August 23, 2026

Die angemessene Kleidung des Gläubigen – Teil 2

Serie:
Passage: Kolosser 3:12-17

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Schlagen wir den Kolosserbrief, Kapitel 3, auf und lasst uns die Verse 12 bis 17 lesen.

Kolosserbrief, Kapitel 3, die Verse 12 bis 17: „Zieht nun an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut. Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer Klage gegen den anderen hat; wie auch der Herr euch vergeben hat, so auch ihr. Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist. Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib. Und seid dankbar. Das Wort des Christus wohne reichlich in euch. In aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig. Mit Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade. Und alles, was ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus und sagt Gott, dem Vater, Dank durch ihn.“

Lasst uns beten. Unser Vater im Himmel, wie kann unsere Seele versuchen, Ruhe zu finden hier auf dieser Erde, hier, wo wir nur Gast sind, wo wir lediglich Fremdlinge sind? Wie oft versuchen wir, hier auf dieser Erde unsere Ruhe und unseren Frieden zu finden, wenn doch unser Herr, unser Heiland, unser großer Schatz und das höchste Gut im Himmel zu deiner Rechten ist.

O Vater, wir möchten unsere Gesinnung und unsere Augen ganz auf diesen Herrn richten, auf diesen Herrn Jesus Christus, der zu deiner Rechten sitzt. Er, der unser Leben ist. Er, der unser kostbarstes Gut ist, unser Heiland und Erlöser.

Großer Gott, wir möchten das auch nun tun, wenn wir uns deinem Wort widmen: unsere Augen auf deinen Sohn ausrichten, unsere Gesinnung, unseren Verstand und unser Herz damit füllen, wer er ist, was er vollbracht hat und was aus dem herausfließt, was er für uns vollbracht hat.

Großer Gott, der du auf höchstem Thron thronst, wir beten dich an für Jesus Christus, deinen Sohn. Wir beten dich dafür an, dass du uns in ihm eine neue Identität geschenkt hast, dass du uns vollkommen verändert und eine neue Natur geschenkt hast, sodass wir nun zu deiner Ehre leben und zu seinem Bild verändert werden können.

Vater, ich bitte dich darum, dass du diese Zeit segnest, dass du uns Aufmerksamkeit und Achtsamkeit schenken mögest, auf dein Wort zu hören. Mögest du verherrlicht werden durch die Verkündigung deines Wortes. Möge dein Wort uns überführen, uns belehren, uns zurechtweisen und uns unterweisen in der Gerechtigkeit. Mögen wir zugerüstet werden, damit wir als deine Kinder richtig seien, für jedes gute Werk ausgerüstet.

Vater, ich bitte dich darum, dass wir lernen mögen, Christus selbst anzuziehen. Denn er ist die Personifizierung all dieser Tugenden und deines heiligen Charakters. Ich bitte dich darum, Vater, dass du uns diese Zeit segnest, dich verherrlichst und die Gemeinde erbaust. Im Namen deines Sohnes. Amen.

Setzt euch gerne.

Darf ich euch eine Frage stellen? Was habt ihr heute an? Welche Kleidung habt ihr heute angezogen? Diese Frage mag vielleicht komisch erscheinen, aber im Zusammenhang unseres Abschnittes, den wir vergangene Woche begonnen haben anzuschauen, ist das eine sehr angemessene Frage. Was habt ihr heute an? Welche Kleidung habt ihr in der vergangenen Woche angezogen?

Ich rede natürlich nicht über das T-Shirt, die Hose, die Jacke oder sonst etwas – über die Kleidung, die ihr an eurem Körper tragt –, sondern über die Kleidung, die hier in unserem Text erwähnt wird: Eigenschaften und Herzenshaltungen, die wir als Gläubige zum Ausdruck bringen sollen und von denen Paulus hier den Kolossern sagt: Zieht sie an als Auserwählte, Heilige und Geliebte.

Wir haben vergangene Woche begonnen, das zu sehen, und einleitend den Gedanken betrachtet: Kleider machen Leute. Unsere Kleidung sagt etwas über unsere Person aus. Ganz deutlich wird das, wenn wir zum Beispiel an Uniformen denken. Woran erkennen wir meistens einen Polizisten? An der Uniform, die er trägt. Einen Arzt? Ich meine, mittlerweile sieht man Ärzte oft auch in anderer Kleidung, aber früher war es vor allem der weiße Arztkittel, der sofort den Hinweis geliefert hat: Dieser Mensch ist ein Arzt. Und nicht zuletzt wird natürlich ein Soldat oft durch seine Uniform erkannt.

Vergangene Woche haben wir uns einleitend die Novelle von Gottfried Keller angeschaut, in der wir das in einem Extrem sehen: Kleider können so stark etwas über deine Person aussagen, dass sie sogar etwas Falsches über deine Person aussagen können. In dieser Novelle wurde ein armer Schneider wie ein reicher und wohlhabender Graf behandelt, nur weil er wohl ansehnlich gekleidet war.

Diesen Gedanken – Kleider machen Leute, Kleider sagen etwas über deine Identität aus – finden wir auch hier in unserem Abschnitt im Kolosserbrief vor, aber umgedreht. Denn Paulus sagt uns nicht, wie wir vergangene Woche begonnen haben zu sehen: Zieh Kleidung an, um vorzutäuschen, jemand zu sein, der du eigentlich nicht bist, um eine Identität vorzutäuschen, die du eigentlich nicht hast.

Paulus sagt nicht: Zieh Kleidung an, um dir eine Identität und Position zu verdienen. Sondern Paulus sagt: Zieh die Kleidung an, die der Identität entspricht, die du bereits hast. Paulus sagt uns in diesem Abschnitt: Du als Gläubiger bist auserwählt. Du bist heilig und du bist geliebt. Und weil das deine Identität in Jesus Christus ist, soll deine Kleidung – und Kleidung steht hier natürlich für dein Verhalten – dieser Identität in Christus entsprechen.

Wir haben vergangene Woche begonnen, diesen Abschnitt unter dem Titel „Die angemessene Kleidung des Gläubigen“ anzuschauen. Heute kommen wir zum zweiten Teil der Betrachtung dieses Abschnittes.

Wir haben vergangene Woche gesehen, wie Paulus in diesem Kolosserbrief, nachdem er den Kolossern zwei Kapitel lang Lehre gegeben und ihnen beschrieben hat, wie erhaben Jesus Christus ist, wie genugsam und absolut ausreichend Jesus und sein Werk am Kreuz sind, in die Anwendung geht. Ab Kapitel 3 geht es darum: Wie leben wir nun unsere neue Identität in Jesus Christus aus? Was macht die Gedanken, die Herzenshaltungen und das Verhalten eines Menschen aus, der mit Jesus Christus eins gemacht worden ist?

Paulus nennt Jesus unser Leben: Christus, der unser ganzer Lebensinhalt, unsere ganze Identität geworden ist. Paulus sagt sogar hier in Vers 11: „Da ist weder Grieche noch Jude, Beschneidung noch Unbeschnittensein, sondern Christus alles und in allen.“ Dieser Jesus macht meine ganze Identität aus.

Meine Volkszugehörigkeit, mein zeremonieller Zustand des Beschnittenseins oder Unbeschnittenseins, meine Kultur und meine soziale Stellung, ob Sklave oder Freier, alles verliert in Christus seine Bedeutung, weil er in der Fülle seiner Person meine Identität ausmacht.

So haben wir begonnen zu sehen, dass Paulus sagt: Zieht nun an als solche, die mit Christus eins gemacht worden sind. Vor allem haben wir gesehen, dass Paulus sagt: Zieht nun an als Auserwählte, Heilige und Geliebte.

