist derjenige, der dich von deinen Sünden erlösen und dir eine neue Natur schenken kann, die nach ihm geschaffen ist und ihm ähnlich wird. Glaube an Jesus Christus.

Sieh seine Tugenden. Sieh seine Langmut gegenüber Sündern, wie er denen, die er eigentlich hassen sollte, nichts als Liebe, Güte und Erbarmen erwiesen hat, Sündern wie dir. Schenke ihm dein Vertrauen und glaube an ihn.

Denn wir haben vorhin gesehen: Er ist gütig gegenüber den Undankbaren und Bösen. Das ist unser Gott, das ist unser Rettergott. Jesus ist die Güte und Menschenliebe unseres Rettergottes, die erschienen ist. So setze dein Vertrauen auf ihn. Ihm möge alle Ehre zuteilwerden.

Lasst uns beten.

Unser Vater im Himmel, wenn wir diese Tugenden sehen – Erbarmen, Demut, Güte, Sanftmut und Langmut –, erscheinen sie uns und unserer sündhaften Natur so fremd und so fern. Diese Dinge anzulegen, sie uns anzueignen, wirkt unmöglich.

So oft sind wir doch so selbstzentriert, so auf unser eigenes Wohl und unseren eigenen Vorteil bedacht. Und selbst wenn wir nach dem Wohl des anderen streben, ist es doch oft mit Ruhmsucht und Eitelkeit verbunden, damit, dass wir von Menschen geehrt oder anerkannt werden wollen.

O Vater, wie fern sind wir von der Reinheit dieser Tugenden, die wir in Christus Jesus sehen: sein heiliges Erbarmen, seine vollkommene Güte und Langmut und Demut und Sanftmut.

Aber Vater, du hast uns nicht auf uns allein gestellt, sondern du hast uns eine neue Natur geschenkt. Du hast uns deinen Heiligen Geist geschenkt, der in uns wohnt. Du hast uns so eine Identität gegeben, die es uns möglich macht, in diesen Dingen zu wachsen, im Umgang miteinander Erbarmen und Güte und all diese Dinge zum Ausdruck zu bringen, dies zu Herzenshaltungen zu machen, die uns ausmachen.

Und so bitte ich dich, Vater, dass du uns vor Augen führen mögest, wer wir in Jesus Christus sind: Auserwählte, Heilige und Geliebte. Und dass diese Identität, die wir in Jesus haben, das Fundament dafür sein möge, in den Tugenden, die Jesus demonstriert hat, zu wandeln, seinen Fußspuren nachzufolgen.

Großer Gott, mach uns deinen Sohn so groß, so herrlich und so erhaben. Zeige uns all diese Eigenschaften, die er uns gegenüber erwiesen hat und auch heute noch zeigt und demonstriert, sodass es uns doch leichtfallen möge, im Licht seines Erbarmens, seiner Milde und seiner Güte dies auch anderen gegenüber zu sein.

O Vater, mach uns klein im Licht der Größe deines Sohnes, sodass wir uns selbst nicht so wichtig, nicht so bedeutend nehmen, sondern du alles in allen erfüllst, und dass wir diese Eigenschaften auch im Umgang miteinander anwenden mögen.

Vater, ich bitte dich: Schenke uns ein prüfendes Auge dafür, in welchen Bereichen unseres Lebens wir Mangel an diesen Dingen haben, wo wir zu oft selbstzentriert, wo wir zu oft kaltherzig und streitsüchtig sind, wo wir uns selbst rühmen wollen. Hilf uns, diese Dinge in unserem Leben zu identifizieren. Schenke uns das Auge dafür. Mach uns sensibel dafür, sodass wir von diesen Dingen Buße tun, umkehren und diese Christusähnlichkeit an den Tag legen.

Ich bitte darum: Lehre uns. Aus uns selbst heraus können wir das nicht. Dein Geist möge es uns schenken. Mögen wir uns ihm unterwerfen, deinem Wort und dem Gehorsam unterwerfen und wirklich aktiv nach diesen Dingen streben, sodass wir mit deiner Kraft in das Bild deines Sohnes verwandelt werden können. Vater, darum bitte ich dich.

Vater, ich bitte dich für diejenigen, die nicht an dich glauben. Erweise ihnen gegenüber dein Erbarmen und deine Güte, indem du ihre Herzen öffnest und ihnen die neue Geburt schenkst. Schenke ihnen den Glauben an diesen guten Retter Jesus, an die Güte und Menschenliebe, die erschienen ist, an den Heiland, der uns rettet und sie retten kann, nicht nach ihren Werken, sondern einzig und allein nach deiner Gnade und nach dem, was er am Kreuz von Golgatha vollbracht hat.

Vater, wir bitten dich um all dies im Namen deines Sohnes. Amen.