In diesem Abschnitt fordert Paulus den Gläubigen auf, in Anbetracht seiner Position in Christus tugendhafte Eigenschaften im Umgang miteinander anzulegen. Wir haben gesehen, dass Paulus uns drei Aspekte der angemessenen Kleidung für den Gläubigen zeigt. Diese Kleidung zeigt uns, wie wir unsere Identität in Christus in unserem Wandel zum Ausdruck bringen.

Wir haben begonnen, diese angemessene Kleidung des Gläubigen in drei Punkten anzuschauen. Vergangene Woche haben wir erstens die dreifache Identität gesehen, die der Kleidung zugrunde liegt. Unsere dreifache Identität laut Paulus in diesem Vers ist: Auserwählte Gottes, Heilige und Geliebte.

Wir haben gesehen: Die unangemessene Kleidung aus den vorherigen Versen 5 bis 11 – Unzucht, Unreinheit, aber auch Bosheit, Lüge und all diese Dinge – soll ausgezogen werden. Sie soll getötet werden. Die unangemessene Kleidung, die zur Erde und zu unserer alten Natur gehört, soll abgelegt werden. Und angemessene Kleidung, unserer neuen Identität angemessene Kleidung, soll angezogen werden.

So redet Paulus von der dreifachen Identität: als Auserwählte Gottes, als Menschen, die Gott souverän vor Grundlegung der Welt auserwählt hat, in Christus heilig und tadellos vor ihm zu sein, und zur Sohnschaft vorherbestimmt hat. Gottes souveräne Gnade: Er hat mich auserwählt. Er hat mir Gnade zuteilwerden lassen, bevor ich überhaupt existiert habe.

Paulus sagt: Zieht als solche diese Tugenden an, als solche, denen freie Gnade zuteilgeworden ist, unverdient und allein aus dem Wohlgefallen Gottes. Er nennt uns Heilige, also Abgesonderte, von der Welt abgesondert und zu Gott geweiht. Zieht als solche diese Tugenden an – als Menschen, die aus der Welt herausgenommen, für Gott geheiligt worden sind, die Gott gehören und für ihn existieren.

Als Auserwählte, als Heilige und, wie wir gesehen haben, als Geliebte. Als solche, die sich in einem Zustand des Geliebtseins von Gott befinden. Uns, die wir eigentlich nur Hass, Verabscheuung und den heiligen Zorn Gottes verdient haben, nennt Paulus Geliebte: von Gott geliebt, unverdient, ohne einen Grund, den wir Gott geliefert hätten.

So sagt Paulus: Das ist deine dreifache Identität in Christus. Damit haben wir uns vergangene Woche beschäftigt. Du bist ein Auserwählter, ein Heiliger und ein Geliebter. Paulus sagt: Du sollst nun in diesen Dingen wandeln. Du sollst diese Eigenschaften und Herzenshaltungen anziehen, an den Tag legen, weil du in Christus bereits diese Identität hast.

Wir haben festgehalten: Paulus sagt nicht, wandle in den hier beschriebenen Tugenden, damit du ein Geliebter Gottes wirst, damit du ein Heiliger wirst, damit Gott das sieht und dich deswegen auserwählt. Nein, Paulus sagt: Du bist bereits auserwählt, du bist bereits geheiligt, du bist bereits geliebt. Und weil du das bist, lebe diese Identität nun aus.

Nur in diesen Wahrheiten gewurzelt, nur in deiner Identität in Christus gegründet, kannst du nach diesen Tugenden wandeln. Das ist die Grundlage für die Kleidung, die wir anziehen sollen.

Dann haben wir vergangene Woche auch zweitens das fünfteilige Kleid gesehen, das der Gläubige anzieht. Fünf Eigenschaften werden hier erwähnt, die wir als Auserwählte, Heilige und Geliebte anziehen sollen. Wir werden diese Begriffe wiederholen, weil sie heute auch in der Fortsetzung wichtig sind, um sie richtig zu verstehen.

Wir haben erstens herzliches Erbarmen gesehen. Herzliches Erbarmen beschreibt ein tiefes Mitgefühl angesichts der Not eines anderen. Es ist die Bereitschaft und Willigkeit, nachdem man die Not, das Bedürfnis eines anderen gesehen hat, diesem Menschen helfen zu wollen. Es ist eine innerliche Bewegtheit, wie es oft im Neuen Testament übersetzt wird.

Wir haben gesehen, wie Jesus innerlich bewegt ist über Menschen, über eine Witwe, die ihren Sohn verloren hat. Wenn wir diese Eigenschaft, herzliches Erbarmen, anziehen sollen, erlaubt das keinen Raum für Gleichgültigkeit, für Kaltherzigkeit. Wir können noch so oberflächlich korrekt und gesetzlich sein wie diese Irrlehrer. Aber wir sollen herzliches Erbarmen anziehen. Wir sollen mit Menschen in ihrem Leid mitleiden und ihnen helfen, ihr Leid zu lindern. „Freut euch mit den sich Freuenden, weint mit den Weinenden“, heißt es in Römer Kapitel 12, Vers 15.

Wir haben gesehen: Die zweite Eigenschaft ist Güte. Güte ist, gut zu anderen zu sein, das Wohl des Nächsten zu suchen und danach zu streben. Gott ist gütig. Jesus ist die Personifizierung der Güte Gottes. Laut Titus Kapitel 3 erschien die Güte Gottes.

Gütig zu sein bedeutet also nicht, egoistisch nach seinem eigenen Wohl und seinem eigenen Vorteil zu trachten, sondern das Wohl des anderen zu suchen.

Wir haben drittens Demut gesehen. Demut ist eine angemessen kleine Sicht auf sich selbst: mich im Licht Gottes, seiner Größe und seiner Heiligkeit, im Licht meiner eigenen Sünde und des Werkes Jesu Christi richtig einzuschätzen. Es bedeutet nicht, sich scheinheilig und heuchlerisch einfach herunterzumachen, sondern sich im rechten Licht zu sehen, zu sehen, wer ich tatsächlich vor Gott bin.

Wir haben gesehen: Ein demütiger Mensch ist jemand, der versteht, dass er rein gar nichts außer Gottes heiligem Zorn verdient hat. Ein demütiger Mensch achtet den anderen höher als sich selbst, weil er sein eigenes boshaftes Herz kennt.

Viertens haben wir Milde gesehen, oft auch mit Sanftmut übersetzt. Milde bezeichnet ein sanftes Gemüt, das aus Demut und aus einer Sicht kommt, sich selbst nicht so wichtig, sich selbst nicht so bedeutend zu nehmen. Wir haben gesehen, dass das oft im Kontrast zur Streitsucht erwähnt wird. Ein Mensch, der das Gegenteil von sanftmütig ist, sucht den Streit, weil er sich in seiner Person schnell beleidigt fühlt. Aber einem sanftmütigen Menschen ist er selbst nicht so wichtig.

Wir haben Mose als Beispiel gesehen, der mehr als alle Menschen auf dem Erdboden als sanftmütig bezeichnet wird. Er hat nicht mit Miriam und Aaron gestritten, obwohl er das aus menschlicher Perspektive hätte tun können. Denn wir sehen: Jesus ist sanftmütig und von Herzen demütig. Er hat sich dem gerechten Richter übergeben, als er geschmäht, verspottet und geschlagen wurde. Er hat mit Sanftmut reagiert, Leid ertragen und nicht den Streit gesucht.

Als Letztes haben wir den fünften Teil des Kleides gesehen: Langmut. Ja, wortwörtlich: lange Wut. Wir haben als Illustration gesehen, eine lange Zündschnur zu haben. Das bedeutet, geduldig zu sein, insbesondere gegenüber dem Verhalten anderer.

Wir haben Gottes Langmut mit uns gesehen. Damit haben wir vergangene Woche abgeschlossen: Diese fünf Teile des Kleides soll der Gläubige anziehen. All diese Dinge fließen aus der Identität, die Gott uns in Christus geschenkt hat, daraus, dass wir auserwählt, geheiligt und geliebt sind.

Nur wer diese Identität verstanden hat und darin gewurzelt ist, kann diese Eigenschaften an den Tag legen. Wir haben gesehen: Der Heilige Geist bringt diese Eigenschaften hervor. Denn wir haben die Frucht des Geistes in Galater Kapitel 5 gesehen und dass diese Liste sich fast eins zu eins mit den Eigenschaften hier überschneidet.

Deswegen habe ich am Anfang die Frage gestellt: Was hast du diese Woche angehabt? Was hast du heute an? Welche Kleidung? Herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut? Macht das dein Verhalten aus? Wenn dich jemand vergangene Woche beobachtet, ja, begleitet hätte, was würde er sagen? Welche Kleidung hast du angezogen?

So möchten wir hier anknüpfen und in Vers 13 fortsetzen: „Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer Klage gegen den anderen hat; wie auch der Herr euch vergeben hat, so auch ihr.“

Wir sind immer noch in Punkt zwei, dem fünfteiligen Kleid, das der Gläubige anzieht. Was wir nun in Vers 13 sehen, sind Verhaltensweisen, in denen sich diese fünf Tugenden äußern. Es sind zwei Beispiele oder zwei Anwendungen, wie sich diese Eigenschaften und Herzenshaltungen im Verhalten offenbaren.

Wir haben zwei Dinge: Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig. Als Erstes haben wir hier: Ertragt einander.

Das ist ein Befehl, eine Aufforderung, der wir Gehorsam zu leisten haben. Ertragen wird manchmal auch mit Erdulden übersetzt und hat die Idee davon, unter Druck etwas zu tragen. Hier geht es also darum, einander zu ertragen.

Paulus verwendet zum Beispiel das Wort ertragen, wenn er von Verfolgung spricht. Er redet in 1. Korinther Kapitel 4, Vers 12: „Verfolgt, dulden wir.“ Er erträgt also die Verfolgung um Christi willen. Er ist bereit, diese Last um Christi willen auf sich zu nehmen.

Hier, liebe Geschwister, besteht der Druck, den du ertragen sollst, in den anderen Menschen in unserem Leben: den Geschwistern in deiner Gemeinde, die du ertragen sollst, deiner Familie, die du ertragen sollst. Ertragt einander. Es geht darum, sich gegenseitig zu ertragen. Und das ist keine leichte Sache.

Gerade in diesem Zusammenhang im Kolosserbrief ging es in Vers 11 darum: „Da ist weder Grieche noch Jude, Beschneidung noch Unbeschnittensein, Barbar, Skythe, Sklave, Freier.“ In einer Gemeinde, in der Paulus gerade anerkennt, dass verschiedene Menschen mit verschiedensten Hintergründen und verschiedensten Stellungen anwesend sein werden – aus weltlicher Perspektive im Sinne von Sklave oder Freier, Reich oder Arm oder aus unterschiedlichen Kulturen –, sagt Paulus: Ertragt einander.

Jesus hat vom Ertragen geredet. Zum Beispiel ist sowohl in Matthäus, Markus als auch Lukas davon die Rede, wie Jesus vom Berg der Verklärung hinabkommt. Die Jünger versuchen, einen Dämon auszutreiben, aber es geht nicht. Jesus kommt zu ihnen hinunter, tadelt unter anderem den Unglauben sowohl der Jünger als auch des Volkes und fragt zum Beispiel in Matthäus Kapitel 17, Vers 17: „Bis wann soll ich euch ertragen?“

Jesus hat Menschen ertragen. Jesus hat den Unglauben sowohl seiner Jünger als auch des Volkes ertragen. Er hat das geduldet.

Wenn wir die Evangelien lesen, liebe Geschwister, wenn wir sehen, wie geduldig Jesus mit den Jüngern und mit dem Volk ist: Wie oft ging es uns nicht selbst so, wenn wir durch die Geschichten in den Evangelien gehen und mit dem Volk frustriert werden? Einmal feiern sie Jesus, das nächste Mal wollen sie ihn von der Klippe stürzen.

Nicht nur das Volk, auch die Jünger. Ich kann mich ganz genau daran erinnern, als wir das Markusevangelium in der Bibelstunde studiert haben. Wir sind wirklich Stück für Stück durch diese Abschnitte gegangen und kamen irgendwann zu dem Punkt, an dem Jesus über den Sauerteig der Pharisäer redet und die Jünger denken: Das sagt er, weil wir kein Brot mitgenommen haben. Jesus sagt: „Versteht ihr immer noch nicht? Habt ihr immer noch nicht verstanden?“

Aber Jesus, unser Herr, hat diese Menschen geduldet. Er hat sie nicht verworfen. Er hat sich nicht von ihnen entfernt. Er hat sie nicht abgetan: Ach, das wird eh nichts mehr. Geben wir auf, lassen wir es.

Könnt ihr sehen, wie unser Herr Jesus Menschen erduldet hat? Ihre Eigenheiten. Einen Petrus, der ständig vorschnell etwas sagte. Jakobus und Johannes, die damit beschäftigt waren, neben Jesus sitzen zu wollen oder über irgendein Dorf Feuer herabregnen lassen zu wollen. Jesus hat sie erduldet, Jesus hat sie ertragen.

Wie oft haben ihn die Menschen angegriffen und angezweifelt? Er hat jahrelang Wunder und Zeichen vollbracht, gepredigt und gelehrt. Sie haben ihm nicht geglaubt, sie haben ihn angezweifelt, sie haben seiner Verkündigung nicht geglaubt, sie haben ihn letzten Endes abgelehnt. Jesus hat Menschen geduldet und ertragen.

Wenn wir später über das Vergeben reden – vergeben, wenn einer gegen den anderen Klage hat –, dann geht es natürlich gerade um Sünden, die gegenseitig begangen worden sind und für die Vergebung geschenkt werden soll. Wenn wir das also im Kontrast zu dem Ertragen hier sehen, deckt das auch Dinge ab, bei denen es nicht um Sünden geht, sondern die uns an Menschen einfach stören: Eigenheiten, kulturelle Dinge, Persönlichkeiten und Gewohnheiten.

Eine Gemeinde – und ich glaube, bei unserer Gemeinde trifft das auf jeden Fall auch zu – ist eine Versammlung von Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Hintergründen. Wir sind Menschen, die unterschiedliche Gewohnheiten haben, unterschiedlich aufgewachsen sind und unterschiedliche Erfahrungen haben. Es wird Dinge geben, und ich glaube, davon muss ich euch nicht überzeugen, die uns aneinander stören werden, bei denen wir es vielleicht anders bevorzugen würden. Paulus sagt: Ertragt einander.

Das Wort könnten wir auch mit tolerieren übersetzen, auch wenn es heutzutage leider oft falsch oder übertrieben verwendet wird. Im 2. Korintherbrief sagt Paulus den Korinthern immer wieder: Die falschen Apostel und Lehrer erduldet ihr, toleriert ihr, aber mich erduldet ihr nicht.

Heutzutage wird Toleranz oft zu weit geführt. Man soll Sünde tolerieren, man soll falsches Verhalten tolerieren und so weiter. Darum geht es nicht. Aber es geht hier um Dinge, die uns vielleicht an anderen Menschen stören, die uns aneinander stören. Paulus sagt: Ertragt einander, erduldet einander.

Wenn wir Menschen begegnen, ist eine natürliche Reaktion, wenn uns Dinge stören, dass wir Menschen in unserem Herzen oder vielleicht auch offen ins Gesicht herabwürdigen, dass wir uns von ihnen zurückziehen und sagen: Ach, mit dem komme ich einfach nicht klar, ich halte Abstand. Aber das ist nicht, wovon Paulus hier spricht. Er sagt: Erduldet einander. Erduldet es.

Jesus, unser Herr, ist hier das Beispiel. Er hat die Jünger nicht verworfen, er hat sie nicht abgetan. Wir neigen dazu, dann über Menschen zu lästern und schlecht zu reden. Aber Paulus sagt: Ertragt einander.

Ihr seht, wie das mit allem zusammenhängt, was wir vorher gesehen haben. Er sagt in Vers 8, Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung und schändliches Reden abzulegen und herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde und Langmut anzuziehen. Das ist alles notwendig, um einander zu ertragen.

Ich muss langmütig, geduldig sein. Ich kann kein aufbrausender Mensch sein, der ständig schnell wütend wird, wenn ich andere ertragen soll. Ich muss demütig und sanftmütig sein, mich selbst geringer schätzen.

Selbst wenn mich an dieser Person irgendetwas stört, ihre Gewohnheit, ihre Persönlichkeit oder sonst etwas: Ich darf mich selbst nicht für so wichtig halten, dass ich diese Person nicht ertragen kann. Ich muss sie höher achten als mich selbst, um sie zu ertragen. Seht ihr, wie das alles zusammenhängt? Ihr sollt einander ertragen.

Christus ist hier wiederum unser Vorbild, nicht nur in seinem Verhalten als Mensch, sondern auch in seinem Umgang mit uns. Liebe Geschwister, wie sehr duldet Christus dich? Wie geduldig und sanftmütig, voller Demut, voller Liebe und herzlichen Erbarmens geht er mit deinen Eigenheiten, deinen Fehlern und deinen schlechten Gewohnheiten um?

Wie sehr hätten wir es verdient, dass Gott uns auf der Stelle richtet und verwirft? Wie oft hätte Gott uns aufgeben sollen, weil es aus menschlicher Perspektive einfach keinen Sinn mehr macht, weil das nicht besser werden wird? Aber Gott verwirft dich nicht, lieber Bruder, liebe Schwester. Wie duldsam ist Gott mit dir? Habe das vor Augen, wenn es dir schwerfällt, andere Menschen zu dulden und einander zu ertragen.

Um das vollständig zu machen, lasst uns auch den zweiten Teil des Verses anschauen, den zweiten Befehl. Wie äußert sich das? „Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer Klage gegen den anderen hat.“

Wenn jemand gegen dich gesündigt hat, wenn du eine Klage gegen jemanden hast: Eine Klage ist eine Anschuldigung, ein Vorwurf. Die Idee ist: Das kann eine berechtigte Klage sein. Es kann ein berechtigter Vorwurf sein, den einer gegen den anderen hat. Es kann eine Sünde sein, die gegen einen begangen worden ist.

Wenn das der Fall ist – und es wird vorkommen, dass jemand gegen dich sündigt, sodass du eine berechtigte Klage gegen einen anderen hast –, was sollst du dann laut Paulus tun? Vergebt euch gegenseitig.

Das Wort vergeben hier beinhaltet das Wort Gnade. Ja, wortwörtlich könnte man sagen: Seid gnädig miteinander.

Was bedeutet es, zu vergeben? Es bedeutet, die Sünde nicht anzurechnen. Es bedeutet, dass du dich entscheidest, der Sünde, die gegen dich begangen worden ist, nicht mehr zu gedenken.

In Psalm 32, die Verse 1 und 2, redet David von der Vergebung Gottes und sagt: „Glücklich, wem Übertretung vergeben, wem Sünde zugedeckt ist! Glücklich der Mensch, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet und in dessen Geist kein Trug ist!“

David sagt: Glücklich der Mensch, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet. Das bedeutet es, zu vergeben: Ich rechne dir diese Schuld nicht mehr an. Ich halte dir diese Sünde nicht mehr vor. Sie ist zugedeckt, sie ist vergeben. Es ist so, als wäre die Sünde nicht mehr da.

Es ist einfach zu sagen – und oft wird das gesagt, und ich habe das auch früher gesagt; ich versuche es mittlerweile etwas deutlicher zu sagen –: Vergeben bedeutet vergessen. Ja, du darfst, du sollst die Sünde vergessen. Du sollst sie vergessen. Ich verstehe, was damit gemeint ist, und ich glaube, dass es an sich nicht falsch ist, es vielleicht so zu formulieren.

Aber wenn wir schauen, wie Gott mit unseren Sünden umgeht, vergisst er nicht einfach unsere Schuld, denn Gott ist allwissend. In manchen Liedern wird es manchmal so formuliert. Ich sage nicht, dass das falsch ist, aber eigentlich macht es das noch schöner: Gott vergisst unsere Schuld nicht, als hätte er plötzlich eine Teilamnesie. Sondern er entscheidet sich, der Schuld nicht mehr zu gedenken.

Das macht Vergebung sogar noch schöner. Gott hat keinen Gedächtnisverlust, den er nicht kontrollieren kann, wenn er vergibt, sodass das in seiner Erinnerung plötzlich einfach weg ist. Sondern obwohl er in seinem Wissen all unsere Sünden und all unsere Schuld kennt, entscheidet er sich, dieser Schuld nicht mehr zu gedenken. Er entscheidet sich, uns diese Sünde und die Schuld nicht mehr anzurechnen.

Macht das Gottes Vergebung nicht umso schöner, dass er sich entscheidet, ihrer nicht mehr zu gedenken? Das ist es, was die Schrift auch von dir verlangt: Vergebt euch gegenseitig.

Ich kann dir nicht befehlen, etwas zu vergessen. Aber ich kann dir – oder vielmehr die Bibel befiehlt dir –, der Sünde nicht mehr zu gedenken und sie nicht mehr vorzuhalten.

Sprüche Kapitel 19, Vers 11, sagt: „Die Einsicht eines Mannes macht ihn langmütig, und sein Ruhm ist es, an der Übertretung vorüberzugehen.“ Es ist der Ruhm eines Mannes, an der Übertretung vorüberzugehen. Sprüche Kapitel 19, Vers 11.

Heutzutage hält man es vielleicht für Ruhm oder ist stolz darauf, wenn man auf seinem Recht besteht, wenn man einfordert, was man verdient hat. Die Bibel sagt: Es ist der Ruhm eines Mannes, an der Übertretung vorüberzugehen.

Denn wenn du das nicht tust – darauf kommen wir später –, was geschieht dann? In Matthäus Kapitel 18, die Verse 21 und 22, fragt Petrus Jesus: „Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der gegen mich sündigt, vergeben? Bis siebenmal?“ Eine Frage, die du dir vielleicht selbst gestellt hast, die du dem Herrn vielleicht einmal gestellt hast.

Die Antwort des Herrn Jesus ist uns wahrscheinlich bekannt: „Ich sage dir: nicht bis siebenmal, sondern bis siebzigmal sieben.“ Bitte jetzt kein Kopfrechnen, um herauszufinden, wie oft ihr vergeben sollt. Das ist Jesu Redeweise, um zu sagen: Es gibt keine Begrenzung. Es gibt kein Limit. Du vergibst ihm immer und immer und immer wieder. Keine Grenze.

Und jetzt kommt das, was es eigentlich menschlich unmöglich macht: „Wie auch der Herr euch vergeben hat, so auch ihr.“ Wie euch der Herr vergeben hat.

Dieses Wie leitet einen Maßstab ein. Es liefert uns einen Maßstab dafür, wie wir etwas tun sollen. Wie der Herr euch vergeben hat: Das ist der Maßstab, daran sollt ihr euch orientieren, und das ist die Vorgabe dafür, wie ihr vergeben sollt. Der Maßstab für unser Vergeben ist also, wie Jesus uns vergeben hat.

Wie hat Jesus uns denn vergeben? Wir haben bereits in Psalm 32 gesehen, wie David von der Vergebung Gottes spricht, dass er die Schuld nicht zurechnet. Wir haben bereits gesehen, dass Gott sich entscheidet, uns diese Schuld nicht mehr anzurechnen, ihrer nicht mehr zu gedenken.

Dasselbe sehen wir in Hebräer Kapitel 8, Vers 12: „Denn ich werde gegenüber ihren Ungerechtigkeiten gnädig sein, und ihrer Sünden werde ich nie mehr gedenken.“ Auch hier haben wir den Gedanken: nie mehr gedenken.

Gott hat sich dazu entschieden, nie wieder ihrer Sünden, deiner Sünden, zu gedenken. Verstehst du, was das bedeutet? Was für eine Gnade das ist? Deswegen steckt in diesem Wort vergeben Gnade: Gott hat sich entschieden: Ich werde deiner Sünden nie mehr gedenken.

Wir sagen oft schnell nie, aber für uns ist das zumindest an unser menschliches, begrenztes, irdisches Leben gebunden. Wenn Gott „nie“ sagt, bedeutet das die Ewigkeit. Gott wird in der Ewigkeit nicht mehr deiner Sünden gedenken. Wow! So hat der Herr uns vergeben.

Psalm 103, Vers 12: „So fern der Osten ist vom Westen, hat er von uns entfernt unsere Vergehen.“ Unendliche Distanz. So weit sind Osten und Westen voneinander entfernt. Gott hat diese unendliche Distanz zwischen unseren Vergehen und uns geschaffen.

Siehst du, was Vergebung, dieses Nicht-mehr-Gedenken, bedeutet? Ja, wir sagen oft vergessen, und ich mag den Gedanken, der dahintersteckt. Aber wenn wir weiterdenken, ist es so viel schöner, wenn wir sehen, dass er diese Schuld nicht mehr zurechnet, nicht mehr anrechnet, dass er uns von dieser Schuld entfernt hat. Das bedeutet es, zu vergeben. So hat der Herr uns vergeben.

Und ich glaube, die wohl bekannteste Stelle aus dem Propheten Micha ist Micha Kapitel 7, die Verse 18 und 19: „Wer ist ein Gott wie du, der Schuld vergibt und Vergehen verzeiht dem Rest seines Erbteils? Nicht für immer behält er seinen Zorn, denn er hat Gefallen an Gnade. Er wird sich wieder über uns erbarmen, wird unsere Schuld niedertreten. Und du wirst alle ihre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“

Das hat Gott mit unserer Schuld getan. So vergibt unser Gott. Er vergibt Schuld, er verzeiht Vergehen. Er wird sie niedertreten. Wieder der Gedanke: als wäre sie nicht mehr da. Er wird sie in die Tiefen des Meeres hinabwerfen, dorthin, wo sie nicht mehr zu finden ist. Du könntest noch so tief tauchen, du könntest sie nicht mehr aus dem tiefen Graben des Meeres herausholen.

Das beste Gleichnis für die Vergebung hat uns Jesus selbst in Matthäus Kapitel 18 gegeben. Nachdem Petrus gefragt hat: Wie oft soll ich vergeben?, hat Jesus in Matthäus Kapitel 18 ab Vers 23 das Gleichnis des unbarmherzigen Knechtes erzählt.

Der Knecht schuldet seinem Herrn 10.000 Talente. Wir lesen vielleicht 10.000 Talente und denken uns: Ja, das ist halt irgendeine große Schuld. Nein, das ist eine unendlich große Schuld. Es ist eine Schuld, die er im Leben niemals abzahlen kann. Der Herr vergibt sie ihm umsonst, ohne Gegenleistung, frei.

Dann geht der Knecht hin, und ein anderer Mitknecht schuldet ihm ganz wenig. Dieser bittet um Erbarmen, aber der Knecht erweist seinem Mitknecht dieses Erbarmen nicht, würgt ihn und wirft ihn ins Gefängnis.

Lasst uns in Matthäus Kapitel 18 aufschlagen, was Jesus am Ende sagt. Warnende Worte. Matthäus Kapitel 18, ab Vers 33. Er sagt zu dem bösen Knecht, dem Erbarmen zuteilgeworden ist, der aber selbst kein Erbarmen ausgeteilt hat: „Solltest nicht auch du dich deines Mitknechtes erbarmt haben, wie auch ich mich deiner erbarmt habe?“

„Und sein Herr wurde zornig und überlieferte ihn den Folterknechten, bis er alles bezahlt habe, was er ihm schuldig war. So wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht ein jeder seinem Bruder von Herzen vergebt.“

Wie hat der Herr dir vergeben? Eine unendliche Schuld. Umsonst, ohne Gegenleistung. Gott sagt dir nicht, wenn du heute sündigst: Geh erst einmal für ein paar Stunden in die Ecke und zeige Reue. Gott gibt dir keine Schweigetherapie: Ich rede erst einmal nicht mit dir. Gott ist nicht nachtragend. Er gedenkt dieser Schuld nicht mehr, und zwar nie mehr.

Wie hat Gott dir vergeben? Das ist der Maßstab dafür, wie du vergeben sollst. „Wie auch der Herr euch vergeben hat, so auch ihr.“

Hier sehen wir wieder: Du kannst nur so vergeben. Die Worte des Herrn sind klar. Das heißt nicht, dass ich hier stehe und sage, dass das einfach umzusetzen ist. Menschlich ist das sogar unmöglich.

Aber jetzt sehen wir den Zusammenhang: Als Auserwählter, Heiliger und Geliebter ist es dir möglich. Denn weil du auserwählt, heilig und geliebt bist, bist du in der Lage, Erbarmen, Güte, Demut, Milde und Langmut anzuziehen.

Wenn du die Gnade bedenkst, die dir als Auserwähltem geschenkt worden ist, wird dich das befähigen, auch anderen gegenüber gnädig zu sein. Ja, gnädig sein ist hier sozusagen das Wort für vergeben: die Schuld zu erlassen, ihrer nicht mehr zu gedenken.

Wenn du daran denkst, dass du nichts als Gottes heiligen Hass verdient hast, er dich aber einen Geliebten nennt, wie kannst du dann deinen Bruder hassen, ihm gegenüber bitter und unversöhnlich sein? Du brauchst herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde und Langmut, um zu vergeben.

Ein unversöhnlicher Christ – das ist ein Oxymoron, das ist ein Widerspruch in sich selbst.

Ich muss immer wieder an die Worte des Herrn Jesus denken, als er die Jünger aussendet und sagt: Heilt und tut Wunder und all diese Dinge. Dann sagt er: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt.“

Liebe Geschwister, wie haben wir unsere Identität als Auserwählte, Heilige und Geliebte empfangen? Umsonst. Wie haben wir Vergebung empfangen? Umsonst. Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt.

Wenn du das nicht tust, führt das zu Bitterkeit, Hass, Zorn und Bosheit. Das sind genau die Dinge, die wir in Vers 8 lesen, die wir ablegen sollen: Zorn, diese innerlich brodelnde Einstellung deinem Bruder oder deinem Nächsten gegenüber; Bosheit, ihm Böses, ihm Schlechtes, ihm Misserfolg zu wünschen; schändliches Reden und Lästerung, weil du deinem Bruder gegenüber bitter geworden bist und dich nicht mehr über sein Wohl freuen kannst.

„Freut euch mit den sich Freuenden“, hieß es. Aber du kannst dich nicht für ihn freuen, weil Hass und Bitterkeit dein Herz ergriffen haben.

Hebräer Kapitel 12 redet von der Wurzel der Bitterkeit und sagt: Passt auf, dass sie nicht aufsprosst. Bitterkeit und Unversöhnlichkeit werden dich in der Vergangenheit gefangen halten. Ständig spielst du den Film wieder ab: die Ungerechtigkeit, die gegen dich geschehen ist, die Sünde, die gegen dich begangen worden ist. Du bist in der Vergangenheit und in Bitterkeit gefangen und kannst diese Dinge nicht anziehen.

Ich frage dich erneut: Was hast du heute an? Was hast du diese Woche angezogen, lieber Bruder, liebe Schwester? Ertragst du andere? Vergibst du deinem Nächsten, so wie der Herr dir vergeben hat? Oder bist du in Bitterkeit, Bosheit und Wut?

Lieber Bruder, liebe Schwester, das entspricht nicht mehr deiner Identität. Du bist auserwählt, geliebt und heilig. Lebe dementsprechend, indem du andere erträgst, indem du vergibst, so wie der Herr dir vergeben hat. Das ist schwer, das ist nicht leicht. Aber für dich als Auserwählter, Heiliger und Geliebter ist das möglich.

Drittens, lasst uns zum letzten Punkt kommen: das eine Band, das alles zusammenhält. Das eine Band, das alles zusammenhält.

Wir hatten die dreifache Identität, die der Kleidung zugrunde liegt. Wir hatten das fünfteilige Kleid, das der Gläubige anzieht. Und nun haben wir drittens das eine Band, das alles zusammenhält.

Vers 14: „Zu diesem allen aber.“ In anderen Übersetzungen wird es auch mit auf all diese Dinge oder über diese Dinge hinaus übersetzt. Wenn wir bei der Illustration einer Kleidung bleiben wollen: Es wird hier als Band bezeichnet, und als ich das gelesen habe, musste ich an einen Mantel denken. Ja, einen Mantel, vielleicht mit einem Gürtel, einem Band, das über die Kleidung kommt, alles umschließt und zusammenhält.

Ein Mantel kann etwas sein, das dein Kleid oder deine Kleidung am Ende vollendet. Hose, Schuhe, T-Shirt, Hemd, alles passt, und dann kommt noch der Mantel darüber, der sozusagen den vollendeten Stil gibt.

Paulus sagt: Zu diesem allen aber, über all das hinaus, darüber, zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist. Der Befehl „zieht an“ ist hier im Grundtext nicht vorhanden. Es ist die Idee: zu diesem allen aber Liebe. Aber weil das quasi die Fortsetzung von Vers 12 ist, ist das Anziehen hier in Klammern hinzugefügt.

Die Idee ist also: Zu diesem allen, was du jetzt angezogen hast, zieh die Liebe an. Über all das zieh die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist.

Was ist Liebe? Hier ist uns eine Definition gegeben: die Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist. Also: Liebe ist das Band der Vollkommenheit. Ein Band ist etwas, das etwas zusammenhält, wie ein Gürtel, würden wir heute sagen. Das Wort Band wird in einem anderen Zusammenhang mit „Fessel“ übersetzt. Auch eine Fessel hält jemanden zusammen.

Die Liebe ist also das Band der Vollkommenheit. Die Liebe ist das, was all diese Tugenden zur Vollkommenheit zusammenhält. Liebe ist die Zutat, die all diese Tugenden, all diese Eigenschaften vollkommen macht.

Liebe sehen wir in der ganzen Schrift in einem Zusammenhang, nämlich in dem Sinne, dass die Liebe das Gesetz vollkommen erfüllt. Wir wissen, dass das Gesetz in zwei Geboten zusammengefasst werden kann: Liebe den Herrn, deinen Gott, und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

In Galater Kapitel 5, Vers 14, heißt es: „Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Das ganze Gesetz ist erfüllt. Das, was das Gesetz erfüllt, vollkommen macht und vollendet: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Im Römerbrief, Kapitel 13, die Verse 8 bis 10, heißt es: „Seid niemand irgendetwas schuldig, als nur einander zu lieben. Denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt. Denn das: Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren, und wenn es ein anderes Gebot gibt, ist in diesem Wort zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Die Erfüllung des Gesetzes ist also die Liebe.“

Seht ihr, wie die Liebe das Band der Vollkommenheit ist, das, was das Gesetz erfüllt, das, was deiner angemessenen Kleidung die letzte Vollendung schenkt? Denn Liebe umschließt all diese Tugenden. All die Tugenden, die wir jetzt gesehen haben – herzliches Erbarmen, Demut, Sanftmut, Milde –, zusammengefasst sind sie Liebe. Liebe umschließt all diese Tugenden.

Genau das haben wir doch gerade in unserer zweiten Lesung im 1. Korintherbrief gehabt. Was wird dort über die Liebe gesagt? Liebe Geschwister, lasst uns 1. Korinther Kapitel 13 aufschlagen, und während wir das lesen, habt die Tugenden vor Augen. Habt die Dinge vor Augen, die wir gerade im Kolosserbrief gesehen haben.

1. Korinther Kapitel 13, ab Vers 4. In eurem Kopf geht vielleicht so ein Buzzer. Jedes Mal, wenn ihr etwas aus dem Kolosserbrief seht, denkt an einen Buzzer, der losgeht.

„Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig, sie neidet nicht, die Liebe tut nicht groß, sie bläht sich nicht auf. Sie benimmt sich nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre. Sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet Böses nicht zu. Sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit. Sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.“

Ich hoffe, in eurem Kopf sind ab und zu die Buzzer losgegangen. Sie ist langmütig: Langmut. Sie ist gütig: Güte. Sie neidet nicht, tut nicht groß, bläht sich nicht auf: Hier haben wir Demut und Sanftmut. Sie benimmt sich nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre: Auch hier wieder Demut, Sanftmut, Güte.

Sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet Böses nicht zu: Vergebung. Sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern mit der Wahrheit: herzliches Erbarmen. Sie erträgt alles: Ertragt einander. Sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles: Schon wieder haben wir: „Ertragt einander.“

Liebe beinhaltet all diese Tugenden. Liebe ist demütig, langmütig. Liebe ist das, was vollkommen macht.

Und ohne Liebe? Du kannst all das machen. Du kannst, oberflächlich gesehen, der größte Gesetzesbefolger sein. Aber ohne Liebe ist das alles wertlos. Genau das ist es, was wir in den Versen 1 bis 3 lesen.

Wenn ich in den Sprachen der Engel rede – die Korinther haben vor allem die Sprachenrede sehr hoch geschätzt –, wenn ich alle Sprachen reden würde, wenn ich sogar in der Sprache der Engel reden würde, aber keine Liebe hätte, dann wäre ich ein tönendes Erz oder eine schallende Zimbel. Also: Ich habe meine Funktion verloren. Ich habe mein Ziel und meinen Zweck verloren.

Wenn ich Weissagung habe, alle Geheimnisse und alle Erkenntnis weiß, wenn ich allen Glauben habe, sodass ich Berge versetze, aber keine Liebe habe, so bin ich nichts. Und wenn ich all meine Habe zur Speisung der Armen austeile, wenn ich meinen Leib hingebe, damit ich Ruhm gewinne, aber keine Liebe habe, so nützt es mir nichts.

Denkt an die Irrlehrer in Kolossä. In ihrer jüdischen zeremoniellen Gesetzlichkeit haben sie den Sabbat geachtet, die Neumonde, die Feste, die Beschneidung und all diese Themen. Sie haben sich selbst dieser Scheindemut hingegeben: Oh, wir dürfen uns Gott nicht nahen, wir brauchen Engel, um uns Gott zu nahen, wir müssen Visionen haben.

All das war lediglich Scheindemut, mit der sie sich selbst erhoben und auf die Kolosser, auf die Gläubigen herabgesehen haben, in ihrer Selbstgerechtigkeit und Heuchelei. Sie haben vielleicht Sabbate, Neumonde und alles Mögliche gehalten, aber sie haben keine Liebe gehabt. Denn ihre wahre Liebe hätte sie zu Christus und seiner Genugsamkeit geführt.

Liebe – was bedeutet Liebe? Wir sehen unter anderem, dass Liebe Gehorsam bedeutet. Wir wollen das nicht falsch verstehen: Wir müssen einfach nur gute Gefühle haben. Wir müssen miteinander Kumbaya singen und alle miteinander Friede, Freude, Eierkuchen feiern. Liebe bedeutet auch Gehorsam. „Wer mich liebt, hält meine Gebote“, sagt Jesus in Johannes Kapitel 14. Wer meine Gebote nicht hält, liebt mich nicht.

Liebe bedeutet auch, Opfer zu bringen. Biblische Liebe ist aufopferungsvolle Liebe. In Johannes Kapitel 15, Vers 13, sagt Jesus: „Größere Liebe hat niemand als die, dass er sein Leben hingibt für seine Freunde.“ Liebe bedeutet, sein Leben für die hinzugeben, die man liebt, sich aufzuopfern, seine Zeit, seine Gemütlichkeit, seine Präferenzen und seine Bequemlichkeiten aufzuopfern für den, den man liebt.

Denkt an die Worte des Apostels Paulus hier im Kolosserbrief: Ertragt einander, vergebt einander. Das ist nur mit Liebe möglich. Du magst es oberflächlich tun. Vielleicht erträgst du mit knirschenden Zähnen und geballter Faust. Das ist keine Liebe. So hat Jesus uns nicht ertragen. So erträgt Gott uns nicht.

Du redest vielleicht die Worte: Ich vergebe dir. Aber du behältst es noch in deinem Herzen, rechnest es der Person noch an und wirst bitter darüber. Das ist keine Liebe. So hat Gott dir nicht vergeben, und so liebt Gott dich nicht.

Und so frage ich dich erneut: Was hast du heute an? Hast du Liebe angezogen? Lieber Bruder, liebe Schwester, ich bitte dich: Prüfe dich. Liebe ist das Band der Vollkommenheit.

Wir sind keine Roboter, die auf Gehorsam oder Regelbefolgung programmiert sind. Wir sind Menschen, denen Gott eine neue Natur und eine neue Identität geschenkt hat. Wir sind von Gott geliebt, und so sind wir beauftragt, Menschen zu lieben.

1. Johannes Kapitel 5, Vers 1, sagt: „Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott geboren. Und jeder, der den liebt, der geboren hat, liebt den, der aus ihm geboren ist.“ Jeder, der den liebt, der geboren hat – also jeder, der Gott, den Herrn liebt –, liebt den, der aus ihm geboren ist, liebt jeden Gläubigen, der auch aus dem Herrn geboren ist.

Liebst du die Geschwister? Es geht hier im Kolosserbrief in diesem Zusammenhang gerade auch konkret um die Gemeinde, vor allem wenn wir weiterlesen. Liebst du die Geschwister?

Natürlich beginnt die Liebe zu Hause: Ehemänner und Ehefrauen, Geschwister, Eltern und Kinder. Und dann hier in der Gemeinde. Liebst du die Geschwister?

Ich rede nicht darüber, ob du ihnen gegenüber warme Gefühle hast. Sondern ich rede davon, ob du ihnen gegenüber herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Sanftmut und Langmut hast. Ich frage dich, ob du sie erträgst, erduldest, ob du trotz ihrer Eigenheiten, ihrer Persönlichkeiten und Gewohnheiten geduldig mit ihnen bist. Ich frage dich, ob du ihnen vergibst, so wie der Herr dir vergeben hat. Das frage ich dich, wenn ich dich frage: Liebst du die Geschwister?

Auch hier ist der Herr Jesus Christus unser Vorbild, und auch hier ist unsere Identität die Grundlage für diese Liebe. Du bist ein Geliebter Gottes. Wie liebt dich Gott? Warum liebt dich Gott? Nicht aus dir selbst heraus. Nicht, weil du etwas Tolles gemacht hättest.

Selbst nachdem du gläubig geworden bist, ist seine Liebe nicht von deinem Verhalten abhängig. Sondern du bist geliebt, weil Gott sich dazu entschieden hat, dich zu lieben. Das ist es, was dich befähigen wird, selbst so zu lieben.

Liebe Geschwister, wir möchten zum Schluss kommen und diese beiden Predigten von vergangener Woche und dieser Woche noch einmal etwas zusammenfassen. Paulus sagt: Deine Kleidung fließt aus deiner Identität. Dein Verhalten fließt aus deiner Identität. Er hat uns die angemessene Kleidung beschrieben, die uns zeigt, wie unsere Identität in Christus in unserem Wandel zum Ausdruck kommen soll.

Wir haben in den Wochen zuvor gesehen, was wir ablegen sollen. Das gehörte zur alten Person, zur alten Natur und zur alten Identität. Vergangene und diese Woche – und wir werden uns nächste Woche noch damit beschäftigen – haben wir gesehen, was wir anziehen sollen, was angemessene Kleidung für den neuen Menschen ist.

Wir haben die Grundlage dafür gesehen: die dreifache Identität, auserwählt, heilig und geliebt. Wir haben das fünfteilige Kleid gesehen: die Eigenschaften, die uns ausmachen sollen, herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde und Langmut.

Wir haben gesehen, wie diese Eigenschaften zum Ausdruck kommen, sich offenbaren: einander zu ertragen, einander zu vergeben, und zwar so zu vergeben, wie Gott uns vergeben hat. Und wir haben gesehen, wie Liebe all das verbindet und vollkommen macht: die Entscheidung, deine Geschwister zu lieben, dich ihnen hinzugeben, ihnen aufopferungsvoll zu dienen.

So möchten wir zur Anwendung kommen. Es ist dieselbe Anwendung wie vergangene Woche.

Erstens: Prüfe deine Kleidung. Was hast du an? Was ziehst du an? Entspricht es deiner Identität als Auserwählter, Heiliger und Geliebter?

So wie du dich – vielleicht nicht jeden Tag – oft vor den Spiegel stellst, bevor du zur Arbeit gehst, bevor du in den Gottesdienst kommst, und deine Kleidung überprüfst: Prüfe deine Kleidung.

Was sagt deine Ehefrau, dein Ehemann? Deine Kinder, deine Eltern, deine Geschwister in der Gemeinde? Was würden sie sagen, wenn wir sie fragen würden, was dich und dein Verhalten ausmacht? Würden Dinge wie Erbarmen, Güte, Demut, Milde und Langmut vorkommen? Oder würden eher Dinge wie Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung und Lüge vorkommen?

Prüfe dich. Prüfe dich und tue Buße. Lieber Bruder, liebe Schwester, Gott hat uns in Christus eine neue Identität geschenkt, und er fordert uns dazu auf, nach dieser Identität zu leben. Du bist nicht mehr der alte Mensch. Du hast keine Ausrede mehr. Du kannst nicht mehr sagen: Ich kann nicht. Du kannst, denn Christus hat in seinem genugsamen Werk die Grundlage dafür geschaffen.

So prüfe dich und tue Buße. Kehre um von den Dingen, die zum alten Menschen gehört haben. Verherrliche deinen Herrn, indem du ihn anziehst. Denn zusammenfassend können wir auch sagen: In Römer Kapitel 13 heißt es: „Zieht den Herrn Jesus Christus an.“ Zieh ihn an. Repräsentiere ihn in deinem Verhalten: sein Erbarmen, seine Güte, seine Demut, seine Milde, seine Langmut, seine Vergebung, seine Duldsamkeit und seine Liebe.

So: erstens, prüfe deine Kleidung. Zweitens: Führe dir deine Identität in Christus vor Augen. Ohne deine Identität in Christus wirst du das nicht tun können. Aus dir selbst heraus und aus eigenem Bemühen allein kannst du es nicht tun.

Du musst dich bemühen. Du musst dir Mühe geben und aktiv daran arbeiten, diese Eigenschaften anzuziehen. Aber ohne Verwurzelung in der Identität des Herrn Jesus Christus ist es unmöglich, ohne Verwurzelung darin, dass du Auserwählter, Heiliger und Geliebter bist.

Denn diese Identität nimmt dir die Selbstzentriertheit. Sie beraubt dich des Hochmuts, dich selbst so wichtig zu nehmen. Diese Identität schenkt dir Demut, Güte, Milde, Langmut, Erbarmen und Liebe, weil sie dir Gottes Liebe vor Augen bringt. So führe dir deine Identität in Christus vor Augen.

Drittens: Zieh die Kleidung an, die deiner Identität entspricht. Nimm es dir vor. Ich habe vergangene Woche von meinem Vater erzählt. Jeden Abend legt er die Kleidung bereit, die er am nächsten Tag zur Arbeit anziehen muss.

Nimm es dir vor. Bete dafür. Arbeite daran und bemühe dich darin: Ich möchte heute herzliches Erbarmen anziehen. Heute möchte ich mich selbst nicht so wichtig nehmen, nicht so schnell wütend werden, sondern langmütig sein. Ich möchte mit den Menschen in meinem Leben so umgehen, wie Christus mit mir umgeht.

Nimm es dir vor. Identifiziere die Mängel in deinem Wandel und kehre um. Beginne zu Hause, bei deiner Familie, in der Gemeinde. Übe dich darin, Menschen zu ertragen. Es muss nicht immer alles passieren, was du willst. Menschen müssen sich nicht immer genau so verhalten, wie du es von ihnen erwartest. Ertragt einander.

Vergib Menschen, die gegen dich gesündigt haben. Du magst eine berechtigte Klage haben. Aber denk an all die unzähligen berechtigten Klagen, die der Herr gegen dich hat. Wir haben gesungen: „Wie schwer auch die Sünde, die Gnade wiegt mehr.“ Wenn seine Gnade so viel mehr wiegen kann, wie viel mehr solltest du deinen Mitmenschen vergeben, deren Sünde und Schuld doch so viel kleiner ist als das, was dir der Herr vergeben hat?

Liebe Geschwister, zieht das an. Zieht diese Kleidung an. Es wird uns bei Menschen leichtfallen, mit denen wir gut klarkommen, die uns sympathisch sind. Aber gerade den schwierigeren Menschen gegenüber, mit denen du vielleicht nicht so ganz klarkommst, die andere Hintergründe und andere Persönlichkeiten haben: Insbesondere ihnen gegenüber zieh diese Kleidung an.

Zieh Liebe an, und zwar wahrhaftige biblische Liebe, die all diese Eigenschaften enthält. Sei diesen Menschen gegenüber aufopferungsvoll. Auch darin muss es wahre Liebe und wahre Hingabe sein. Es darf keine Hingabe mit Ansehen der Person sein, die du nur zeigst, wenn Menschen besonders sind, du dafür Aufmerksamkeit bekommst oder Menschen damit gefallen willst.

Nein, die Liebe sucht nicht das Ihre. Die Liebe ist demütig und sucht das Wohl des anderen, nicht das eigene. Paulus sagt: Wenn ich all das tue und dabei meinen eigenen Ruhm suche, so nützt es nichts. Zieh die Kleidung an, die deiner Identität entspricht.

Und letztens zu denjenigen, die hier sitzen und nicht an den Herrn Jesus Christus glauben. Ich habe es vergangene Woche gesagt: Du kannst diese Kleidung nicht anziehen. Du kannst sie nicht ohne Jesus Christus anziehen.

Diese Tugenden und diese Liebe, von der wir heute geredet haben, sind einzig und allein möglich, wenn du in Jesus Christus gewurzelt und mit ihm eins gemacht worden bist, wenn du diese Identität in Christus als Auserwählter, Heiliger und Geliebter hast.

So flehe ich dich an: Kehre um von deinen Sünden. Vielleicht ist dein Herz mit Bitterkeit, Wut, Bosheit und Lästerung beladen. Tue Buße davon und kehre um zu Jesus Christus.

Wir haben heute über seine Liebe geredet. Er liebt Sünder, Menschen, die nichts als Hass und Zorn verdient haben. Wir haben heute darüber geredet, wie Jesus vergibt. Ist dir bewusst, dass Jesus das mit deiner Schuld macht, wenn er dir vergibt? Er gedenkt deiner Schuld nie mehr. Er wirft sie hinab ins tiefe Meer.

Er tut all das, wie wir es im Gleichnis des unbarmherzigen Knechtes gesehen haben, umsonst, ohne Gegenleistung. Du kannst gar nichts tun, um dir das zu verdienen. Glaube an diesen Jesus, der dir seine Gnade, seine unendlich große Gnade, umsonst zuteilwerden lässt.

„Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden“, verheißt die Bibel. So rufe den Namen des Herrn an. Glaube an ihn. Er verheißt dir, dass er dich und deine Sünden so weit voneinander entfernen wird, wie Osten und Westen voneinander entfernt sind. Er wird deine Sünden tief hinab ins Meer werfen, und er wird ihrer nie wieder gedenken.

So glaube an diesen Herrn Jesus Christus und kehre um zu ihm, der die Personifizierung all dieser Tugenden ist. Er ist Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut und Liebe in Person, in Vollkommenheit. Ihm möge alle Ehre zuteilwerden. Amen.

Lasst uns beten. Unser Vater im Himmel und unser Herr Jesus Christus, wir beten dich an. Herr Jesus, du bist Liebe in Person. Und wie hast du das demonstriert?

Du bist die Güte und Menschenliebe unseres Rettergottes, die erschienen ist, heilbringend allen Menschen. Wir sehen deine Liebe darin, wie du Menschen ertragen hast: dieses verkehrte und ungläubige Geschlecht, die Jünger, die du ertragen hast, und nicht zuletzt uns, die du erträgst.

Wir sehen deine Liebe darin, wie du uns vergeben hast, Herr Jesus. Wie unverdient. Du gedenkst unserer Schuld nicht mehr und nie mehr. Was haben wir getan, Herr Jesus, um das zu verdienen? Gar nichts. Überhaupt nichts.

Du hast dich dazu entschieden, unwürdige Sünder, wie wir es sind, zu lieben, dich für sie hinzugeben und dich für uns zu opfern. Dafür beten wir dich an, und dafür danken wir dir.

„Die Liebe Christi drängt uns“, spricht der Apostel Paulus. So bitten wir dich darum, Herr Jesus, dass deine Liebe unsere Herzen erfüllen möge. Diese Liebe, die wir umsonst empfangen haben. Deine Vergebung, wie du uns vergibst und uns erduldest.

Herr Jesus, erfülle uns damit, verwurzele uns darin, dass wir durch deine Liebe heute unsere Identität als Auserwählte, Heilige und Geliebte haben und beanspruchen dürfen. Hilf, dass wir, vollgegossen mit dieser Liebe, die in unser Herz ausgegossen worden ist, diese Liebe auch zu den Menschen um uns herum hinausströmen lassen.

Ich bitte dich darum, Herr Jesus: Lass uns diese Kleidung anziehen, die unserer Identität entspricht. Hilf uns, diese Eigenschaften und Herzenshaltungen zu entwickeln, indem wir auf dich schauen. Mach uns sensibel für Bereiche in unserem Leben, in denen wir Mangel haben, in denen wir diese Tugenden nicht an den Tag legen, und hilf uns, Buße zu tun.

Du bist unser Vorbild, und du bist unser Herr und Meister. Du bist es, der uns zu diesen Dingen befähigt. So bitte ich dich: Befähige uns dazu.

Ich bitte dich, Herr Jesus, auch für diejenigen, die hier sind und nicht an dich glauben. Öffne ihre Augen. Erleuchte ihren verfinsterten Verstand für deine große Vergebung, für deine unendliche Liebe, für dein Erbarmen, deine Güte, deine Langmut, deine Sanftmut und Demut. Schenke ihnen den rettenden Glauben, sodass sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

In deinem Namen bitte ich dich, Herr Jesus. Amen.